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Spätfolge deutscher Kolonialpolitik: Pidgin-Deutsch in Australien

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 11. April 2016 um 11:06 Uhr

Als die Reichsregierung aus einem ganzen Bündel von Ursachen 1884/85 dem Drängen kolonialer Enthusiasten nachgab und einige „Erwerbungen“ deutscher Händler unter den Schutz des Reiches stellte, begann das kurze Kapitel deutscher kolonialer Besitzungen in Übersee. Im Bewusstsein der Deutschen haben sich die afrikanischen Territorien und vielleicht auch – weil besonders weit entfernt und mit einer ganz eigener Exotik – die chinesischen Häfen gehalten.

Fast vergessen ist dagegen das Bismarck-Archipel in Papua-Neuginea. Und völlig vergessen sind die dortige Kreolbevölkerung und ihre ganz eigene Sprache, die linguistisch ausgedrückt die einzige deutsche Kreolsprache ist. Auf das Schicksal ihrer Sprecher, die als Nachkommen von deutschen Männern und eingeborenen Frauen weder in die koloniale noch in die indigene und nach der Unabhängigkeit des Gebietes von Australien 1975 auch nicht in die post-koloniale Gesellschaft integriert wurden, weist ein Artikel in der Welt hin.

Darin berichtet Matthias Heine über die Forschungen des Germanisten Péter Maitz von der Universität Augsburg. Im Moment hat Maitz ein Forschungsfreisemester, wir vermuten ihn in Südostasien. Die von Maitz und seinen Kollegen untersuchte Pidgin-Sprache heißt übrigens „Unserdeutsch“: Eine ehemals in deutschen Missionsschulen „erworbene“, unfreiwillige Aneignung deutscher Leitkultur, von der hierzulande bisher nicht einmal eine Handvoll Spezialisten etwas wusste. Nun kann man erfahren, dass die wenigen verbliebenen Sprecher, nach 1875 nach Australien auswanderten. Der Augsburger Forscher bekommt seinen Forschungsgegenstand also in Brisbane und Cairns zu hören. Was für eine post-koloniale Pointe!

In einer englischen Karikatur ist der überraschend zum Kolonialbefürworter gewordene Bismarck zu sehen, der um die Gunst einer „African Venus“ wirbt.

Beschaffungskriminalität an der Saale?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 04. April 2016 um 13:25 Uhr

Eben lesen wir: Im Weißenfelser Bismarck-Turm ist eingebrochen worden. Sammler von Bismarck-Kitsch und Nippes und besonders an regionalen Bismarck-Erinnerungen Interessierte möchten wir nachdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei unter der Hand angebotenen Gegenständen mit Weißenfels-Bezug um Hehler-Ware handeln kann.

Wie Bismarck auf den Diebstahl reagiert hätte, zeigt die Abbildung, der Langfinger sollte sich also besser bald stellen.

Genannt sind entwendeten Objekte in einem Artikel im Naumburger Tageblatt.

Denkmäler konstruktiv einhegen

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 27. Januar 2016 um 16:40 Uhr

Denkmäler ragen oft wie Relikte aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart. Längst vergessene Ehr-Regime haben einen Geehrten in Stein oder Kupfer in den öffentlichen Raum gestellt. Und mit dieser Setzung muss man klarkommen, auch wenn der Bezug zur Thema sich geändert hat oder verloren gegangen ist. Die laustarke Initiative „Rhodes must fall“ in Südafrika und England zeigt den in Bezug auf Personenkult sensiblen Deutschen, dass auch andernorts schwierige einstige Helden durch die Hintergrundfilme des Alltagslebens spuken.

Erfrischend ist, wie reflektiert man auf die geschichtsvergessenen Wünsche nach der einfachen Lösung der Bilderstürmerei (was ist nicht sehe, hat es auch nicht gegeben) reagiert. Nämlich nicht mit der bockigen Abwehrhaltung der unkritischen Verklärer von Monarchie und Republik im Kolonialzeitalter. Natürlich muss die Verherrlichung des Empires (nicht des Vereinigten Königreiches) dort ebenso den tempi passati angehören, wie es in Deutschland mit den Relikten vermeintlicher kolonialer Heldentaten sein sollte, die eigentlich Kriegsverbrechen waren. Sollten aber alle Spuren kolonialer Geschichte im öffentlichen Raum verschwinden?

Oder in welcher Form sollten sie entschärft oder ironisiert werden? Darüber wird gegenwärtig diskutiert. Deutschland holt damit die Beschäftigung mit einem Thema nach, das über Jahrzehnte marginalisiert und später zunächst nur aus europäischer Perspektive in den Blick genommen wurde. Alltagserfahrungen globaler Dynamiken haben nun zunehmend zu der Einsicht geführt, dass Kolonialgeschichte kein alleiniges Phänomen von Kolonien und kleinen Eliten in den „Mutterländern“ war, sondern eine gesamtgesellschaftliche Dimension weit über das Ende der formalen Kolonialzeit hinaus hat. Wissmann-, Woermann- und Trotha-Straßen und -denkmäler sind bis heute beredte Zeugnisse, weniger plakative Beispiele gibt es zu Hauf.

