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Hurra, wir bauen!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 13. November 2015 um 13:23 Uhr

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 12. November 2015 einen Gesamtetat von 316,9 Milliarden Euro für das Haushaltsjahr 2016 beschlossen. Teil dieser riesigen Summe sind immerhin noch sehr stattliche 2,7 Millionen Euro für den Neubau eines multifunktionalen Neubaus für die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Zusammen mit 300.000 Euro, die bisher für die Planung des Vorhabens bereits genehmigt worden sind, wendet der Bund der Bismarck-Stiftung 3 Millionen Euro für die Lösung von akuten Raumproblemen zu. Geplant ist ein Neubau auf dem eigenen Grundstück, der einen Veranstaltungsraum und die Bibliothek aufnehmen soll; beide sind in den knapp 20 Jahren seit Bestehen der Stiftung im historischen Bahnhofsgebäude in Friedrichsruh an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen bzw. schlicht über diese hinausgewachsen. Dort, wo sie im alten Bahnhof Platz machen, soll die ebenfalls zu erneuernde Dauerausstellung zusätzlich zu ihrem bisherigen Umfang neue Räumlichkeiten hinzubekommen.

Wir freuen uns sehr über die guten Nachrichten und sagen herzlich: Danke!

Und keine Angst, die Steuergelder werden sparsam und sachdienlich verwendet: Auf der einzigen Grundstücksecke des denkmalgeschützten Stiftungsgeländes in Friedrichsruh, die für eine Bebauung in Frage kommt, einem knapp 13x15 Meter großen Stück Wiese, wird ein moderner Funktionsbau und kein Wolkenkuckucksheim entstehen, wie es das Schloss Neuschwanstein 1875 schon in seiner Bauphase erkennbar war. Obwohl das seinen Reiz hätte, von den Besucherzahlen ganz zu schweigen...

Tagungsbericht "Kulturkämpfe" erschienen

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 16. Oktober 2015 um 07:48 Uhr

Der Tagungsbericht zur Frankfurter Konferenz vom 3. bis 4. September über "Europäische Kulturkämpfe und ihre gegenwärtige Bedeutung" ist bei HSozuKult erschienen und füllt seit gestern Abend den elektronischen Orkus noch ein wenig mehr an.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung dankt den Mitveranstaltern vom Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften der Universität Münster, vom Europäischen Institut für interkulturelle und interreligiöse Forschung (Triesen/Liechtenstein) und von der Evangelischen Akademie Frankfurt für die Zusammenarbeit bei dieser anregenden Tagung. Besonders gilt dies für die Gastgeber in Frankfurt und für Justus Bernhard in Münster, der sich der Mühe unterzogen hat, das an zwei Tagen Gehörte in knapper Form zu Papier zu bringen.

Zum Bericht geht es hier.

 

Neue Website www.bismarckmythos1915.de

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 14. Oktober 2015 um 19:55 Uhr

Bismarcks fast ausgefallener 100. Geburtstag zwischen den Fronten

Was hätten das für Feiern werden können? Am 1. April 1915 wäre für die Bismarck-Deutschen ein einmaliger Nationalfeiertag gewesen, für den vielleicht sogar Wilhelm II. schulfrei gegeben hätte. Und wenn nicht, dann hätten die protestantischen Studienräte zwischen Rheinland und Ostpreußen ihren Schülern auf eigene Faust einen patriotischen Frühlingstag verordnet. Ergreifende Reden und stolze Lieder wurden zwar wie geplant landauf, landab vorgetragen, aber unter völlig anderen Bedingungen.

Bismarcks 100. Geburtstag war langfristig vorbereitet worden. Neue Bismarcktürme waren errichtet, vorhandene herausgeputzt worden, der Bau eines Bismarck-Nationaldenkmals war beschlossene Sache, Historiker und Publizisten saßen über den Manuskripten neuer Biographien über den Reichskanzler und eine ganze Kitschartikel-Industrie bereitete sich auf den reißenden Absatz von Aschenbechern, Rasierklingen und Wandtellern mit dem Antlitz des Verehrten vor. Doch dann befand sich das Deutsche Reich seit August 1914 in jenem Krieg, den der verklärte “Alte” immer hatte vermeiden wollen. Ob er es 1914 überhaupt gekonnt hätte? Diese Frage beantwortete die Mehrheit der Deutschen mit einem deutlichen Ja. Die Einwände der Sozialdemokraten, einiger Zentrumsangehöriger und Linksliberaler wurden von einem Hurra-Patriotismus übertönt, der seit dem letzten Lebensjahrzehnt Bismarcks eigenartige Formen angenommen hatte.

