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Standort Friedrichsruh

Dekoration Nr. 65 oder: Noch ein Orden… Der Königliche Hausorden von Hohenzollern, Großkomturkreuz mit Brillanten

Geschrieben von  Dr. Maik Ohnezeit Freitag, den 19. Dezember 2014 um 15:21 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

Objekt: Königlicher Hausorden von Hohenzollern, Großkomturkreuz mit Brillanten

Hersteller: Unbekannt, verliehen am 02.09.1873

Material: Silber, Gold, Emaille, Steine

Maße: 8,8 x 5,8 x 1,3 cm

Gewicht: 60g

Zustand: Gebrauchsspuren

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Inventar-Nr.: O 040 a, b

 

Von Rayk Unger

Die Zahl in der Artikelüberschrift verweist nicht etwa auf die Inventarnummer des Exponats, sondern auf die fünfundsechzigste Auszeichnung, die Otto von Bismarck am 2. September 1873 – dem ersten „Sedantag“[[1]] – anlässlich der Einweihung der Siegessäule in Berlin durch Wilhelm I. für seine großen Verdienste um den preußischen Staat verliehen wurde. Bei der exklusiven Dekoration handelt es sich um Kreuz und Stern der Grosskomture des Königlichen Hausordens von Hohenzollern in Brillanten, die insgesamt nur fünfmal verliehen wurde. [[2]]

Der Königliche Hausorden von Hohenzollern wurde am 18. Januar 1851 durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gestiftet beziehungsweise in die Riege der „Königlichen Preußischen Orden“ aufgenommen. In Art. 2 der Statuten heißt es dazu:

„Den Königlichen Hohenzollernschen Haus-Orden wollen Wir dem Andenken an den Ursprung und die Ausbreitung Unseres Königlichen Hauses widmen,[…]“. [[3]]

Auch deshalb verlieh der König die Auszeichnung an jene Personen,

„welche um die Erhaltung des Glanzes und der Macht des Königlichen Hauses sich verdient gemacht und eine besondere Hingebung an Uns und Unser Haus an den Tag gelegt haben[…, Art. 3]“. [[4]]

Die 2. Klasse des in Inhaber, Ritter, Komtur und Grosskomtur gegliederten Ordens, nämlich das Ritterkreuz des Hausorden, wurde Bismarck als zweite seiner Auszeichnungen schon am 11. Oktober 1851 – also nur wenige Monate nach der Stiftung – für seine Verdienste um das Königshaus verliehen und ähnelt stark dem Grosskomturkreuz in Brillanten.

Der Orden selbst besteht aus einem weiß emaillierten Ruppert-Kreuz [[5]] mit schwarzer Umrandung, deren Kreuzarme durch einen zweigeteilten Kranz – zum einen aus Lorbeeren und zum anderen aus Eichenlaub – miteinander verbunden werden. Vom Kranz umschlossen ist die auf den territorialen Werdegang hinweisende – die Dynastie stammt ursprünglich aus Süddeutschland und expandierte in den nord- und ostdeutschen Raum – Devise der Hohenzollern zu lesen: „Vom Fels zum Meer“. Der Leitspruch umschließt seinerseits den preußischen Adler, der das Wappenschild des Hauses auf seiner Brust trägt und Zepter sowie Reichsapfel in seinen Klauen hält. [[6]] Die Rückseite enthält das Stiftungsdatum: „Den 18. Januar 1851“ und die Initialen „FWR“ des Stifters König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. [[7]] Als Überhöhung des Ordenskreuzes dient die preußische Königskrone. [[8]]

Das Kreuz der höchsten Stufe des Ordens in Brillanten unterscheidet sich durch den nicht ganz am Zentrum anliegenden Kranz – dieser ist in der Großkomturstufe auch nicht grün emailliert – und durch eine breite Umrandung der Kreuzarme mit Brillanten von Komtur- und Ritterkreuz. Bis auf die Kreuzarme sind sowohl Überhöhung als auch Kreuz mit Brillanten geschmückt. [[9]]

Ab dem 18. Oktober 1861 gehörte durch eine Erweiterungsurkunde der Statuten durch Wilhelm I. zur Auszeichnung ab der Stufe Komtur neben dem Kreuz auch ein Stern. Der Bruststern der Großkomture in Brillanten ähnelt stark der Vorderseite des Großkomturkreuzes, die Kreuzarme sind jedoch nicht in Brillanten eingefasst. Zudem ist der Korpus durch 8 brillantierte Strahlen umschlossen.

Die Verleihung der höchsten Stufe dieses gewichtigen preußischen Ordens, der hierarchisch an dritter Stelle nach Schwarzem und Rotem Adlerorden einzuordnen ist, war dem Reichskanzler allerdings nicht sonderlich wichtig, dem nach eigener Aussage „ein Faß guten alten Rheinweins oder ein gutes Pferd viel lieber gewesen“ wäre. [[10]] Auch wenn sich Otto von Bismarcks Wertschätzung dieser Dekoration in Grenzen hielt, verleiht dieses außergewöhnliche Exponat einer der Vitrinen des Bismarck-Museums doch einen besonderen Glanz.



[1] Als „Sedantag“ wurde der Jahrestag der gewonnen Schlacht von Sedan am 2. September 1870 bezeichnet, der ab 1873 als „halboffizieller Nationalfeiertag“ begangen wurde. Der Tag galt seit dem Einzug der siegreichen Truppen in Berlin als „nationaler Erinnerungstag“ an den Krieg gegen Frankreich. Der militärisch-monarchische Aspekt der Feierlichkeiten überwog allerdings stark die Erinnerung an den Friedenschluss und wurde von kaiserlicher Seite nie als offizieller Nationalfeiertag proklamiert. Vgl. Arndt, Ludwig; Müller-Wusterwitz, Nikolaj: Die Orden und Ehrenzeichen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck, Offenbach 2008, S. 196; Vogel, Jakob: Nationen im Gleichschritt. Der Kult der ´Nationen in Waffen´ in Deutschland und Frankreich, 1871-1914, Göttingen 1997, S. 144ff.

[[2]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 196.

[[3]] http://ordensmuseum.de/historische-oe/der-konigliche-hausorden-von-hohenzollern/; aufgerufen am 21.02.2014.

[[4]] Siehe Fußnote [3].

[[5]] Das Ruppert-Kreuz ist ein Templerkreuz, welches sich von diesem nur durch die konvexen, d. h. die gewölbten Kreuzarmenden unterscheidet. Vgl. Scharfenberg, Gerd; Thiede, Günter: Lexikon der Ordenskunde. Von Adlerschild bis Zitronenorden, Regenstauf 2010, S. 475.

[[6]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 27.

[[7]] http://ordensmuseum.de/historische-oe/der-konigliche-hausorden-von-hohenzollern/; aufgerufen am 21.02.2014.

[[8]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 27.

[[9]] Ebd. S. 198.

[[10]] Ebd. S. 199.

 

 

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