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Der Erste Weltkrieg ist in aller Munde. Neben den Ursachen für seinen Ausbruch, der sich in einigen Wochen zum 100. Mal jährt, ist der Kriegsverlauf Gegenstand von zahllosen Büchern, Ausstellungen und Fernsehsendungen. Und um verstehen zu können, welche Gesellschaft im Sommer 1914 in den Krieg zog, wird in etlichen Publikationen auch die Geschichte des Kaiserreichs wieder neu in den Blick genommen.

Aber wer erklärt diese komplexen Dinge eigentlich Kindern? Zum Beispiel der NDR. Katja Eßbach hat eine spannende Reportage für die Sendung "Mikado - Radio für Kinder" über das Kaiserreich und den Ersten Weltkrieg gemacht. Und ein Historiker der Otto-von-Bismarck-Stiftung war mit O-Tönen dabei! Ohne Fußnoten und gewundene Wissenschaftsprosa in Bandwurmsätzen, die vor Informationen, Aufzählungen, "Relativierungen" und - Einschüben - am Ende nicht mehr weiß, was sie Anfang aussagen wollte. Hier gilt im besten Sinne das Gegenteil: Man versteht die Sprecher, auch inhaltlich! Wer die Sendung am 9. Juni verpasst hat, kann sie hier nachhören, mit Kindern und Erwachsenen...

Die Leitzinssenkung ins Bodenlose reizt Journalisten mal wieder zu gewagten Vergleichen: Diesmal wird dem italienischen EZB-Chef Draghi sogar die Chance angedichtet, mit seinen letzten Zinskorrekturen Europa auf den Weg zu einer Sozial-Union gebracht und damit einen weitreichenden Impuls gegeben zu haben. Ob das eintreten wird, bleibt abzuwarten. Aus historischer Perspektive sollte man sich mit nebulösen Zukunftsperpektiven sowieso zurückhalten. Angemerkt sei lediglich, dass auf der Suche nach einem deutschen Spitzenpolitiker als Vergleichsperson mit europaweiter Implikation wohl eher Helmut Kohl geeignet gewesen wäre, aber das sind Petitessen. Das Schlagwort "Euro-Bismarck" ist jedenfalls eine hübsche Neuschöpfung, die den anhaltenden sprachlichen Reiz des Namens Bismarck verdeutlicht, auch 199 Jahre nach seiner Geburt!

Nach einer Mitteilung des Postillion ist die Chancengleichheit nun auch in der obersten Sphäre der monarchischen Staatschefs durchgedrückt worden: Die Nachfolge des spanischen Königs muss europaweit ausgeschrieben werden! Kaum auszumalen, wer sich da alles bewerben wird. Unter den 505 Millionen EU-Bürgern dürften auch mehrere Deutsche ein Interesse an dem Posten haben. Eine veritable Thronanwartschaft darf man zum Beispiel dem Unterhaltungskünstler Jürgen Drews unterstellen, der schon seit Langem als König von Mallorca amtiert und von den Balearen einfach nur zum Festland übersetzen müsste. Auch Sami Khedira könnte den Hut in den Ring werfen, immerhin hielten sich bei ihm die Umzugskosten innerhalb Madrids im Rahmen. Es sei denn, er würde nach außerhalb, in den Escorial (s. das nebenstehende Bild aus dem Jahr 1900) umsiedeln wollen, wo einst Philipp II. residierte, immerhin ein Sohn eines Deutschen.

Abraten möchten wir mit dem Blick in die Geschichte des 19. Jahrhunderts nur einem Europäer, Karl Friedrich von Hohenzollern, seit 2010 Chef des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen. Die spanische Thronfolgekandidatur Ende der 1860er Jahre zog, wie Eingeweihte wissen, gravierende Weiterungen nach sich, an deren Ende Frankreich zum zweiten Mal im 19. Jahrhundert einen Krieg verloren hatte. Also im Sinne der europäischen Friedenswahrung: Bitte keine Einkreisung Frankreichs provozieren und lieber die Bourbonen zum Zug kommen lassen. Die Welfen haben ja bei ausschreibungspflichtigen Monarchenposten vielleicht in den nächsten Jahren in Großbritannien mal wieder eine Chance. Es sei denn Lukas Podolski oder Mesut Özil bewerben sich dann.

