Sie befinden sich hier: Otto von Bismarck Stiftung Aktuelles

Besuchen Sie uns

Erfahren Sie mehr über das Angebot unserer Standorte und sehen Sie sich unsere virtuelle Austellung an.

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Regionalgeschichte am Historischen Seminar der Universität Kiel veranstaltet die Otto-von-Bismarck-Stiftung am 17. und 18. Oktober in Friedrichsruh und Reinbek eine internationale wissenschaftliche Konferenz. Gegenstand wird die internationale Wahrnehmung des Ausgangs des deutsch-dänischen Krieges des Jahres 1864 sein. Nähere Infomationen zu Konzeption, Programm und Inhalt finden Sie hier.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Bitte melden Sie sich im Tagungsbüro an, das in Friedrichsruh in den bewährten Händen von Frau Schmucker-Uhlhorn liegt.

Während der Tagung ist die Dauerausstellung für Besucher leider geschlossen, wir bitten um Ihr Verständnis.

Preisverfall in Eckernförde

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 28. August 2014 um 10:18 Uhr

In unserer Reihe Bismarck-Brötchen aus aller Welt gibt es heute ein von Nikolaj Müller-Wusterwitz aufgenommenes Bild aus Eckernförde. Dort kann man in Hafennähe ein mit Bismarck-Hering gefülltes Brötchen für nur 2,00 Euro bekommen. Warum der Kanzler hier billiger ist als andere Fischbrötchen, weiß nur der offenbar wenig an Deutschlehrern interessierte Imbissbetreiber. Dieser ist nämlich auch für die etwas freihändige Schreibweise ohne "c" verantwortlich. Der Kundschaft dürfte das aber egal sein, schließlich soll es ja in erster Linie schmecken. Und das wird es wohl, so nah am Meer...

Bismarck als Begründer der Koloniallinguistik

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 27. August 2014 um 12:38 Uhr

Unter Bismarcks preußischen Kultusministern wurde das Hochschulwesen kräftig ausgebaut. Die Universitäten wuchsen, neue Fächer entwickelten sich und an den Akademien, besonders an der Berliner, enstand die große Verbundforschung mit ihren noch heute hochgerühmten Langzeitprojekten. Die Big Sience also. Dass Bismarck selbst in die Wissenschaftspolitik eingegriffen hat, wird man nicht sagen können. Über einen außenpolitischen Umweg ist er aber doch der Gründer eines Faches gewesen, wenn auch mit mehr als 100 Jahren Verzögerung. Ob ihm der Wissenschaftszweig gelegen hätte? Man darf es bezweifeln, schließlich hatte er bekanntlich schon mit dem Gegenstand dieses "new appraoches" nicht viel am Hut: Die Rede ist von Kolonien.

Da Bismarck 1884/85 entgegen seiner eigentlichen politischen Konzentration auf Europa letztlich doch dem Erwerb von Schutzgebieten in Afrika zugestimmt hatte, brachte er jenen Prozess in Gang, an dessen Ende das Deutsche Reich eine stattliche Zahl überseeischer Gebiete sein eigen nannte. Dass dort dann willkürliche Ortsbezeichnungen vorgenommen wurden, ist seit neuestem Gegenstand lingustischer Studien, die auch schon universitär verankert sind, und zwar außergewöhnlich breit. Und dass auch Otto von Bismarck selbst Gegenstand dieser Wissenschaft ist, liegt daran, dass nach ihm auch in deutschen Kolonien Orte benannt wurden. Und nach dem Verlust dieser Territorien wieder umbennannt wurden. Mehr dazu konnte man kürzlich in einem Artikel in Der Welt nachlesen oder in unserem Projekt BISMARCKIERUNG erkunden.

Tucholskys freundschaftliches Reiben an Bismarck

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 20. August 2014 um 15:20 Uhr

Kurt Tucholsky gilt als der vielfältigste und produktivste dichterische Kritiker der reaktionären Rechten der Weimarer Republik. Als lyrischer und dramatischer Weltbühne-Autor mit den bekannten Pseudonymen Theobald Tiger und Peter Panther, als Essayist und als Romancier hat der mit erst 45 Jahren im schwedischen Exil aus dem Leben geschiedene Tucholsky ein riesiges Werk geschaffen. Vieles davon liest sich auch heute noch als beißende Zeitdiagnose, ungemein treffend und unmissverständlich kritisch, dabei aber nie per se bösartig und ätzend, sondern grundsätzlich positiv und kurzweilig. Die Reihe der Attribute könnte problemlos fortgesetzt werden, was hier aber nicht geschehen soll. Vielmehr kann man die Zuschreibungen einmal an wenigen pointierten Behandlungen Bismarcks bzw. den Thematisierungen von dessen Mythos' durch Tucholsky überprüfen.