Personenkult im Ersten Weltkrieg

Der Kanzler ohne Amt hatte nach seiner Entlassung maßgeblich zur Ausbildung einer kultischen Verehrung seiner Person beigetragen, die später treffend „Bismarck-Mythos“ genannt wurde. Was auch immer Wilhelm II. und seine Kanzler unternahmen, bis zu seinem Tod 1898 wusste Bismarck es besser, und danach waren es seine Exegeten, die ihn und ihm zugeschriebene Argumente gegen die Welt- und Tagespolitik des Kaisers ins Feld führten. Wie für keinen anderen Politiker seiner Zeit entwickelte sich um den „Eisernen Kanzler“ ein Personenkult, der den Vergleich mit den Diktatoren des 20. Jahrhunderts nicht zu scheuen braucht. Mit einem gravierenden Unterschied: Er war nicht staatlich verordnet und finanziert, sondern speiste sich aus den Wünschen und Vorstellungen breiter Bevölkerungsschichten des wilhelminischen Deutschlands. “Bismarck” wurde in den Projektionen breiter Kreise zu einem vielgestaltigen Narrativ, das als historischer Gegenentwurf den kaiserzeitlichen Alltag begleitete und dort Trost, Sinn und Zuversicht spendete, wo die Gegenwart unangenehm und die Zukunft unsicher erschien.

Bismarcks Geburtstag wurde ein inoffizieller Feiertag im Kalender der patriotischen Deutschen. Wie reagierten diese nun auf die Herausforderung des Weltkriegs? Welche Feiern fanden statt, welche nicht? Welche Formen der Ehrung waren unter den Bedingungen des Krieges möglich? Wie reagierten die Souvenirhersteller auf die einsetzende Rohstoffbewirtschaftung? Wie gingen die deutschen mit ihrer nationalen Überfigur um, als das von ihm geschaffene Reich vor seiner bisher ärgsten Bedrohung stand. Diese Fragen hat man sich zeitgenössisch nicht gestellt. Sie sind auch in der breiten Bismarck-Forschung bisher nicht systematisch untersucht worden. Aus Anlass des 200. Geburtstags Bismarcks lohnt der postheroisch-abgeklärte Blick auf den historisierten Reichsgründer und die Formen der mythischen Verehrung, die ihm im Jahr 1915 entgegengebracht wurden – zu einer Zeit, als die von ihm an die Spitze Deutschlands gestellte Hohenzollernmonarchie noch siegesgewiss nach Osten und Westen blickt.

Das Projekt bismarckmythos1915.de

Im Wintersemester 2014/15 beschäftigte sich ein Projektkurs am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg mit dem runden Geburtstag Bismarcks. In Zusammenarbeit mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh legten die Studierenden eigene Schwerpunkte und fanden damit unterschiedliche Zugänge zu einer personenbezogenen Festkultur, die nicht nur die gefeierte Person, sondern insbesondere die Feiernden selbst ins Zentrum stellte und über den 100. Geburtstag hinaus die Art und Weise, in der Bismarck verherrlicht wurde, anschaulich macht.

Indem Postkarten, Münzen, Bismarck-Biografien, Festreden zu unterschiedlichen Bismarck-Geburtstagen in vier unterschiedlichen politischen Systemen sowie ein biografisches Gesellschaftsspiel über den “Eisernen Kanzler” zum Gegenstand genommen werden, schaffen die Studierenden Zugänge zum zeitgenössischen Kult um Bismarck und öffnen den Blick auf eine innere, kulturelle Nationsbildung in Deutschland. In ihr wurde die Geschichte des Reichskanzlers verknüpft mit Erzählungen über die Nation und damit eine Verbindung hergestellt zwischen der (ehemaligen) politischen Führung des Landes und den Einzelnen, die sich als Teil der nationalen Gemeinschaft verstanden.

