Kalenderblatt: Der Parlamentspalast in Madrid

,

Parlamentspalast (Palacio de las Cortes), Fotografie, Spanien, um 1910, Abzug auf Papier (Reproduktion), Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, Inventar-Nr.: F 2024/087

Das Parlament des Königreichs Spanien (Cortes Generales) setzt sich bis heute aus zwei Kammern zusammen: dem Abgeordnetenkongress (Congreso de los Diputados) als Unterhaus und dem Senat (Senado de España) als Oberhaus. Während sich der Sitz des Senats (Palacio del Senado) an der Plaza de la Marina Española in Madrid befindet, tagt das Abgeordnetenhaus im Palacio de las Cortes.

An der Stelle des Parlamentsgebäudes stand ursprünglich ein Kloster, das 1823 fast vollständig niederbrannte. Die verschonte Klosterkirche wurde zunächst als provisorischer Tagungsort für das Parlament genutzt, doch die Regierung beschloss, diese durch einen repräsentativen Neubau zu ersetzen. Den Entwurf hierfür lieferte der spanische Architekt Narciso Pascual Colomer (1808 – 1870), der auch die Ausführung des Projekts übernahm. Baubeginn war der 10. Oktober 1843, und am 31. Oktober 1850 weihte Königin Isabella II. (1830 – 1904) den im neoklassizistischen Stil errichteten Palast ein. Während der siebenjährigen Bauzeit tagten die Parlamentsabgeordneten im Ballsaal des Königlichen Theaters von Madrid.

Congreso de los Diputados, 2006. Foto: Tomás Fano (CC BY-SA 2.0)

Die Fassade des zweigeschossigen Gebäudes liegt direkt an der Carrera de San Jerónimo. Eine imposante Freitreppe führt zu einem Portikus mit sechs korinthischen Säulen. Dahinter befindet sich eine große Bronzetür, die allerdings nur zu feierlichen Anlässen geöffnet wird. Der eigentliche Eingang befindet sich an der Seite. Das Relief mit seinen allegorischen Figuren im dreieckigen Giebelfeld über dem Portikus wurde 1864 vom spanischen Bildhauer Ponciano Ponzano y Gascón (1813 – 1877) gestaltet. Auch die beiden Löwen, die die Freitreppe bewachen, stammen von ihm. Sie entstanden 1865 und bestehen aus der Bronze von Geschützen, die im Spanisch-Marokkanischen Krieg von 1859/60 erbeutet wurden.

Die wichtigsten Räumlichkeiten befinden sich im Erdgeschoss. Dazu zählen die zu besonderen Anlässen genutzte Haupthalle hinter dem Portikus, der halbrunde, von einem Glasdach überwölbte Sitzungssaal, in dem die Abgeordneten tagen, der Konferenzraum, das Präsidium des Abgeordnetenhauses sowie die Räume für die Minister. Auch eine Bibliothek, die zugleich als Parlamentsarchiv dient, ist in dem Bau untergebracht.

In den Jahren 1980 und 1994 wurden zwei moderne Erweiterungsgebäude fertiggestellt. In diesen befinden sich die Verwaltung, Abgeordnetenbüros, Sitzungssäle für Ausschusssitzungen sowie Presseräume. Darüber hinaus wird noch in drei Gebäuden auf der anderen Straßenseite gearbeitet. Die gesamte Nutzfläche aller Gebäude des Abgeordnetenhauses beträgt ca. 80.000 Quadratmeter.

Das Parlamentsgebäude ist eines der Wahrzeichen Madrids und war Schauplatz bedeutender Ereignisse der jüngeren spanischen Geschichte. So wurden dort die Könige Juan Carlos I. und Felipe VI. feierlich zu Spaniens Monarchen proklamiert. Zudem war der Palast Schauplatz des gescheiterten Staatsstreichs vom 23. Februar 1981.


Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom 28. September 2025 bis zum 25. Mai 2026 im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie ab dem 7. Juni 2026 im Bismarck-Museum Schönhausen zu sehen. Erhältlich ist der Kalender im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie im Bismarck-Museum Schönhausen.