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Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Mittwoch, den 29. April 2015 um 12:51 Uhr

Anlässlich des 200. Geburtstages von Otto von Bismarck im Jahr 2015 präsentieren die bundesunmittelbare Otto-von-Bismarck-Stiftung und das Bismarck-Museum in Bad Kissingen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt unter dem Motto „3 Museen – 3 Ausstellungen“: Die Sonderausstellung „Bismarck: Familie – Politik – Mythos“ thematisiert anhand zahlreicher Exponate den familiären Hintergrund, die Politik sowie die Mythisierung Otto von Bismarcks. Ausstellungsorte sind die drei Bismarck-Museen in Bad Kissingen, Friedrichsruh und Schönhausen/Elbe, die jeweils einen Teilaspekt der gemeinsamen Sonderausstellung behandeln.

Während sich das Bismarck-Museum Schönhausen, das sich im erhaltenen Seitenflügel des ehemaligen Geburtshauses Otto von Bismarcks befindet, dessen familiären Ursprüngen widmet, präsentiert das Bismarck-Museum in der Oberen Saline, von Bismarck einst als Wohnung während seiner Kuraufenthalte in Bad Kissingen genutzt, zentrale Aspekte seiner Außenpolitik. Die geradezu kultische Verehrung Bismarcks wird schließlich im Bismarck-Museum Friedrichsruh, am ehemaligen Wohn- und Alterssitz des ersten Reichskanzlers im Sachsenwald, beleuchtet.

Am Sonntag, den 26. April, war es endlich soweit: Der 3. Teil der gemeinsamen Sonderausstellung wurde feierlich eröffnet. Rund 100 Gäste waren der Einladung der Otto-von-Bismarck-Stiftung in das historische Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh gefolgt und lauschten den einführenden Worten des geschäftsführenden Vorstandsmitglieds der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, sowie dem Festvortrag zum „Bismarck-Mythos“ von Peter Weidisch M.A., Kulturreferent der Stadt Bad Kissingen und Leiter des dortigen Bismarck-Museums in der Oberen Saline. Dr. Maik Ohnezeit führte anschließend als Kurator in die Sonderausstellung ein. Im Anschluss an die Vorträge konnten sich die Besucher bei einem kleinen Empfang die Sonderausstellung im Bismarck-Museum ansehen.

Friedrichsruh als ehemaliger Wohn- und Alterssitz Otto von Bismarcks war über Jahrzehnte Anlaufstation für die Verehrer des ersten Reichskanzlers aus aller Welt. Die Sonderausstellung beleuchtet Ausprägung und Bedeutung der kultischen Verehrung des „Reichsgründers“ vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik hinein. Denkmäler verschiedenster Art wie Feuersäulen, Türme und Standbilder, von denen viele bis heute existieren, waren ihm zu Ehren errichtet, weltweit Straßen, Plätze und Städte nach ihm benannt worden. Hinzu trat die literarische und künstlerische Verehrung, die sich in vielfältigen Formen wie Gedichten, Lebensbeschreibungen, musikalischen Kompositionen, Gemälden, Medaillen und Fotografien ausdrückte.

Gezeigt werden zahlreiche, bisher der Öffentlichkeit nicht bekannte Zeugnisse dieser Verehrung, darunter kunstvoll gestaltete Ehrenbürgerbriefe und Grußadressen sowie Briefe von Privatpersonen, die darin ihre Verbundenheit mit dem „Reichsgründer“ bekunden. Bestaunt werden kann aber auch eine Auswahl von Konsumgütern, die den Namen „Bismarck“ trugen (und zum Teil bis heute tragen).

Die Sonderausstellung läuft bis zum 20. September 2015.

Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Mittwoch, den 29. April 2015 um 12:31 Uhr

Die hier abgebildeten Objekte wurden von der Polizei sichergestellt. Es handelt sich dabei um eine Büste Otto von Bismarcks, hergestellt von der Bronzegießerei H. Gladenbeck & Sohn in Friedrichshagen/Berlin nach einen Entwurf von Carl Begas dem Jüngeren (1845 – 1916) aus dem Jahr 1895, sowie eine Hirschskulptur („Röhrender Hirsch“) des Dresdner Bildhauers Fritz Kretzschmar (1863 – 1915) Hinweise hinsichtlich der Herkunft dieser Objekte sind an die Polizeistation Garding, Tel.: 04862/102310, zu richten.

Geschrieben von Schönhausen am Freitag, den 24. April 2015 um 09:35 Uhr

Anlässlich seines 200. Geburtstages schickt die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen Bismarck in Form einer Büste auf Reisen. Innerhalb eines Jahres besucht er zahlreiche Museen Sachsen-Anhalts. Dabei trifft „Bismarck“ auf verschiedene historische Persönlichkeiten, Objekte und Sammlungen. So entstehen künstlerische, humorvolle und/oder nachdenkliche Inszenierungen.