In der englischen Öffentlichkeit diskutiert man gegenwärtig darüber, wie man den wüsten Imperialisten Rhodes einhegen kann. Dort, wo er im öffentlichen Raum unkommentiert aufwartet, soll er nun durch Hinweistafeln kontextualisiert werden. „Konstruktiv“ nennt das Deutschlandradiokultur. „Sinnvoll und abgewogen“, nennen wir das aus der Sicht der Bismarck-Forschung. Dass man dabei nebenher noch etwas lernen kann, ja sogar dem vielbeschworenen historisch-politischen Bildungsauftrag nachkommen kann, in dem den moralisch nicht mehr haltbaren Bock durch Informationen über ihn zum Gärtner des historischen Wissens macht, zeigen in Punkto Bismarck die Ost-Thüringer in Gera. Aber die waren immer schon pfiffig und unaufgeregt.

Die lässige Haltung der alliierten Soldaten vor einem Bismarck-Denkmal auf dem Bild zeigt, dass man die Blochsche „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ aushalten kann, wenn man weiß, dass man historisch gewonnen hat.

Das Bismarck-Jubiläum in der Online-Presse: zwischen neugieriger Differenzierung und kritischen Gegenwartsbezügen

Geschrieben von Christian Wachter am Donnerstag, den 14. Januar 2016 um 12:00 Uhr

2015, das Jahr von Bismarcks 200. Geburtstag, ist vorübergegangen. Für die Otto-von-Bismarck-Stiftung ist das ein Grund, nicht nur auf ihr eigenes Jubiläumsprogramm und in diesem Zusammenhang auf die vielfältige Auseinandersetzung mit Bismarck zurückzublicken. Die Frage, inwieweit das Jubiläum Anlass für eine breitere öffentliche Diskussion über ihn und das Gedenken seiner war, schließt sich unmittelbar an.
Insbesondere die Presseberichte der vergangenen Monate sind ein Gradmesser dafür, welcher Stellenwert dem 200. Geburtstag Bismarcks in der Öffentlichkeit beigemessen wird, welche Bilder von Bismarck dabei gezeichnet und welche Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lagen hergestellt werden. Aus diesem Grund fassen wir die Pressestimmen diverser Online-Medien hier zusammen.

Vorangestellt sei, dass angesichts der großen Fülle an Berichten und bei aller gebotenen Differenzierung zu den thematisch wie meinungsbezogen unterschiedlichen Artikeln die Beschäftigung mit dem Altmärker und dem Gedenken an ihn durchaus markante Trends aufweist: Die beiden prominenten Pole der Bismarckrezeption – „Dämon der Deutschen“ auf der einen Seite, der „Heldenpolitiker“ auf der anderen – stecken für einen Großteil der Beiträge den thematischen Rahmen ab. Bezeichnend dabei ist, dass sie sich dem eher mit kritisch-differenzierender Neugierde widmen, um einen „authentischen Bismarck“ hinter diesen Zerrbildern kenntlich zu machen. Ein unverkrampftes Sich-Annähern und eine reflektierte Auseinandersetzung mit der vergangenen Bismarckrezeption ist die vorrangige Herangehensweise.

Zu dieser Annäherung gehört auch der Verweis auf neue wissenschaftliche Publikationen zum Jubiläumsjahr wie ihn zum Beispiel Ulrike Bosse auf NDR.de oder Angela Brünjes vom Göttinger Tageblatt geben; Peter Leusch vom Deutschlandfunk widmet sich der allgemeinen Frage „Wie blickt die Wissenschaft heute auf Otto von Bismarck?“. Eigene Beschreibungen der Presseseiten zu Bismarck greifen zumeist auf Christoph Nonns Biografie „Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert“ zurück, so etwa im Beitrag „Politisches Talent in einem Land voller Bauern“ von Winfried Sträter bei Deutschlandradio Kultur. Sträter hinterfragt auf diese Weise das Image von Bismarck als Verhinderer von Modernisierungen und resümiert: „In seiner Bismarck-Biografie stellt Nonn Bismarcks politisches Talent nicht in Frage und holt ihn doch von dem Sockel.“ „Einmal Otto von Bismarck ohne Mythos, bitte“ titelt Wolfgang Schneider auf Welt.de, um unter Rückgriff auf Nonns Buch eine Bismarckrezeption ohne Ideologisierung einzufordern. Die Differenzierungsbemühungen des Düsseldorfer Historikers werden hier allerdings durchaus kritisiert: „Man sieht Bismarck bei der Lektüre manchmal kaum noch vor lauter schrittweisen, vielschichtigen Prozessen.“ SZ.de hat unter der Überschrift „‚Ein ungewöhnlicher Knabe‘“ ein Gespräch veröffentlicht, das Oliver Das Gupta mit dem Historiker und Bismarckforscher Fritz Stern geführt hat. Hier kommt Stern auf die „ungewöhnlichen Begabungen“ und sein Verhältnis zu seinem Bankier Gerson von Bleichröder und zu Juden im Allgemeinen zu sprechen.

