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Bismarck-Jahreskalender für das Jahr 2015 erhältlich!

Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Montag, den 05. Januar 2015 um 12:45 Uhr

Anlässlich des 200. Geburtstages Otto von Bismarcks gibt die Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh einen Kalender für das Jahr 2015 heraus. Die Bildmotive des Kalenders spiegeln Leben und Lebenswelt des ersten Reichskanzlers wider.

Der Kalender ist im historischen Bahnhof von Friedrichsruh, dem Sitz der Stiftung, sowie im Bismarck-Museum für Euro 5,-- (bei Versand zuzüglich Euro 4,60 Porto) erhältlich. Der Kalender kann auch in der Stiftung über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. bestellt werden.

 

Jedes Jahr die gleiche Frage: Wohin mit dem Weihnachtsbaum?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 16. Dezember 2014 um 14:00 Uhr

Machen Sie es doch wie Bismarck und verbinden Sie Aggressionsabbau mit Energieversorgung. So berichtet es zumindest die Baronin Spitzemberg vom Sylvesterabend 1875 im Hause Bismarck:

Heute abend waren wir zu Bismarcks gebeten, wo nur noch Frau von Arnim [1] , Obernitz [2] , Loeper [3] , Major v. Stülpnagel [4] und Frau Meister [5] aus Frankfurt waren. Anfangs war es etwas ledern; aber als die Mitternacht und das Gratulieren vorüber, zog man in das Weihnachtszimmer, wo der Christbaum nochmals angesteckt und die langen Papierketten und Knallbonbons daran verbrannt wurden; als der Schmuck zu Asche zerstäubt war, gingen der Fürst und seine Söhne mit langen Jagdmessern dem armen Baume selbst zu Leibe und hieben ihn mit wahrer Mordlust in Stücke, die ins Kamin geworfen wurden; um dieses herum saßen wir denn alle, der Fürst schürte die Glut mit seinem Knicker und sah mit kindlicher Freude zu, wie die harzigen Äste prasselnd sich entzündeten, die Nadeln wie vergoldet glühten, die Funken knisternd herausflogen und unter Waldesdüften endlich die Herrlichkeit wie das scheidende Jahr in Düster und Dunkel verglomm. Das sei ein ehrlicherer Tod für den schönen Baum, meinte er, als in einem Hofwinkel unter Schutt und Kehricht zu enden. Nun erst war der merkwürdige Mann lebendig: Herbert [6] mußte einen Portwein-Cobbler [7] brauen, und während wir den aus Strohhalmen langsam tranken, erzählte der Fürst, wie auf demselben Sofa, den er nun einnehme, der Augustenburge [8] in drei Stunden sein Herzogtum verspielte, Le Sourd [9] ihm die Kriegserklärung überbrachte und so mancher wichtige und unwichtige Beschluß gefaßt worden sei. So verging die Zeit rasch unter historischen Erinnerungen aller Art, und hätten wir um ½2 kein Ende gemacht, wir säßen noch dort.



[1] Bismarcks Schwester Malwine (1827-1908), verheiratete von Arnim-Kröchlendorff.

[2] Hugo von Obernitz (1819-1901), preußischer General.

[3] Gustav von Loeper (1822-1891), Vortragender Rat im preuß. Hausministerium.

[4] Hermann von Stülpnagel (1839-1912), 1871 Flügeladjutant des Kaisers.

[5] Marie Meister (1840-1912), verheiratet mit dem Mitbegründer der Hoechst AG, Wilhelm Meister (1827-1895).

[6] Herbert von Bismarck (1849-1904), erster Sohn Bismarcks, im auswärtigen Dienst von 1873-1890.

[7] Mixgetränk aus Kirschwasser, Grenadine, Triple Sec und Portwein auf gestoßenem Eis.

[8] Friedrich VII. von Schleswig-Holstein (1829-1880).

[9] Georges Le Sourd (1834-1877), frz. Botschaftssekretär in Berlin.