Am Internationalen Museumstag 2015 unter dem Motto „MUSEEN. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT.“ erreicht „Bismarck“ um 15 Uhr die erste Station seiner Reise: das Kreismuseum Jerichower Land in Genthin.

Wann: 17. Mai 2015, 15 Uhr

Wo: Kreismuseum Jerichower Land, Mützelstraße 22, 39307 Genthin

Eine Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

 

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 21. April 2015 um 12:08 Uhr

Nachhaltigkeit ist ein politisches Schlagwort, das gelegentlich so sehr zur Phrase verkommt, dass man es gar nicht mehr hören kann. Ein Beispiel von Nachhaltigkeit im besten Wortsinn ist der Otto-von-Bismarck-Stiftung nun mit der Wiederververwendung eines Banners gelungen.

Angefertigt worden ist das 4 mal 8 Meter große Schwarz-Weiß-Segel für den Festakt zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks am 1. April 2015 im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Nachdem die prominenten Redner des Abends vor dem moderaten, aber doch staatstragenden Hintergrund fotografiert und gefilmt worden und schließlich von der Bühne abgetreten waren, wurde es jedoch nicht fachgerecht entsorgt, sondern fand auf bisher unergründeten Wegen nach Friedrichsruh.

Und da wird es, technisch ausgedrückt, einer fachgerechten, intensiven Nachnutzung zugeführt: Seit dem heutigen Vormittag ziert es die Fassade des Stiftungsgebäudes und ist – Achtung: Anglizismus – ein echter Eyecatcher. Nun hängt es davon ab, wie sehr Wind und Wetter an Bismarck zerren.

Wenn es gut läuft, wird Bismarck in Friedrichsruh noch einige Monate lang hochgehängt.

Geschrieben von Christian Wachter am Samstag, den 18. April 2015 um 08:32 Uhr

In unserem Artikel „Ständig etwas zu bismarckieren“ haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Medien im Jahr von Bismarcks 200. Geburtstag natürlich besonders intensiv über alles mögliche berichten, das mit dem ersten deutschen Reichskanzler zu tun hat. Die hochfrequentierten Beiträge setzen sich zu diesem besonderen Anlass (mal mehr, mal weniger) kritisch mit Bismarck auseinander. Neben Berichten, die explizit die historische Figur und ihre Rezeption in den Blick nehmen, treten solche, die öffentliche Orte mit einem Bismarck-Bezug thematisieren. In Form von Denkmälern, Straßen, aber auch „Bismarck-Apotheken“ und anderem manifestiert sich ein Stück Erinnerungskultur. Wenn in Zwickau eine „Schiller-Apotheke“ 110 Jahre alt wird, darf anscheinend im besonderen Jahr 2015 nicht der Hinweis fehlen, dass sie ursprünglich doch Bismarcks Namen trug.

Solche Orte haben in Deutschland eine gefühlte Allgegenwart – irgendetwas mit Bismarck-Bezug findet sich quasi immer in der Nähe. Deswegen ist die Sache an sich nicht neu, doch das Besondere an der aktuellen Berichterstattung ist, dass sie Initiativen erkennbar werden lässt, die der runde Geburtstag vielerorts hervorzubringen scheint. Diese dienen der Verschönerung eines Denkmals, zur Benennung einer Straße, oder beabsichtigen, den diskursiven Streit um die historische Deutung von Bismarck für die Gegenwart zu entscheiden. Letzterer Punkt äußert sich etwa in dem Sinn oder Unsinn, der der Sanierung eines Bismarckdenkmals zugeschrieben wird, oder in der erörterten Frage, wie ein solches Denkmal in dem Sanierungskonzept einer Grünanlage zu berücksichtigen ist. Als gutes Beispiel hierfür können aktuelle Bestrebungen in Hamburg genannt werden, den Alten Elbpark zu verschönern. Immerhin ist der Park Heimat des weltweit größten Bismarckdenkmals, das durch umstehende Bäume nicht aus allen Perspektiven problemlos betrachtet werden kann und dessen Eigengewicht es langsam aber sicher zur Seite neigen lässt. Hier wird munter über Gestaltungsvarianten diskutiert.
Wer weiß, wie in ein paar Jahren die Umgebung des „Roland“-Standbildes von Bismarck aussehen wird – in jedem Fall werden wir die Impressionen von der entsprechenden „Bismarckierung“ in unserer interaktiven Weltkarte anpassen.

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 08. April 2015 um 18:13 Uhr

Die Presse ist rund um Bismarcks 200. Geburtstag voll von Berichten über ihn und die Formen der Erinnerung an ihn, kritisch, abwägend, resümierend oder auch schlicht erschrocken, wie viel Raum die Medien-Konkurrenz dem längst vergangenen Reichskanzler einräumt.