Ein Interview von Stephan Maus mit Nonn bei Stern.de soll der Klärung der Fragen dienen, was Bismarck uns heute sagen kann und wie seine historische Bedeutung einzuschätzen ist. Hierbei interessieren besonders die Auswirkungen bismarckscher Politik auf die Entwicklung deutscher Geschichte hin zu beiden Weltkriegen. Im Ergebnis heißt es für Nonn dazu: „Bismarck hat […] mit der von ihm bestimmten Verfassung von 1871 letztlich eine Hypothek für die Weimarer Republik geschaffen – keine unüberwindliche, aber doch eine schwere.“ Überhaupt: Die prominente Frage, inwiefern Bismarck haftbar gemacht werden kann für die Entwicklung hin zum Ersten Weltkrieg und zum Nationalsozialismus spielt wenig überraschend auch in weiteren Pressebeiträgen eine wichtige Rolle. Zwei Lager lassen sich hier grob ausfindig machen, die einerseits direkte Verbindungslinien konsequent ablehnen und die andererseits sein Wirken als beide Katastrophen stark begünstigend auffassen. Michael Stürmer schreibt auf Welt.de unter dem Titel „Bismarck ist den Deutschen fremd“: „Bismarck dachte im Begriff der Staatsräson. Ihn haftbar zu machen schon für Wilhelm II. und den Wilhelminismus kann nur, wer die Abrechnung des Kanzlers mit dem „persönlichen Regiment“ ignoriert.“ In Bezug auf den vor allem durch das national gesinnte deutsche Bürgertum getragenen Bismarck-Mythos heißt es bei Manuel Glasfort von NOZ.de: „Der Mythos trug dazu bei, die politische Kultur der Zwischenkriegszeit zu vergiften. […] Den Wunsch nach einem starken Führer machte sich der junge Adolf Hitler zunutze.“

Bei alledem sind die (manchmal auch nur vermeintlichen) Widersprüche im politischen Handeln, aber auch im Privatleben Bismarcks ein beliebtes Leitmotiv, um sich der charakteristischen Mischung aus dessen Gespür für Realpolitik, seinem diplomatischem Geschick sowie seiner wilden Schul- und Studentenzeit anzunähern und sie einzuschätzen. So bezeichnet der Historiker Christoph Jahr auf NZZ.ch den Reichskanzler als „Deutschlands ruhelosen Rittmeister“ dessen Charakterbild in der Geschichte schwanke. Schilderungen des unsteten Schülers und Studenten Bismarck werden etwa von Peter-Philipp Schmitt auf FAZ.net bemüht. Auch mit Anekdotensammlungen schicken sich einige Autoren an, hinter den „Eisernen Kanzler“ zu blicken oder einfach etwas Amüsantes zu vermitteln. „Seltsam, wie der Kaviar sättigt“ titelt so beispielsweise SZ.de und „Sprach der Fürst zum Bauern …“ Rainer Blasius von FAZ.net.
Immer wieder sind es auch Einzelthemen zur bismarckschen Politik, die behandelt werden. So gehen Rüdiger Achenbach und Alfried Schmitz vom Deutschlandfunk in ihrem Beitrag „Gegen den Ultramontanismus“ der Serie „Reichskanzler Otto von Bismarck und der Kulturkampf“ auf Bismarcks repressive Politik gegen „reichsfeindliche“ katholische Aktivitäten ein.

Auch wenn Bismarck von vielen Seiten ein – auf die Außenpolitik bezogenes – realpolitisches und diplomatisches Genie attestiert wird, die meisten Berichte verpassen es nicht, seine innenpolitischen Schwächen klar herauszustellen, die langfristigen Schwierigkeiten der Reichsgründung für die europäische Staatenkonstellation zu betonen sowie Bismarcks Methoden als ganz und gar unbrauchbar für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewerten. Eindeutig vertritt dies Volker Weiß auf Spiegel Online in seinem Artikel „Bismarck-Jahr 2015: Der deutsche Traum als Schrecken Europas“, um sodann einen direkten Bezug zum 200. Bismarckjubiläum herzustellen: „Deutschlands ökonomische Dominanz in der EU verstört andere. Schon aus diesem Grund dürfte Otto von Bismarcks 200. Geburtstag am 1. April 2015 international aufmerksam beobachtet werden. Die Frage, wie die Berliner Republik heute des Reichsgründers gedenkt, wird vieles über ihr Selbstverständnis aussagen.“ Weniger scharf, aber nicht minder eindeutig formuliert es Paul Munzinger von SZ.de im Artikel „Dämon außer Dienst“: „Deutschland braucht den einstigen Übervater nicht mehr – weder um sich anzulehnen noch um sich an ihm abzuarbeiten. Vielleicht können wir ja gerade jetzt etwas von ihm lernen.“

Dass Bismarcks Politik den Deutschen heute kaum als Vorbild dienen könne, liege eben an gewandelten Wertesystemen, an veränderten gesellschaftlichen wie politischen Grundbedingungen in einem Europa, in dem Machtpolitik des 19. Jahrhunderts keinen Platz habe – besonders keine auf bilateralen Geheimverträgen gründenden Bündnissysteme. Mit dem vielsagenden Titel „Für Deutsche gibt es bessere Vorbilder als Bismarck“ gibt John Kornblum von Welt.de diese Ansicht deutlich wider. Er attestiert Europa eine Leitung von negativen Selbstbildern. „Bis heute fesseln die Europäer Gefühle von Scham und Verlust, die seit 70 Jahren von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden. Diese Bürde aus Angst und Selbstzweifel behindert Europa ernsthaft beim Versuch, seine erheblichen Talente einzubringen in eine Welt, die sich im Zuge einer technologischen Revolution rasend schnell verändert.“ Sich auch auf ein reiches europäisches Erbe zurückzubesinnen sei nach Kornblum notwendig, um die „Kräfte des Fortschritts“ fruchtbar entfalten zu lassen – Bismarck als Reaktionär könne hierfür eben keine Orientierung bieten.