Unser Bild: Bundesarchiv

 

Der vierte Advent und die Festtage nahen heran und bevor es auf den letzten Metern zu knapp wird, möchten wir uns schon heute mit den besten Wünschen für besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr verabschieden. Das Team der Otto-von-Bismarck-Stiftung wird aber nur eine kurze Verschnaufpause einlegen, bevor es für uns nach dem Jahreswechsel mit Volldampf auf den 200. Geburtstag Bismarcks am 1. April 2015 zugeht. Stiftung und Museum bleiben von 24. Dezember 2014 bis einschließlich 1. Januar 2015 geschlossen, danach geht es wieder an die Vorbereitung für die diversen Jubiläums- Veranstaltungen im In- und Ausland. Wer schon einmal das eine oder andere mit dem eigenen Terminkalender in Einklang bringen möchte, kann sich hier eine Übersicht machen. Sie müssen ja nicht jede Veranstaltung besuchen. Wir freuen uns auf auf jeden Fall auf Sie!

Alles Gute und bis zum nächsten Jahr, das Team der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh und Schönhausen

 

Otto von Bismarck - Veranstaltungen zum 200. Geburtstag

 

21. Januar
Otto von Bismarck - Anmerkungen zu seinem 200. Geburtstag
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper
Ort: Museum Lüneburg


5. Februar, 19.00 Uhr
Fürst Otto von Bismarck - Eine Würdigung anlässlich seines 200. Geburtstages am 1. April 2015
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft
Ort: Staufia-Verbindung Bonn


26. Februar, 19.30 Uhr
„Sie ahnen nicht, was diese Frau aus mir gemacht hat“. Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer
Vortrag von Dr. Gabriele Hoffmann (Bremen)
Ort: Historischer Bahnhof Friedrichsruh


15. März, 14.00 Uhr
Vernissage zur Sonderschau „Das Schönhauser Bismarck-Museum von 1891 und seine Schätze“ und Eröffnung der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil I) in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen und dem Bismarck-Museum Bad Kissingen
Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen


31. März/1. April
Wissenschaftliche Konferenz über „Realpolitik für Europa: Bismarcks Weg“ in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin
Ort: Deutsches Historisches Museum Berlin


1. April, 19.00 Uhr
Festakt anlässlich des 200. Geburtstages von Otto von Bismarck in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin
Ort: Deutsches Historisches Museum Berlin


2. April, 10.00 Uhr
Erstausgabe einer Sonderbriefmarke nebst Sonderstempel in Kooperation mit der Deutschen Post AG
Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen


2. April, 14.00 Uhr
Familienfest anlässlich des 200. Geburtstags von Otto von Bismarck und Erstausgabe einer Sonder-briefmarke nebst Sonderstempel in Kooperation mit der Deutschen Post AG
Ort: Historischer Bahnhof Friedrichsruh


6. April, 19.00 Uhr
Klassisches Konzert zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks in Kooperation mit der Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg
Ort: Schloss Reinbek


9. April
Otto von Bismarck - Anmerkungen zu seinem 200. Geburtstag
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen einer Wiss. Konferenz der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften „200 Jahre seit der Geburt von Otto von Bismarck“
Ort: Bulgarische Akademie der Wissenschaften, Sofia


16. April, 19.00 Uhr
5. „Hamburger Bismarck-Vortrag“ im Warburg-Haus
Lesung von Hanns Zischler (Berlin) aus der Neuen Friedrichsruher Ausgabe der Gesammelten Werke Otto von Bismarcks; Moderation Dr. Andrea Hopp
Ort: Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg

 

19. April, 18.00 Uhr
Lesung von Hanns Zischler (Berlin) aus der Neuen Friedrichsruher Ausgabe der Gesammelten Werke Otto von Bismarcks und Eröffnung der Ausstellung „Bismarcks Reichstag“; Moderation Dr. Andrea Hopp
Ort: Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Berlin

 