Aus dem Jahr 1923 stammt eine Beschreibung alkoholgeschwängerter Geselligkeit in der deutschen Provinz, wo der feingeistige Dichter über Form und Ausmaß von militantem Patriotismus im fünften Jahre der Demokratie erschauerte.

„Im Achtermann zu Goslar ist eine Bismarck-Nische. Von Historie geschwängert liegt die niedrige Decke bedeutungsvoll über den dicht mit Bildern besäten Wänden. Bismarck zu Pferde und Bismarck zu Friedrichsruh, Kitschonia, die Göttin der achtziger Jahre, beut gewänderumwallt dem reisigen Helden irgendeine symbolische Klistierspritze, und was der Kladderadatsch da an ranzigem Fett unter Glas und Rahmen zu hängen hat, das ist gar nicht zum Blasen. Immerhin fehlt auch eine handschriftliche Probe des Gewaltigen nicht: ‚Wenn der Deutsche sich auf sich selbst besinnen soll, muß er erst eine Flasche Wein im Leibe haben…‘. Heil!“

Es wird überhaupt ein bißchen viel geheilt in Goslar. Die Zeitungen sind voll von Versammlungsberichten der Jungmannen verschiedenster Observanz. Stahlhelm, Jungdeutscher Orden, Bismarckbund und was sonst noch so in Preußen gut und verboten ist, tagt dort ununterbochen. "Ein flottes Tänzchen beschloß die von echt deutschem Geist durchwehte Weihnachtsfeier." Geleitet von Studienräten, Geistlichen und andern Jugenderziehern,die einer neudeutschen Jugend das ganze von den Romantikerepigonen entlehnte Vokabularium an den Kopf werfen, womit sie schon einen Weltkrieg verloren haben: noch mal! noch mal! Man denke sich ein dünnes Abziehbild der Original-Imitation eines Fichte-Kopisten, und man hat ungefähr einen Begriff von dieser Diktion. Nicht eine Spur von Selbsteinkehr, nicht ein Lichtlein Demut, Selbsteinkehr, Blick nach innen - vielmehr ein dummdreistes Geschrei gegen den Erbfeind, ein Gassenantisemitismus, der einen zum innigsten Verehrer des berliner Konfektionsviertels machen könnte, ein rohes Gebrüll gegen die Arbeiter und für den Zwölfstundentag der andern. Die Herren selbst sind mit seiner lukrativen Organisation beschäftigt. Masochisten im Stahlhelm, umbrodelt von einer heidnischgermanisch-christlichen Bieranschauung." [1]

Die Provinzstadt Goslar kommt bei dieser Harzreise des Jahres 1923 also nicht gut weg. Das kann den historisch Kundigen nicht verwundern, warum sollten die niedersächsischen Kleinstadt-Honoratioren auch demokratischer und "fortschrittlicher" gewesen sein als die Bürger und Kleinbürger irgendwo anders in Deutschland? Die Atmosphäre in der "Altdeutschen Bierhalle" des Goslarer "Achtermanns" mag freilich besonders reaktionär gewirkt haben, anderswo wurden aber kaum progressivere Töne angeschlagen in jenem Krisenjahr 1923. Das muss zu Gunsten Goslars relativierend hinzugefügt werden, ebenso wie der Hinweis auf den heutigen, außerordentlich einladenden Zustand des Traditionshauses "Der Achtermann". Ob es die Bismarck-Reminiszenzen dort noch gibt, kann ja jeder bei gelegentlichen Reisen in die Mitte Deutschlands überprüfen. Sicherlich weiß es der seiner Heimatstadt eng verbundene SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Der hat wie der einstige Besucher Tucholsky wahrscheinlich auch schon vom Bismarck-Denkmal auf die Stadt geschaut.

1929, am  Ausgang der von Historikern gern "relative Stabilisierungsphase" genannten späten Weimarer Republik vor der Weltwirtschaftskrise kam Tucholsky wieder Bismarck in den Sinn. Diesmal animierte ihn die öffentliche Präsenz des seit drei Jahrzehnten toten Kanzlers zu Reimen.

 

 

 

Marschlied nach den Wahlen

 

Es steht an dem hamburger Hafen

ein riesiger Bismarck aus Stein.

Den Schlaf seines Ruhmes zu schlafen

so steht er da groß und allein.

Er hörte Alldeutschlands Gebrummel

im Schmuck seines spärlichen Haars ...