Dass das in Sachsen auch so ist, kann kaum verwundern. Schließlich waren die Sachsen zur Zeit Bismarcks trotz aller Preußenskepsis bald ins Lager des Reichsgründers gewechselt und hatten nach dessen Tod das Übermaß der Verehrung geteilt und mächtig am Bismarck-Mythos mitgestrickt. Die heutigen Sachsen finden deshalb zahlreiche Ehrungen Bismarcks im öffentlichen Raum vor, mit denen irgendwie umzugehen ist. Wie das wo geschieht, ist in den letzten Tagen ein wichtiges Thema für Presse, Funk und Fernsehen gewesen.

Ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit seien nur einige wenige Berichte erwähnt, Ergänzungen sind willkommen. Natürlich auch aus dem gesamten Bundesgebiet und auch darüber hinaus, schließlich dokumentiert die Otto-von-Bismarck-Stiftung nicht nur historische Versatzstücke, sondern auch alle gegenwärtigen Bismarck-Thematisierungen und -Bezüge, mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand, versteht sich. Und bei dem momentanen Blow-Up an Bismarckiana sind wir natürlich über jede Meldung erfreut, die wir selbst nicht aus dem Netz fischen.

Aber zu den Saxonica.

Einen regen Bismarck-Turm Verein gibt es in Mitteldeutschland nicht nur in Weißenfels, sondern u.a. auch (knapp hinter der sachsen-anhaltinischen – sächsischen Grenze) in Lützschena, s. unser Bild. Dort wird mit großem Erfolg seit Jahren an der Restaurierung eines der größten Bismarck-Türme gearbeitet, verantwortlich ist ein Verein. Weiter südlich, in Chemnitz, berichtete die örtliche Tageszeitung ausführlich über den Bismarck-Mythos im Allgemeinen und die sächsischen Spezifika im Besonderen. Auch am Bismarckturm in Radebeul wurde wieder am Erhalt des nicht unkomplizierten, kaiserzeitlichen Architekturerbes gearbeitet. In Glauchau war der Turm über Stadt wieder ein Thema. Der MDR ging gemäß seines Sendeauftrags mit Bezug auf den gesamten mitteldeutschen Raum auf Bismarck und dessen 200. Geburtstag ein.

Die ebenso zahlreichen Thüringer Aktivitäten zu dokumentieren, ist Aufgabe eines weiteren Blog-Eintrags, auch hier sind Hinweise hochwillkommen!

Stulpenstiefel auf Spannern ( 89 x 17 x 31cm³), getragen um 1890, unbekannter Hersteller, Zustand: Leder abgenutzt, Schäfte beidseitig beschädigt, Zu sehen im Bismarck-Museum, Friedrichsruh (Inventar-Nr.: A 092)

Zugegeben: Ein Schuhwerk des ersten deutschen Reichskanzlers zum Exponat des Monats zu erheben, mag dem Leser des Blogs seltsam vorkommen, wenn nicht sogar ein irritiertes Kopfschütteln hervorrufen: „Haben Archiv, Stiftung und Museum wirklich nicht mehr zu bieten, als ein paar alte Lederstiefel?“

„Doch, haben sie“, muss die eindeutige Antwort auf diese Frage lauten. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, auch auf die unscheinbareren Objekte im Bismarck-Museum aufmerksam zu machen, die sonst Gefahr laufen, beispielsweise von Orden überstrahlt oder vom Gewicht der Mitrailleuse erdrückt zu werden. Außerdem bildet der Artikel über die imposante Fußbekleidung den Auftakt zu einer kleinen Reihe über den militärischen Anputz des Fürsten, frei nach dem Motto „Des Kanzlers alte Kleider“.

Eine dieser ʻkleinerenʼ im Museum ausgestellten Objekte sind die zur Kürassier-Uniform Otto von Bismarcks gehörenden schwarzen Stulpenstiefel, welche knapp einen Meter messen und damit beeindruckend hoch sind. In jener vollen Höhe mit hochgekrempelter Stulpe wurden diese allerdings nur im Gefecht getragen. Die für gewöhnlich aus mehrlagigem Rindsleder gefertigten Stiefel fanden in vielen berittenen Einheiten Verwendung, wo sie auch in der hier ungepanzerten Version ohne Stahlplatte noch einen gewissen Schutz – beispielsweise vor z.B. Hieben – boten. Auf Höhe der Ferse ist ein der Befestigung des Sporns dienender Metallbügel zu erkennen, der wiederum durch einen auf dem Spann liegenden Lederriemen zusammengehalten wird. Otto von Bismarck gehörte zwar nur ehrenhalber zum Kürassier-Regiment v.Seydlitz (Magdeburgisches) Nr.7, war aber aufgrund dieser Tatsache zum Tragen der Regimentsuniform berechtigt, was die Stiefel mit einschloss; die hier abgebildeten Exemplare wurden um 1890 vom Altreichskanzler getragen.

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