Zwei Artikel eines einzigen Presseorgans lassen die Ambivalenz, mit der Bismarck sowie die deutsche Erinnerungskultur behandelt werden, besonders deutlich werden: Albert Funk von Der Tagesspiegel stellt in einer Artikelüberschrift heraus: „Otto von Bismarck taugt nicht als Vorbild“, beklagt insbesondere „spalterische Methoden“ in Bismarcks Innenpolitik und resümiert über seine Außenpolitik nach der Reichsgründung, er habe gekittet, was zerbrochen gewesen sei. Dieser Kritik an Bismarck selbst, an seiner Ehrzuteilung sowie an der Bezugnahme auf ihn als politische Traditionsfigur für die Bundesrepublik stellt Christoph von Marschall den Artikel „Deutschlands Einheit ohne Pickelhaube“ zur Seite. Hierin heißt es als Fazit: „Diesen Bismarck, der Frieden durch Bündnispflege sichert, der die Sozialversicherungen schuf, dürfen die Deutschen auch heute getrost auf die Sockel heben. Wäre doch schade, wenn sie nach dem gedanklichen Denkmalsturz sinnentleert in der Landschaft herumstehen.“
Wie bei anderen umstrittenen Figuren der Geschichte oszilliert also die mal mehr, mal weniger deutlich positionierte Stellungnahme zu Bismarck um die Frage, inwieweit sich Einzelleistungen (wie etwa die Schaffung des Sozialversicherungssystems) oder Charakterzüge (wie Bismarcks politisches Talent, in Optionen zu denken) abstrahieren lassen vom übergeordneten Kontext der bismarckschen Politik. Überraschen kann dies angesichts der unterschiedlichen gesellschaftlichpolitischen Verortung der Presseorgane freilich nicht. In diesem Kontext geht es häufig auch um die Frage, inwiefern der „Eiserne Kanzler“ aus seiner Zeit heraus beurteilt oder an modernen Maßstäben gemessen werden muss. Im Kontrast zu den oben genannten, Bismarck an heutigen Politik- und Wertesystemen messenden Beiträgen, schreibt so etwa Michael Stürmer auf Welt.de unter der Überschrift „Bismarck, der weiße Revolutionär aus Deutschland“: „Den Zeitgenossen, von Friedrich Engels bis zu den Stockkonservativen, galt er als weißer Revolutionär. Bismarck – oder Talleyrand, Palmerston, Disraeli – zu messen nach der Political Correctness der Gegenwart, ersetzt Urteilsvermögen durch Gesinnung.“ Nüchtern heißt es weiter unten: „Ein preußischer Staatsmann, dessen Name man heute in Verbindung mit Mineralwasser und einem leckeren Hering kennt. Den Staatsmann aber weniger“.

Diesen Leitlinien folgend wurden ebenso die Jubiläumsveranstaltungen im „Bismarck-Jahr“ kritisch begleitet. Im oben erwähnten Artikel „Dämon außer Dienst“ heißt es: „[G]emessen daran, wie der Mann dieses Land einst umgetrieben hat, wirkt das Gedenken doch eher wie eine pflichtschuldige Übung, wie die leidenschaftslose Reaktion auf einen kalendarischen Zufall.“ Die Redeinhalte von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble während des zentralen Festaktes anlässlich des 200. Geburtstages bewertet Albert Funk in seinem oben angeführten Beitrag kritisch als „Ehrenrettung des ‚Eisernen Kanzlers‘“. Auch in Altkanzler Gerhard Schröder sieht der Autor einen „Bismarck-Versteher“, was wundere, da der erste Reichskanzler im Geschichtsbild der Deutschen zu verglühen scheine. Schäubles Wahrnehmung von Bismarck ist ebenfalls dessen Gastbeitrag bei FAZ.net mit der Überschrift „Politik ist die Lehre vom Möglichen“ zu entnehmen. Hierin heißt es zusammenfassend: „Beschäftigt man sich mit Bismarcks Politik in seiner Zeit, dann wird man weiser für den Umgang mit unseren heutigen Problemen. Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.“ Auch Norbert Blüm, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, zeichnet mit seinem Beitrag „Bismarck bleibt modern“ bei SZ.de ein positives Bild von Bismarck. Für ihn stehen die Leistungen des Reichskanzlers für den Sozialstaat im Vordergrund – damit ist das Statement des ehemaligen stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU ein weiteres Beispiel für solche Stimmen, die bestimmte Leistungen Bismarcks als beispielhaft in den Fokus rücken.

