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SENSATIONELLER FUND IM EDISON-ARCHIV!

Geschrieben von Conwebia am Dienstag, den 31. Januar 2012 um 06:10 Uhr

Sie zählte wohl zu den meist gesuchten Tondokumenten der Welt. Die Stimme Otto von Bismarcks, nachweislich nach übereinstimmenden zeitgenössischen Presseberichten am 7. Oktober 1889 vom Repräsentanten der Edison-Company, Theo Wangemann, anlässlich eines Besuches beim Kanzler in Friedrichsruh auf Walze aufgezeichnet. Und nun ist sie tatsächlich aufgetaucht - die New York Times berichtet in Ihrer Montags-Ausgabe. Ebenfalls seit gestern freigeschaltet, der entsprechende Eintrag auf der Seite des Edison National Historic Park in West Orange, New Jersey. Die Aufnahme finden Sie - gemeinsam mit anderen Tondokumenten (u.a. zwei Beiträgen Moltkes) - hier. Da rauscht und knistert es knappe zwei Minuten lang, und doch schmimmert bisweilen der O-Ton hörbar durch. Die Sensation in der Sensation ist aus unserer Sicht aber die - von der zeitgenössischen deutschen Presse bezeichnenderweise verschwiegene - Tatsache, dass Bismarck neben der ersten Strophe des amerikanischen Volksliedes "In good old colony times", den ersten Zeilen des Uhland-Gedichtes "Als Kaiser Rothbart..." sowie dem Studenten-Hauer "Gaudeamus igitur" den Beginn der "Marseillaise" zu Gehör bringt - sicher nicht unbedingt nach dem Geschmack der Mehrzahl seiner Verehrer. Mehr über diesen historischen 'scoop' in Kürze auf unserer Homepage.

200 Jahre Ludwig Windthorst

Geschrieben von Conwebia am Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 07:17 Uhr

Alle Welt redet zur Zeit über den "Alten Fritz". Der 300. Geburtstag Friedrichs II. (des "Großen") von Preußen stellt - wie zu erwarten - alles in den Schatten, was das Jahr 2012 an Gedenktagen zu bieten hat. Alles? Nein, vor allem im westlichen Niedersachsen wird dieser Tage eines Mannes gedacht, der vor gut 200 Jahren, genau am 17. Januar 1812, auf dem Gut Caldenhoff bei Ostercappeln in der Nähe Osnabrücks geboren wurde. Sein Name bleibt untrennbar verbunden mit dem Aufstieg des politischen Katholizismus in Deutschland, er avancierte - neben Eugen Richter und August Bebel - zum bedeutenden parlamentarischen Gegenspieler Otto von Bismarcks, dessen historische Größe sich freilich weniger auf das Körperliche (er maß etwa 1,50 Meter) sondern vielmehr auf seine rhetorische Brillanz bezog. Die Rede ist von Ludwig Windthorst, über den die westniedersächsische Presse dieser Tage ausführlich berichtet, zum Beispiel hier. Und es spricht nicht unbedingt für ausgeprägte politische Souveränität Bismarcks, dass er den Argumenten Windthorsts, die sich dezidiert nicht nur gegen die Ausnahmegesetze gegen die Katholiken im Kulturkampf, sondern auch gegen jene zur Bekämpfung der Arbeiterbewegung wandten, in der Regel nur mit unverhohlener Wut begegnete. Bekannt (und berüchtigt) ist sein Bonmot, dass sein Leben zwei Dinge "erhalten und verschönen (...): meine Frau und - Windthorst. Die eine ist für die Liebe da, der andere für den Haß." Immerhin würdigte Bismarck ihn - freilich mit spöttischem Unterton - bisweilen auch als "den hervorragendsten der Opposition", was im Preußischen Landtag am 29. Januar 1886 laut Protokoll jedoch eher für Heiterkeit sorgte. Wie dem auch sei: Ludwig Windthorst ist unbestritten einer der herausragenden Vertreter der Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland. Dem trägt auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung mit dem Vortrag "Ludwig Windthorst - Bismarcks Gegner" von Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff von der Universität Hannover am 9. Mai 2012 Rechnung. Wer die Zeit bis dahin nicht abwarten kann, mehr wissen oder mitfeiern möchte, sei auf das eindrucksvolle Programm des  Ludwig-Windthorst-Hauses und der gleichnamigen Stiftung im emsländischen Lingen hingewiesen.

