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Auch 2014 setzt die Otto-von-Bismarck-Stiftung ihre Kooperation mit Museen und anderen Kulturinstitutionen weiter fort. Für die vom Mai bis August 2014 präsentierte Sonderausstellung zum 250. Jubiläum der Stiftung des Königlich Ungarischen Sankt Stephans-Ordens erbat das Ungarische Nationalmuseum (Magyar Nemzeti Múzeum) in Budapest von der Otto-von-Bismarck-Stiftung für die Sonderausstellung die Überlassung eines ganz besonderen Objekts, das im Friedrichsruher Bismarck-Museum gezeigt wird: Es handelt sich um das Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten, das Otto von Bismarck im Jahr 1872 von Kaiser Franz Joseph I. verliehen wurde.

Gern kam die Stiftung der Bitte um Ausleihe dieses Exponats nach, und nach Prüfung aller notwendigen Leihmodalitäten konnte das Objekt an das Ungarische Nationalmuseum ausgeliehen werden.

Der sächsische König Johann (1801-1873) liebte sein Schloss Weesenstein heiß und innig. Nah genug an seiner Dresdner Residenz, um bei Bedarf binnen Stunden dort zu sein, und doch abgeschieden und weltabgewandt genug, um den dichterischen und wissenschaftlichen Neigungen als Dante-Übersetzer und Vorsitzender des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Altertumsvereine Raum und Ruhe zu geben. Aber Johann war, wie später auch sein Sohn Albert, nicht immer da. Wenn Weesenstein ohne Schlossherr war, konnten die Parkanlage und Teile des Schlosses besichtigt werden. Dass es für Besucher besondere Weesenstein-Souvernirs gab, die man mit nach Hause nehmen konnte, zeigt nun eine Ausstellung. Ob auch Bismarck, der zu jenen Besuchern gehörte, die bei Anwesenheit der sächsischen Hoheiten in der Burg über dem Müglitztal weilten, eine Meissner-Tasse mit Kitschmotiv mit nach Hause nahm, wissen wir nicht. In den Beständen des Museums in Friedrichsruh findet sich nichts. Was freilich nicht ausschließt, dass in der Nachkommenschaft des Kanzlers nicht noch wettinischer Nippes die Nachttische ziert.

Mehr zur Ausstellung "Weesensteiner Vergissmeinnicht", die noch bis zum 2. November läuft, finden Sie hier.

Über Johann von Sachsen informiert nach wie vor hervorragend der Band:

Uwe John (Hrsg.), König Johann von Sachsen: zwischen zwei Welten, Halle 2001.

Nachlese zur Würdigung der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“

Wie berichtet, ist die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen ausgezeichnet worden, und zwar am 29. März 2014 durch die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ für ihre Projektidee zu alljährlichen „Park-Verwandlungen“ (seit 2012 unter dem Titel „Kunst für Demokratie“) gegen rechtsextremistische Vereinnahmungsversuche des Bismarckschen Geburtsortes. „Land der Ideen“ als Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft würdigt kreative Impulsgeber in den Kategorien Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung und Gesellschaft. Neben zahlreicher Presseberichterstattung steht „Kunst für Demokratie“ nun auch im Mittelpunkt eines Deutschlandfunk-Beitrags:http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/04/11/dlf_20140411_1417_1a31d37f.mp3

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen setzt Kunst ein als Mittel zivilgesellschaftlichen Engagements: „Im gemeinsamen Handeln“, so Dr. Andrea Hopp in ihrer Begrüßungsrede anlässlich der Preisverleihung, „machen wir uns begreiflich, dass die menschliche Fähigkeit, Umwelt selbst zu gestalten, einfache Möglichkeiten bietet, die vergleichsweise große Wirkung entfalten können.“

In Schönhausen wird aus einem Park dann eine bunte Kunstlandschaft, Kanonen zu Drachen, Bäume behängt oder bemalt. Der Park erhält dadurch ein neues Gesicht, ein anderes, ungewohntes Aussehen: bunt und vielfältig, originell und spielerisch – zum Beispiel mit Drachen und Totems, Fantasietieren und einem Demokratiebaum, mit Masken aus aller Welt, expressionistischer Malerei, mit künstlerischen Werken, die an ökologische Verantwortung appellieren. Und dieses neue Gesicht entsteht durch gemeinsame Aktionen vieler Beteiligter aller Altersgruppen aus Schönhausen, den Nachbarorten und darüber hinaus, parteiübergreifend. Schöpferisch tätig werden Schulkinder mit ihren Lehrerinnen, Jugendclubs und Vereine, Handwerker und Hobbybastlerinnen, unterstützt von Unternehmern und PolitikerInnen – alle ganz verschieden, aber mit einem Anliegen: vereint für Demokratie einzutreten. Höhepunkt ist stets eine Ausstellungseröffnung mit Teilnehmerzahlen im dreistelligen Bereich.

