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Bis in die Gegenwart dominiert der Nationalstaat unser historisches Bewusstsein. Die Großreiche Europas waren dagegen schon in den Augen der Zeitgenossen unzeitgemäße Gebilde. Aber Empires prägten die Geschichte Europas weit länger und stärker als die historisch relativ späte Erfindung des Nationalstaats. Der Freiburger Historiker Jörn Leonhard zeigt in seinem Vortrag in der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, wie die Habsburgermonarchie, das Zarenreich, das Osmanische Reich und das Britische Empire im 19. Jahrhundert auf die Vielfalt ihrer Herrschaftsstrukturen und ethnischen Gruppen reagierten und sich zugleich mit dem Modell des Nationalstaats auseinandersetzten. Die Vortragsveranstaltung am Donnerstag, dem 8. März 2012, beginnt um 19.30 Uhr im Stiftungsgebäude, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh. Der Eintritt ist wie immer frei.

Kunst am (Bismarck-)Turm

Geschrieben von Conwebia am Donnerstag, den 23. Februar 2012 um 06:55 Uhr

Bismarcktürme zählen zu den sichtbarsten steinernen Zeugnissen des Bismarck-Mythos im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Viele dieser Denkmäler haben sich bis heute erhalten, nicht selten in Vergessenheit geraten, bisweilen aber auch wieder genutzt - vor allem als Ausflugs- und Aussichtspunkt. Mehr über diese Objekte finden Sie im Netz zum Beispiel auf dieser informativen Seite. Der Lichtkünstler Oliver Bienkowski aus Neuss nutzte die 1901 errichtete Bismarcksäule im schönen Augsburg für eine Installation. Schön!

Vortrag über Eupen und Malmedy im "langen 19. Jahrhundert"

Geschrieben von Conwebia am Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 09:37 Uhr

Am morgigen Donnerstag, den 16. Februar 2012, um 19.30 Uhr, lädt die Stiftung herzlich zu einem Vortrag über die gerade in unserer Region nur wenig bekannte Geschichte der rheinpreußischen Grenzkreise Eupen und Malmedy ein. Unter dem Titel ""An den äußersten Westmarken der vaterländischen Sache dienen": Die rheinpreußischen Grenzkreise Eupen und Malmedy 1815-1914" referiert der am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn tätige Volkskundler Dr. Sebastian Scharte, der über dieses Thema 2008 an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster promovierte. In seinem Vortrag gibt Scharte einen Einblick in die preußischen Jahre der über einen langen Zeitraum hinweg umstrittenen, heute zu Belgien gehörenden Kreise. Wie wurde das Grenzland von außen, durch Reisende und Gäste wahrgenommen? Deutsch? Belgisch? Preußisch? Aus den willkürlichen Grenzen des frühen 19. Jahrhunderts waren am Vorabend des Ersten Weltkrieges mentale Schranken geworden. Scharte geht dabei insbesondere der Frage nach, wie die Menschen, die 1815 zu Preußen, 105 Jahre später jedoch bereits zu Belgiern wurden, diesen Staatenwechsel empfunfen haben und wie bei ihnen der Prozess der Nationalisierung verlief, der die Grenzregion und ihre Bewohner bis heute prägt. Wie empfanden und beschrieben Besucher der heutigen deutschsprachigen Gemeinschaft vor mehr als einem Jahrhundert das Deutsch-Werden und Deutsch-Sein der Ostbelgier? Der Eintritt zu dieser - von Lichtbildern begleiteten - Veranstaltung in den Räumen der Stiftung, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh, ist wie immer frei!

 

 


Auch das noch...