Neue Edition der Gedanken und Erinnerungen

Geschrieben von Conwebia am Dienstag, den 24. Januar 2012 um 13:37 Uhr

Die „Gedanken und Erinnerungen“ zählen bis heute zu den am häufigsten verlegten und meistgelesenen Erinnerungen eines Politikers weltweit.  Nun hat die Otto-von-Bismarck-Stiftung eine neu edierte, historisch-kritisch kommentierte Ausgabe vorgelegt. Sie ist im renommierten Schöningh-Verlag Paderborn erschienen.
Die neue Ausgabe der „Gedanken und Erinnerungen“ enthält den anhand der Originalvorlagen sorgfältig überprüften Text der Memoiren Otto von Bismarcks. Lese- und Schreibfehler aller bisherigen Editionen wurden beseitigt. Darüber hinaus finden sich im Anhang fünf erstmals publizierte umfangreiche Denkschriften Herbert von Bismarcks. Diese ermöglichen einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Memoiren. Zahlreiche Sachanmerkungen erleichtern dem Leser zugleich die Lektüre.
Bearbeitet haben den Band die Historiker Prof. Dr. Eberhard Kolb und Prof. Dr. Michael Epkenhans, zwei der renommiertesten Forscher zur Geschichte des deutschen Kaiserreichs. Vorgestellt wird der Band nun, nach der ersten Präsentation in Berlin im Herbst vergangenen Jahres, auf einer öffentlichen Veranstaltung der Otto-von-Bismarck-Stiftung am Donnerstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr im Stiftungsgebäude in Friedrichsruh. Es sprechen die beiden Bearbeiter des Bandes; darüber hinaus wird der Hamburger Schauspieler Thomas Fitschen einige Auszüge aus dem Werk lesen. Der Eintritt ist frei!

Erfolgreicher Start ins neue Veranstaltungsjahr

Geschrieben von Conwebia am Dienstag, den 17. Januar 2012 um 13:50 Uhr

Zu einem beliebten kulturellen Treffpunkt zu Beginn eines jeden Jahres hat sich mittlerweile der Neujahrsempfang entwickelt, zu dem die Stiftung seit knapp zehn Jahren gemeinsam mit dem Verein zur Förderung der Otto-von-Bismarck-Stiftung nach Friedrichsruh einlädt. 110 Freundinnen und Freunde der Stiftung nahmen am vergangenen Freitag die Gelegenheit zum regen Austausch und zur Information über das kommende Veranstaltungsjahr wahr. Zuvor hatte sich auf der Sitzung des Fördervereins der seit langen Jahren verdienstvoll wirkende Vorstand von den Ämtern zurückgezogen und einer neuen Generation den Weg bereitet. Auf den seit den Gründungstagen wirkenden Michael von Schmude folgt nun Norbert Brackmann, seines Zeichens Mitglied des Bundestages für den Kreis Herzogtum Lauenburg, als Vorsitzender des Vereins.

Unser Programm für die erste Jahreshälfte

Geschrieben von Conwebia am Mittwoch, den 04. Januar 2012 um 07:23 Uhr

Allen unseren Nutzerinnen und Nutzern wünschen wir ein glückliches Neues Jahr voller Gesundheit und Tatendrang. Wie wäre es, wenn Sie einen nicht geringen Teil Ihrer kulturellen Aktivitäten in Friedrichsruh verbringen? Um Ihnen diesbezüglich ein wenig Orientierung zu geben, stellen wir Ihnen heute unser Frühjahrsprogramm vor. Wir haben uns wieder bemüht, sowohl den Interessen der professionellen Zunft als auch jenen der allgemein an der Geschichte Interessierten gerecht zu werden und hoffen - wie in den vergangenen Jahren auch - auf Ihr zahlreiches Erscheinen zu unseren Veranstaltungen.

STIFTUNG UND MUSEUM VOM 24.12. BIS ZUM 01.01.2012 GESCHLOSSEN!

