Sie befinden sich hier: Otto von Bismarck Stiftung Aktuelles

Besuchen Sie uns

Erfahren Sie mehr über das Angebot unserer Standorte und sehen Sie sich unsere virtuelle Austellung an.

Seit letztem Jahr amtiert Peter Altmaier als "Chef BK" und  hat damit eine enge dienstliche Nähe zu den der "BKM", der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters, nachgeordneten Behörden. Dazu zählen neben großen Tankern wie dem Bundesarchiv, dem Haus der Geschichte oder dem Deutschen Historischen Museum auch die deutlich kleineren Politikergedenkstiftungen des Bundes. Um so erfreulicher war es für die Mitarbeiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung, dass sich der Minister ein Bild von der Arbeit der Stiftung machen wollte und mehrere Stunden Zeit mit in den Sachsenwald brachte. Aber als wäre das für uns nicht an sich schon Grund genug, den Tag des wohl ohne Übertreibung historisch zu nennenden Sieges im WM-Halbfinale auch noch aus einem weiteren Grund in angenehmer Erinnerung zu behalten, überraschte Altmaier noch mit völlig unerwartetem Wissen: Der Jurist präsentierte sich als historisch sattelfester Bismarck-Kenner, der in der Spezialbibliothek der Stiftung so manchen Buchrücken schon von Ferne erkannte.  Nach einem ausgiebigem Gespräch mit Gremienvertretern und Mitarbeitern der Stiftung gerieten die Führungen durch die Dauerausstellung und das Bismarck-Museum dann auch eher zu begleiteten Rundgängen. Ausgesprochen gut informiert, hatte Altmaier im wesentlichen nur Detailfragen. Eine solche sprach er kenntnisreich und launig an, als er am Rande auf die Bedeutung Rudolph von Delbrücks hinwies: Schon Bismarcks Kanzleramtschef der frühen 1870er Jahre hatte erheblichen Einfluss auf die Politik seines Vorgesetzten. Wie Delbrück ist auch Altmaier Minister (für besondere Aufgaben), in der Leitungsfunktion im Kanzleramt war die Amtsbezeichnung Delbrücks aber nicht "Chef", sondern etwas pathetischer "Präsident". Dafür konnte er noch nicht twittern.

In unserem Bild ist Peter Altmaier (links) im Gespräch mit den Vorständen der Stiftung Dr. Rüdiger Kass, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, PD Dr. Gerold Letko (ganz rechts) und dem Ministerialdirektor (Amtschef im BKM) Dr. Günter Winands. Im Hintergrund Dr. Ulf Morgenstern.

Über den Besuch berichtet auch das Hamburger Abendblatt und die Lübecker Nachrichten.

Die erste Brandenburgische Landesausstellung findet knapp 25 Jahre nach der Neugründung des Bundeslandes in sächsischer Grenznähe statt. Noch bis zum 2. November können in dem mustergültig renovierten Renaissance-Schloss südlich von Berlin (oder nördlich von Dresden, wie man will) die Spuren der gemeinsamen Geschichte Preußens und Sachsens in vielfältiger Weise besichtigt werden. Die Reise lohnt, auch wenn etwas mehr 19. und 20. Jahrhundert aus unserer Sicht durchaus ins Konzept gepasst hätte. Aber davon abgesehen: Über die für den Verlauf der deutschen und europäischen Geschichte alles andere als nebensächliche preußisch-sächsische Nachbarschaft ließ sich noch nie zuvor so viel lernen, wie in der wunderbaren Schlossräumen Doberlugs. Ein Muss für mitteldeutsche Geschichtsinteressierte!

Die Ausstellungseite.

Und einen herrlich launigen Film mit einem sächsischen Patrioten unserer Tage findet man hier.

An eine Niederlage erinnern...

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 01. Juli 2014 um 10:07 Uhr

1864 verlor das Königreich Dänemark einen Krieg gegen den Deutschen Bund. Österreich und Preußen hatten für Letzteren die Bundesexekution übernommen und am Ende gab es einen klaren Verlierer: Die einstige Großmacht Dänemark, noch als Imperium des Nordens ins 19. Jahrhundert gestartet, verlor mit den Herzogtümer Holstein und Schleswig den Großteil seiner deutschspachigen Territorien. Zum Symbol dieses Verlusts ist die Schlacht an den Düppeler Schanzen geworden, an die in Dänemark und Deutschland in diesem Jahr auf vielfältige Weise erinnert wird. Die dänische Post macht mit zwei Briefmarken auf die 150. Wiederkehr des Ereignisses aufmerksam. Urlaubspost aus Jütland kann im anstehenden Sommerurlaub also mit militärgeschichtlichen Motiven beklebt und verschickt werden.

