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Standort Friedrichsruh

Juan Prim y Prats – ein monarchistischer Revolutionär oder: Auf der Suche nach einem neuen König für Spanien

Geschrieben von  Dr. Maik Ohnezeit Dienstag, den 15. März 2016 um 07:49 Uhr

Objekt: Fotografie Juan Prim y Prats


Material: Papier/Karton


Herstellung: um 1860/65


Herstellungsort: Madrid


Maße: Breite: 6,3 cm; Höhe:10,5 cm


Standort: Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung


Inventar-Nr. Bestand 14/7/1, ohne Inventarnummer

 


Von Ina Redwanz

Die aus der fotografischen Sammlung des Archivs der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh stammende Abbildung des spanischen Generals und Politikers Juan Prim y Prats führt zurück in die Zeit vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Die Fotografie, die um 1860[1] von Jean Laurent aufgenommen wurde, zeigt Juan Prim y Prats, der seit 1868 Innenminister und seit 1869 Ministerpräsident und Kriegsminister in Spanien war.[2] Prim wurde ist 1814 in Reus (Katalonien) geboren und im Alter von 56 Jahren ermordet.

 

Der französische Fotograf Jean Laurent lebte von 1816 bis 1886 und hatte seit 1843 seinen Wohnsitz in Madrid. 1856 errichtete er sein Fotostudio in der Nähe des Abgeordnetenhauses und machte seine Leidenschaft zur Profession. Die Adresse des Studios ist auf der Rückseite der Fotografie, bei der es sich um eine Carte de Visite handelt, angegeben (39, Carrera de S. Geronimo, Madrid). Laurent fertigte vor allem Landschafts- und Städteaufnahmen an, aber auch von interessanten oder populären Persönlichkeiten existieren Fotografien. Darauf lässt auch der ihm zwischen 1861 und 1868 verliehene Titel „Fotógrafo de Su Majestad la Reina“, die ihn als Hoffotografen Königin Isabellas II. ausweisen, schließen. Seine im Auftrag der Regierung angefertigten Fotografien von öffentlichen Bauten wie Straßen, Brücken, Bahnhöfen, Häfen und Kanälen in Spanien wurden sogar auf der Pariser Weltausstellung 1867 präsentiert. Er gilt als einer der bedeutendsten Fotografen aus dem Spanien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dessen Fotografien noch heute öffentlich präsentiert und gewürdigt werden.[3] Im Jahr 1868 eröffnete er in Paris ein Geschäft, das dem Verkauf seiner Fotografien diente, (27, rue Richelieu, à Paris).

 

Zum ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme führten die soziopolitischen Umstände in Spanien zunehmend zu Konflikten zwischen der sehr konservativ und autoritär eingestellten Regierung mit Isabella II. als Königin sowie den linksliberalen Strömungen, die zunehmend gegen das repressive System der spanischen Krone protestierten. Gegen dieses Aufbegehren der linken Opposition versuchte die rechtsgerichtete Regierung mit drastischen Mitteln vorzugehen, jedoch spitzte sich die Lage weiter zu, bis sich die Spannungen schließlich in der Revolution von 1868 entluden.[4] An dieser Stelle spielte Juan Prim y Prats eine entscheidende Rolle, da er maßgeblich an der Ausübung des Putsches beteiligt war und somit auch am Sturz von Isabella II. Die Revolution hatte weitreichende Folgen, die in der Problematik der spanischen Thronfolgefrage, die wiederum im Deutsch-Französischen Krieg gipfelte.

 

