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Standort Friedrichsruh

Friedrichsruh

Die kleine Ortschaft Friedrichsruh liegt in der Mitte des Sachsenwaldes, im Tal der ihn von Ost nach West durchfließenden Schwarzen Au.

Der Wald, der Fluss und die Person Otto von Bismarck haben ihre Entwicklung und Erscheinung in besonderer Weise geprägt. Wie älteste Quellen zur Ortsgeschichte belegen, war Friedrichsruh ein Standort frühester Industrialisierung.

Auf einer Karte von 1670 sind ein Brauhaus, eine Försterei sowie eine Papiermühle verzeichnet, die vermutlich 1598 gegründet und 1758 zu einer Eisen- und 1812 zu einer Tuchfabrik umfunktioniert wurde. 1896 wird sie noch als verfallene Walkmühle erwähnt.

Das Brauhaus existiert heute noch und wird als Büro- und Wohngebäude genutzt. Die alte Försterei kaufte 1767 der hannoversche Statthalter in Lauenburg, Graf Friedrich zur Lippe-Biesterfeld, und baute sie zu einem Jagdhaus um. Da er sich hier zur Ruhe zu setzen gedachte, nannte er es „Friedrichsruh“, was der Ansiedlung ihrem Namen gab. 1859 wurde das inzwischen als Wirtshaus genutzte Gebäude abgerissen.

Die Fremdenverkehrsnutzung Friedrichsruhs wird durch das in einer Karte von 1798 östlich des Wirtshauses eingetragene Badehaus, die Bezeichnung des ehemaligen Tuchfabrikantenwohnhauses 1871 als Badeanstalt und die umfangreiche Gastronomie dokumentiert.

Etwas östlich des bereits erwähnten Wirtshauses gab es seit mindestens 1850 bis 1964 den Landkrug bzw. das Landhaus, etwas westlich davon seit vermutlich 1847 das Hotel-Restaurant Frascati. Nördlich der Au besteht seit mindestens 1895 bis heute das Restaurant-Café Forsthaus und auch im Bahnhof gab es jahrzehntelang eine Gastwirtschaft. 1846 war in Friedrichsruh im Zuge des Baus der Eisenbahnstrecke Hamburg-Berlin ein großzügiges, im Stile des Spätklassizismus errichtetes Bahnhofsgebäude entstanden. Ab 1847 konnte Friedrichsruh dann mit der Eisenbahn erreicht werden. Das Gebäude ist heute das älteste erhaltene Bahnhofsgebäude Schleswig-Holsteins und eines der ältesten im gesamten Bundesgebiet. Bis in die 1990-er Jahre verfiel es fast bis zur Abbruchreife, wurde jedoch von der Otto-von-Bismarck-Stiftung 1999 bis 2000 grundlegend renoviert und zu dessen Sitz.

Nach 1871 entwickelte sich Friedrichsruh zu einem Ort von überregionaler und historischer Bedeutung: Kaiser Wilhelm I. hatte Otto von Bismarck 1871 den Sachsenwald geschenkt, um dessen forstwirtschaftliche Nutzung sich der erste deutsche Reichskanzler umgehend kümmerte. Bismarck kaufte auch etliche Anwesen im Ort und hielt sich wegen der günstigen Verkehrsanbindung nach Berlin zunehmend in Friedrichsruh auf. Nach seiner Entlassung 1890 blieb dieser Ort bis zu seinem Tode 1898 auch sein Ruhesitz. Bismarck empfing in dieser Zeit zahlreiche Diplomaten, Politiker sowie in- und ausländische Staatsoberhäupter. Ebenso fanden Tausende von Anhängern ihren Weg in den Sachsenwald, um dem „Reichsgründer“ die Ehre zu erweisen.

Seine letzte Ruhe fand Otto von Bismarck gemeinsam mit seiner bereits 1894 verstorbenen Frau Johanna in dem 1899 errichteten neuromanischen Mausoleum, das auch heute noch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Friedrichsruher Wohnsitz wurde von seinen Nachkommen 1902/03 schlossartig umgebaut und um einen Marstall erweitert. Durch einen Luftangriff kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört, wurde es in den Jahren 1946 bis 1949 in neuem Stil wiedererrichtet und 1981 grundlegend umgebaut.