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 23. Dezember 2011 um 08:08 Uhr

Vom 24. Dezember 2011 bis einschließlich 1. Januar 2012 bleiben sowohl die Otto-von-Bismarck-Stiftung als auch das Bismarck-Museum in Friedrichsruh geschlossen. Ab 3. Januar 2012 sind wir zu den gewohnten Öffnungszeiten wieder für Sie da!

EIN FROHES WEIHNACHTSFEST

Geschrieben von Conwebia am Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 06:36 Uhr

Auch wenn etwa der Tannen- respektive Christbaum bereits an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert nachzuweisen ist, so ist die Tradition des Weihnachtsfestes, wie wir es über alle Zeitläufte hinweg in Deutschland bis heute im Kern noch immer zelebrieren, ein Produkt des 19. Jahrhunderts. Der biedermeierliche Rückzug ins Private, vor allem aber der bürgerliche Hang zu vordergründigem Glanz, zu Repräsentation und Ausschmückung war diesbezüglich besonders kennzeichnend. Kein anderes Medium spiegelt diese Tradition des christlichen Familienfestes sichtbarer wieder als die auflagenstärkste und wirkungsmächtigste Illustrierte dieser Epoche, die "Gartenlaube". Mit einer zeitgenössischen Impression dieses Blattes möchten wir allen Nutzerinnen und Nutzern unserer Homepage, allen Freundinnen und Freunden der Otto-von-Bismarck-Stiftung und allen Kolleginnen und Kollegen der Forschung und historisch-politischen Bildung ein frohes Weihnachstfest und einen guten Start in das Jahr 2012 wünschen. Bleiben Sie uns gewogen, wir haben noch viel mit Ihnen vor!

Bismarck und der DGB.

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 19. Dezember 2011 um 10:36 Uhr

Methodische Betrachtungen über den "iconic turn" und mögliche Anregungen für die "animal history"

 

Wissenschaftliche Schwerpunktsetzungen unterliegen Konjunkturen. Wenn ein neuer Virenstamm aus dem Westnilgebiet über die USA nach Griechenland gelangt, haben beispielsweise deutsche Immunologen gute Chancen auf eine Projektbewilligung durch eine EU-Förderagentur, das liegt auf der Hand. Und was wie selbstverständlich für naturwissenschaftliche Themen gilt, kann abgewandelt auch in den Geisteswissenschaften zutreffen. Ganz allgemein kann etwa nicht nur für die Geschichtswissenschaft gesagt werden, daß ein seismographisches Nachvollziehen gesellschaftspolitischer Großwetterlagen in Antragstexten für Drittmittelprojekte deren Erfolg erhöht. Die inhaltlichen und methodischen Verschiebungen der Jahrzehnte nach 1968 können hier in vielerlei Gestalt Beispiele liefern.

Kommen dann noch methodische Innovationen hinzu, die alte Gegenstände in neuem Licht zu betrachten versprechen oder gar ganz neue historische Phänomene zu erkunden versuchen, kann es - da öffentliche Resonanz garantiert - zu einer regelrechten Modewelle kommen, auf die gern andere mit aufspringen. Als besonders fruchtbar erwiesen sich hier vor allem Anleihen aus dem breiten Methodenspektrum der Sozial- und Kulturwissenschaften, die mehrfach zu sogenannten "(cultural) turns" führten. Wie nachhaltig die jeweilige "Wende" war oder ist, kann heute in vielen Fällen noch nicht ermessen werden. Der Erfolg des nahezu 100 Jahre alten "linguistic turns" ist eine Tatsache, kein Historiker wird heute mehr an der banalen Aussage vorbeikommen, daß die (Quellen-)Sprache mehr weiß als ihre Benutzer. Die Hinwendung zu Orten und Schauplätzen als Determinanten historischer Entwicklungen, wie sie Karl Schlögel in seinem phantastischen, 2003 erschienenen Buch "Im Raume lesen wir die Zeit" vorgemacht hat, haben ihm hingegen bisher nur wenige explizit nachgemacht; der vielversprechende "spatial turn" läßt in der Breite des Faches Geschichte bislang auf sich warten. In einem anderen Fall ist die Verbindung von neuem-alten Gegenstand mit (scheinbar) neuem methodischen Herangehen erfolgreicher gewesen. Denn wenn Historiker seit einigen Jahren Bilder betrachten, und somit nichts weiter tun, als eine zuvor gelegentlich vernachlässigte Quellengattung stärker zu untersuchen, sind sie auf der Höhe fachlicher Innovation, haben sie doch das Postulat des "iconic turns" verinnerlicht. Daß hier beileibe nicht alles sensationell oder überhaupt neu ist, belegt der Blick in die Literatur. In Bezug auf Bismarck sei pars pro toto nur auf zwei einschlägige Titel hingewiesen, die die Rezeption bidwissenschaftlicher Arbeitsweisen in der Geschichte schon vor mehr als zwei Jahrzehnten dokumentieren [1].