Die Beiträge sind studentische Erschließungen eines komplexen Themas und keine abschließenden Forschungsergebnisse auf langjähriger Grundlage. Hier und da mögen Wertungen und Schlüsse daher Anlass zu Ergänzungen geben. Die Seminarleiter und Herausgeber der Webseite, Dr. Thorsten Logge und Dr. Ulf Morgenstern, moderieren bismarckmythos1915.de und nehmen Kritik und Anmerkungen gern entgegen. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl des Seminars sind aus  dem breiten Spektrum der Überlieferungen zu Bismarcks  100. Geburtstag nur einzelne, wenn auch zentrale Aspekte bearbeitet. Manche Themen, wie etwa die Presseberichterstattung über Feste und Feiern rund um den 1. April 1915, konnten nur dokumentiert, nicht jedoch kommentiert und analysiert werden. Trotzdem ist ein breiter Bogen gespannt, der eine fremd gewordene Festkultur zeigt, die sich erheblich von den Gepflogenheiten politischer Sozialisationen der Gegenwart unterscheidet, vor 100 Jahren jedoch für breite Teile der deutschen Gesellschaft anschlussfähig war und integrierend wirkte.

zum Projekt geht es hier: bismarckmythos1915.de

Zu den Dozenten und Moderatoren hier: Dr. Thorsten Logge (Uni Hamburg); Dr. Ulf Morgenstern (Otto-von-Bismarck-Stiftung/Uni Hamburg)

 

 

Neuerscheinung: Bismarck und die Liberalen

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 08. Oktober 2015 um 13:35 Uhr

Im letzten Jahr veranstaltete die Otto-von-Bismarck-Stiftung gemeinsam mit dem Archiv des Liberalismus ein Kolloquium über das Thema "Bismarck und die Liberalen". Den Chefstrategen in Gummersbach ist nun gelungen, was beide Veranstalter erhofften: Die Vorträge der Friedrichsruher Konferenz liegen nach gerade einmal zehn Monaten (sic!) als Beiträge im neuen Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 27 Jg. (2015) vor.

Acht Aufsätze über Bismarcks Verhältnis zu liberalen Zeitgenossen bzw. seine spätere Rezeption durch Liberale Politiker und Denker des 20. Jahrhunderts machen das Jahrbuch diesmal zur Hälfte zu einem Bismarck-Sammelband. Und zwar zu einem hochinformativen! Wir danken Herrn Dr. Jürgen Frölich vom Archiv des Liberalismus für das effektive Erzeugen von Hochdruck bei den Autoren. Das Jahrbuch kann beim Verlag bestellt werden.

Vor dem Klapprad kam der Klappaltar. Klar!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 07. Oktober 2015 um 07:32 Uhr

In den 1970er Jahren fertigte die Fahrrad-Schmiede "Bismarck" in Radevormwald, der Zweirad-Mode entsprechend, auch Klappräder mit dem Namen des Reichsgründers. Diese merkwürdigen Fahrzeuge sind bei Liebhabern älterer Fortbewegungsmittel begehrt und der gegenwärtige Boom des Klapprads bei den großstädtischen Hipstern an Alster, Spree und Isar wird sicher noch das eine oder andere Bismarck-Klapprad den Weg aus Omas Keller ins Angebot von Ebay-Kleinanzeigen finden lassen. Was aber ist ein bitte schön Bismarck-Klappaltar?

Die Antwort ist einfach: ein für die private Bismarck-Verehrung in den heimischen vier Wänden gefertigter Reliquien-Schrein, s. Bild links. Wenn er uns nicht angeboten worden wäre, wir hätten es nicht geglaubt! Tatsächlich hat ihn ein Bismarck-Fan im Jahr 1904 für  eine sicher ordentliche Summe bei dem renommierten Buchbinder und Leder-Kunst-Handwerker Georg Hulbe (1851-1917) in Auftrag gegeben. Hulbe kam 1880 mit seiner Werkstatt aus Kiel nach Hamburg. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Lederschnitt, dessen althergebrachte Tradition er in den neo-historistischen Hochzeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts erfolgreiche erneuerte. 1895 erhielt er den Auftrag für sämtliche Lederstühle und Ledertapeten des Berliner Reichstages und etwas später auch für das Hamburger Rathaus. Hulbe expandierte und eröffnete Verkaufsstellen in Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin. Neben Möbeln und Tapeten aus Leder stellte er u.a. Schreibmappen, Paravents und Schatullen her.

