Kalenderblatt: Altes Parlament in Athen

Parlamentsgebäude, Athen, Fotografie, Griechenland, 1912, Abzug auf Papier, Otto-von-Bismarck-Stiftung (Reproduktion), Friedrichsruh, Inventar-Nr.: F 2024/092
Das Alte Parlament (Παλαιά Βουλή) an der historischen Athener Straße Odós Stadíou (Οδός Σταδíου) mit seinem von vier ionischen Säulen getragenen Portikus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. So wurde vor dessen Stufen am 13. Juni 1905 der griechische Ministerpräsident Theodoros Deligiannis (1820 – 1905) ermordet, und am 25. März 1924 wurde dort die Zweite Hellenische Republik proklamiert. Heute ein Museum, diente es von 1875 bis 1935 als Parlamentsgebäude für den neugriechischen Staat.

Plenarsaal im Alten Parlament, Foto: JoyofMuseums (CC BY-SA 4.0)
An der Stelle eines 1854 niedergebrannten Vorgängerbaus, der vom griechischen König sowie von der griechischen Nationalversammlung genutzt worden war, wurde ein klassizistisches Gebäude nach den Entwürfen des französischen Architekten François Louis Florimond Boulanger (1807 – 1875) errichtet. Der Athener Architekt Panagiotis Kalkos (1810 – 1878) war maßgeblich an der Ausführung des Bauprojekts beteiligt. Im August 1858 legte Königin Amalie von Griechenland (1818 – 1875) den Grundstein. Die Bauarbeiten mussten jedoch im folgenden Jahr aufgrund finanzieller Probleme zunächst eingestellt werden. Erst nach dem Sturz König Ottos I. (1815 – 1867) im Jahr 1862 wurden sie wieder aufgenommen. 1871 war das Gebäude schließlich vollendet. Bis dahin musste das griechische Parlament seine Sitzungen in einem hastig errichteten Provisorium aus Backstein abhalten. Ab 1875 tagten die Abgeordneten in ihrem neuen Refugium. Doch 1929 wurde beschlossen, in das heutige Parlamentsgebäude am Platz der Verfassung (Πλατεία Συντάγματος) umzuziehen. Dieses hatte bis 1910 als königlicher Palast gedient.
Nach dem Auszug der Parlamentarier beherbergte der ehemalige Parlamentsbau das Justizministerium. 1953 gab es Überlegungen für einen Abriss, die jedoch verworfen wurden. 1961/62 wurde das Gebäude umfassend restauriert und ist seither Sitz des Nationalen Historischen Museums. Der historische Plenarsaal ist unverändert erhalten geblieben.
Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom 28. September 2025 bis zum 25. Mai 2026 im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie ab dem 7. Juni 2026 im Bismarck-Museum Schönhausen zu sehen. Erhältlich ist der Kalender im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie im Bismarck-Museum Schönhausen.