Erstmals stand der Wettbewerb „Land der Ideen“ 2013/14 unter einem Motto. Es lautete „Ideen finden Stadt“. „Dass ‚Kunst für Demokratie‘ in der Kategorie ‚Gesellschaft‘ als eine Innovation mit Vorbildcharakter ausgezeichnet wurde, begreifen wir als eine besondere Würdigung für den Ort und die Region“, so Dr. Andrea Hopp. „Richtungsweisend ist es zweifellos, wenn wir es gemeinsam schaffen, Demokratie so sichtbar zu machen, dass Schönhausen sich als eine moderne, zukunftsorientierte Gemeinde profiliert, die die Vergangenheit nicht unhinterfragt verklärt, vielmehr verantwortungsbewusst mit der Geschichte umgeht und ebenso verantwortungsbewusst in der Gegenwart Stellung bezieht. Kurzum: Eine der 100 besten Ideen in Deutschland 2013/14 gehabt zu haben, ist Ansporn und Bestätigung zugleich – gerade nach der schweren Flutkatastrophe des letzten Jahres.“

 

Die Literatur über die Geschichte des studentischen Verbindungswesen füllt Bibliotheken. Trotzdem bleibt die unter verschiedenen Gesichtspunkten interessante Frage, wie es von der Opposition gegen das Metternichsche Reaktionssystem zur wachsenden gouvernementalen Bindung der Studentenverbindungen gekommen ist, hochspannend. Schließlich stellte die Altherrenschaft der Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps, Sängerschaften, Turnerschaften und sonstiger Verbindungstypen bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (und darüber hinaus) einen nicht unbeträchtlichen Teil der Eliten in Staat und Gesellschaft. Die Frage, welche gemeinsamen politischen, kulturellen, sozialen und religiösen Prägungen in den peer groups des frühen 19. bis mittleren 20. Jahrhunderts die Verbindungsjahre für den Akademiker bedeuteten, drängt sich gerade zu auf! (Und dass Freundschaften der Studienzeit als Netzwerke weiterwirken können, weiß - und hofft! - auch heute noch jeder Universitätsabsolvent.).

Eine weit verbreitete, im Detail freilich zu relativierende, aufs Ganze gesehen jedoch recht nachvollziehbare Lesart geht so: Das studentische Verbindungswesen sei in seinen politischen Grundforderungen dem gesellschaftlichen Mainstream in den deutschen Staaten gefolgt. In der radikalen Forderung nach nationaler Einigung sei man sogar die Speerspitze gewesen. Als diese dann erreicht gewesen sei, habe man sich bald mit dem kleindeutschen Reich unter Ausschluss Österreichs arrangiert. Zu Wohlstand gekommen, habe das Verbindungsstudententum der Wilhelminischen Ära dann den Zeitgeist jener Jahre gespiegelt: Matt, ohne höherere Ideale, individuell "saturiert", politisch zu lauten Chauvinismen neigend.

Dass dies zu kurz greift und wie jede pointierte Verknappung Anlass zu vielgestaltigen Kommentaren und Ergänzungen bietet, versteht sich von selbst. Ganz von der Hand zu weisen sind die politischen Messpunkte einer studentischen Erregungs-Kurve über der allgemeinen deutschen Zeitachse zwischen 1810 und 1910 aber auch nicht. Die "Lustigen Blätter" brachten es jedenfalls in dem untenstehenden Bildzyklus auf diesen Nenner. Ohne historische und literarische Grundkenntnisse ist dabei natürlich nichts zu verstehen, der seinerzeit übliche bildungsbügerliche Grundkanon durfte auch im Scherz vorausgesetzt werden. Und was Bismarck damit zu tun hat? Nun, ohne den ging es eben im späten Kaiserreich auch bei unterhaltsamen kulturgeschichtlichen Bildern nicht.