Wer hat's gesagt? Bismarck!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 16. Juni 2014 um 11:42 Uhr

Durch die Werbung für Schweizer Hustenbonbons hat sich seit Ende der 1990er eine prägnante Formel bei Millionen von Fernsehzuschauern eingebrannt: "Wer hat's erfunden? Die Schweizer". Diesen kompakten Fragestil aufnehmend, würde man im deutschen Sprachraum auf dem weiten Feld der historischen Zitaten auf die Frage "Wer hat's gesagt?" vor allem zwei geistige Universal-Urheber reflexhaft genannt bekommen:  Goethe und Bismarck. Ersterer dient bei allerlei literarischen und gelegentlich auch naturwissenschaftlichen Bonmots als Generalverdächtiger (übrigens sehr zum Leide Schillers, Lessings und Luthers). Letzterer ist der Alleinzuständige für Fragen der Politik. Dabei gilt: Je derber und hemdsärmliger eine Aussage oder ein gewagter politischer Vergleich sind, desto wahrscheinlicher scheinen sie aus dem Munde oder der Feder Bismarcks zu stammen. Und dafür gibt es ebenso wie beim legendären Sprachgefühl des Geheimrats Goethe gute Gründe. Bismarcks thematische Breite als Innen- und Außenpolitiker und seine bekannt robuste Politikauffassung verleiten in vielen Fällen dazu, ihm ein Zitat in den Mund zu legen. Unter zwei Bedingungen: Der verhandelte Sachverhalt sollte sich vor 1898 abgespielt haben und die Aussage sollte keine Generalinjurien gegen Preußen enthalten, kleinere Spitzen, auch gegen regierende Hohenzollern, sind hingegen durchaus erlaubt.

Mit dieser semantischen Feldbeschreibung ist in etwa umrissen, wie vielfältig die Anfragen nach der Bestätigung von Zitaten sind, die an die Otto-von-Bismarck-Stiftung gerichtet werden. In den letzten Wochen war darunter mehrfach ein Zitat, das nach Wiedergabe in verschiedenen russischen Medien aus dem Munde des auch im einstigen Zarenreich sprichwörtlich bekannten Eisernen Kanzlers stammen soll. Seine Übersetzung ins Deutsche lautet wie folgt:

"Die Macht Russlands kann nur durch die Abtrennung der Ukraine untergraben werden. Man muss die zwei Teile dieses einigen Volkes gegeneinander aufbringen und zuschauen, wie Brüder ihre Brüder töten werden."

In einer längeren Version wurde uns noch der Zusatz übermittelt:

"Dafür soll man nur die Verräter unter der nationalen Elite finden und erziehen und mit deren Hilfe das Selbstbewusstsein eines Teils des großen Volks so ändern, dass es alles Russische, seine Abstammung hassen wird, ohne das zu bemerken. Alles Andere ist nur eine Frage der Zeit."

Ein Beispiel für die gegenwärtige Verwendung des Zitats findet sich etwa auf der Seite PolitOnline. Eine filmisch-dramatische Indienstnahme der vermeintlichen Bismarck-Worte wartet auf die Zuschauer eines unter ukraina.ru abrufbaren Filmes. Demgegenüber ist die im russischsprachigen Internet vorhandene Skepsis gegenüber dieser Zuschreibung in den Einträgen einer Wikiquotation-Seite dokumentiert. Dort sind Zitierungen aufgeführt, die jedoch alle auf keine genauen Quellenangaben gestützt sind. Lediglich eine verlässliche Belegstelle eines inhaltlich freilich in eine ganz andere Richtung gehenden Erlasses Bismarcks an den Botschafter in Wien vom 3. Mai 1888 findet sich auf der Wikiquotation-Seite. Und auch diese ist nur partiell richtig übersetzt, mangelhaft belegt und leider unvollständig abgeschrieben aus Band 6 der "Großen Politik der europäischen Kabinette 1871-1914", Dok. 1340. Das vollständige Reinkonzept steht zum Verständnis der russlandbezogenen Vorstellungen und Wünsche Bismarcks in Bezug auf die Sicherung des Deutschen Kaiserreichs unten.