26. April, 11.00 Uhr
Vernissage zur dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil III) in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen und dem Bismarck-Museum Bad Kissingen
Festvortrag von Peter Weidisch M.A. (Bad Kissingen)

Ort: Bismarck-Museum Friedrichsruh

6. Mai, 17.00 Uhr
Vernissage zur Sonderausstellung „Bismarck und die preußisch-deutsch-englischen Beziehungen“ in Kooperation mit dem Institute of Historical Research der Universität London
Vortrag von Prof. Dr. Jonathan Steinberg, Moderation Dr. Ulf Morgenstern und PD Dr. Karina Urbach
Ort: Universität London

12. Mai, 19.00 Uhr
Bismarck, das Kissinger Diktat und die Große Politik
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil II)
Ort: Bismarck-Museum Bad Kissingen

13. Mai, 11.00 Uhr
Vernissage zur dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil II) in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen und dem Bismarck-Museum Bad Kissingen
Ort: Bismarck-Museum Bad Kissingen

16. Mai, 14.00 Uhr
Reklame, Kunst und Propaganda: Formen des Bismarckkults
Vortrag von Dr. Maik Ohnezeit im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil III)
Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen

3. Juni
Symposium und Vernissage zur Sonderausstellung „Bismarck und die preußisch-deutsch-russischen Be-ziehungen“ in Kooperation mit der Universität St. Petersburg und dem Deutschen Historischen Institut Moskau
Ort: Universität St. Petersburg

11. Juni, 19.30 Uhr
Bismarcks Entlassung als Anfang vom Ende? Autobiographische Verortungen der Wilhelminischen Zeit 1918–1939
Vortrag von PD Dr. Marc von Knorring (Universität Passau)
Ort: Historischer Bahnhof Friedrichsruh

17. Juni
Vernissage zur Sonderausstellung „Bismarck und die preußisch-deutsch-französischen Beziehungen“ in Kooperation mit dem Goethe-Institut Paris und dem Deutschen Historischen Institut Paris
Ort: Goethe-Institut Paris

25. Juni, 19.00 Uhr
Podiumsdiskussion über das Thema „Sozialstaat-lichkeit in Deutschland und Frankreich gestern und heute“ in Kooperation mit dem Goethe-Institut Paris und dem Deutschen Historischen Institut Paris
Ort: Deutsche Botschaft Paris

25. Juni
Diplomatie und Familie: die Bismarcks in Frankfurt am Main
Vortrag von Dr. Andrea Hopp
Ort: Friedrich-Schiller-Universität Jena

6. Juli
Schönhausen 1891: Ein Museum für den „Reichsgründer“
Vortrag von Katja Gosdek im Rahmen des Kolloquiums des Bismarck-Gymnasiums Genthin
Ort: Genthin

Juli
Bismarck und sein Förster. Ein theatraler Spaziergang durch den Sachsenwald in Kooperation mit der Stiftung Herzogtum Lauenburg im Rahmen des „KulturSommers am Kanal 2015“

29. Juli, 20.00 Uhr
Gewandschneider, Kriegsvasallen, Staatsdiener: die Bismarcks in der Altmark
Vortrag von Katja Gosdek im Rahmen der Sommer-schule Wust
Ort: Wust

30. Juli, 19.00 Uhr
Vortrag von Peter Weidisch M.A. (Bad Kissingen) im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil III)
Ort: Bismarck Museum Bad Kissingen

September/Oktober
Sonderausstellung „Otto von Bismarck – eine Jahrhundertgestalt“ in Kooperation mit dem Bundesarchiv Koblenz/Berlin
Ort: Bundesarchiv Koblenz

3./4. September
Wissenschaftliche Konferenz über „Europäische Kulturkämpfe und ihre gegenwärtige Bedeutung“ in Kooperation mit dem Europäischen Institut für interkulturelle und interreligiöse Forschung Triesen (Liechtenstein) und dem Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften der Universität Münster
Ort: Spener-Haus Frankfurt am Main