Geschrieben von Conwebia am Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 06:36 Uhr

'Googelt' man heuer nach dem Stichwort "Bismarck", staunt man zunächst nicht schlecht: Nun peitscht der Bismarck sehr posthum auch noch die Alpen aus, wie man dem Kulturteil von ZEIT-online entnehmen kann: hier. So sahen ihn bisweilen ja bereits zeitgenössische Karikaturisten, wie die nebenstehende amerikanische Zeichnung - der Reichskanzler den Reichstag "zähmend" - belegt. Hinter der vielversprechenden Schlagzeile verbirgt sich jedoch lediglich ein Kunstprojekt des Künstlers Julius von Bismarck; das als Historiker werten zu wollen, müssen wir uns enthalten - nur soviel: Es handelt sich um den Ur-Ur-Ur-Enkel Bernhard von Bismarcks, des älteren Bruders Ottos, mithin eben doch zumindest mittelbar Familiengeschichte redivivus.

Alles schon einmal dagewesen...

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 10. Februar 2012 um 06:46 Uhr

...denkt man unwillkürlich, stößt man bei einer systematischen Auswertung von historischen Satireblättern auf die nebenstehende Karikatur vom Dezember 1893. Sie stammt aus der österreichischen Zeitschrift "Kikeriki", deren Bestand auf der vorbildlichen Seite "ANNO. AustriaN Newspapers Online" der Österreichischen Nationalbibliothek digital erfasst ist, und zwar hier. Kann man aus der Geschichte lernen? Das fragte am vergangenen Montag vor dem Hintergrund der realen aktuellen griechischen Tragödie die FAZ auch den Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl. Auch diese Diskussion wird garantiert fortgesetzt.

Das Deutsche Kaiserreich hatte von Januar 1871 bis November 1918 Bestand. 47 lange Jahre lang hielt sich also die Bismarcksche Staatsschöpfung, davon bis zum Sommer 1914 ganze 43 Friedensjahre lang. Diese Zeitspanne ohne kriegerische Auseinandersetzungen mit den europäischen Nachbarn wurde erst 1993 von der wiedervereinigten Bundesrepublik überholt, mittlerweile befinden wir uns im 63. Friedensjahr der parlamentarischen Demokratie. Mit dem Blick zurück ins 19. Jahrhundert kann es nicht überraschen, das den Zeitgenossen die mit einer ungekannten wirtschaftlichen Prosperität einhergehenden langen Jahrzehnte ohne Krieg wie eine einzige Erfolgsgeschichte vorkamen, an den kolonialen Kriegen des Deutschen Reiches in Afrika hatte schließlich nur ein ganz kleiner Teil der waffenfähigen jungen Männer teilgenommen. Die überspannten Erwartungen im August 1914, als Freiwillige die mit Kreideaufschriften über ein Weihnachtsfest in Paris beschrifteten Züge an die Front bestiegen, erklären sich aus dieser Weltsicht. Während im 19. Jahrhundert noch fast jede Generation an irgendeinem Krieg teilgenommen hatte und sich die Grausamkeit immer wieder neu ins Bewußtsein der Deutschen eingeschliffen hatte, waren die zu Wohlstand gekommenen, mehrheitlich national gesinnten Wilhelminer die ersten, denen nur die Erzählungen der Alten den Krieg nachbrachten, woraus sich eine nach zwei Weltkriegen nur noch schwer zu begreifende Naivität gegenüber dem Thema speiste.

Einer, der diese Naivität nicht teilte, sondern vielmehr zu den kritischen Intellektuellen und Künstlern der Zeit gehörte, ist der Lyriker Christian Morgenstern. Seine Lebensdaten markieren wie die keines anderen Anfang und Ende auch des Reiches, in dem er lebte: Der Bayer kam vier Monate nach der Reichsgründung am 6. Mai 1871 in München zur Welt und starb, seit 1881 an Tuberkulose erkrankt, am 31. März 1914 in Meran. Wie andere expressionistische und dadaistische Dichter seiner Zeit, konnte er seiner auf Äußerlichkeiten fixierten Zeit und den oft zur bloßen Form geronnen Maniriertheiten des durchmilitarisierten Preußendeutschlands nur kopfschüttelnd gegenüber treten, seine komische Lyrik nimmt diese Gegenwart auf einzigartige Weise auf die Schippe (dies ist freilich eine ganz holzschnittartige Interpretation, Morgensterns Schaffen ist ein hochkomplexes Universum in sich). Sein bekanntestes Werk ist das unausprechliche "Fisches Nachtgedicht" (s. oben), das nichtsdestotrotz immer wieder gern "performt" wird. Reizvoll sind diese Auftritte vor allem deshalb, weil das menschliche Kommunikationssystem keine Imitationsmöglichkeit für den Sprachaustausch der Fische hat, umso lustiger sind die blubbernden Versuche, sich durch die Zeilen Morgensterns zu "lesen".