Die Zeitungen schrien: Hummel! Hummel!

Und Bismarck, der dachte: Mars! Mars!

Mit Genuß: Mars – Mars –

Mit Genuß: Mars – Mars!

Und Bismarck, der dachte: Mars – Mars –!

Der Bismarck, der hat wohl drei Haare –

denn daran erkennt man den Mann.

Und langsam vergingen die Jahre,

und es kamen die Wahlen heran.

Doch als nun der Bismarck gerochen,

wer heute im Reichstagshaus –:

da hat er kein Wort mehr gesprochen

und riß sich die Haare aus!

Mit Genuß: Hummel – Hummel –

Mit Genuß: Mars – Mars –

und riß sich die Haare aus –!

Trio:

Nun kann er ruhig schlafen.

Und dass die Geschichte auch wahr –:

Seht nach im hamburger Hafen –

Mit Genuß: Hummel – Hummel!

Mit Genuß: Mars – Mars!

Der Bismarck, der hat ja kein Haar –!“ [2]

 

Bismarck war für Tucholsky also mehrfach eine symbolträchtige Figur, eine nationale Ikone, mit deren Bild zu spielen sich sprachlich lohnte.

 

Ob der im Jahr von Bismarcks Amtsaufgabe geborene Tucholsky  jemals nach an letzten Wohn- und Sterbeort des Reichsgründers gekommen ist? Das wissen vermutlich weder Sigmar Gabriel noch die eingefleischten Tucholsky-Forscher. Der Dichter selbst gab 1924 einen vagen, in erster Linie wohl dichterisch motivierten Hinweis auf sein Interesse am Pilgerort des kleindeutschen Patriotismus:

 

„Wie oft wollt ich schon nach Friedrichsruh!

Aber … ich komme nicht dazu.“ [3]

 

 

Bis 1933, als Tucholsky vor den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten ins schwedische Exil ging, wären ihm noch knapp neun Jahre Zeit für eine Reise nach Friedrichsruh geblieben.

 

 

[1] Kurt Tucholsky, „Kleine Reise 1923“, in: Ders., Gesammelte Werke in 10 Bänden, hrsg. von Mary Gerold-Tucholsky und Fritz J. Raddatz, Bd. 3 (1921-1924). Ausgabe 132.-156. Tausend, Reinbek bei Hamburg 1989, S. 365-369, hier S. 368.

 

[2] Theobald Tiger [=Kurt Tucholsky], in: aDie Weltbühne, 23.09.1930, Nr. 39, S. 473.

 

[3] Kurt Tucholsky, Zu Tun! Zu Tun!, in: Ders., Gesammelte Werke (wie Anm. 1), S. 409-410, hier S. 409.

 

 

Für die Tucholsky-Trouvaillen danke ich Matthias Glasow M.A.!

 

 

Dass Bismarcks politisches Leben von Wandlungen gekennzeichnet war, erstaunte schon die Zeitgenossen und ist Historikern noch heute manchmal rätselhaft. Als erzkonservativer preußischer Monarchist war er gestartet, hatte sich dann auf vorher ungeahnte Weise mit der Nationalbewegung und nach 1871 auch mit den Nationalliberalen verbündet (dabei konservative Freunde wie Roon verloren) und vollzog schließlich an der Wende zu den 1880er Jahren einen fulminanten U-Turn hin zum konservativen Protektionismus, inklusive Schutzzöllen und staatlich organisierten Sozialversicherungen. Wenn man die innen- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen seiner Regierungsjahre berücksichtigt, lassen sich manche Umschwünge verstehen, sie vollziehen gewissermaßen mit machtpolitischem Kalkül Veränderungen der politischen Großwetterlage nach oder antizipieren sie. Bei genauer chronologischer Analyse kann man also erkennen, warum Bismarck mal hü und mal hott sagte. Man muss freilich dabei die Dinge genau auseinanderhalten und sich auf die Komplexität der Reichspolitik einlassen. Genau das tut ein meinungsstarker Artikel der konservativen Zeitschrift "National Review" nicht. Hier werden dem republikaner-nahen  Leser vielmehr geläufige amerikanischen Stereotypen über den Iron Chancellor als Teaser in einem Obama-kritischen Artikel unter die Nase gerieben. Ungeachtet des Inhalts, also der dem gegenwärtigen US-Präsidenten äußerst kritisch gegenüberstehenden Bewertung von dessen Politik, lässt sich aus Sicht der Bismarck-Forschung doch eine interessante Tatsache konstatieren. Diejenige nämlich, dass das Bild von Bart und Pickelhaube den Herausgebern der Zeitschrift (diese zeichnen den Artikel) noch immer als so assoziativ gilt, dass sie es als Opener eines Artikels verwenden. Bismarck und sein amerikanischer Freund Motley würden vermutlich darüber schmunzeln.