Fruchtbarer als die nicht selten etwas konstruiert wirkenden "(cultural) turns", die vornehmlich neue Betrachtungsweisen versprechen, sind in der Geschichtswissenschaft aber immer noch die originellen Fragestellungen. Das Aufgreifen ganz neuer Themen(bereiche) ist in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem mit seinem erfolgreichsten Beispiel, dem Schlagwort "Gender"verbunden, wobei hier die Grenzen zwischen neuem Gegenstand und neuen methodischen Herangehensweisen fließend sind.

Ein neues altes Thema hat in den letzten Jahren vor allem durch die soliden, mode-unverdächtigen Bemühungen des Paderborner Historikers Rainer Pöppinghege Aufmerksamkeit gewonnen: das der "Animal History". In einem in der deutschsprachigen Literatur bisher einzigartigen Sammelband hat Pöppinghege Arbeiten zusammengeführt, die das breite Feld der Nutzung tierischer Fähigkeiten durch den Menschen im Krieg vermessen [2]. Hier zeigt sich, wie fruchtbar eine diachrone Zusammenstellung, an sich heterogener Themen sein kann. Daß bis in die allerjüngste Vergangenheit ohne Pferde kein Krieg zu führen war, ist eine nur vordergründig banale Einsicht. Ihr werden in komplexen Beiträgen zahlreiche andere tierrische Beispiele an die Seite gestellt  (Bienen, Elefanten, Maultiere, Brieftauben usw.).

Eine ähnlich vielversprechende epochenübergreifende Fragestellung aus dem spannenden Verhältnis Mensch-Tier ist das der Indienstnahme von Tieren für die Persönlichkeitsinszenierung. So wurden Tiere bis ans Ende der frühen Neuzeit vor allem zur Herrschaftsinszenierung herangezogen. Besonders seltene Arten wie Pfauen sollten den schillernden Reichtum der Herrscher verdeutlichen, besonders starke Tiere symbolisierten zudem die Macht und Kraft des Potentaten, zu denken ist etwa an den Elefanten, auf dem der zu überseeischem Reichtum gekommene portugisiesche König Manuel im frühen 16. Jahrhundert durch das staunende Lissabon ritt oder die zahllosen Löwen und Panther an europäischen Höfen der Jahrhunderte danach.

Etwas harmloser erscheinen da die Herrscherproträts mit Hunden, den scheinbar volkstümlichsten Tieren. Am häufigsten sind Hunde im Umfeld von Jagden oder Ausritten gemalt, die gehören hier als unabdingbares Accessoire zum emblematischen Inventar. Im Zeitalter der Fotographie scheint sich das zu ändern, denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm das Halten von Hunden zu reinen Hobbyzwecken stark zu. In manchen gesellschaftlichen Sphären gehörte der Hund gewissermaßen dazu, ob das nun praktisch war oder nicht, im Falle der eigentlich an Hörsäle gebundenen Studenten darf das bezweifelt werden [3].