General Juan Prim, der sich im militärischen Dienst ausgezeichnet und früh politisch engagiert hatte, ging aus den Parlamentswahlen vom Januar 1869 erfolgreich als neuer Ministerpräsident hervor und war somit in der Position, bei der Wahl des spanischen Thronfolgers (die Einführung der Republik stand für Prim und seine politischen Verbündeten nicht auf der Tagesordnung) seine Stimme verlauten zu lassen und die Entwicklung zugunsten seiner Vorstellungen beeinflussen zu können. Der Vorschlag, den Sohn Isabellas, Kronprinz Alfons, Fürst von Asturien, für die spanische Thronfolge in Betracht zu ziehen, wurde von Prim abgelehnt, da er gegen die Thronbesteigung eines Bourbonen war. Grund für diese Ablehnung war das Bestreben, Spanien weitestgehend vom französischen Einfluss zu befreien. Dies kam ebenfalls dem zunehmend antifranzösischen Kurs des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck entgegen, in dessen Interesse es lag, eine Hohenzollernkandidatur zu befürworten. Als geeigneter Kandidat erschien der spanischen Regierung schließlich Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der zum einen mit Kaiser Napoleon III. verwandt war und zum anderen der katholischen Line des Hauses Hohenzollern entstammte. Ein weiterer Vorteil im Zusammenhang mit der Kandidatur des Prinzen Leopold für die spanische Thronfolge, schien für die spanische Regierung darin zu liegen, dass Spaniens Stellung in Europa durch die hinter Prinz Leopold stehende Großmacht Preußen gestärkt werden könnte.[5] Frankreich signalisierte jedoch bald, dass es diese Entscheidung nicht tolerieren werde.

 

Hier stellt sich die Frage, ob der Vorschlag für die Kandidatur von Seiten der Regierung Prims mit zweifacher Absicht intendiert war, um Bismarcks Konfrontationskurs gegenüber Frankreich zu ermöglichen. Durch ein Verschärfen der französisch-preußischen Beziehungen wäre Spanien aus dem Mittelpunkt der Interessen gerückt, und Prim hätte ganz nach seinen Präferenzen einen geeigneten Thronfolger vorschlagen können.[6] Letztendlich folgte Prim jedoch nicht Bismarcks taktischen Überlegungen, die darauf abzielten, Frankreich vor vollendete Tatsachen bezüglich der Thronfolgefrage zu stellen, sondern sorgte vielmehr dafür, dass der französische Botschafter in Madrid frühzeitig informiert wurde, um die prekäre Lage zu entschärfen und die aufgebrachte französische Regierung und öffentliche Meinung zu beruhigen. Dies gelang letztlich nicht, und nach einer Abfolge diplomatischer Auseinandersetzungen erklärte das Kaiserreich Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg. Die Folgen sind bekannt: Frankreich verlor diesen Waffengang, Kaiser Napoleon III. seinen Thron und die Deutschen erhielten ihren Nationalstaat.

 

Nach dem Scheitern der Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern fiel die Wahl Prims schließlich auf den italienischen Prinzen Amadeus von Savoyen, der Ende November 1870 vom spanischen Parlament zu neuen König gewählt wurde. Wenige Wochen später, am 27. Dezember 1870, wurde Prim von einer Gruppe unbekannter Männer angegriffen und durch Schusswaffen schwer verletzt. Er verstarb angeblich drei Tage später an seinen schweren Wunden. Die Umstände dieses Verbrechens und seine Urheber konnten bis heute nicht eindeutig ermittelt werden. Forensische Untersuchungen im Jahr 2012 ergaben, dass Prim vermutlich nicht an den Schussverletzungen gestorben ist, sondern nach dem Anschlag erdrosselt wurde.

 

Die hier gezeigte Fotografie erhielt sich in einer Sammlung von Fotografien aus dem Nachlass Otto von Bismarcks mit weiteren Persönlichkeiten aus Politik und Militär Spaniens aus den 1860er Jahren.



[1]http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ALAURENT%2C_1861%2C_RETRATOS.pdf&page=5

[2] Vgl. Ohnezeit, Maik, Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Ursachen und Kriegsausbruch, in: Ganschow, Jan; Haselhorst, Olaf; Ohnezeit, Maik (Hrsgg.), Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte. Verlauf. Folgen, Graz 2009, S. 44 f.

[3] So präsentierte zum Beispiel die National Gallery of Art in Washington im November/Dezember 2011 Fotografien Laurents in einer Ausstellung mit dem Titel „The Solemnity of Shadows: Juan Laurent’s Vision of Spain“, https://www.nga.gov/exhibitions/2011/laurent/laurent.pdf, letzter Besuch am 31.10.2014.

[4] Vgl. Ohnezeit, S. 44.

[5] Ebd., S. 49.

[6] Vgl. Kleinmann, Hans-Otto, Die spanische Thronfrage in der internationalen Politik vor Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, in: Kolb, Eberhard (Hrsg.), Europa vor dem Krieg von 1870, München 1987, S. 129.

 

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