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Bismarck - Ein Mitglied der Toskana-Fraktion?

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Dienstag, den 17. Juli 2012 um 11:30 Uhr

Wen ziehen in diesen eher trüben norddeutschen Sommertagen nicht unwillkürlich die Gedanken gen Süden - nicht nur in den Palazzo Chigi, wo Signore Monti unermüdlich an der Eindämmung der italienischen - und damit europäischen Finanzkrise arbeitet, sondern in guter alter teutonischer Sehnsuchtstradition an den lauen Sommerabend vor dem toskanischen Ferienhaus bei vino, donna respektive uomo und canzone. Das gerade die so überlaufene mittelitalienische Region jenseits aller Klischees noch manche überraschende Entdeckung birgt, beweist das uns von einem Mitarbeiter aus Colle Val d'Elsa  übermittelte Schild eines Ortsvereins des Partito Rifondazione Comunista. Wir trauten unseren Augen nicht. Leider haben wir keine nähere Kenntnis über Leben und Wirken des genannten Arcangelo Vieri, noch - und das treibt uns natürlich noch mehr um - was das radikale Überbleibsel des traditionell in Mittelitalien besonders starken Partito Comunista Italiano (PCI) mit Bismarck verbindet. Uns interessiert es brennend! Weiß jemand von Ihnen mehr?

Holz für Bochum

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Donnerstag, den 12. Juli 2012 um 07:26 Uhr

Erst kürzlich ergab eine Umfrage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), dass "die Bochumer ... ihren Bismarckturm am liebsten" hätten. Was es damit genau auf sich hat, können Sie hier nachlesen. Nun haben wir bei einer kursorischen Sichtung des ehemaligen Fürstlich von Bismarck'schen Guts- und Wirtschaftsarchivs eine kleine archivische Miszelle gehoben, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Man begnügte sich also vielfach nicht mit einer schlichten Namensgebung, sondern bemühte ein authentisches Zeugnis vom genius loci, dem Sachsenwald bei Hamburg, um dem zur mythischen Gestalt verklärten Bismarck zu huldigen. Die Nachkommen des ersten Reichskanzlers, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders emsig am Mythos strickten, kamen solchen Bitten gerne nach. Wir werden Ihnen schon bald einige Dutzend solcher im Gutsarchiv überlieferter "Petitionen" auf unserer Bildersammlung bei flickr.com zeigen können.

 

Bismarck im Keller!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 27. Juni 2012 um 07:57 Uhr

Hamburg und Bismarck, Bismarck und Hamburg, das war und ist eine spannungsreiche Beziehung. Am Beginn seiner Regierungszeit zog der Kanzler vor die Tore der stolzen Hansestadt nach Friedrichsruh. Unter seiner Ägide trat die Stadt - seit der Reichsgründung ein Bundesstaat - durch das Zollanschlussabkommen dem Deutschen Zollverein bei, und baute sich als Hintertür die Speicherstadt, in der die alten Rechte der Händler auf zollfreie Lagerung von Importgütern beibehalten wurden. Nach Bismarcks Tod wurde in Hamburg das größte Denkmal für den Kanzler weltweit gebaut. Heute steht es eingewachsen von hohen Bäumen in einem Park und hat durch diese grüne Umrahmung etwas von seiner Exponiertheit verloren. Der Name ist aber nach wie vor in der Stadt präsent. So heißt eines der zentralen Hotels nach dem Fürsten, ein Altherrenruderverein ist nach ihm benannt, und und und. Da staunten wir nicht schlecht, wie ein Hamburger Museum mit dem eisernen Kanzler umgeht. Zugegeben, viele der Bismarckbüsten und -porträts sind geschmackliche Wagnisse des späten 19. Jahrhunderts und verlangen nicht unbedingt nach einem repräsentativen Platz in einem Kunstmuseum unserer Tage. Aber muß eine Pappabblidung des Alten wirklich in den Keller geschoben werden, noch dazu wenn die künstlerische Umsetzung seiner Person so farbenfroh ist?

