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Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Mittwoch, den 25. Februar 2015 um 12:11 Uhr

Am Freitag, den 20. Februar 2015 fanden sich zahlreiche Gäste auf Gut Wittmoldt bei Plön ein, um der Preview einer ZDF/ARTE-Koproduktion über Otto von Bismarcks letzte Jahre nach seiner Entlassung beizuwohnen. Peter Striebeck verkörpert in dem Doku-Drama „Bismarck – Härte und Empfindsamkeit“ eindringlich verschiedene charakterliche Facetten des gealterten Otto von Bismarck, der in Friedrichsruh seinem Mitarbeiter Lothar Bucher (gespielt von Steffen Scheumann) seine „Gedanken und Erinnerungen“ in die Feder diktiert. Bismarck lässt sein Leben und seine politischen Kämpfe Revue passieren und muss sich mehrmals von Bucher auf Diskrepanzen zwischen Bismarcks persönlichen Erinnerungen und den aktenkundigen historischen Fakten hinweisen lassen. Viele Filmszenen wurden auf Gut Wittmoldt gedreht.

Bevor die mit Spannung erwartete Preview begann, las der Hauptdarsteller, Peter Striebeck, aus dem am 21. Dezember 1846 verfassten Brautwerbebrief Otto von Bismarcks an seinen zukünftigen Schwiegervater, Heinrich von Putkamer. Striebeck bekannte, dass er von dem Gedanken, den „Reichsgründer“ verkörpern zu dürfen, sofort fasziniert gewesen sei. Im Anschluss an die Lesung lief der 52-minütige Film an. Dieser musste aufgrund der zahlreichen Gäste in zwei großen Räumen gezeigt werden.

Im Anschluss an die Preview fand eine Podiumsdiskussion statt, an der neben dem Hauptdarsteller Peter Striebeck auch der Regisseur der Dokumentation, Dr. Wilfried Hauke (dmfilm & tv produktion“), sowie das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, teilnahmen. Die schauspielerische Leistung Peter Striebecks fand im Publikum begeisterte Zustimmung.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung stand dem Filmteam während der Produktionsphase mit Rat, Tat und reichlich Bildmaterial aus dem Archiv der Stiftung sowie dem Bismarck-Museum gerne zur Verfügung. So fand auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung samt Stiftungsarchiv Eingang in den Film, dessen eigentliche Premiere am folgenden Tag im Abendprogramm von ARTE erfolgte.

Zum Film in der Arte-Mediathek geht es hier

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 23. Februar 2015 um 12:05 Uhr

Südlich von Berlin liegt der Ort Zossen, eine amtsfreie Stadt im Landkreis Teltow-Fläming. Als gute Preußen hatten die Zossener Brandenburger (s. links zu Luft und auf dem Boden) ihrem einstigen Ministerpräsidenten und nachmaligen Reichskanzler Otto von Bismarck ein Ehrung errichtet. Aber nicht in der Form eines Denkmals oder eines Bismarck-Turmes, sondern etwas dezenter als Plakette auf einem Findling. Auch diese Bismarck-Steine waren weit verbreitet und behielten auf dem Gebiet der DDR ihren Namen in der Umgangssprache auch dann noch bei, als er offiziell ungelitten war. Im Falles Zossens wurde die Plakette entfernt und nun ist es der Initiative von Thomas Krause aus Zossen zu verdanken, dass auf dem Stein wieder optisch an Bismarck erinnert wird. Krause hat weder Kosten noch Mühen gescheut und eine Replik der alten Aufschrift herstellen lassen, genauere Informationen gibt es hier.

Vermutlich ist Zossen damit wieder derjenige Ort mit einem Bismarck-Bezug, der am weitesten hinten im deutschen Alphabet liegt. Am anderen Ende der Skala dürfte es Aachen sein, wo es ein Hotel, eine Apotheke, einen Turm und eine Straße mit Bismarck im Namen gibt. Mindestens….