Zum Artikel "Bismarck on the Potomac".

Unser Bild ist stibitzt aus dem Blog Bismarck Mail Art, dort ist es die Nr. 480.

Filmtipps für schwüle Sommerabende

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 29. Juli 2014 um 14:02 Uhr

Wer sich in der gegenwärtigen Hitze zu historischer Bildung und Unterhaltung aufraffen möchte, dem empfehlen wir leichte Sommerkost aus der Küche der öffentlich-rechtlichen Sender, gut konserviert bei youtube. Dass auch hier die Zutat Bismarck den Geschmack abrundet, versteht sich sich für den versierten "Chef" von selbst.

Einmal kann eine sehenswerte Dokumentation über die Berliner Konferenz von 1884/85 nachgeschaut werden, auf der Afrika aufgeteilt wurde, obwohl man offiziell nur über Zölle an der Kongo-Mündung sprechen wollte. Der Fachhistoriker muss hier nicht jede Wertung teilen. Interessant ist die im besten Histotainment-Stil daherkommende Sendung aber schon wegen der internationalen Zusammenstellung der um O-Töne gebetenen Historiker. Besonders schön ist auch die kostümtechnische Ausstattung der Darsteller. Hier hat man das Gefühl, live dabei zu sein, wenn "der mächtigste Mann der Welt" den Saal betritt und die Teilnehmer begrüßt. Gemeint ist hier ganz ironiefrei Bismarck, der übrige Tenor des Films ist hingegen geschichtspolitisch à jour, also postkolonial kritisch.

Der Sturm auf Afrika. Ein Kontinent wird geteilt (besser gepasst hätte "ein Kontinent wird verteilt").

Eine zweite youtube-Trouvaille kommt ebenfalls nicht ohne Bismarck aus, auch wenn der Reichsgründer keine Hauptrolle spielt. Unter den vielen Interviews der für heutige Sehgewohnheiten ungemein niveauvollen ZDF-Reihe "Zeugen des Jahrhunderts", die man bei youtube anschauen kann, findet sich nämlich auch ein Gespräch mit dem preußischen Prinzen Louis Ferdinand. Als Enkel Wilhelms II. war der promovierte Nationalökonom über Jahrzehnte Chef des Hauses Hohenzollern. Auch wenn man eine gewisse Melancholie nicht übersieht, litt er doch ganz offenkundig weniger als sein Großvater und vor allem sein Vater litt er unter dem Ende der Monarchie und dem damit verbundenen Ausbleiben einer eigenen Regentschaft. Wäre er nicht ein Hochadliger par excellence, wäre man versucht, seine indignierte, feinsinnige Art und sein gediegenes Auftreten "großbürgerlich" zu nennen. Keine Angst, hier soll nicht der Monarchie als Staatsform das Wort geredet werden. Aber diesem 1994 verstorbenen Nachfahren aus Deutschlands ehedem mächtigster Dynastie beim wohltemperierten Plaudern über sein an Wendungen und Wirrungen reiches Leben zuzuhöre, ist sehr unterhaltsam.

Louis Ferdinand von Preussen.

Im übrigen birgt die Reihe "Zeugen des Jahrhunderts" noch etliche weitere herrliche Zeitdokumente, man nehme sich nur einmal Zeit für Herbert Marcuse oder Konrad Adenauer. Also, besorgen Sie sich kühlen Weißwein, etwas zu Knabbern und tauchen Sie ein in den Kosmos der historischen Welten bei youtube. Wir wünschen gute Unterhaltung!

 

 

Auf dem Bild ist Bismarck gerade einmal zehn Jahre tot und Louis Ferdinand (im Wagen) und sein älterer Bruder Wilhelm schauen als Thronfolger in spe in eine privilegierte, aber auch verantwortungsvolle Zukunft als Offiziere und Prinzen. Der Jüngere übernahm dann für den Älteren, als dieser eine nicht ebenbürtige Ehe einging.