Den mittelalterlich stilisierten Klappaltar aus Eichenholz stellte Hulbe für die Aufbewahrung einer Schreibfeder Otto von Bismarcks her. Federn und Bleistifte aus der (vermeintlichen) Hand Bismarcks waren heißbegehrte Reliquien und haben mit mehr oder weniger glaubhaften Echtheitsbeglaubigungen die Zeiten überlebt. Bei der hiesigen gibt es einen zumindest vagen Bismarck-Bezug, denn der verarbeitende Kunsthandwerker Hulbe hatte für die Familie des Kanzlers im Ruhestand in den 1890er Jahren einen riesiegen Stammbaum in Leder gepunzt, der im Raum 1 des Bismarck-Museums in Friedrichsruh hängt. Sowohl der Stammbaum wie auch der Klappaltar sind mit den Herstellernamen "Georg Hulbe Hamburg Berlin" versehen.

Die Gesamtmaße des zugeklappten Schreins betragen 52 x 27,5 x 2,5 cm. Er ist auf der Vorderseite teils mit geritztem und geprägten Leder mit partieller Vergoldung und Eisenbeschlägen versehen. Oben befindet sich eine Bronzemedaille mit Bismarcks Profil im Relief und der Aufschrift "Fürst Otto Bismarck Schönhausen". Links ist sein Geburtshaus in Schönhausen, rechts das Schloss in Friedrichsruh zu sehen. Den unteren Bereich schmücken vergoldetes Eichenlaub (was sonst!) und das Familienmotto "In Trinitate Robur" (In der Trinität liegt die Stärke). In der Mitte liegt die Schreibfeder auf einem Stück Leder mit der in Gold geprägten Signatur Bismarcks.

Die beiden aufklappbaren Flügel verbergen jeweils Pergamenteinlagen mit Inschriften in kolorierter Fraktur. Auf der Innenseite des linken Flügels befindet sich ein in Gold geprägtes Wappen mit dem Schriftzug "Durch!". Auf dem linken Pergament ist zu lesen: "Diese Schreibfeder benutzte Se. Durchlaucht der Fürst Bismarck eigenhändig. Diese wurde dem Errichter dieser Urkunde von seinem Schwiegervater, dem Kaiserlichen Telegraphendirektor Mohrbutter in Lübeck am 6. Februar 1888 gestiftet." Rechts steht geschrieben: "An dem Tage, an welchem der Eiserne Kanzler im Deutschen Reichstage die denkwürdigen Worte sprach: 'Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Walt!'" Auf der Innenseite des Leders steht geritzt: "Diese Urkunde wurde errichtet von Wilhelm Ramm / Ostseebad Kolberg am 6. Juli 1904 / Das Holz ist Bismar[c]k Eiche aus dem Sachsenwald."

111 Jahre später hat der "Altar to go" den Besitzer gewechselt. Unser herzlicher Dank gilt dem Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Er hat durch die großzügige Übernahme des Kauf- und Restaurierungspreises ein faszinierendes Objekt für die geplante Modernisierung unsere Dauerausstlleung gesichert. Unser Bild zeigt der Geschäftsführer der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, und den Vorsitzenden des Fördervereins, Herrn Norbert Brackmann MdB. Beide sind sichtlich bester Laune, denn dieses bizarre Kunstwerk ist ein einzigartiges Relikt des Bismarck-Kults der Jahre um 1900, als die Verehrung Bismarcks zu einem bald jedes Maß verlierenden Mythos anschwoll. Es ist, um eine gelegentlich als verstaubt angesehene Archivalien-Klassifizierung zu verwenden, "Tradition" und "Überrest" zugleich. Wir freuen uns über den Sammlungs- und hoffentlich bald auch Ausstellungszugang der besonderen Art!