Königlicher Hausorden von Hohenzollern, Großkomturkreuz mit Brillanten, Hersteller: Unbekannt, verliehen am 02.09.1873, Material: Silber, Gold, Emaille, Steine, Maße: 8,8 x 5,8 x 1,3 cm, Gewicht: 60g – mit Gebrauchsspuren. Zu sehen im Bismarck-Museum, Friedrichsruh (Inventar-Nr.: O 040 a, b)

Die Zahl in der Artikelüberschrift verweist nicht etwa auf die Inventarnummer des Exponats, sondern auf die fünfundsechzigste Auszeichnung, die Otto von Bismarck am 2. September 1873 – dem ersten „Sedantag“[1] – anlässlich der Einweihung der Siegessäule in Berlin durch Wilhelm I. für seine großen Verdienste um den preußischen Staat verliehen wurde.

Bei der exklusiven Dekoration handelt es sich um Kreuz und Stern der Grosskomture des Königlichen Hausordens von Hohenzollern in Brillanten, die insgesamt nur fünfmal verliehen wurde.[2]

Der Königliche Hausorden von Hohenzollern wurde am 18. Januar 1851 durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gestiftet beziehungsweise in die Riege der „Königlichen Preußischen Orden“ aufgenommen. In Art. 2 der Statuten heißt es dazu:

„Den Königlichen Hohenzollernschen Haus-Orden wollen Wir dem Andenken an den Ursprung und die Ausbreitung Unseres Königlichen Hauses widmen,[…]“.[3]

Auch deshalb verlieh der König die Auszeichnung an jene Personen,

„welche um die Erhaltung des Glanzes und der Macht des Königlichen Hauses sich verdient gemacht und eine besondere Hingebung an Uns und Unser Haus an den Tag gelegt haben[…, Art. 3]“.[4]

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Teller aus Steingut, hergestellt 1914 in Deutschland (Inventar-Nr.: O 1997-0040)

Mit den Kriegserklärungen an das Russische Reich (1. August 1914) und an Frankreich (3. August 1914) wurde auch das Deutsche Reich Teilnehmer an einem militärischen Kräftemessen, das noch mehr als vier Jahre dauern und an dessen Ende der Untergang von vier stolzen Imperien und eines ganzen Zeitalters stehen sollte.

Noch heute sind die Folgen des Ersten Weltkrieges spürbar, jedoch ist vor allem in Deutschland die kollektive Erinnerung daran durch die traumatischen Ereignisse NS-Herrschaft, Holocaust und Zweiter Weltkrieg weitgehend verdrängt worden.

Nach Kriegsbeginn begannen die Porzellanmanufakturen in Deutschland mit der massenhaften Herstellung von patriotischem Geschirr. Solches war auch schon in Friedenszeiten produziert worden, häufig als Erinnerungsstücke an Monarchen oder militärische Einheiten. Zu den genutzten patriotischen Motiven gehörten Porträts Kaiser Wilhelms II. sowie der Herrscher der mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten, aber auch Darstellungen von Staatsmännern wie Otto von Bismarck und von siegreichen Feldherren wie Paul von Hindenburg. Ebenso wurden Szenen mit Soldaten und anderes dargestellt. Insbesondere das von Wilhelm II. mit Kriegsbeginn gestiftete Eiserne Kreuz fand als Dekor vielfach Verwendung auf Tellern und Tassen.

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Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten (Bruststern, Kleinod und Schulterband) aus Silber, Gold, Email, Brillanten, Smaragde und Textil; Maße: Bruststern (93 x 89 x 25 mm), Kleinod (86 x 48 x 13 mm), Schulterband (105 x 850 mm). – Inventar-Nr.: A O 010 a – c / Foto: András Dabasi (Hungarian National Museum)

Zu den zahlreichen in- wie ausländischen Auszeichnungen Otto von Bismarcks gehört auch das Großkreuz mit Brillanten des St. Stephans-Ordens (vollständige Bezeichnung: Königlich Ungarischer Hoher Ritterorden vom Heiligen Stephan, dem Apostolischen König).