10. September, 19.30 Uhr
Bismarck, das Kissinger Diktat und die Große Politik
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil II)
Ort: Historischer Bahnhof Friedrichsruh

20. September, 14.00 Uhr
Bei den Bismarcks in Schönhausen: Adliges Wohnen auf dem Gut
Vortrag von Dr. Andrea Hopp im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil I)
Ort: Bismarck-Museum Bad Kissingen

24. September, 19.00 Uhr
Bismarck, das Kissinger Diktat und die Große Politik
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil II)
Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen

26. September, 16.00 Uhr
„Mythos und Kult um Otto von Bismarck“
Vortrag von Dr. Ulf Morgenstern in der Reihe Treffpunkt Galgenberg.
Ort: Bismarck-Höhe Werder an der Havel

13. Oktober
Otto von Bismarck - Anmerkungen zu seinem 200. Geburtstag
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper
Ort: Lauenburgische Akademie für Wissenschaft und Kultur Mölln

15. Oktober, 19.30 Uhr
Bei den Bismarcks in Schönhausen: Adliges Wohnen auf dem Gut
Vortrag von Dr. Andrea Hopp im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil I)
Ort: Historischer Bahnhof Friedrichsruh

22. Oktober, 20.00 Uhr
Gewandschneider, Kriegsvasallen, Staatsdiener: die Bismarcks in der Altmark
Vortrag von Katja Gosdek zur Finissage der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil I)
Ort: Bismarck-Museum Bad Kissingen

29. Oktober, 19.00 Uhr
Bei den Bismarcks in Schönhausen: Adliges Wohnen auf dem Gut
Vortrag von Dr. Andrea Hopp im Rahmen der dreiteiligen Sonderausstellung „Bismarck: Familie - Politik - Mythos“ (Teil I)
Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen

29. Oktober
Bismarck und die Gründung des Reichsgerichts in Leipzig
Vortrag von Dr. Ulf Morgenstern im Rahmen des Symposiums zum 120. Jubiläum der Schlusssteinlegung des Reichsgerichts
Ort: Bundesverwaltungsgericht Leipzig

2. November
Diplomatisches Parkett in der Bürgerstadt: die Familie von Bismarck in Frankfurt am Main
Vortrag von Dr. Andrea Hopp im Rahmen der Vortragsreihe „Bismarcks Frankfurt“
Ort: Frankfurt am Main


7. November, 16.00 Uhr
Präsentation der Sonderausstellung „Otto von Bismarck - eine Jahrhundertgestalt“ durch Dr. Ulf Morgenstern
Ort: Bismarck-Höhe Werder an der Havel

9. November
Bismarck und der Bundestag
Vortrag von Dr. Ulf Morgenstern im Rahmen der Vortragsreihe „Bismarcks Frankfurt“
Ort: Frankfurt am Main

16. November
„Metzlern“ in „glücklichen Zeiten“. Bismarck und das Bankhaus Metzler
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper im Rahmen der Vortragsreihe „Bismarcks Frankfurt“
Ort: Frankfurt am Main

 