Die übrigen Artikel beschäftigen sich unter anderem mit der Vielfalt und den großen Dimensionen der Bismarck-Denkmäler, besonders in Form der Bismarcktürme, oder mit Straßenbenennungen. Einen Schwerpunkt hierauf legen etwa ZEIT Online unter dem Titel „Türme für den Kult-Kanzler“ sowie der bereits angeführte Beitrag „Dämon außer Dienst“, in dem auch das Projekt BISMARCKIERUNG der Otto-von-Bismarck-Stiftung verlinkt ist.
Ansonsten werden vornehmlich Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen zum Bismarck-Jubiläum oder Berichte über jüngst stattgefundene gegeben. MDR.de berichtet so über das „Bismarck-Treffen in Stendal“ mitsamt Podiumsdiskussion, weitere Artikel beziehen sich auf die Ausstellungen und Vorträge (nicht nur) der Otto-von-Bismarck-Stiftung, wie beispielsweise folgender von Andreas Müller auf MDR.de.
Regionale Bezüge stellen ein weiteres Themenfeld dar: Michael Groß berichtet für die Ostthüringer Zeitung über eine Ausstellung im Jenaer Bismarckturm und verweist dabei auch auf den besonderen Pflegeeinsatz des lokalen Vereins Berggesellschaft Forsthaus am Bismarckturm. Solche Pflegeeinsätze an Bismarckdenkmälern häuften sich zum 200. Jubiläum, ebenso die entsprechenden Presseberichte. WAZ.de verweist auf einen Vortrag von Christoph Nonn in Hagen und stellt dabei „Bismarcks besonderes Verhältnis“ zu der Stadt heraus.

In der Zusammenschau lässt ein Großteil der hier aufgeführten Texte deutlich werden, dass der differenzierte Blick hinter Stereotype keineswegs automatisch klare politische Urteile verhindert. Darüber hinaus fällt auf, dass sich internationale Stimmen rarmachen und die meisten Online-Artikel an den Tagen kurz vor oder nach Bismarcks Geburtstag am 1. April erschienen – in allgemeine Rückschauen auf das Jahr 2015 wird das Bismarckjubiläum kaum einbezogen. Auch Meldungen aus früheren oder späteren Monaten des Jahres sind selten und beziehen sich hauptsächlich auf aktuelle Veranstaltungen oder haben regionale Relevanz.

Eine seltene Ausnahme stellt Ulrich Schlies Gastbeitrag und Rückblick auf das Jubiläumsjahr „Bismarcks grosse Linie“ bei NZZ.ch dar. Hierin konstatiert Schlie: „Das zu Ende gehende Jahr war auch ein Bismarck-Jahr“, um sodann eher auf die dominierenden gesellschaftlichen, politischen Themen des Jahres 2015 zurückzuschauen und die Auseinandersetzung mit Bismarck hierzu ergänzend in Beziehung zu setzen. Dafür greift er die Bismarck-Bilder auf, die im Jubiläumsjahr von Historikern und Historikerinnen entworfen und verhandelt wurden, um zu schließen: „Bismarck bleibt ein Mann der Widersprüche. Der Kampf um das Bismarck-Bild begleitete dessen ganze Historiografie, auch 2015.“ Es folgt eine Nachzeichnung und Analyse von Bismarcks innen- wie außenpolitischem Vorgehen. Schlies Fazit: „Bismarcks Konstellationen haben mit denjenigen unserer Zeit wenig gemeinsam, seine Methoden, Stärken, auch seine Fehler zu studieren, ist gleichwohl ein lohnender Gegenstand von ungebrochener Aktualität.“ Die Aktualität Bismarcks bestünde nicht in Bezug auf den konkreten Inhalt seiner Politik oder seine Methoden, sondern in seinem Geschick für Diplomatie und Realpolitik im Allgemeinen; Bismarck habe sich als „antidoktrinär, instinktsicher und taktisch klug“ hervorgetan.

Na das fängt ja gut an: Mao ist 2016 erstmals größer als Bismarck!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 05. Januar 2016 um 09:06 Uhr

Vor 110 Jahren wurde in Hamburg das größte Bismarck-Denkmal eingeweiht. Bis heute ist es das höchste seiner Art, seine Sanierung ist im letzten Jahr beschlossen worden. Dabei wendet die öffentliche Hand die Gelder dezidiert dem Hamburger Wahrzeichen und nicht der mythischen Rolandsfigur des Reichsgründers zu. Nach zwei Diktaturen ist man in Deutschland sensibel geworden in Sachen Personenkult, was sich nicht nur im politischen Stil in Bund und Ländern, sondern auch im Umgang mit dem historischen Erbe der deutschen Länder ausdrückt.

Kurz: Man tut sich nicht selten schwer mit Straßennamen, Denkmälern und anderen Ehrungen, die in vergangenen Zeiten für seinerzeit als verdienstvoll erachtete Führungsfiguren aus Politik und Militär errichtet worden.

Während die Präsenz der Symbolfiguren des Kaiserreichs (Bismarck, Moltke, Kaiser Wilhelm I., usw.) bisher noch unumstritten scheint, wird seit einigen Jahren lebhaft um vermeintliche koloniale Helden wie Lothar von Trotha und deren Ehrungen im öffentlichen Raum diskutiert. Am prominentesten war zuletzt der vielerorts ausgetragene Streit um Hindenburg-Plätze und Straßen, Einzelheiten sollen hier nicht wiederholt werden.