Faszinierend ist in diesem unterseeischen Zusammenhang das Auftauchen einer weiteren sensationellen Tonaufnahme aus dem späten 19. Jahrhundert, für das die Titanic verantwortlich zeichnet. Die Assoziation Bismarcks mit dem nach ihm benannten Hering wurde nie schöner umgesetzt als in diesem minimalstischen Unterwasserfragment. Vielen Dank, liebe Titanic! Was schon Helmut Kohl und andere von Dir verballhornte Größen wußten, spürt nach dem Rummel um seine Stimme auf einer alten Walze endlich auch wieder der zu Lebzeiten oft karikierte Otto von Bismarck: Wer satirisch behandelt wird, der hat es geschafft. Herzliche Grüße aus dem Sachsenwald nach Frankfurt!

DAS versendet sich wohl nicht (so schnell)...

Geschrieben von Conwebia am Donnerstag, den 02. Februar 2012 um 13:09 Uhr

Als sich heute morgen ein Stromausfall über Friedrichsruh legte, wähnten wir kurzzeitig eine sehr posthume Reaktion des "Alten vom Sachsenwalde" auf das Medienecho über die Entdeckung der Tonaufnahme aus dem Edison-Archiv. Wir könnten noch auf einige Dutzend weitere, mittlerweile online verfügbare Artikel zum Thema verweisen, möchten uns aber - aus gewachsener regionaler Verbundenheit - auf einen Artikel von Susanne Holz für die Bergedorfer Zeitung beschränken, den Sie hier nachlesen können. Einen anderen und wohltuend ironisch-distanzierten Akzent setzt Benedikt Erenz in der ZEIT. Zum Nachlesen hier. Für all diejenigen, die es generell interessiert, vor allem aber für diejenigen Leser resp. Hörer, denen die Authentizität des gefundenen Dokuments noch immer zweifelhaft erscheint, dürfen wir bereits jetzt auf eine spontan angesetzte Matinee aufmerksam machen, die für den 26. Februar, 11 Uhr, in den Räumen der Stiftung in Friedrichsruh stattfinden wird und zu der wir den Berliner Wissenschaftler Stephan Puille, dem die Zuordnung und Restaurierung der Wachs-Walze zu danken ist, eingeladen haben. Mehr dazu in Kürze in diesem Theater...

P.S. Das Foto zeigt übrigens, versehen mit Autograph und historischem Datum 7. Oktober 1889, den von Edison zur Präsentation des Phonographen in Friedrichsruh und anderswo eingesetzten Adelbert Theodor Wangemann und ist ein Fundstück aus dem Bildbestand unserer Stiftung.

Die Resonanz auf Bismarcks Ton

Geschrieben von Conwebia am Mittwoch, den 01. Februar 2012 um 07:37 Uhr

Es rauscht nicht nur im Sachsen-, sondern auch im Blätterwald. Beeindruckend die vorläufige Presseresonanz auf die auditive Entdeckung aus dem Edison-Archiv: Lesen Sie hier, hier, hier, hier, hier, hier, oder doch eher hier oder gar hier. Sie können aber auch hier, da und dort fremdsprachig Gleichlautendes erfahren. Ist es das gewisse Kribbeln, einer zwar kaum vernehmbaren, aber doch bedeutenden "Stimme aus dem Grab" (Sven Kellerhoff, Die WELT) lauschen zu können, die im Überschwang gar vom "singenden Bismarck" (Focus online) fabulieren lässt? Wie dem auch sei, es belegt allemal die Wirkungsmächtigkeit der gleichermaßen faszinierenden wie umstrittenen historischen Person. Und wir bleiben am Ball respektive Ohr...