Die" Prinz-Heinrich Mütze" kennt man noch, den "Bismarck-Hering" auch und wie ein" Adenauer-Mercedes" aussah, wissen sogar eingefleischte Radfahrer. Aber hat man jemals "Hohenzollern-Sauce" serviert bekommen? Auch diese gab es einmal, sie hat es jedoch, anders als die drei Erstgenannten nicht ins kollektive Produktbewusstsein geschafft. Und das muss nichts mit ihrem Geschmack zu tun haben, denn auch der "Bismarck-Hering" ist ja nicht jedemanns Sache. Offenbar gibt es tiefergehende wirtschaftspsychologische Gründe dafür, dass eine willkürliche Produktbenennung mit einem Prominentennamen sich mal durchsetzt und mal nicht. Oder besser "durchsetzte". Denn die Benennung nach Politikern scheint mit dem postmodernen Verschwinden der (unkritischen) Verehrung und Mythisierung von Staatsmännern nicht mehr zu funktionieren. Adenauer war hier wohl einer der letzten Ausläufer einer Politikrezeption, die noch durch das ehrfürchtige Abstellen auf die Leistungen einzelner "großer Männer" gekennzeichnet war. Seine Nachfolger hatten es da schon deutlich schwerer, amtierten sie doch in einer im Wortsinn "nivellierten Mittelstandsgesellschaft", deren Sehnsucht nach Führungsfiguren überschaubar ist. Obwohl Erhard und Brandt volkstümliche Kanzler waren, gibt und gab es weder Zigarren noch sonstige Genussmittel, die ihren Namen tragen. Und schon der Adenauer-Benz lief ja in Stuttgart nicht mit dem Namen des Rheinländers vom Band, sondern wurde erst durch den Volksmund zu diesem.

Wie anders sah es in dieser Beziehung im Kaiserreich aus?! Zahllose Nähmaschinen- und Fahrradfabrikate trugen die Namen der regierenden Fürsten, populärer Militärs oder den des zur nationalen Projektionsfläche gewordenen Kanzlers Bismarck. Dass man auch in Sachsen auf diesen Trend aufsprang, wie die Annonce eines Leipziger Fleischers von 1910 zeigt, verdeutlicht neben dem Geschäftssinn der Sachsen auch den Integrationsgrad nach vier gemeinsamen Jahrzehnten im Kaiserreich. Der sächsische König Friedrich August ist mit dabei unter den Schinken-Motiven, Bismarck sowieso, abgebildet ist aber Wilhelm II. Was für eine geschichtspolitische Melange! Dass der Schinken besonders scharf geräuchert war, ist zu vermuten. Wohl bekomm's...

Onomastische Nachbemerkung: Viehweg ist natürlich ein wunderbarer Name für einen Fleischer!

Die Kulisse hätte kaum großbürgerlicher sein können: Im Lesesaal der 1925/26 erbauten Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Aby Warburgs, dem heutigen Warburg-Haus im Alster-nahen Eppendorf, sprach Christopher Clark vor 140 aufmerksamen Zuhörern. Der in Cambridge lehrende Australier summierte in seinem knapp einstündigen Vortrag die Hauptthesen seines gegenwärtig vieldiskutierten Buches "Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog". Vor allem in der anschließenden Diskussion kristallisierten sich die beiden am meisten beachteten Punkte seines Buches heraus: Die komplexe serbische Gemengelage in den beiden Jahrzehnten vor dem Attentat von Sarajevo, deren Darstellung bei Clark auf umfangreichen serbischen Akteneinsichten beruht und die in dieser Dichte bisher nicht als Problemsphäre im Vorfeld des Krieges behandelt worden ist. Und als zweiter Punkt, nicht ganz so neu [1] und trotzdem bei einem breiteren Publikum aufsehenerregend, die enge Bindung Frankreichs an Russland in den unmittelbaren Vorkriegsjahren und -monaten, in der Paris der auf Krieg gegen Deutschland drängende Partner war.

Ruhig, abgewogen und auch die deutliche Kritik Einzelner aus dem Publikum souverän und freundlich aufnehmend, stand Clark in einer langen Diskussion Rede und Antwort. Auch beim anschließenden Empfang war er ein heiß begehrter Gesprächspartner. Ein gemeinsames Foto mit ihm (Mitte), der seit einer Reihe von Jahren dem wissenschaftlichen Beirat der Otto-von-Bismarck-Stiftung angehört, und dem Geschäftsführer und Vorstand der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper (links), sowie dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Dr. Rüdiger Kass (rechts), war dann auch erst ganz am Ende der Veranstaltung möglich, als sich die Reihen lichteten.