Bismarck und der 20. Juli

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 25. Juli 2014 um 10:39 Uhr

In diesem Jahr steht der in wenigen Tagen 100 Jahre zurückliegende Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt einer breiten medialen Öffentlichkeit. Die Auslagen in den Buchhandlungen und die Feuilleton-Spalten sind aber auch mit anderen Jubiläen historischer Ereignisse gefüllt, etwa mit dem 70. Jahrestag des "wichtigsten" Attentats auf Adolf Hitler. Jochen Thiess, einer der besten Kenner der Familiengeschichten der Moltkes und der Bismarcks, hat nun in einem umfangreichen Artikel im Tagesspiegel einen ganz eigenen Blick auf die Folgen für zwei der Beteiligten veröffentlicht. Darin erinnert er an die Rolle Gottfried von Bismarcks und Helmuth James von Moltkes im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Moltke war seit Anfang 1944 inhaftiert, konnte also mit der Operation Walküre des Hochsommers 1944 nichts Direktes mehr zu tun haben. Und wurde doch in der Folge noch hingerichtet.

Der junge Bismarck dagegen war als nach außen bis zum Schluss linientreuer NS-Funktionär in seiner zuletzt ausgeübten Funktion als Potsdamer Regierungspräsident als Mitverschwörer im Bendlerblock anwesend. Er überlebte die Gestapo-Haft und mehrere Konzentrationslager. Warum das so war, darüber will sich Thiess nicht festlegen. Ob tatsächlich der letzte Rest Respekt Hitlers vor dem Reichsgründer und dessen Familie dafür verantwortlich war? Auszuschließen ist es nicht, zumindest wenn man Hitler eine "Rationalität im Wahn" unterstellt. Da man das aber nicht zwingend tun muss, kann es auch schlicht diktatorische Willkür und damit bloßer Zufall gewesen sein.

In jedem Fall ist es eine Pflicht an jene heterogene Gruppe von militärischen und zivilen Verschwörern zu erinnern, die sich im Juli 1944 zum Tyrannenmord durchrangen. Auch und gerade wenn man sich vergegenwärtigt, wie schwer christliche Gegner des sog. Dritten Reiches oder sich durch den Eid gebunden fühlende Soldaten es sich mit ihrer Entscheidung machten. Die Vielgestaltigkeit der Motivlagen macht das Thema bis heute so hoch spannend. Einfache Antworten nach dem "Warum so spät?" oder "Warum so zögerlich?" gibt es nicht. Gerade bei so schwer zu ergründenden und vordergründig wenig zum Helden tauglichen Lebensläufen wie dem des Bismarck-Enkels Gottfried.

Der Artikel von Jochen Thiess im Tagesspiegel ist hier nachzulesen.

Best Bismarck in Town!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 15. Juli 2014 um 11:48 Uhr

Die mit Bildern versehenen Anschläge lassen keinen Zweifel zu: Bei der anglisierten Werbung "best BISMARCK in town" geht es nicht um einen Angehörigen der altmärkischen Adelsfamilie, sondern um das sattsam bekannte Fischbrötchen. Die kompetitive Aussage lenkt die Gedanken sofort in Küstennähe. Fischgeruch mit Salzluft in Husum oder Greifswald zieht einem in die Nase und weckt sofort Appetit. Denn dort wo besonders viel Fisch gegessen wird, liegt es ja nahe, dass sich Imbissbetreiber mit dem Anpreisen des besten Bismarck-Herings "in town" von der Konkurrenz absetzen wollen. Aber weit gefehlt! Der hier abgebildete Omega-3-Fettsäuren-lastige Imbiss-Stand befindet sich auf dem Marktplatz in Würzburg, weitab von Nord- und Ostsee. Da ich aber in Hamburg nicht an Fischunterversorgung leide, ging ich anders als die mainfränkischen Fischfeinschmecker nach dem Fotografieren des Angebots einige Meter weiter und bestellte mit der größten Selbstverständlichkeit "eine mit". So hatte ich es von den Hungrigen in der Schlange vor mir gehört. Ohne Nachfragen bekam ich auf die lakonische Bestellung eine Bratwurst mit Senf (wenn ich mich richtig erinnere auch für 2 Euro). Und die war ebenfalls sehr zu empfehlen. Ob sie freilich die beste "mit" "in town" war, kann ich mangels kulinarischer Orstkenntnisse nicht abschließend beurteilen, hier ist weiergehende Empirie vonnöten.  Beim nächsten Würzburg-Besuch werde ich aber erst einmal bei schreiers fish & more den englischen BISMARCK probieren, versprochen!

Wer sich jenseits kunlinarischer Fragestellungen mit Bismarck und Würzburg beschäftigen will, dem sei folgende einschlägige Studie empfohlen:

Matthias Meyer, Bismarckkult in Würzburg, (=Mainfränkische Hefte 110) Würzburg 2012, 182 + 9 S.).

«StartZurück12345678910WeiterEnde»
Seite 3 von 30