Gefunden haben den Pappkameraden zwei Museumsbesucher, die so spät noch durch die Ausstellungsräume wandelten, dass der Haupteingang bereits abgeschlossen war. Daher wurden sie durch einen Kellergang ins Freie gelassen und staunten nicht schlecht über den freundlichen älteren Herren, der ihnen den Weg durch die Katakomben des Museums wies. Vielen Dank für die Zusendung des Fotos. Sie hätten - wie wir jetzt aufgeklärt wurden - das Bild freilich gar nicht machen und erst recht nicht weiterleiten dürfen, und wir hätten es folgerichtig auch nicht ins Netz stellen dürfen, was schade ist, da wir einen Bismarck in rosa bisher wirklich noch nicht hatten! Wer also einen solchen sehen möchte, muß sich wohl oder übel in den mehr als 300 Hamburger Museen ans Ende der Schließzeiten herantasten und hoffen, einen ungewöhnlichen Weg hinaus gewiesen zu bekommen.

Neue Karikaturen auf flickr

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Dienstag, den 19. Juni 2012 um 10:15 Uhr

1890 erschien im Pariser Verlag Perrin im Klein-Oktav-Format das Buch "Bismarck en caricatures. Avec 140 reproductions de caricatures allemandes, autrichiennes, francaises, italiennes, anglaises, suisses, américaines, dont 2 coloriées". Zusammengestellt hatte diese Übersicht der französische Journalist John Grand-Carteret (1850-1927), dessen Karikaturensammlung bereits zu Lebzeiten gerühmt wurde. Wir haben 125 Karikaturen aus diesem Werk auf unserer flickr-Seite hochgeladen, auf der wir auch weiterhin in unregelmäßigen Abständen Illustrationen, Fotografien, Grafiken und andere Bilder aus unseren Archivbeständen bekannt machen möchten. Schauen Sie häufiger rein!

 

Bismarck und die Jazzlegende

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Montag, den 18. Juni 2012 um 09:00 Uhr

Zu den Merkwürdigkeiten des bereits zu Lebzeiten grassierenden Bismarck-Kultes gehörte die Adoption des Familiennamens, freilich ohne präpositives Adelsprädikat. Über den Künstlernamen "Bismarck" haben wir vor kurzem an dieser Stelle in Zusammenhang mit Fußball berichtet. Aber wussten Sie, dass einer der bedeutenden Vertreter der 'weißen' Chicagoer Schule des Jazz, der 1903 geborene Cornettist Leon 'Bix' Beiderbecke, ebenfalls den Namen des ersten Reichskanzlers trug? Sein Vater, Ende des 19. Jahrhunderts aus Mecklenburg in die USA eingewandert, trug den Vornamen Hermann Bismarck und gab ihn - leicht verkürzt - an seinen zweitältesten Sohn weiter. Aus "Bismarck" wurde "Bismark" und schließlich das prägnante Kürzel "Bix", nachdem der Spross sehr zum Unwillen seiner Eltern eine musikalische Karriere im Geburtsort Davenport (Iowa) und endlich im "roaring" Chicago der 1920er Jahre eingeschlagen hatte. Er wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem der führenden Musiker des frühen Jazz, der durch kühle und klare Improvisation das Kornett- und damit das Trompeten-Spiel revolutionierte. "Bix" starb bereits 1931 an den Folgen einer Lungenentzündung, die nicht zuletzt auf seinen für Musiker nicht ungewöhnlichen fahrlässigen Lebenswandel zurückging. Ein wunderbares, 1987 erstmals ausgestrahltes Hörfeature von Ror Wolf über Leben und Werk des Leon Bismark Beiderbecke können Sie am Sonntag, den 24. Juni, um 18.20 Uhr auf SWR 2 hören: Unbedingt empfehlenswert!

Kinder ins Museum!

