Kalenderblatt: Das Kapitol der Vereinigten Staaten von Amerika

Kapitol der Vereinigten Staaten von Amerika (Capitol of the United States at Washington), Fotografie, USA, um 1906, Abzug auf Papier, Pappe, Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, Inventar-Nr.: F 2024/088
Die Fotografie zeigt die Ostseite des Kapitols der Vereinigten Staaten von Amerika in Washington, D.C., den Sitz des US-Kongresses. Dieser setzt sich aus dem Senat (Senate) und dem Repräsentantenhaus (House of Representatives) zusammen. Das im klassizistischen Stil gehaltene Parlamentsgebäude steht auf dem Capitol Hill, wobei sich der Haupteingang auf der Westseite befindet.
Seine heutige Gestalt mit rund 540 Räumen entstand über einen längeren Zeitraum. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. September 1793 durch den ersten Präsidenten der USA, George Washington (1732 – 1799). Der Mitteltrakt (Nord- und Südflügel) mit Säulenportikus und Rotunde entstand zwischen 1793 und 1826 nach den Plänen von William Thornton (1759 – 1828). Obwohl die Bauarbeiten noch andauerten, zogen der Kongress sowie der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) im Jahr 1800 in den fertiggestellten Nordflügel ein. Erst 1811 war auch der Südflügel fertig, der lediglich durch eine Holzkonstruktion mit dem Nordflügel verbunden wurde.
Die lange Bauzeit erklärt sich dadurch, dass nach Thornton weitere Architekten an dem Bau mitwirkten. Hierzu gehörte Benjamin Latrobe (1764 – 1820), der die Arbeit an dem Bauwerk 1803 von Thornton übernommen hatte. Außerdem wurde es während des Britisch-Amerikanischen Kriegs (1812 – 1814) stark beschädigt, hinzu kamen noch Arbeitskräftemangel und Materialknappheit. Das von Latrobe wiederaufgebaute Kapitol erhielt im Innern eine klassizistische Ausgestaltung. Da seine Vorstellungen die Kosten sprengten und sich die Fertigstellung weiter verzögerte, wurde er 1817 ersetzt. Sein Nachfolger ließ unter anderem anstatt der von Latrobe geplanten gemauerten flachen Kuppel eine aus Holz mit Kupferverkleidung gefertigte hohe Kuppel auf den Mitteltrakt setzen. 1826 war das Kapitol fertiggestellt, Arbeiten an den Innenräumen erfolgten noch bis 1829.
Zwischen 1851 und 1865 wurde das Gebäude durch An- und Umbauten stark verändert. Weil das Parlamentsgebäude vergrößert werden musste, wurde 1851 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den der deutschstämmige, in Philadelphia geborene Architekt Thomas Ustick Walter (1804 – 1887) gewann. Nach seinen Entwürfen wurden die Seitentrakte mit je fünf Stockwerken und den Plenarsälen für den Senat und das Repräsentantenhaus angefügt. Außerdem wurde die bisherige Kuppel durch die heute sichtbare, deutlich höhere ersetzt, die auf der großen Rotunde ruht. Die Kuppel besitzt eine gusseiserne Unterkonstruktion, die außen und innen verkleidet ist. Gekrönt wird die Kuppel seit 1863 von der sechs Meter hohen Bronzestatue „Freedom“ des US-amerikanischen Bildhauers Thomas Crawford (1814 – 1857), die 1993 restauriert wurde. Von Crawford stammen unter anderem auch die Entwürfe für die allegorischen Figuren aus der US-amerikanischen Geschichte auf dem Giebelfeld über dem Portikus des Senatsflügels sowie die Skulpturen „Gerechtigkeit“ und „Geschichte“ über der Eingangstür zum Senatsflügel (rechter Seitentrakt auf der Fotografie). Diese wurden mittlerweile aus konservatorischen Gründen durch Repliken ersetzt. Die Innenräume des Kapitols sind mit zahlreichen Gemälden, Decken- und Wandmalereien sowie Plastiken ausgeschmückt.

Beim Sturm auf das Kapitol zerstörten Trump-Anhänger teilweise die Inneneinrichtung. Foto: Tina Smith (Wikimedia Commons / Public Domain)
Im 20. Jahrhundert erfolgten Erweiterungen an der Ostseite des Kapitols, zudem wurden in unmittelbarer Nähe neue Gebäude für die Kongressbibliothek, den Obersten Gerichtshof sowie die Bundesbezirksgerichte, die allesamt zuvor im Kapitol ansässig waren, errichtet. In der Folgezeit kamen auch Bürogebäude für den Senat und das Repräsentantenhaus sowie ein Besucherzentrum hinzu.
Beschädigt wurde das Kapitol am 6. Januar 2021, als es von Anhängern des damals abgewählten, aber noch amtierenden Präsidenten Donald Trump gestürmt wurde. Damit im Zusammenhang starben fünf Menschen, darunter ein Polizist. Mehr als 100 Polizisten wurden verletzt, außerdem nahmen sich in der Folge vier Polizisten das Leben.
Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom bis zum 4. Oktober 2026 im Bismarck-Museum Schönhausen zu sehen. Erhältlich ist der Kalender dort sowie im Historischen Bahnhof Friedrichsruh und im Bismarck-Museum Friedrichsruh.