So begrüßenswert diese Beispiele für gelebte Demokratie an sich schon sind, so relevant sind sie als lokalpolitische und zivilgesellschaftliche Debatten um Ehrregime auch für die Bismarck-Forschung. Diese endet bekanntlich nicht chronologisch mit Tod Bismarcks 1898, sondern nimmt auch das lange Ausgreifen des danach zu beachtlichen Merkwürdigkeiten ausgewachsenen Bismarck-Mythos in den Blick. In dem Projekt BISMARCKIERUNG sammeln und dokumentieren wir seit 2013 die Ehrungen für den Kanzler. Dabei interessiert uns ganz allgemein, wer wann und wo welche Form von Ehrung in die Landschaft brachte, sei es in Form von Denkmälern, Gedenksteinen, Benennungen von Straßen usw.

Aus der Kartierung der Welt mit Bismarck-Orten erhellt umgekehrt aber auch, wo genau das nicht geschehen ist, d.h. wo dem preußischen Gewaltpolitiker Ehrungen versagt worden. Selbstverständlich verzeichnen wir auch ehemalige Bismarck-Orte, denn die Umbenennungen sind eine bisher nicht,oder nur in Einzelfällen und am Rande untersuchte Facette der Geschichtspolitik und Erinnerungskultur in Staat und Gesellschaft.

Dafür, dass andere Nationen noch recht umbefangen und unkritisch mit ihren historischen Leit-Figuren umgehen, liefert die de jure noch immer sozialistische Volksrepublik China seit kurzem ein neues Beispiel. Eine 36 Meter hohe Mao-Figur erinnert an den nach offizieller Lesart unumstrittenen Staatsgründer. Damit ist Mao erstmals ein Denkmal gewidmet, das höher ist, als das 1906 in Hamburg errichtete Bismarck-Denkmal: der Chinese ist nun sitzend 1,7 Meter höher als der stehende Altmärker, bisher war ein mit 32 Metern auch auch schon beachtlicher Mao noch knapp kürzer. Dass China de facto schon seit etwa zwei Jahrzehnten in kapitalistischen Zuständen angekommen ist, beweist die wenig zurückhaltende Oberfläche des Revolutionärs. Sie ist aus purem Gold! Zumindest auf den ersten Blick. Tatsächlich ist der Riese nur golden angestrichen, wobei dem Reich der Mitte sein Staatsgründer schon ein paar Hundert Quadratmeter Blattgold hätte wert sein dürfen, oder?! Aber wie auch immer: Verglichen damit erscheint der schwert-bewehrte Bismarck-Roland fast schon zurückhaltend!

Auf der Abbildung ist eine Bismarck-Ehrung auf chinesischem Boden aus der Hochphase des europäischen Kolonialismus zu sehen.

Tagungsbericht „Kulturkämpfe“ erschienen

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 16. Oktober 2015 um 07:48 Uhr

Der Tagungsbericht zur Frankfurter Konferenz vom 3. bis 4. September über „Europäische Kulturkämpfe und ihre gegenwärtige Bedeutung“ ist bei HSozuKult erschienen und füllt seit gestern Abend den elektronischen Orkus noch ein wenig mehr an.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung dankt den Mitveranstaltern vom Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften der Universität Münster, vom Europäischen Institut für interkulturelle und interreligiöse Forschung (Triesen/Liechtenstein) und von der Evangelischen Akademie Frankfurt für die Zusammenarbeit bei dieser anregenden Tagung.

Besonders gilt dies für die Gastgeber in Frankfurt und für Justus Bernhard in Münster, der sich der Mühe unterzogen hat, das an zwei Tagen Gehörte in knapper Form zu Papier zu bringen.

Zum Bericht geht es hier.

Sansibar und andere Nordseeinseln

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 16. Juli 2015 um 11:58 Uhr

Es gab eine Zeit, da fiel den meisten Deutschen beim Stichwort „Sansibar“ nicht Sylt, sondern Helgoland ein. Nicht die Wochenendvergnügungen der Hamburger Schickeria, sondern karge Felsen mit endemischen Pflanzen kamen einem immer dann in den Sinn, wenn man beim Hören des Wortes „Sansibar“ automatisch auf Gedankenreise zu der sturmumtosten Nordsee-Insel ging.

Und wieso war das so? Weil der Tausch der zum deutschen Kolonialbesitz gehörenden Insel Sansibar vor der ostafrikanischen Küste gegen die bis dahin britische Insel Helgoland im Jahr 1890 eine der ersten außenpolitischen Handlungen Wilhelms II. nach der Entlassung Bismarcks gewesen war.

So jedenfalls ist Geschichte durch die Köpfe von Generationen von Deutschen hindurch bis fast in die Gegenwart weitererzählt worden (bis eine zur Premiummarke aufgestiegende Bar dem Wort „Sansibar“ eine völlig andere Konnotation gegeben hat, doch das ist nicht unser Thema).