Aber davon abgesehen: Das seit neuestem auch bei Veranstaltungen in Deutschland der Öffentlichkeit präsentierte Zitat über Russland und die Ukraine (Spiegel Online berichtete) ist weder in seiner Lang- noch in seiner Kurzform als ein Ausspruch Bismarcks nachweisbar und daher mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fake. Dass wir trotz eingehender Recherchen Bismarck nicht als den Urheber der prägnanten Worte belegen können, heißt allerdings wie in anderen Fällen nicht, dass sie nicht doch ein verifizierbares Bismarck-Zitat sein könnten. Denn auch der Staatsmann Bismarck sprach gelegentlich "off records". Nur, weshalb taucht ein solcher "Mitschnitt" jetzt außerhalb der deutschen Überlieferungen auf? Und weshalb werden bei seiner Benutzung keine oder lediglich falsche Belege angegeben?

Unwahrscheinlich ist die Zuschreibung aber vor allem aus zwei politisch-historischen Gründen.

Zum einen stand Bismarck dem Wohl und Wehe der südlich und südöstlich des damaligen Zarenreichs lebenden Völker völlig gleichgültig gegenüber. Mit dem Blick auf Zentralasien gestand der lateinische Christ Bismarck dem russischen Imperialismus einen zeittypischen Missions- und Zivilisierungsauftrag zu. Mit dem Blick auf die südlich des Petersburger Machtzentrums lebenden Ethnien stellte er diese Überlegungen aus einem ganz einfachen Grund sogar noch hintan: Ob orthodoxe Christen oder Muslime die russischen Kräfte in ihrer unverkennbar zur Krim, zur antiken Kolchis und zu den Dardanellen strebenden Hegemonie banden, war ihm völlig gleich. Hauptsache, Russland war gebunden! Entlastung im Osten wie im Westen, also Ablenkung Russlands und Frankreichs womit auch immer, das war sein bis 1890 mit diplomatischer List immer wieder in die Tat umgesetztes Erfolgsrezept für den friedlichen Bestand seines zwischen Frankreich und Russland befindlichen Reiches. Russland selbst und seine ost- sowie südosteuropäischen Einflusssphären verstand der Realpolitiker als "unzerstörbares Reich russischer Nation", eine Zerschlagung würde nie gelingen und nach einem siegreichen Krieg seien Revanchegelüste wie in Frankreich zu befürchten

Bismarck empfand, um es noch einmal konkret zu machen, weder mit den Polen noch mit anderen slawischen Völkern eine Art nationales Mitleid. Wie auch, lebten die Slawen doch in seiner Vorstellung in einer zwischen Preußen, Österreich, Russland und in Teilen auch dem Osmanischen Reich aufgeteilten mittel-osteuropäischen Welt. Diese war umgeben von und aufgeteilt zwischen Großreichen, das war sein Status quo.

Zum zweiten sucht man im speziellen Fall der heutigen Ukraine bei Bismarck gesonderte Erwähnungen aus einem anderen, eher lapidaren Grund vergeblich: Eine Ukraine genannte staatliche Einheit auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kiewer Rus gab es zu seiner Zeit schlicht nicht. Und dass die Wiener Verbündeten dem nach Westen tendierenden Teil dieser riesigen Region lockende zivilisatorische Köder hinwarfen, nahm er ebenso billigend zur Kenntnis wie das gleichzeitige Ausgreifen des russischen Imperialismus.

Unbestritten ist, dass ihm innenpolitische Probleme Russlands entgegen kamen, da durch solche das Zarenreich nach außen zahmer werden musste. Gleiches galt für Querelen bei  der Ausbreitung Petersburgs in Richtung Pforte oder nach Osten, das, was die Amerikaner schon Jahrzehnte früher, mit dem Blick nach Süden nach der Monroe-Doktrin ihren Backyard nannten. Bedenkt man zudem, dass es etliche Zeugnisse Bismarcks gibt, in denen er seine Angst vor dem erstarkenden Panslawismus zum Ausdruck bringt, möchte man den obigen Zitaten mit dem Wunsch nach innerslawischem Zwist nicht jegliche Relevanz absprechen. Wenn da nicht der Anachronismus des im deutschen diplomatischen Sprachgebrauch seinerzeit noch gänzlich unbekannten Begriffs "Ukraine" wäre. Eine mit Belegen versehene Version des Ausspruchs wäre freilich der nach Vollständigkeit gerade auch entlegen überlieferter Zitate strebenden Bismarck-Forschung hochwillkommen. In diesem Fall sind die Hoffnungen darauf - höflich ausgedrückt -  mehr als gering.