Der am 5. Mai 1764 von Kaiserin Maria Theresia gestiftete Orden war die höchste zivile Auszeichnung des Königreichs Ungarn. Der Stiftungstag war gleichzeitig der Tag der Krönung ihres Sohnes Josephs (II.) zum Römischen König. Die Statuten des Ordens sind auf den Tag nach der Krönung Josephs (II.) datiert. Großmeister des Ordens war der ungarische Monarch, Ordensprälat war der Erzbischof von Gran und Ordenskanzler der Kanzler des Königreichs Ungarn.

Verliehen wurde die Auszeichnung an hundert Ordensritter in drei Klassen: Großkreuz (20), Kommandeur (30), Ritter (50). Der 20. August (St. Stephanstag) war der Festtag des Ordens. Mit dessen Verleihung waren ggfs. besondere Privilegien verbunden. Der Orden konnte nur an Adelige verliehen werden. Der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy erneuerte den Orden im Jahr 1938, er wurde jedoch nur drei Mal verliehen.

Die Auszeichnung besteht aus dem Bruststern, dem Kleinod sowie dem Schulterband. Der mit Brillanten geschmückte und insgesamt achtundvierzig Strahlen versehene Bruststern besteht in der Mitte aus einem rot emaillierten Medaillon. Auf diesem findet sich das aus Edelsteinen geformte ungarische Wappen. Es handelt sich dabei um das ungarische Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), in einer Krone stehend, auf einem grünen Dreiberg (Hügel mit drei Wölbungen). Flankiert wird das Wappen durch die aus Edelsteinen bestehenden Initialen „M“ und „T“ (für Maria Theresia). Das Medaillon ist mit einem Kranz aus weißen Edelsteinen sowie einem doppelten Eichenlaubkranz aus Smaragden umgeben.

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Mitrailleuse aus Bronze, Gusseisen und Holz, hergestellt 1865 in Lyon, Frankreich; Standort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh (Inventar-Nr.: A 069)

Text: Angela Krätz

Die Mitrailleuse „Le General Malus“ aus dem Jahr 1865 ist das wohl schwerste Ausstellungsobjekt im Bismarck-Museum. Das gusseiserne Schnellfeuergeschütz war ein Geschenk Wilhelms I. an seinen Kanzler Bismarck, welches er ihm Ende 1872 überreichte. Die Waffe gelangte als Beute aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) nach Deutschland.

Die Mitrailleuse, in der deutschen Sprache auch „Kugelspritze“ genannt, ist auf eine ursprünglich belgische Entwicklung zurückzuführen und der Gattung der Orgelgeschütze zuzuordnen. Die vielläufige Kanone ist in ihrer äußeren Form, von seitlicher Ansicht, kaum von einem normalen Geschütz zu unterscheiden. Das Objekt besteht aus einem bronzenen Geschützrohr, das auf einer Holzkonstruktion mit zwei großen Rädern befestigt ist (Lafette). Innerhalb des Rohres befindet sich ein gusseiserner Block, der in fünf Lagen jeweils fünf Bohrungen aufweist. Jede dieser Bohrungen ist in ihrer Art mit dem Kugellauf eines normalen Infanteriegewehrs vergleichbar. Der besondere waffentechnische Fortschritt der Mitrailleuse bestand folglich in der Tatsache, dass sie die Kraft von 25 einzelnen Gewehrschüssen in sich vereinte. Durch seitliches Kurbeln konnten die Läufe in kürzester Zeit nacheinander abgefeuert werden. Somit gilt die Mitrailleuse als Vorläufer des modernen Maschinengewehrs. Die Entwicklung wurde 1867 von Kaiser Napoleon III. in der französischen Armee eingeführt.[1]

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Text: Thilko Carstens

Geht man durch das Bismarck-Museum in Friedrichsruh, fällt im zweiten Raum der Blick auf eine Soldatenstatuette, die Bismarck von den Offizieren seines ehemaligen Bataillons zum 80. Geburtstag geschenkt bekam. Wenig ist bisher über seine Soldatenzeit bekannt.

Fast alle Biographen schweigen sich über seine Militärzeit aus oder erwähnen sie nur sehr kurz. Der Grund dafür liegt an dem Mangel an Quellen über diese Zeit. Doch was weiß man über den Soldaten Otto von Bismarck?