In England hat diese Lesart nie jemand ernst genommen. Und auch auf Sansibar nicht. Oder sonst irgendwo auf der Welt. Und wieso nicht? Nun, weil sie nichts als eine langlebige Legende aus der Feder Bismarcks ist. Eines der vielen Störfeuer des  „Alten aus dem Sachsenwald“ gegen die Politik seines Nachfolgers. Aus Anlass der 125. Wiederkehr des Tauschs berichteten jüngst verschiedene Presseartikel über das Ereignis und dessen irrwitzige Rezeptionsgeschichte, am ausführlichsten die Welt. In seinem dortigen Artikel wies Ulli Kulke mit Nachdruck darauf hin, dass der Tausch schon zu Bismarcks Amtszeit verhandelt und vorbereitet worden sei, anders als von diesem später dargestellt. Auch habe das Deutsche Reich nicht, wie Bismarck es hinstellte, „einen Knopf für einen Rock“ bekommen, denn Sansibar habe – so Kulke völlig richtig – nie zum deutschen Kolonialbesitz gehört. Das ist der springende Punkt! Deutschland konnte nur auf etwaige Ansprüche und spätere Erwerbswünsche verzichten, mehr nicht! Völlig zurecht macht Kulke Bismarcks Version als dreiste Geschichtsklitterung erkenntlich. Denn Bismarck überging die großangelegte koloniale Flurbereinung Caprivis und pickte sich mit „Sansibar gegen Helgoland“ nur einen Punkt aus vielen heraus.

Dabei ging es ihm bei seiner Kritik eigentlich gar nicht um die Sache, also um die beiden Inseln an sich. Was Bismarck störte war der gesamte „Neue Kurs“ Wilhelms II. Außen- wie innenpolitisch. Vielleicht hätte er sogar selbst den deutschen Rückzug aus dem Phantasiebesitz Sansibar mit dem Erwerb Helgolands in die Wege geleitet. Da es nun aber sein Nachfolger getan hatte, und zwar nach Verhandlungen, denen Bismarck nicht beigewohnt hatte und über die er nur Mutmaßungen anstellen konnte, war es ihm unmöglich, etwas anderes darin sehen, als einen von vielen Schritten hin zur Zerstörung seiner mühsam arrangierten Machtbalance.

Der Gipfel dieser eigenmächtigen Politik war etwa zeitgleich die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrags durch Wilhelm II. Bismarck schäumte über diese Wende gegenüber seiner Politik. Eine Übereinkunft mit England in Sachen Sansibar bzw. Helgoland passte in diese ihm verhasste Neuausrichtung.

Dies alles nur als Anmerkung. Und allen Kolonialromantikern ins Stammbuch:

Das deutsche Reich war auf Sansibar nur eine von vielen europäischen Mächten, die sich neben den indischen und arabischen Vertretern in Handel und Wirtschaft auf einem jahrhundertealten Umschlagplatz tummelten. Oder besser: zu tummeln suchten. Dass man dafür ein Kanoneboot auffahren ließ, um seinen Interessen am ostafrikanischen Festland Nachdruck zu verleihen, entsprach den ruppigen politischen Gepflogenheiten der Zeit, beunruhigte aber weder Portugiesen noch Engländer. Einen Fußbreit Land auf der Insel hatte und hätte man ohne erhebliche Konflikte mit den tatsächlichen See- und Lokalmächten damit nicht gewinnen können. Das Verhältnis der sagenumwobenen Eilande war aus deutscher Sicht also doch eher andersherum: Knopf (oder besser Knöpfchen) gegen Rock! Man denke an Millionen glücklicher Butterfahrten zur größten Insel in der Deutschen Bucht! Und an die dortigen SansiBar…

Bock auf Bismarck? Wirklich?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 19. Mai 2015 um 10:08 Uhr

Eine der wichtigsten Botschaften der Otto-von-Bismarck-Stiftung ist die von der doppelten Historisierung Bismarcks. Landauf, landab werden wir nicht müde, die noch immer anzutreffenden Befürchtungen auszuräumen, wir strickten noch weiter am Mythos vom Reichseiniger und Eisernen Kanzler, vom Ehrlichen Makler und weltabgewandten Landjunker. Der Bismarck-Mythos, zu dem diese Bilder gehören, hatte sich seit den 1890er Jahren zwischen den historischen Bismarck und seine Rezeption in der Gegenwart gestellt. In vielen Köpfen spukt der verklärte Staatsmann noch immer herum, weshalb wir immer wieder postulieren: Schluss damit! Beide sind historisiert, der echte Bismarck und der Mythos um ihn. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich und am Ende in aller Regel überrascht positiv, wenn klar wird, dass wir mit historisch-kritischer Distanz zwei Bismarcks untersuchen: denjenigen, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Und denjenigen, der, durchaus noch mit Bismarcks eigenem Zutun, in nationalkonservativer Absicht aus ihm gemacht wurde.