Bismarck-Straßen bekommen Asphaltlöcher und werden je nach Durchfahrtsfrequenz und Fülle des städtischen Steuersäckls mal früher, mal später geflickt. Wie aber verhält es sich mit anderen Ehrungen für den Reichskanzler im öffentlichen Raum? Bei Recherchen für unser Wiki-Projekt Bismarckierung stoßen wir immer wieder auf ganz unterschiedliche Nachrichten über den Zustand von Bismarck-Denkmälern, Bismarck-Türmen und Bismarck-Säulen. Da deren Erhaltung naturgemäß nicht die gleiche Priorität hat wie der durch Städte und Gemeinden führende Autoverkehr, entscheiden über die Mittelvergabe für Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen auch nicht Verkehrsausschüsse, sondern die mit Kultur und Denkmalschutz befassten Gremien - in beiden Fällen freilich nur mit der Zustimmung der Finanzbehörden. Im Folgenden sind nur einige kleine Streiflichter auf gegenwärtige Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen aufgelistet, zahlreiche weitere wären zu nennen. Die Auswahl ist zufällig und folgt keinen Geschmacksvorlieben, dann wären die allermeisten der zwischen Kitsch und Brutalismus angesiedelten Denkmäler sowieso nicht zu retten.

Neben dem größten Bismarck-Denkmal in Hamburg, für dessen dringend notwendige Sanierung sich momentan eine politische Initiative sammelt, ist das wichtigste unzweifelhaft das Berliner Denkmal. Ursprünglich stand es vor dem Reichstag, der Kanzler kehrte dem Parlament vielsagend den Rücken zu. Die Nationalsozialisten versetzten das Denkmal dann im Rahmen des Hitler-Speerschen Germania-Wahnsinns an den großen Stern. Dort steht es noch heute und wird nun in Vorbereitung auf den 200. Geburtstag des Kanzlers saniert. Damit macht sich das chronisch verschuldete Berlin innerhalb von kurzer Zeit gleich zum zweiten Mal an die Sanierung eines Bismarck-Denkmals: ohne jegliche öffentliche Resonanz war im letzten Jahr am Wannsee, unweit der gleichnamigen S-Bahn-Haltestelle, ein 1945 von den Sowjets abgeräumtes Denkmal wieder aufgestellt worden.

Nachdem es um die Finanzierung der Sanierung des opulenten Bismarck-Denkmals am Kölner Bayenthalgürtel bereits Streit gegeben hatte, verzögert sich nun der Abschluss der Arbeiten. Immerhin wird das Denkmal dann wohl auf längere Frist sicher und schön sein, anders als dies bei den weniger gründlichen Arbeiten vor 15 Jahren der Fall war. Grimmig wird der expressionistische Ritter Bismarck dann wieder auf die katholischen Jecken am linken Rheinufer hinabschauen, die ihn in einer erneuten dialektischen Wendung des Geschichtswusstseins trotz seiner kulturkämpferischen Rempeleien nicht nur überhaupt zum Denkmal erhoben haben, sondern ihn nun in der unheroisch-postmodernen Massendemokratie sogar binnen weniger Jahre mit nicht unbeträchtlichen Mitteln im Straßenbild erhalten wollen.

Wenn vor 100 Jahren das Geld nicht für eine großes Denkmal oder einen Bismarckturm reichte, meiselte man den Namen des Verehrten einfach in einen großen Findling und stellte diesen an markanter Stelle auf. Auch diese kleineren Zeugnisse des Bismarck-Kults wollen erhalten werden, will man in naher Zukunft den Schriftzug des Reichsgründers noch lesen können. Ein erfreuliche Nachricht kommt diesbezüglich aus dem badischen Schiltach.