 

Erlass Otto von Bismarcks an den deutschen Botschafter in Wien, Heinrich VII. Prinz zu Reuß (jüngere Linie), Berlin, den 3. Mai 1888*

Vertraulich.

Nach Ew. pp. Bericht No. 217 vom 28. v. Mts. hat Graf Kálnoky Anwandlungen von Zweifel darüber, ob die Generalstabs-Offiziere, welche im Herbst zum Kriege riethen, nicht doch Recht gehabt hätten. Es ließe sich hierüber streiten, wenn ein solcher Krieg möglicher Weise die Folge haben könnte, daß Rußland, wie Graf Kálnoky sich ausdrückt, „zertrümmert“ würde. Ein derartiges Ergebniß liegt aber auch nach den glänzendsten Siegen außerhalb aller Wahrscheinlichkeit. Selbst der günstigste Ausgang des Krieges würde niemals die Zersetzung der Hauptmacht Rußlands zur Folge haben, welche auf den Millionen eigentlicher Russen griechischer Confession beruht. Diese würden, auch wenn durch Verträge getrennt, immer sich ebenso schnell wieder zusammenfinden, wie die Theile eines zerschnittenen Quecksilberkörpers. Dieses unzerstörbare Reich russischer Nation, stark durch sein Klima, seine Wüsten und seine Bedürfnißlosigkeit, wie durch den Vortheil, nur Eine schutzbedürftige Grenze zu haben, würde nach seiner Niederlage unser geborener und revanchebedürftiger Gegner bleiben, genau wie das heutige Frankreich es im Westen ist. Dadurch wäre für die Zukunft eine Situation dauernder Spannung geschaffen, welche wir gezwungen werden können auf uns zu nehmen, wenn Rußland uns oder Oesterreich angreift, welche aber freiwillig herbeigeführt zu haben, ich nicht auf meine Verantwortung nehmen möchte. Das „Zertrümmern“ einer Nationalität ist drei starken Großmächten schon in Betreff der viel schwächeren polnischen in 100 Jahren nicht gelungen. Die Vitalität der russischen wird nicht minder zähe sein; wir werden meines Erachtens immer am Besten thun, sie wie eine elementarisch vorhandene Gefahr zu behandeln, gegen die wir Schutzdeiche unterhalten, die wir aber nicht aus der Welt schaffen können. Durch einen Angriff auf das heutige Rußland würden wir seinen Zusammenhang festigen; durch Abwarten seines Angriffs aber können wir seinen inneren Verfall und seine Zersetzung möglicher Weise früher erleben als seinen Angriff, und zwar umso früher, je weniger wir es durch Bedrohungen hindern, tiefer in die orientalische Sackgasse hineinzugehen.

 

 

*Reinkonzept nach den Abdruck in: Große Politik der europäischen Kabinette, Bd. 6, Berlin 1922, Dok. 1340, überliefert in: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, R 10883. Erlass Nr. 349. Demnächst kritisch ediert in: Neue Friedrichsruher Ausgabe, Abt. III: 1871-1898, Schriften Bd. 8: 1888-1890, bearb. von Andrea Hopp.

 

Auf der oben abgebildeten Karikatur aus dem Kladderadatsch von 1888 macht Bismarck übrigens genau das in seinem Brief an Reuß Angesprochene: Er hält Russland mit diplomatischen Mitteln, hier dem offenen Zeigen des deutsch-österreichischen Beistands, von einem Angriff auf das Deutsche Reich ab.