 

[1] Vgl. Stefan Schmidt, Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, München 2009.

Schönhausens kreativer Protest gegen Neonazis

Geschrieben von Schönhausen am Mittwoch, den 02. April 2014 um 08:27 Uhr

Das  Projekt „Kunst für Demokratie“ ist eine ausgezeichnete Idee für die Stadt von morgen

Schönhausen, 29. März 2014 – Im bundesweiten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2013/14 ist die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen heute als einer von 100 Preisträgern ausgezeichnet worden. Zum Thema „Ideen finden Stadt“ liefert das Projekt eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie Kunstaktionen Räume für demokratische Teilhabe eröffnen können.

In Schönhausen versuchen Rechtsextreme immer wieder, den Park neben dem Geburtsschloss Otto von Bismarcks für Gedenkveranstaltungen zu vereinnahmen. Unter dem Motto „Kunst für Demokratie“ verwandeln die Bürger der Gemeinde den Park einmal im Jahr in eine bunte Freilichtausstellung. Mit Theater, Skulpturen und Bildern treten sie für demokratische Werte ein und machen den Ort unattraktiv für Neonazis. Neben Kunstworkshops gibt es Informationsveranstaltungen. Das Projekt fördert das demokratische Bewusstsein und die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus.

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank zeichnen im Rahmen des Wettbewerbs gemeinsam Ideen und Projekte aus, die Lösungen für die Herausforderungen der Städte und Regionen von morgen bereithalten. Frank Heisinger von der Deutschen Bank überreichte Dr. Andrea Hopp, der Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, die Auszeichnung als „Ausgezeichneter Ort 2013/14“ und betonte: „‘Kunst für Demokratie‘ zeigt uns eindrucksvoll, dass jeder einzelne von uns jeden Tag etwas für unsere Freiheit und rechtsstaatlichen Grundlagen tun kann und muss. Wir alle sind aufgefordert, uns jeden Tag für unsere Zukunft einzusetzen.“

Dr. Andrea Hopp kommentierte die Auszeichnung: „Eine der 100 besten Ideen in Deutschland 2013/14 gehabt zu haben, ist uns Ansporn und Bestätigung zugleich. Gerade nach der schweren Flutkatastrophe des letzten Jahres ist die Würdigung, ein ‚Ausgezeichneter Ort‘ zu sein, eine Botschaft, die Schönhausen und der ganzen Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land Mut machen sollte: Sie bestärkt alle, die sich von Stendal bis Havelberg am Projekt beteiligt haben, darin, auf dem richtigen, einem zukunftsweisenden Weg zu sein und in diesem Sinne Weichen für die Gemeinde von morgen zu stellen.“

„Ideen und Engagement sind die Rohstoffe, aus denen wir in Deutschland schöpfen. Sie wollen wir sichtbar machen und damit den Standort Deutschland fördern“, begründete Frank Heisinger das langjährige Engagement der Deutschen Bank im Wettbewerb. Aus rund 1.000 Bewerbungen wählte die Expertenjury aus Wissenschaftlern, Wirtschaftsmanagern, Journalisten und Politikern gemeinsam mit einem vierköpfigen Fachbeirat das Projekt „Kunst für Demokratie“ aus.

Die festliche Preisverleihung, bei der der Ortsbürgermeister, der Verbandsgemeindebürgermeister und Politiker/-innen von Bund und Land anwesend waren, wurde von der Wuster Funkengarde tänzerisch begleitet.

 

Copyright für sämtliche Fotografien: Deutschland - Land der Ideen/Steffen Wrensch

Bismarck tritt ins 200. Lebensjahr

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 01. April 2014 um 12:16 Uhr

Heute vor 199 Jahren wurde Otto von Bismarck in Schönhausen geboren. Die halbe Hundert rückt also in greibare Nähe und das bedeutet für die Mitarbeiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung den Beginn des Endspurts für die Jubiläumsvorbereitungen. Was dann ab dem 1. April 2015 in Berlin, Schönhausen, Friedrichsruh und an vielen anderen Wirkungsorten Bismarcks auf die Öffentlichkeit wartet, welche Veranstaltungen und Veröffentlichungen es geben wird, erfahren Sie demnächst.....

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