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Das Bürgertum übernahm im Laufe des 19. Jahrhunderts die gesellschaftlichen und zunehmend auch die politischen Führungspositionen in Deutschland. Vorbild blieb dabei trotzdem der Adel. Diejenigen, die ihren äußerlichen Lebensstil aufgrund ihres Vermögens am stärksten am Adel orientierten, nannte man bald respektvoll „Großbürgertum“. Die reichen Bürger inszenierten sich, ihr Vermögen und ihren oft nicht über jeden Zweifel erhabenen künstlerischen Geschmack in riesigen Villen mit einer beträchtlichen Anzahl an Personal. Die Gebäude stehen oftmals noch, über das Leben ihrer einstigen Bewohner ist jedoch wenig bekannt. Wer waren diese Bankiers- und Handelsfamilien? Wie lebten die Fabrikbesitzer und ihre Angehörigen? Welche Probleme brachte ein choreografierter „standesgemäßer“ Lebenslauf für den Einzelnen mit sich? Wie gestaltete sich der Alltag der oberen Zehntausend, daheim oder auf Reisen? Eine kleine Kabinettausstellung in der Otto-von-Bismarck-Stiftung schaut am Beispiel einer in Hamburg, Holland und Hessen lebenden Großbürgerfamilie des Kaiserreichs hinter die Kulissen der sagenumwobenen Welt der Buddenbrooks, die es in Deutschland und Europa allerorten gab, und die im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwunden ist. Generäle, Mäzene, Kultusminister und Professoren warten nebst ihren Gattinnen und Kindern auf Ihren Besuch!

Die Sonderausstellung "Zwischen Hamburg, Holland und der hessischen Provinz: Die Lebenswelt einer Großbürgerfamilie der Kaiserzeit" ist von 18. Februar bis 16. März 2014 in der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh zu sehen. Eröffnet wird sie am 16. Februar um 11.00 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Ulf Morgenstern über das Thema "Ein Großbürger auf Reisen: Die Orientreise des späteren preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker 1900-1902" im Bismarck-Museum (mit Lichtbildern). Die anschließende Vernissage findet im historischen Bahnhofsgebäude der Stiftung statt.

 

 

Lesenswerter Blog zur Forschung über das 19. Jahrhundert

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 03. Februar 2014 um 12:01 Uhr

Ein wunderbarer Blog vereint zwei im 19. Jahrhundert verfeindete europäische Länder in der Perspektive der historischen Betrachtung: Die vom Deutschen Historischen Institut Paris gehostete Webseite "Das 19. Jahrhundert in Perspektive" informiert über "geschichtswissenschaftliche Forschungen aus Deutschland und Frankreich" und das sehr lesenswert. Auch und obwohl der Namensgeber der Bismarck-Stiftung nicht nur Lorbeeren erntet, empfehlen wir nachdrücklich die Lektüre des ambitionierten Online-Projekts, das über den Rhein hinweg den Forschungsgang zu einer für beide Länder spannungsgeladenen Epoche dokumentiert. Liebe Macher der Seite, weiter so!

Neuerwerbung für die Sammlung der Otto-von-Bismarck-Stiftung

Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Montag, den 27. Januar 2014 um 13:00 Uhr

Beim Neujahrsempfang der Otto-von-Bismarck-Stiftung am 10. Januar 2014 kam es zur feierlichen Übergabe einer Neuerwerbung für die Sammlung der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Es handelt bei dem Exponat um ein Porträt König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen, das mit Mitteln der Hamburger Sparkasse und des Fördervereins der Otto-von-Bismarck-Stiftung auf einer Auktion ersteigert werden konnte. Norbert Brackmann, Vorsitzender des Fördervereins der Stiftung, übergab das Ölbild an den Vorstandsvorsitzenden der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Ministerialdirektor a. D. Dr. Rüdiger Kass und den Geschäftsführer der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper.

 

Das Brustbildnis zeigt den 1840 zur Herrschaft gelangten preußischen Monarchen in der Uniform eines Generalmajors des 1. Garde-Regiments zu Fuß. Das Porträt wurde um 1845 entweder vom bayerischen Hofmaler Joseph Karl Stieler persönlich oder aus dem Umfeld seiner Werkstatt angefertigt. Der aus Mainz stammende Stieler schuf hauptsächlich Porträts von zahlreichen Persönlichkeiten aus Adel, Politik, Militär, Wissenschaft und Kunst. Seine Arbeiten zeichnen sich insbesondere aus durch eine hohe technische Kunstfertigkeit sowie eine starke Tendenz zur Idealisierung der abgebildeten Personen, auf die sich der Maler konzentriert und dabei weitgehend auf schmückendes Beiwerk verzichtet.