Das nebenstehende Foto Bismarcks mit seinen Doggen "Tyras" und "Rebecca" ist eine Ikone aus dieser Zeit und steht symbolhaft für den gesamten Bereich "Mensch (=Mann) und Hund" im ausgehenden 19. Jahrhundert [4]. Es ist nicht das einzige Bild Bismarcks mit seinen Hunden, was nicht wundert, denn der Kanzler ließ sich nicht nur in Friedrichsruher Mußestunden mit seinen Hunden ablichten, sondern erschien mit seinen tierischen Begleitern auch auf Kurreisen oder bei der Regierungsarbeit in Berlin. Legendär ist der Angriff von Tyras auf den russischen Außenminister Gortschakoff, dem beim Berliner Kongreß 1878 unerwartet die Hosen zerrissen wurden. Auch der Berliner Bürger konnte den hochgewachsenen Pommern mit seinen riesigen Tieren, die er übrigens selbst züchtete, gelegentlich durch das Zentrum der Reichshauptstadt spazieren sehen - daß Bismarcks Doggen bald die "Reichshunde" hießen, war da nur eine Frage der Zeit. Bismarck war hier ganz Kind seiner Zeit, die schichtübergreifend auf den Hund kam. Bewußt oder unbewußt wählte er die seinerzeit größte Rasse aus, die erst Dänische, dann nach 1864 Ulmer und später Deutsche Dogge hieß. [5]

Andere deutsche Herrscher und Politiker hielten keine Doggen mehr, zu sehr waren diese mächtigen Tiere mit der den Obrigkeitsstaat symbolisierenden Figur Bismarcks und seinem rigiden Politikstil verbunden. Welcher Hund hätte besser dazu gepaßt als die riesigen Doggen, deren Schulterhöhe schon Bismarcks Zeiten gelegentlich einen Meter erreichten? Obwohl die Futterkosten wohl keine Rolle spielen dürften, hält Königin Elisabeth II. von England Corgies. Praktische Gründe dürften für die seit Jahrzehnten zwischen dem Londoner Buckingham Palace, dem nahen Windsor und dem schottischen Balmoral pendelnde Monarchin ausschlaggebend für die Rassenwahl gewesen sein. Und schon Wilhelm II. wollte wohl nicht nur moderater wirken als Bismarck, sein ihn häufig begleitender Dackel "Waldmann" ist jedenfalls nicht als Gewalttäter in die Geschichte eingegangen. Über Hitlers Tierliebe braucht hier nichts geschrieben zu werden und auch die Tierliebe der Politiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts könnte hier nur streiflichtartig angerissen werden.

Interessant ist das Thema aber ungemein und eine Kulturgeschichte des Hundes an der Seite der Mächtigen ist ein beklagenswertes Desiderat. So könnten in einer Verbindung von soziologischen, psychologischen, ikonographischen und allgemeinhistorisch hermeneutischen Methoden Inszenierungs- und Repräsentationstechniken analysiert und so eine tatsächlich bisher unbeachtete Facette der Politikgeschichte sichtbar gemacht werden. Vielleicht wäre dann auch zu verstehen, warum sich der gegenwärtig höchste Repräsentant der organisierten Arbeitnehmer Deutschlands, der seinem Anspruch nach die Arbeiterschaft in toto vertretende DGB-Vorsitzende Michael Sommer, für ein Interview in der BILD-Zeitung im Dezember 2011 ausgrechnet in schwerer Lederjacke mit seinen Doggen "Hannah" und "Theo" fotographieren ließ.

 

[1] Thomas W. Gaethgens, Anton von Werner. Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreichs. Ein Historienbild im Wandel preußischer Politik, Frankfurt a.M. 1990; sowie der Ausstellungskatalog "Der Lotse geht von Bord. Zum 100. Geburtstag der weltberühmten Karikatur, hrsg. v. Herwig Guratzsch, Bielefeld [1991].

[2] Rainer Pöppinghege (Hrsg.), Tiere im Krieg. Von der Antike bis Gegenwart, Paderborn 2009. Aus der englischsprachigen historischen Literatur verwiesen auf Linda Kalof/Brigitte Resl (Hrsg.), A culural history of animals, 6 Bde., London 2008.

[3] Vgl. Barbara Krug-Richter, Hund und Student - eine akademische Mentalitätsgeschichte, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 10 (2007), S. 77-104.

[4] Wolfgang Wippermann, Biche und Blondi. Tyras und Timmy. Repräsentation durch Hunde, in: Lutz Huth/Michael Krzeminski (Hrsg.), Repräsentation in Politik, Medien und Gesellschaft, Würzburg 2007, S. 185-202.

[5] Vgl. ebd. S. 192.