Noch etwas weiter südlich ist ein Bismarck-Denkmal hingegen in naher Zukunft zum Abriss freigegeben oder besser gesagt: zur Fällung! In Emmendingen nahe Freiburg wird die Bismarckeiche im Naturdenkmalbuch, wo sie seit 1973 eingetragen ist, wohl bald die Spalte "Ehemalige" übertragen werden. Die Ursache dafür liegt aber nicht in Änderungen der politischen Großwetterlage im Südwesten der Republik, sondern vielmehr in der banalen Tatsache, dass die Eiche morsch ist. Zwei andere imposante Eichen folgen als Naturdenkmale, die Bismarck-Eiche wird jedoch in absehbarer Zeit mit Motorsägen aus dem öffentlichen Raum geschnitten.

Im ostwestfälischen Rödinghausen wurden stattliche 50.000 Euro für die Sanierung des Bismarckdenkmals auf dem Nonnenstein bereitgestellt. Damit hat das Wanderziel im Wiehengebirge eine Attraktion mehr. Schließlich soll in Kürze noch ein QR-Code angebracht werden, der dem modernen Outdoor-Touristen auf seinem Smartphone die wichtigsten Informationen über die steingewordene Heldenverehrung anzeigt. Wer einmal einen ganze Reihe von Bismarck-Türmen und -Säulen abwandern will, der sollte besonders haltbare Wanderstiefel anziehen und kann seine Tour auf einer Profi-Website planen.

Vor Ort wird er dabei auf ganz unterschiedliche Erhaltungszustände stoßen, von solide und zugänglich bis gesperrt und stark pflegebedürftig. Und er trifft auch in Zukunft auf ungelöste Fragen zum Umgang mit den Denkmälern zu Hauf. Bismarck hat also, wie Dirk Reinartz und Christian Graf von Krockow schon vor Jahren in ihrem Buch über den "Verrat der Denkmäler" eindrucksvoll vor Augen geführt haben, nicht nur ein politisches Erbe hinterlassen, sondern auch ein konkret dingliches. Letzterem kann man jeden Tag in Stadt und Land begegnen. Der mit finanziellen Aufwendungen verbundene Erhalt ist für die dafür Verantwortlichen nicht weniger problematisch als die übergeordnete geschichtspolitische Deutung Bismarcks. Und zwar nicht nur dort, wo nach landläufigen (und hier keinesfalls geteilten) Vorurteilen die Schotten Deutschlands leben.

 

 

 

Bismarck in Karikatur und Reim des Kladderadatsch

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 26. Mai 2014 um 11:40 Uhr

Otto von Bismarck zählt zu den zu Lebzeiten am häufigsten karikierten Politikern. Entgegen landläufiger Annahmen, das restriktive Preußen und das obrigkeitstaatliche Kaiserreich wären humorlos gewesen, zeigt ein Blick in die einschlägige Presse der Zeit, vor allem in Satirezeitschriften wie den "Wahren Jacob" oder den "Kladderadatsch", dass man sehr wohl auf Kosten des staatlichen Spitzenpersonals lachen konnte. Schon den Zeitgenossen fiel auf, dass es dabei besonders oft um den Mann mit den drei Haaren, dem Bart und - nicht selten - der Pickelhaube ging. Der Kladderadatsch brachte daher 1890, als der Kanzler gegen seinen Willen aufs Altenteil geschoben wurde, ein "Bismarck-Album" heraus. Darin sind alle auf den preußischen Ministerpräsidenten und nachmaligen Reichskanzler gemünzten Spötteleien in Wort und Bild versammelt, die seit 1848 in dem Berliner Magazin erschienen waren.

Näheres über die erst 1944 endende Geschichte der Zeitschrift findet sich u.a. in einer kurzen Beschreibung auf der Homepage eines Heidelberger Projekts. Die dortige Universitätsbibliothek hält seit 2003 eine Komplett-Digitalisierung des Kladderadatschs online vor. Auch das Sonderalbum über Bismarck ist digital abrufbar und wer an den herrlich warmen Maitagen einmal im kühlen Arbeitszimmer die Lachmuskeln reizen will, kann mit ein paar Klicks feststellen, dass auch 150 Jahre alte Gags und Kalauer noch zünden können. Ein wenig (manchmal sogar ein wenig mehr) historisches Vorwissen ist dabei hilfreich. Wenn man sich darauf einlässt, kann man eine Quellengattung entdecken, die einem die Tränen in die Augen treibt, vor Freude!