 

 

28 Jahre war Deutschland durch die Mauer geteilt, seit 25 Jahren ist es wiedervereint. Setzt man die vielen Zeitgenossen endlos erschienene Phase der Trennung neben das nunmehr volle Vierteljahrhundert seit der Wiedervereinigung, wird klar, dass der 3. Oktober 1990 ein immer historischer werdendes historisches Datum ist. Lebhaft in Erinnerung gerufen wurden die Ereignisse der Jahre 1989/90 durch zwei einstige aktive Gestalter der "großen Politik". Zur Eröffnung einer Wanderausstellung der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin) unter dem Titel "Der Weg zur Deutschen Einheit 1989/90" waren Dr. Rudolf Seiters (CDU) und Hans-Ulrich Klose (SPD) am 4. Oktober in den Sachsenwald gekommen. Der Vorsitzende und der Stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Otto-von-Bismarck-Stiftung teilten ihren je eigenen Erfahrungsschatz mit einem großen Kreis von Zuhörern. Seiters, seinerzeit Chef des Bundeskenzleramts und verantwortlich für die Ausreise der Botschaftsflüchtlinge in Prag, Warschau und Budapest, erinnerte an den wohlgeordneten Umgang mit dem Unerwarteten.

Den Eindruck einer bedachten und keinesfalls zu stürmischen Politik der damaligen Bundesregierung gegenüber der DDR, den Allierten und den übrigen Mächten teilte auch der außenpolitische Experte und langjährige Vorsitzende der SPD-Fraktion Hans-Ulrich Klose. Prof. Joachim Scholtyseck, Historisches Seminar der Universität Bonn, war als Moderator der Diskussion in der angenehmen Position, nicht zwischen streitenden Zeitzeugen vermitteln zu müssen. Im Gegenteil, fast schien ihm das Gespräch mit den Elder Statesmen zu harmonisch. Seiters und Klose lagen nahezu völlig auf einer Linie, wenn sie sich an die Ereignisse der Wende- und Wiedervereinigungszeit und an deren damalige, durchaus kontroverse Wahrnehmung  bei den Spitzen von Politik, Kultur und Wissenschaft erinnerten.

Ihre Einschätzungen waren ein Lehrstück für alle Historiker, denen hier die prinzipielle Offenheit historischer Prozesse verdeutlicht wurde. Sinnbildlich brachte Rudolf Seiters diese Proseminar-Weisheit auf den Punkt, als er selbstironisch eine Begebenheit vom 9. November 1989 vortrug. Als am Mittag dieses Tages sein stellvertretender Büroleiter  mit der Bitte an ihn herangetreten sei, an diesem Tag etwas eher den Dienst verlassen zu dürfen, da er zu Hause seine Frau bei einem Kindergeburtstag unterstützen wolle, ließ der nachsichtige Chef Seiters ihn mit den Worten ziehen: "Sie können ruhig gehen, heute passiert nichts mehr."

Unser Bild zeigt von links Dr. Rüdiger Kass, Vorsitzender des Vorstands der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Dr. Rudolf Seiters, Vorsitzender des Kuratoriums , Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Universität Bonn und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats, Hans-Ulrich Klose, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums mit Ehefrau, und Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer und Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung.

 

Blick zurück im Zorn?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 01. Oktober 2015 um 08:04 Uhr

Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt Sie ganz herzlich zur Podiumsdiskussion ein:

Blick zurück im Zorn? Bilanz und Ausblick zu Bismarcks 200. Geburtstag

Montag, den 26. Oktober 2015, 19 Uhr im Julius-Leber-Forum (Rathausmarkt 5, 20095 Hamburg)

 

„Held oder Hering?“ – diese Frage stellte die Zeitschrift CICERO im Bismarck-Jubiläumsjahr 2015. An dem „eisernen Kanzler“ scheiden sich bis heute die Geister. Die einen verehren ihn als Gründer eines deutschen Nationalstaats und gewieften Außenpolitiker. Die anderen verdammen ihn als Reaktionär, der seine politischen Gegner verfolgen ließ. Und doch knüpfen selbst Bismarcks einstige Kritiker heute an sein Vermächtnis an. Bismarcks Russlandpolitik wird von Altkanzler Gerhard Schröder zur Nachahmung empfohlen, seine Sozialpolitik gilt Arbeitsministerin Andrea Nahles als Inspiration.