Im Jahr 1838 brach Otto von Bismarck, von seinen Eltern für eine Beamtenlaufbahn vorgesehen, sein Referendariat ab und trat in das Garde-Jäger-Bataillon in Potsdam ein. Dies tat er jedoch nicht freiwillig, denn er musste noch den obligatorischen Wehrdienst ableisten. Hierzu hatte er sich als sogenannter „Einjährig-Freiwilliger“ gemeldet. Diese Möglichkeit gab es in Preußen seit 1813. Wehrpflichtige mit einem höheren Schulabschluss konnten statt des zwei- bis dreijährigen einen verkürzten Wehrdienst leisten. Nach dem Ableisten dieses Jahres wurden die „Einjährig-Freiwilligen“ meistens Reserveoffiziere. Da sie sich in ihrer Dienstzeit jedoch selbst einkleiden und versorgen mussten, konnten es sich nur Söhne wohlhabender Familien leisten. Der Dienst musste zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr absolviert werden.[1]

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Karikatur „Bismarck Redivivus“, aus „The Denver Republican“ vom 10.05.1891, Autor: unbekannt (Kürzel: B. C.), Papier; Maße: Blatt 143: Höhe 23,7 cm, Breite 18,5 cm; Zustand: leichte Gebrauchsspuren; sonst gut erhalten; Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, A 47, Bl. 143

Die politische Laufbahn Otto von Bismarcks schien mit seinem unfreiwilligen Entlassungsgesuch und der Annahme desselben durch Wilhelm II. am 20. März 1890[1] eigentlich beendet. 28 Jahre lang hatte der „Reichsgründer“ seine Machtposition an der Spitze – erst Preußens und später des Deutsches Kaiserreiches – behaupten können, musste sich dem jungen Kaiser im Kampf um diese jedoch geschlagen geben.[2]

Bismarck zog sich endgültig nach Friedrichsruh zurück, kommentierte und kritisierte – vor allem – über die ihm eine Plattform bietende Zeitung „Hamburger Nachrichten“ die Politik der Reichsregierung und blieb auch durch anderweitige Tätigkeiten, wie beispielsweise dem Halten von diversen Reden, im Blickfeld der Öffentlichkeit.[3] Die Popularität des ehemaligen Reichskanzlers war ungebrochen und wuchs sogar noch weiter, was seine früheren Widersacher – besonders Wilhelm II. – beunruhigte. Zu dieser Nervosität trug auch die Wahl Otto von Bismarcks zum Reichstagsabgeordneten Ende April 1891 bei. Obwohl er es zur Bedingung machte, bei einem möglichen Wahlsieg nicht im Reichstag erscheinen zu müssen, war die Furcht vor genau diesem Fall in der Regierung enorm[4].

Dass Bismarck trotz seiner Entlassung nicht nur im deutschen Kaiserreich präsent war, sondern auch international weiterhin ein Thema blieb, zeigt die Karikatur „Bismarck Redivivus“ der amerikanischen Zeitung „The Denver Republican“. Ein Leser des Blattes hatte die Karikatur ausgeschnitten und an den „Reichsgründer“ geschickt, um ihm die angeblich in seinem Umfeld vorherrschende Meinung über Kaiser und Kanzler zu verdeutlichen. Da jedoch nur die Karikatur ohne den dazugehörigen Artikel vorliegt, kann über das Motiv der Veröffentlichung am 10. Mai 1891 nur spekuliert werden. Die Entscheidung zur Wahl Bismarcks in den Reichstag fiel am 30. April 1891[5] und kann daher als wahrscheinlicher Grund gelten.

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Mit ihrer Idee zu dem Projekt „Kunst für Demokratie“, das Räume für demokratische Teilhabe eröffnet, zählt die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen zu den 100 Preisträgern des bundesweiten Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2013/14. Der Wettbewerb beruht auf einer Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft unter dem Titel „Deutschland – Land der Ideen“. Erstmals steht er im Zeichen eines Themas: „Ideen finden Stadt“. Gewürdigt werden Projekte, die richtungsweisend für die Städte und Gemeinden von morgen sind.