Zur hier abgebildeten Karikatur mit der Überschrift "Guter Rath ist theuer" wurde für die geneigten Leser süffisant ausgeführt: „Bismarck (Elsaß und Lothringen einführend): Liebster Reichstag, nun haben wir die beiden Jungen wieder, aber jetzt rathen Sie mir, wie und wo wir sie unterbringen sollen!” Der Ausspruch spielte auf die nach der Annexion 1871 noch ungeklärte verfassungsrechtliche Eingliederung Elsass-Lothringens an (die erst 1911 geregelt wurde!).

Am Freitag, den 23. Mai 2014, um 14 Uhr, findet anlässlich des 65. Jahrestages der Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland eine Themenführung durch die Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung sowie im Bismarck-Museum Friedrichsruh statt. Während des rund 90-minütigen Rundgangs wird anhand ausgewählter thematischer Stationen und Exponate in den Ausstellungen anschaulich ein Überblick über Verfassung und Politik im Deutschen Kaiserreich vermittelt. Die Themenführung startet im historischen Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh.

Treffpunkt: Historisches Bahnhofsgebäude, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh

Kosten: Eintritt für das Bismarck-Museum: 4,-- Euro (Gruppen: 3,-- Euro)

In den 1920er Jahren wurde das beschauliche sächsische Erzgebirgsdorf Oberschlema zu einem internationalen Kurbad ausgebaut. Der Grund waren radon-haltigen Quellen, denen man eine gesundheitsfördernde Wirkung zuschrieb. In den 1950er Jahren wurde das Zentrum des noch jungen Kurorts dem Erdboden gleich gemacht, von der weltläufigen Idylle blieb nichts, die Wismut hatte andere Interessen. Nunmehr wurde das für das strahlende Wasser verantwortliche Uran von den Sowjets für ganz andere Zwecke abgebaut. Das MDR-Fernsehen hat für sein Magazin "Geschichte Mitteldeutschlands" die Geschichte des Kurbades in einem spannenden Beitrag nacherzählt. Neben faszinierenden bewegten Bildern gibt es auch fesselnde Fotos aus den 1920er und 1930er Jahren zu sehen. Wer wissen will, was das alles mit Bismarck zu tun hat, der klicke sich bis zum Bild Nr. 8 durch die Foto-Galerie und staune über den Namen der stärksten Abfüllung des strahlenden Wassers. Wie wird der wohl lauten? Bi...ck-Quelle

Der Internationale Museumstag am 18. Mai 2014 steht in diesem Jahr unter dem Motto „Sammeln verbindet – Museum collections make connections“. Das Motto ist Anlass für die Otto-von-Bismarck-Stiftung, im Rahmen einer Sonderausstellung einen Querschnitt aus den Sammlungen der Stiftung sowie des Bismarck-Museums zu geben.

Nachdem sich die jungen Besucher am BismarckKids-Familientag im Museum amüsiert haben, können die Erwachsenen in der Kabinettausstellung „Zeugen der Geschichte – Schätze aus dem Bismarck-Archiv und Bismarck-Museum“ eine Auswahl an interessanten Exponaten im historischen Bahnhofsgebäude Friedrichsruh bestaunen. Museen, Archive und Bibliotheken behüten die materiellen Zeugnisse menschlicher Existenz vergangener Zeiten. Sie sammeln, bewahren, erforschen und präsentieren Sachzeugnisse der Geschichte. Auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung verfügt über eine Sammlung von historischen Objekten. Einige von ihnen werden nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – hierzu gehört beispielsweise ein Offizierspatent für einen Vorfahren Otto von Bismarcks aus dem Jahr 1757, das die Unterschrift Friedrichs des Großen trägt.

Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh

Laufzeit: 18. Mai bis 15. Juni 2014

Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei.

 

 

 

 

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