Kalender 2026: Historische Parlamentsgebäude des 19. Jahrhunderts

Das Titelblatt des Kalenders zeigt den Reichstag. Fotografie, Deutschland, 1891, Abzug auf Papier, Pappe, Bismarck-Museum, Friedrichsruh, Inventar-Nr.: A 389, © Otto-von-Bismarck-Stiftung

Die Geschichte von Parlamentsgebäuden ist geprägt von den Umnutzungen bestehender Häuser, Neubauten und deren Erweiterungen. Dabei spielen nicht nur praktische Erfordernisse wie eine ausreichende Anzahl an Räumen eine Rolle. Der Ort, an dem die Abgeordneten zusammentreten, soll auch die Bedeutung ihrer Arbeit repräsentieren. Wir zeigen in unserem Kalender für das Jahr 2026 eine Auswahl von Fotografien historischer Parlamentsgebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Das Reichstagsgebäude in Berlin

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs trat die nationale Volksvertretung, der Reichstag, erstmals am 14. Oktober 1871 zusammen. Als provisorischer Tagungsort diente die ehemalige Königliche Porzellan-Manufaktur an der Leipziger Straße in Berlin. Die Räume erwiesen sich jedoch als völlig unzureichend, sodass der Reichstag kurz darauf den Beschluss fasste, einen Neubau errichten zu lassen.

Das provisorische Reichstagsgebäude an der Leipziger Straße in Berlin, Fotografie, Deutschland, um 1890: Seit dem 14. Oktober 1871 tagte der Reichstag in der provisorisch hergerichteten ehemaligen Königlichen Porzellan-Manufaktur. Das Gebäude befand sich an der Leipziger Straße 4 in Berlin. 1898 erfolgte der Abriss. An derselben Stelle wurde in den Folgejahren das Preußische Herrenhaus errichtet. Heute hat dort der Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland seinen Sitz. © Otto-von-Bismarck-Stiftung

Am 9. Juni 1884 legte Kaiser Wilhelm I. (1797 – 1888) am Königsplatz, dem heutigen Platz der Republik, schließlich den Grundstein für ein repräsentatives „Haus des Volkes“. Der mit einer modernen Kuppel aus Stahl und Glas versehene Bau wurde vom Architekten Paul Wallot (1841 – 1912) im historistischen Stil der Neorenaissance entworfen. Die Ecktürme des Gebäudes symbolisierten die vier Königreiche Bayern, Preußen, Sachsen und Württemberg. Das Bauwerk war bewusst als architektonisches Gegenstück zum Königlichen Schloss geplant und wurde 1894 von Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) feierlich eingeweiht.

Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes in Berlin am 9. Juni 1884, Holzstich der Xylographischen Anstalt von G. Rau nach Zeichnung von Jean Lulvès, 1884. Gedruckt als ganzseitige, einzige Illustration zu dem anonym erschienenen Kurzbericht „Die Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes in Berlin“ in: Das Buch für Alle. Illustrirte Familien-Zeitung zur Unterhaltung und Belehrung. Chronik der Gegenwart (Stuttgart), Jg. 19, 1884, Heft 26, S. 614, Abb. vorangestellt auf S. 609, CC BY © Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V.

Zur Zeit des Kaiserreichs tagten im Reichstagsgebäude die gewählten Abgeordneten und die Vertreter des Bundesrats, in der Weimarer Republik nur noch die Abgeordneten. Im Februar 1933 vernichtete ein Brand den Plenarsaal sowie einige benachbarte Räume. Weitere schwere Beschädigungen erlitt das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs.

Auf Beschluss des Deutschen Bundestags wurde die Ruine von 1961 bis 1973 durch den Architekten Paul Baumgart (1900 – 1984) in modernisierter Form wiederhergestellt, wenn auch ohne die Kuppel. Dabei wurden ausschmückende Fassadenelemente zerstört und die erhaltenen Teile der ursprünglichen Inneneinrichtung größtenteils beseitigt. Zwischen 1995 und 1999 erhielt der Bau durch den britischen Architekten Sir Norman Foster seine heutige Gestalt samt neuer Kuppel. Seit 1999 versammeln sich im Reichstagsgebäude die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Der Reichstag gilt als Nationalsymbol Deutschlands und ist das meistbesuchte Parlamentsgebäude der Welt.


Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom 28. September 2025 bis zum 12. April 2026 im Bismarck-Museum Friedrichsruh zu sehen. Erhältlich ist der Kalender im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie im Bismarck-Museum Schönhausen/Elbe. Er kostet zehn Euro.