Aus rund 1.000 Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder Vereinen hat eine unabhängige 18-köpfige Jury unter Vorsitz von Professor Martin Roth, Direktor des Victoria and Albert Museum in London, und Professor Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln die 100 Preisträger in den Kategorien Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung und Gesellschaft ausgewählt. Auf www.ausgezeichnete-orte.de werden die Preisträger und ihre Ideen vorgestellt, zu denen in Sachsen-Anhalt mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen insgesamt zwei gehören.

Die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, Dr. Andrea Hopp, und Museumspädagogin Katja Gosdek freuen sich über die Auszeichnung und danken allen, die sich Jahr für Jahr kreativ bzw. organisatorisch einbringen und so zum Erfolg von „Kunst für Demokratie“ beitragen.

Gefällt Ihnen das Projekt? Dann wählen Sie uns bis zum 20. Oktober 2013 zum Publikumssieger! Hier können Sie täglich für uns abstimmen:

www.land-der-ideen.de/ausgezeichnete-orte/preistraeger/kunst-f-r-demokratie .

Gedicht „Fürst Bismarck“ (Inventarnummer? 61 + 62), undatiert, Autor: Richard von Volkmann (-Leander); Material: Papier; Umfang: 4 Seiten (2 Blatt); Maße: Blatt 61: Höhe 29,8 cm, Breite 23,3 cm; Blatt 62: Identisch; Zustand: Gebrauchsspuren, Ränder leicht beschädigt; sonst gut; Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, A 46, Bl. 61 + 62

Auf den ersten Blick sind die Verse scheinbar nur durch den kunstvoll gedruckten Rahmen und die prachtvolle Gestaltung der Initiale von den anderen Dichtungen zu unterscheiden. Denn Gedichte zu Ehren Otto von Bismarcks gibt es unzählige.

So widmete beispielsweise der „Kladderadatsch“ dem „besten Deutschen“ schon 1894 einen Band mit einer Sammlung aller bis zu diesem Zeitpunkt in der Zeitschrift erschienenen Gedichte über Bismarck.[1]

In dem hier vorliegenden lyrischen Werk – Fürst Bismarck. – schildert uns der Autor in 18 Strophen eindrücklich die erst durch Bismarck ermöglichte Reichseinigung anhand der „Germania“, der Personifikation Deutschlands. Diese wird von dem „Gottgesandten“ Otto von Bismarck zu neuer Stärke geführt, woraufhin sie schließlich dem „Helden“ Wilhelm die Kaiserkrone überreichen kann. Doch auch diese Darstellung ist kein Alleinstellungsmerkmal und in ähnlicher Form in anderen Gedichten zu finden. Unterschrieben ist das Gedicht mit dem Namen „Richard von Volkmann-Leander“. Wer aber war dieser Mann?

Aus dem Begleitschreiben des Gedichts, verfasst von seiner Frau Anna von Volkmann (geb. v. Schlechtendal) am 5. März 1891, geht hervor, dass der Name ihres Mannes dem Fürsten Otto von Bismarck möglicherweise nicht unbekannt geblieben sei. Allerdings nicht in Verbindung mit Poesie, sondern mit Chirurgie. Nach einem Blick in den Artikel über Richard von Volkmann in der „Deutschen Biographie“[2] wird klar, dass er einer der renommiertesten Chirurgen des 19. Jahrhunderts gewesen ist. So war er ab März 1867 als ordentlicher Professor an der chirurgischen Universitätsklinik in Halle tätig und wurde zu diesem Zeitpunkt auch dessen Direktor. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und der Einsatz, beziehungsweise die Verbreitung der „listerschen Methode“[3] trugen maßgeblichen Anteil an seinem Weltruf als für die Medizin – speziell für die Orthopädie – wegweisenden Chirurgen.[4]

Die zweite Begabung des Richard von Volkmann-Leander war die Dichtkunst, welcher er schon als Student nachging. Die Veröffentlichung „Lieder aus der Burschenzeit“ ist zum Beispiel ein Resultat aus dieser Frühphase seines Schaffens.[5]

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