1889 wurde die Rentenversicherung eingeführt. Otto von Bismarck hatte sie als Teil eines größeren Versicherungspakets ausgeklügelt, um den Sozialdemokraten durch staatliche Wohltaten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie wenig das funktioniert hat, zeigt ein  Bild, auf dem heute im Hamburger Abendblatt die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vor einer lebensgroßen Fotografie des sitzenden Otto von Bismarck zu sehen. Sie lächelt auf der Aufnahme, er nicht. Dass sich auch der Vorwärts diese Nachricht nicht entgehen lässt, versteht sich von selbst. Auch andere Medien erinnern heute aus Anlass einer durch die Anwesenheit der Kanzlerin ausgezeichneten Feierstunde in Berlin an die vor 125 Jahren eingeführte Rentenversicherung (u.a. die Frankfurter Allgemeine Zeitung; Der Bonner Generalanzeiger; Die Rheinische Post; Der Kölner Stadt-Anzeiger; Der Focus; Deutschlandfunk; Die ARD). In die Berichte über die insgesamt positive Entwicklung der ältstesten staatlichen Altersvorsoge der Welt mischt sich aber fast überall auch Unbehagen über ungelöste Probleme der Gegenwart und vor allem der Zukunft des Systems. Dass selbst Norbert Blüm in einem Interview in der Saarbrücker Zeitung nun Bedenken äußert, ob das Transfermodell über die Generationengrenzen hinweg in Zeiten der sich verschiebenden Alterspyramide noch tragfähig bleiben wird, gilt vielen als Warnung. Immerhin hat die Rentenversicherung nun schon 125 Jahre mit allerlei Nachbesserungen hinter sich und trägt bis zum heutigen Tag, was den Schreiber dieser Zeilen auch für die Zukunft nicht völlig bang macht. Trotzdem ist er nicht frei von dem Unbehagen des Einzahlers mit Blick auf die Ungewissheit späterer Auszahlungen, einem Mißtrauen, das schon Bismarck kannte: "Ich kenne doch die Arbeit. So ein junger Mann von 17, 18 Jahren läßt sich nicht gern Lohnabzüge machen; und ganz besonders nicht für eine Sache, von der er erst nach 40 oder 50 Jahren Nutzen ziehen kann. Und das ist dem Manne gar nicht zu verargen." (Bismarck gegenüber einem Redakteur der "Lübecker Eisenbahnzeitung" am 11. Dezember 1891, zitiert nach Max Klemm, Was sagt Bismarck dazu?, Bd. 1, S. 23.

Im November fand in Friedrichsruh in den Räumen der Bismarck-Stiftung eine gemeinsam mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ausgerichtete Tagung statt. Das übergeordnete Thema war das spannungsreiche Verhältnis der Liberalen zu Bismarck und umgekehrt, und zwar aus der Perspektive der Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts ebenso wie in der Rezeption Bismarcks im 20. Jahrhundert. Allen Organisatoren und Teilnehmern sei hier noch einmal herzlich gedankt für die gelungene Veranstaltung. Die Erträge und Einsichten lassen sich nun in einem Tagungsbericht nachlesen, für den Birgit Bublies-Godau zu danken ist.

Auf den Spuren des Bismarck-Kultes im Ersten Weltkrieg

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 01. Dezember 2014 um 09:32 Uhr

Im nächsten Jahr wird an Bismarcks 200. Geburtstag erinnert werden, da liegt es nahe zu fragen, was in den noch recht unkritischen Zeiten zu Bismarcks 100. Geburtstag geschehen ist. Mitten im Ersten Weltkrieg war der Reichsgründer eine vieldeutige Gestalt: Die einen wünschten sich ihn als Retter zurück, die anderen konnten mit ihm nichts mehr anfangen, und wieder andere machten ihn für das außenpolitische Desaster mitverantwortlich. Die Deutungshoheit in den Medien, bei öffentlichen Feiern und auf dem Buchmarkt hatten dabei eindeutig die Verehrer. Aber welche Formen des Bismarck-Kultes lassen sich im Jahr 1915 konkret festellen? Diese Ausgangsfrage beschäftigt die Teilnehmer des Projektseminars "Bismarck-Kult im Ersten Weltkrieg". Veranstalter sind Dr. Thorsten Logge und Dr. Ulf Morgenstern, angesiedelt ist das Seminar im Arbeitsbereich Public History am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Die Studierenden gehen den heroischen Narrativen und Bildern um den mythisch aufgeladenen Bismarck an Objekten aus den Archiv- und Museumsbeständen der Bismarck-Stiftung nach. Ziel ist es, einzelne Objekte in einem übergeordneten kultur- und politikgeschichtlichen Kontext zu analysieren, zu beschreiben und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die praktische Arbeit wird begleitet von einer auch theoretisch-methodischen Annäherung an Ansätze der neuen Politik- und Kulturgeschichte.