Selten bekommt man bei dieser Argumentation eine so wirkungsvolle Unterstützung wie seit gestern in Hamburg. Dort haben österreichische Künstler, ausgerechnet ;-), dem größten Bismarckdenkmal zwischen Nord- und Südpol Hörner aufgesetzt. Aus Anlass des Hamburger Architektur-Sommers stellten sie dem grimmigen Roland einen überdimensionalen Steinbock auf den Kopf. Weithin sichtbar scheint er das Denkmal erstiegen zu haben und schaut keck von der Stirn Bismarcks hinab – bereit zum Sprung nach St. Pauli. Ironischer kann der Bismarck-Mythos kaum gebrochen werden. Bismarck scheint das nicht zu stören, er wird es geduldig ertragen. Obwohl, Achtung Kalauer von Gabriele Wurl, Bismarck war Widder, nicht Steinbock! Wer hier nun Verhohnepiepelung, Frevel und Respektlosigkeit am Werke sieht, dem sei noch einmal kurz gesagt: Es gibt zwei Bismarcks. Den echten und den zum Mythos erhobenen Reichsgründer. Der Echte wird durch die unsäglichen Graffiti am Fuss des Denkmals besudelt. Auf Letzterem steht bis in den Juli ein alpiner Paarhufer.

Erste Bilder liefert die Presse.

NDR

Hamburger Abendblatt

Hamburger Morgenpost

BILD-Zeitung

Unser Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:SteinbockGabinten.jpg

„Bismarck and Great Britain“ ab jetzt in „Great Britain“

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 07. Mai 2015 um 20:16 Uhr

Wen der hohe Pfundkurs nicht schreckt oder wer mit dem Absturz der Traditionswährung nach der heutigen Wahl rechnet, dem empfehlen wir eine Reise nach London und einen Besuch unserer Sonderausstelleung dort. Im Institute of Historical Research (IHR) der University of London ist seit gestern und noch den ganzen Mai die Sonderausstellung über „Bismarck und Großbritannien“ zu sehen.

Eröffnet wurde Sie durch eine Keynote des deutschen Botschafters in London, Dr. Peter Ammon, und Einführungen des Hausherren, Prof. Lawrence Goldman, sowie der Organisatoren, PD Dr. Karina Urbach und Dr. Ulf Morgenstern. 130 Gäste lauschten dem spannenden Vortrag des Bismarck-Biographen Jonathan Steinberg, Professor in Cambridge und Pennsylvania. Seine pointierten Ausführungen unter dem Titel „Why Bismarck matters today“ führten dazu, dass das Publikum der City den Wein und die Snacks des anschließenden Empfangs warten ließen und erst einmal in eine lebhafte Diskussion eintraten.

Die Ausstellung wird „in the UK“ im Laufe des Jahres noch wandern, aber für den Moment heißt die Devise: Auf nach London ins IHR, Senate House, Malet Street!

Näheres zur Eröffung auf der Homepage der Deutschen Botschaft sowie in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Weitere „Bismarckierungen“ in den Medien

Geschrieben von Christian Wachter am Samstag, den 18. April 2015 um 08:32 Uhr

In unserem Artikel „Ständig etwas zu bismarckieren“ haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Medien im Jahr von Bismarcks 200. Geburtstag natürlich besonders intensiv über alles mögliche berichten, das mit dem ersten deutschen Reichskanzler zu tun hat. Die hochfrequentierten Beiträge setzen sich zu diesem besonderen Anlass (mal mehr, mal weniger) kritisch mit Bismarck auseinander. Neben Berichten, die explizit die historische Figur und ihre Rezeption in den Blick nehmen, treten solche, die öffentliche Orte mit einem Bismarck-Bezug thematisieren. In Form von Denkmälern, Straßen, aber auch „Bismarck-Apotheken“ und anderem manifestiert sich ein Stück Erinnerungskultur. Wenn in Zwickau eine „Schiller-Apotheke“ 110 Jahre alt wird, darf anscheinend im besonderen Jahr 2015 nicht der Hinweis fehlen, dass sie ursprünglich doch Bismarcks Namen trug.

Solche Orte haben in Deutschland eine gefühlte Allgegenwart – irgendetwas mit Bismarck-Bezug findet sich quasi immer in der Nähe. Deswegen ist die Sache an sich nicht neu, doch das Besondere an der aktuellen Berichterstattung ist, dass sie Initiativen erkennbar werden lässt, die der runde Geburtstag vielerorts hervorzubringen scheint. Diese dienen der Verschönerung eines Denkmals, zur Benennung einer Straße, oder beabsichtigen, den diskursiven Streit um die historische Deutung von Bismarck für die Gegenwart zu entscheiden. Letzterer Punkt äußert sich etwa in dem Sinn oder Unsinn, der der Sanierung eines Bismarckdenkmals zugeschrieben wird, oder in der erörterten Frage, wie ein solches Denkmal in dem Sanierungskonzept einer Grünanlage zu berücksichtigen ist. Als gutes Beispiel hierfür können aktuelle Bestrebungen in Hamburg genannt werden, den Alten Elbpark zu verschönern. Immerhin ist der Park Heimat des weltweit größten Bismarckdenkmals, das durch umstehende Bäume nicht aus allen Perspektiven problemlos betrachtet werden kann und dessen Eigengewicht es langsam aber sicher zur Seite neigen lässt. Hier wird munter über Gestaltungsvarianten diskutiert.
Wer weiß, wie in ein paar Jahren die Umgebung des „Roland“-Standbildes von Bismarck aussehen wird – in jedem Fall werden wir die Impressionen von der entsprechenden „Bismarckierung“ in unserer interaktiven Weltkarte anpassen.