 

Wo das neuerworbene Objekt seinen Platz finden wird, steht noch nicht fest. In einer zukünftigen, neu konzipierten Dauerausstellung der Stiftung dürfte das Porträt des "Romantikers" auf dem preußischen Königstrhon, der zwar mit vielen Talenten gesegnet war, aber als Herrscher nicht immer glücklich agierte, nicht nur als historisch wertvolles Zeugnis einer vergangenen Epoche, sondern auch wegen seiner künstlerischen Qualität einen Höhepunkt darstellen.

 

Bevölkerungsentwicklung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 23. Januar 2014 um 09:53 Uhr

Wie sich die Bevölkerungszahlen in Deutschland seit 1855 verändert haben, zeigt eine phantastische Animation des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, die Spiegel-online zusammenfasst. Dabei fällt unmissverständlich ins Auge, welche gravierenden Veränderungen sich in den vier Jahrzehnten der Bismarck-Zeit bis zu dessen Ausscheiden aus der Politik 1890, grob gesprochen, vollzogen. Am Ende regierte der pommersche Junker ein völlig verändertes Land, ohne im Alter noch besonders flexibel auf die neuen Gegebenheiten einzugehen.

Darüber hinaus sind natürlich auch die erstaunlichen Verteilungen und Verschiebungen bis zu unserer Gegenwart hochinteressant. Ein uneingeschränkte Klick-Empfehlung!

Am Samstag, den 18. Januar 2014, um 14.00 Uhr, findet im Rahmen der Reihe „Wendepunkte deutscher Geschichte“ eine öffentliche Themenführung durch die Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung sowie im Bismarck-Museum Friedrichsruh statt. Während des rund einstündigen Rundgangs wird anhand ausgewählter Exponate anschaulich ein Überblick über die Vorgeschichte der Gründung des deutschen Nationalstaates sowie die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 im Schloss von Versailles vermittelt. Die Themenführung startet im historischen Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh und endet im Bismarck-Museum am berühmten Gemälde "Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871" des Historienmalers Anton von Werner.

Termin: Samstag, 18. Januar 2014, 14.00 Uhr

Ort: Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung und Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Treffpunkt: Historisches Bahnhofsgebäude, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh

Kosten: Eintritt für das Bismarck-Museum: 4,-- Euro (Gruppen: 3,-- Euro)

Der Eiserne Kanzler als Vorbild? Heute?!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 08. Januar 2014 um 13:13 Uhr

Der französische Politikwissenschaftler Dominique Moïsi zählt zu den international renommiertesten Vertretern seines Faches. Die gegenwärtigen Anspannungen vor den Küsten Chinas (und deutlich darüber hinaus) und in der zwischen Rußland und Europa hin- und hergerissenen Ukraine lassen ihn einen auf den ersten Blick überraschenden Rat erteilen: Staatsmänner in internationalen Krisenfeldern, laßt eure Muskelspiele sein und orientiert euch an dem kaltblütigen Realpolitiker Bismarck!

Ob das in Peking oder Moskau gehört werden wird, darf bezweifelt werden. Aus der Feder eines ausgewiesenen französischen Experten zeigt es aber, dass man knapp 200 Jahre nach Bismarcks Geburt in Paris nüchtern und differenziert auf das Wirken des einstigen Kriegsgegners schaut und sein mäßigendes Stillhalten in seinen 19, auf den Krieg noch folgenden Regierungsjahren zu würdigen weiß. Ohne freilich Bismarcks kalkuliertes Austarieren mit plötzlich erwachter Frankophilie zu verwechseln!

Dazu passend kann ein Erlass Herbert von Bismarcks, der seinem Vater als Staatssekretär im Auswärtigen Amt diente, an den Botschafter in Paris vom 11. Juli 1887 gelesen werden. Er bringt Bismarcks taktisches Drosseln nationaler Gefühle im Sinne der für alle Beteiligten besseren Friedenssicherung treffend zu Ausdruck, freilich ohne die eigene, verborgene Abwehrbereitschaft in Frage zu stellen (Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes R 6710).

"Mit Bezug auf den gefälligen Bericht Nr. 235 vom 6. des M[onats], die versuchsweise Mobilmachung eines französischen Armeekorps betreffend, läßt der Herr Reichskanzler Ew. pp. ersuchen, sich in dieser Angelegenheit jeglicher Aeußerung und jeglichen Schrittes zu enthalten.