Am 28. November waren die Studierenden zum ersten Mal in Friedrichsruh, wo es auch nach knapp sieben Stunden intensiver Beschäftigung mit Bismarck noch fröhlich zuging. Wir sind gespannt auf den Fortgang der Veranstaltung.

Von Bismarck lernen bei der Förderalismusreform?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 26. November 2014 um 13:43 Uhr

Mit dem Legitimismus nahm es Bismarck bekanntlich nur im Falle "legitimer" Ansprüche der Hohenzollern genau. Althergebrachte Herrschafts- und Souveränitätsrechte anderer Dynastien galten ihm nur so lange etwas, wie sie seinen Staatszielen nicht im Wege standen oder sich taktisch instrumentalisieren ließen; in Hannover, Frankfurt und Schleswig-Holstein konnte man in den 1860er Jahren ein Lied davon singen, ebenso wie in den 1880er Jahren noch einmal in Braunschweig-Lüneburg. Andererseits bestanden einige mittelgroße Gegner wie Bayern und Sachsen auch nach 1871 fort, von den Westentaschen-großen Duodezformaten Reuß, Schaumburg-Lippe usw. ganz zu schweigen. Wie erklärt sich das?

Darüber kann man im Allgemeinen breit und im Einzelfall noch breiter abhandeln. Einen interessanten Erklärungsansatz lieferte kürzlich ein Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel. Dort wird nämlich auf die nur scheinbare Ambivalenz zwischen Annekdieren und Bestehenlassen hingewiesen, die wohlbegründet gewesen sei. Schließlich hatten die Kleinen auch Stimmen im Bundesrat (heute: Bundesrat!) und die konnte man bei schwierigen Abstimmungen gut gebrauchen - man musste die Stimminhaber nur vorher gefügig machen. Ein Schelm, wen das an die heutigen Bundes"länder" an Weser, Elbe, Saar und Spree erinnert. Man ahnt, der launige Artikel aus der überregionalen Hauptstadtpresse ist eine Glosse.

In der abgebildeten Karikatur verleibt sich der "Eiserne Junggeselle" Bismarck deutsche Fürstentümer ein. Sein mit der Foltermechanik der aus dem Mittelalter bekannten "Eisernen Jungfrau" ausgestatteter Magen ist das Deutsche Kaiserreich. Die Wiener Zeichner des "Kikeriki" und ihr Publikum beobachteten dieses Geschehen von außen als vom nunmehr preußisch-dominierten kleindeutschen Förderalismus Unberührte.

Kulinarisches für die Winterzeit

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 24. November 2014 um 15:35 Uhr

Da nach dem neuesten Ernährungsklatsch in Tofu durchaus mal Fleischspuren enthalten sind, kann man es eigentlich auch gleich lassen mit dem vegetarischen Essen und directement in die fleischlichen Genusswelten zurückkehren, die der zivilisatorische Fortschritt zuerst im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts und nun auch in den Schwellen- und Drittweltländern geschaffen hat. Stilvoll, versteht sich, und keineswegs so maßlos wie es beim viel gescholtenen Junk-Food oft der Fall ist oder wie es der Pasteten und Braten in "Dreimannportionen" (von Tiedemann) verzehrende Bismarck bis zur körperlichen Erschöpfung betrieb. Die allgemein für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Portionsgröße und Preis, Kalorien und Masse sowie ganz allgemein für ihre Bekömmlichkeit bekannte italienische Küche hält da neben der Spiegelei gekrönten "Pizza Bismarck" noch die "Bistecca Bismarck" bereit. Etwa im "Noi due" (Wir zwei) in Trittau, einem kleinen norddeutschen Städtchen mit breit aufgestellter Gastronomie. Für 12,90 Euro kann man hier auch in postheroischen Zeiten beherzt den Kanzler anknabbern. Oder doch Geld und Cholesterin sparen und die "Pizza Vegetariana" bestellen. Wie auch immer, wohl bekomm's!

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