Sie befinden sich hier: Otto von Bismarck Stiftung Standort Friedrichsruh Forschen und Entdecken Sie befinden sich hier: Exponat des Monats Ein Amboss für den Reichsschmied

Standort Friedrichsruh

 

Objekt: Eichenstamm mit eisernem Amboss, dazu sieben Werkzeuge und diverse Verziehrungen, beschriftet mit „Nord-Süd“

Hersteller: Die Bergischen Schmiede von Remscheid (Hans Friedel)

Material: Eiche, Buche, Eisen, Gold, Metalle, Emaille, Leder

Maße: 1,41 x 80 x 70cm

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Inventar-Nummer: A 052

 

Von Änn Theuerkorn

Betritt man den vierten Raum des Bismarck-Museums in Friedrichsruh, so fällt neben dem riesigen Gemälde, welches die Kaiserproklamation von 1871 zeigt, vor allem ein Exponat sofort ins Auge: Ein eiserner Amboss auf einem massiven Eichenstamm. Reich sind die Verzierungen dieses Geschenks, welches der Altreichskanzler Otto von Bismarck zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 von den Bergischen Schmieden in Remscheid überreicht bekam.

 

So wird der Amboss zum einen von einem vergoldeten Lorbeerkranz geschmückt – ein Sinnbild für Sieg und Patriotismus. Zum anderen findet man einen Eichenzweig und natürlich den Eichenstamm, der das Gerüst des Exponats bildet: Die Eiche ist seit jeher ein Symbol der deutschen Mentalität und steht für Stärke, Beständigkeit und Treue. Auch der Ledergurt, welcher um den Eichenstamm gespannt wurde und einige der sieben Werkzeuge hält, steht symbolisch für Haltbarkeit. Weiterhin findet man auf dem Museumsstück eine kleine Kaiserkrone und das Abbild eines Reichsadlers, welche sehr zentral auf dem Objekt angeordnet sind.

 

Der Amboss und die Werkzeuge, auf die das Augenmerk hauptsächlich fällt, vertritt die wichtigste Symbolik des Exponats: Bismarck als „Schmied des Deutschen Kaiserreiches“. Auch die Schriftzüge „Nord“ und „Süd“, die sich auf den Hälften einer Eisenstange auf dem Exponat befinden, und die Wappen der sieben deutschen Bundesstaaten symbolisieren den Zusammenschluss der süddeutschen Staaten und dem Norddeutschen Bund zu einem vereinigten Kaiserreich.

 

Die Bezeichnung Bismarcks als „Reichsschmied“ ist ein schon von den Zeitgenossen häufig benutzter Begriff und spielt auf die Tatsache an, dass es vor allen Dingen der Politik des Altreichskanzlers zu verdanken ist, dass 1871 aus Deutschland, welches wenige Jahre zuvor noch aus verschiedenen Territorialstaaten bestand, das Deutsche Kaiserreich hervorging. Bereits 1866, nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg, aus dem Preußen als Sieger hervorging, hatte Bismarck für die Annexion der deutschen Staaten gesorgt, die auf der Seite Österreichs gestanden hatten. Die mit Preußen verbündeten norddeutschen Staaten bildeten seit 1867 mit der Hohenzollern-Monarchie den Norddeutschen Bund. Dieser gilt als Vorläufer des deutschen Nationalstaates.

 

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71 gliederte das Deutsche Reich den Zankapfel Elsass-Lothringen an und sorgte im Rahmen von Verhandlungen für den Beitritt der süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund. Somit war die Nationalstaatsbildung besiegelt, und am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal des Versailler Schlosses der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Otto von Bismarck wurde sein erster Reichskanzler.

 

Der Ablauf der Reichsgründung lässt an die Worte Otto von Bismarcks aus dem Jahre 1862 erinnern: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut“. Ein Verweis auf dieses Zitat bietet auch die Inschrift, welche unter dem großen Amboss aus dem Museum zu finden ist:

 

„Der mit Eisen und Blut

Aus Haders Glut

Geschmiedet des neuen Reiches Krone –

Nimm Bergischer Schmiede Dank zum Lohne“

 

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