Fürst Bismarck ist der Ansicht und wird diesselbe eventuell auch bei Seiner Majestät dem Kaiser und Könige vertreten, daß wenn den Versuch sich in der That auf die Mobilmachung eines Corps beschränkt und nicht gerade an der Grenze stattfindet, wir am besten thun, die Franzosen ruhig ihr Geld todtschlagen zu lassen. Seine Durchlaucht würde es indessen nicht für nützlich halten, dies den französischen Ministern vorher zu sagen, weil dieselben sonst möglicher Weise glauben könnten, größere Excesse straflos begehen zu können.

Es ist allerdings richtig, daß die Mobilmachung fern von der Grenze augenblicklich eine größere Verstärkung der betheiligten Truppentheile bedeutet, als wenn die Mobilmachung an der Grenze stattfände, wo die Präsenzstärke an sich schon höher ist. Dessen ungeachtet ist Seine Durchlaucht nicht der Meinung, daß wir uns dadurch zu analogen Kosten verleiten lassen sollten. Wie ich für Ew. persönlich bemerke[,] würde, wenn wir uns wirklich mit dem Gedanken trügen Frankreich überfallen zu wollen, ohne Zweifel der Moment, in welchem sich die Franzosen den Luxus einer partiellen Mobilmachung erlauben, hierzu ein sehr günstiger sein, da ihre Hauptmobilmachung dadurch jedenfalls erschwert werden würde. Ein Ueberfall Frankreichs jedoch wird mit Zustimmung des Herrn Reichskanzlers niemals stattfinden.

Seine Durchlaucht ist dafür, daß wir den Angriff unter allen Umständen abwarten und uns durch keine Herausforderungen in diesem Entschlusse irre machen lassen, wohl aber uns in unserem Verhalten diesseits der Grenze nicht daran kehren, ob wir die ohnehin an das Irrenhaus streifende Deutschfeindlichkeit der Franzosen noch steigern oder nicht."

Bismarck und Finnland. Ein Unverhältnis?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 06. Januar 2014 um 20:14 Uhr

Otto von Bismarck kannte Finnland als ein zum Russischen Zarenreich gehörendes Großfürstentum. Anders als uns kam ihm wohl nie ein finnischer Nationalsstaat als staatlicher Ordnungsrahmen für die sprachlich, kulturell und religiös deutlich von der russischen Norm abweichenden Finnen in den Sinn. Warum auch? Bismarck war nicht nur mit Blick auf die Minderheiten in Preußen und seit 1871 auch im Deutschen Kaiserreich kein Anhänger der historischen und kulturellen Breite, wie sie der Westen spätestens seit dem Schlagwort des "Europas der Nationen" der 1990er Jahr kennt. Für ihn zählten die preußischen Traditionen und die norddeutsche nationale Gemeinschaft. Und was der Zar mit den Finnen oder einem südkaukasischen oder fernöstlichen Volk trieb, lag ebenso fern seines politischen Tagesgeschäfts wie er es umgekehrt in der für die auswärtige Beurteilung der Behandlung der Elsässer, Dänen oder Polen durch die Deutschen verlangt hätte.

Anders lag und liegt es mit den stark auf Mitteleuropa orientierten Finnen. Das 20. Jahrhundert brachte ihnen die mehrfach gefährdete nationale Souveränität und mit ihr die Frage nach politisch-gesellschaftlichen Leit- und Ordnungsvorstellungen der Eigenstaatlichkeit, jenseits der russischen Zentrokratie, unabhängig ob zaristisch, sowjetisch oder post-sowjetisch. Dass die vergleichsweise geringe Bevölkerung des riesigen Landes auch in der Frage des Sozial- und Gesundheitsversicherungssystems auf Europa schaute und noch immer schaut, war jüngst für die größte finnische Tageszeitung Anlass, ihre Redakteure nach Südosten zu schicken, um vergleichende Reportagen über diese Fragestellungen zu schreiben. Wenn Sie nun "Bismarck" und "Finnland" in einem Rutsch googlen, erscheint als Ergebnis nicht mehr nur eine Flugverbindung zwischen der nordamerikanischen Stadt Bismarck und Helsinki oder ein Graduierungsort des Künstlers Julius von Bismarck.

Wie also Bismarck als Urheber des ersten Sozialversicherungssystems (Mark Twain: The awful german language!) gegenwärtig mit den Augen des nordöstlichsten EU-Landes gesehen wird, kann man hier und hier nachlesen. Vorausgesetzt, man kann Finnisch!

 

 

 

 

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