Hat sich die historische Wahrnehmung Bismarcks geändert? Blicken Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie heute nicht mehr zurück im Zorn? Und was bedeutet das für die Zukunft der Erinnerung an Bismarck?

 

Darüber diskutieren:
- Johannes Kahrs, MdB
- Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh
Moderation: Dr. Hannah Bethke, Politikwissenschaftlerin und freie Publizistin.

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.

Wir bitten um Anmeldung
- per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
- im Internet: www.fes.de/lnk/ismarck
- oder per Telefon: 040 - 32 58 74 22
Sie erhalten eine Anmeldebestätigung per E-Mail.

Diese Veranstaltung wird gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Am 22. September 2015 wurde in den Räumlichkeiten des Bundesarchivs Koblenz die von der Otto-von-Bismarck-Stiftung konzipierte Sonderausstellung „Otto von Bismarck. Mensch – Macht – Mythos“ feierlich eröffnet. Den Festvortrag am Eröffnungsabend hielt der Geschäftsführer der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper. Doch zuvor wurden der Referent und die rund 160 angereisten Gäste vom Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, freundlich empfangen. Dr. Hollmann wies in seiner Begrüßung unter anderem darauf hin, dass im Jahr 2015 an eine Reihe von historischen Jahrestagen erinnert werde, darunter 25 Jahre Wiedervereinigung sowie der 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges, ein Datum, dass andere Gedenktage überschattet habe. Doch auch an zentrale Ereignisse und Personen des 19. Jahrhunderts werde erinnert, darunter an den 200. Jahrestags des Wiener Kongresses, der 1815 endete sowie an den 200. Geburtstag Otto von Bismarcks. Dieser wurde am 1. April dieses Jahres mit einer besonderen Gedenkveranstaltung in Anwesenheit des Bundespräsidenten im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin gewürdigt.

Im Anschluss an seine einführenden Worte überreichte Dr. Hollmann das Mikrofon an den Festredner des Abends. Prof. Lappenküper beschränkte sich in seinem Festvortrag „Otto von Bismarck – eine Jahrhundertgestalt“ jedoch nicht auf einige „Anmerkungen zum 200. Geburtstag“ des „Reichsgründers“. In seiner Tour d’Horizon verband Prof. Lappenküper die Schilderung der wichtigsten Lebensstationen Otto von Bismarcks mit einer historisch-kritischen Einordnung von dessen Leben und Werk in die deutsche und europäische Geschichte.

Im Anschluss an den Vortrag strömten die Gäste in die Sonderausstellungsräumlichkeiten des Bundesarchivs. Die dort präsentierten Ausstellungstafeln, angereichert um zahlreiche hochinteressante Dokumente aus den Beständen des Bundesarchivs sowie einige originale Exponate, wie beispielsweise eine von Bismarck benutzte Schreibfeder, aus der Sammlung der Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, bieten einen konzisen Überblick über den Menschen Otto von Bismarck, seinen beruflichen Werdegang, seine Leistungen und Fehlleistungen in der Außen- und Innenpolitik sowie seine kultische Verehrung von der Kaiserzeit bis in die frühe Bundesrepublik hinein.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung freut sich über das große Interesse des Publikums und bedankt sich auf diesem Wege noch einmal für die reibungslose und kollegiale Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen beim Gastgeber und Amtsleiter des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, sowie seinem Team, hier insbesondere Frau Gisela Müller vom Referat Historische Bildungsarbeit, die mit ihren Kolleginnen die Auswahl und Präsentation der ergänzenden Schlüsseldokumente besorgt hat.

Die Sonderausstellung „Otto von Bismarck. Mensch – Macht – Mythos“ ist noch bis zum 3. November 2015 im Cimelienraum des Bundesarchivs, Potsdamer Str. 1, 56075 Koblenz, zu sehen. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9.00 bis 19.00 Uhr.







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