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Donnerstag, den 14. Juni 2012 um 18:31 Uhr

Von außen macht das Bismarck-Museum in Friedrichsruh einen eher nüchternen Eindruck. Hirschgeweih und Fachwerk lassen kaum vermuten, welche kulturhistorischen Schätze sich hinter der Fassade verbergen. Gerade Kindern bleibt der Zauber vieler mehr oder weniger bunter Objekte, die eine Menge Geschichten erzählen können, häufig verschlossen. Um die mentalen Barrieren vor dem Eintritt ins Museum aufzubrechen, hat die Otto-von-Bismarck-Stiftung als betreuende Einrichtung nun eine Kinder-Rallye durch die Ausstellungsräume konzipiert, die Kindern im Grundschulalter vermitteln soll, dass Geschichte nicht langweilig sein muss, sondern gleichermaßen spannend und erkenntnisreich erzählt werden kann. Begleitet von Dogge Sultan begeben sich die jüngeren Besucher auf Spurensuche durch die Geschichte Otto von Bismarcks und seiner Zeit und entdecken an den vielen, ganz unterschiedlichen Exponaten viele spannende und kuriose Details, die auch den Erwachsenen häufig verborgen bleiben. Auf laminierte Kärtchen gedruckte Bilder wecken die Neugier, die durch knapp und einfach gehaltene Informationen auf der Rückseite gestillt, aber nicht überfrachtet wird. So wird letztlich der Entdeckergeist der jungen Besucher geweckt und damit ein wichtiges Ziel der museumspädagogischen Arbeit am Erlebnis- und Lernort Friedrichruh erreicht, wie Dr. Andreas von Seggern, zuständiger Mitarbeiter der Siftung, betont: „Wir wollen mit unserem neuen didaktischen Angebot ganz bewusst eine der Grundvoraussetzungen in den Lehrplänen von Grundschulen, das selbständige und handlungsorientierte Lernen, fördern helfen. Wir laden alle in Frage kommenden Schulen, aber natürlich auch Familien mit Kindern, herzlich ein, dieses Angebot kennenzulernen.“ Offiziell vorgestellt wird die Kinderrallye des Bismarck-Museums im Rahmen eines Kindertages, den die Otto-von-Bismarck-Stiftung gemeinsam mit dem Garten der Schmetterlinge am 29. Juli diesen Jahres plant und dessen Programm ab Anfang Juli bekannt gegeben wird.

Kriege für Ehre? Ein Vortrag von Prof. Birgit Aschmann

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Donnerstag, den 14. Juni 2012 um 05:17 Uhr

Zahlreiche Duelle im 19. Jahrhundert zeigten die verbreitete Bereitschaft vieler Bürgerlicher, für die Ehre das Leben zu riskieren. Aber nicht nur den Einzelnen, sondern auch dem Staat bzw. der Nation wurde eine solche Ehre zugesprochen, die es im Falle einer Beleidigung kollektiv zu verteidigen galt. Waren womöglich die deutsch-französischen Kriege des 19. Jahrhunderts 1806, 1813 und 1870 „nur“ ein Kampf um die nationale Ehre? Dieser Frage stellt sich die Referentin Prof. Dr. Birgit Aschmann von der Humboldt-Universität Berlin in einem Vortrag für die Otto-von-Bismarck-Stiftung am heutigen Donnerstag, 14. Juni 2012, 19.30 Uhr, im historischen Bahnhof Friedrichsruh. Der Eintritt zu dieser letzten Vortragsveranstaltung der Stiftung vor der Sommerpause ist wie immer frei.

Fritz Stern zu Besuch in Friedrichsruh

Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern am Freitag, den 08. Juni 2012 um 11:20 Uhr

Zu einem spontanen Besuch fand sich am Freitag, den 8. Juni, der amerikanische Historiker Fritz Stern in Friedrichsruh. Stern, der mit seiner Familie 1938 vor dem Terror der Nationalsozialisten in die USA geflohen war, wurde u.a. bekannt durch seine bahnbrechende Untersuchung "Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder", die 1978 erstmals auf Deutsch erschien und die seinen Ruf als bedeutendster US-amerikanischer Historiker mit Schwerpunkt auf der deutschen Geschichte maßgeblich begründete. Stern, der von Dr. Andreas von Seggern begrüßt wurde, hatte Friedrichsruh bei seinem Forschungsaufenthalt für die Studien seines Bleichröder-Bandes Mitte der 1970er Jahre zuletzt besucht und zeigte sich beeindruckt von der wissenschaftlichen und pädagogischen Tätigkeit der bundeseigenen Otto-von-Bismarck-Stiftung.

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