 

Am 14. Juni um 17.00 Uhr wird in Werder an der Havel in einem "Bismarck und Christian Morgenstern. Ein Unbeziehung im Deutschen Kaiserreich" überschriebenen Vortrag anhand der zwei gegensätzlichen Charaktere der mentale Spannungsbogen der Jahre zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg behandelt. Historisch, biografisch und literarisch. Zum Schmunzeln regen dabei schon einige Äußerlichkeiten an: Christian Morgenstern wurde 1871 wenige Monate nach der Reichsgründung geboren und starb 1914 wenige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Seine berühmten Galgenlieder sind Reminiszenzen an Treffen mit gleichgesinnten Galgenbrüdern auf dem alten Galgenberg über den Dächern von Werder an der Havel - einem auch heute nach lockenden Ausflugsziel für naturbegeisterte Potsdamer und Berliner. Kurz nach Morgensterns Fahrten nach Werder eröffnete auf dem Galgenberg das Ausflugsetablissement "Bismarckhöhe", das heute wieder so heißt. Dass der Referent und der Namensgeber seiner Arbeitsstelle das Ganze noch abrunden, sei nur am Rande erwähnt. Wer also am Wochende in authentischer Atmosphäre in die Kulturgeschichte des Kaiserreichs eintauchen will, der ist herzlich eingeladen, nach Werder zu kommen.

Der Erste Weltkrieg ist in aller Munde. Neben den Ursachen für seinen Ausbruch, der sich in einigen Wochen zum 100. Mal jährt, ist der Kriegsverlauf Gegenstand von zahllosen Büchern, Ausstellungen und Fernsehsendungen. Und um verstehen zu können, welche Gesellschaft im Sommer 1914 in den Krieg zog, wird in etlichen Publikationen auch die Geschichte des Kaiserreichs wieder neu in den Blick genommen.

Aber wer erklärt diese komplexen Dinge eigentlich Kindern? Zum Beispiel der NDR. Katja Eßbach hat eine spannende Reportage für die Sendung "Mikado - Radio für Kinder" über das Kaiserreich und den Ersten Weltkrieg gemacht. Und ein Historiker der Otto-von-Bismarck-Stiftung war mit O-Tönen dabei! Ohne Fußnoten und gewundene Wissenschaftsprosa in Bandwurmsätzen, die vor Informationen, Aufzählungen, "Relativierungen" und - Einschüben - am Ende nicht mehr weiß, was sie Anfang aussagen wollte. Hier gilt im besten Sinne das Gegenteil: Man versteht die Sprecher, auch inhaltlich! Wer die Sendung am 9. Juni verpasst hat, kann sie hier nachhören, mit Kindern und Erwachsenen...

Die Leitzinssenkung ins Bodenlose reizt Journalisten mal wieder zu gewagten Vergleichen: Diesmal wird dem italienischen EZB-Chef Draghi sogar die Chance angedichtet, mit seinen letzten Zinskorrekturen Europa auf den Weg zu einer Sozial-Union gebracht und damit einen weitreichenden Impuls gegeben zu haben. Ob das eintreten wird, bleibt abzuwarten. Aus historischer Perspektive sollte man sich mit nebulösen Zukunftsperpektiven sowieso zurückhalten. Angemerkt sei lediglich, dass auf der Suche nach einem deutschen Spitzenpolitiker als Vergleichsperson mit europaweiter Implikation wohl eher Helmut Kohl geeignet gewesen wäre, aber das sind Petitessen. Das Schlagwort "Euro-Bismarck" ist jedenfalls eine hübsche Neuschöpfung, die den anhaltenden sprachlichen Reiz des Namens Bismarck verdeutlicht, auch 199 Jahre nach seiner Geburt!

Nach einer Mitteilung des Postillion ist die Chancengleichheit nun auch in der obersten Sphäre der monarchischen Staatschefs durchgedrückt worden: Die Nachfolge des spanischen Königs muss europaweit ausgeschrieben werden! Kaum auszumalen, wer sich da alles bewerben wird. Unter den 505 Millionen EU-Bürgern dürften auch mehrere Deutsche ein Interesse an dem Posten haben. Eine veritable Thronanwartschaft darf man zum Beispiel dem Unterhaltungskünstler Jürgen Drews unterstellen, der schon seit Langem als König von Mallorca amtiert und von den Balearen einfach nur zum Festland übersetzen müsste. Auch Sami Khedira könnte den Hut in den Ring werfen, immerhin hielten sich bei ihm die Umzugskosten innerhalb Madrids im Rahmen. Es sei denn, er würde nach außerhalb, in den Escorial (s. das nebenstehende Bild aus dem Jahr 1900) umsiedeln wollen, wo einst Philipp II. residierte, immerhin ein Sohn eines Deutschen.

Abraten möchten wir mit dem Blick in die Geschichte des 19. Jahrhunderts nur einem Europäer, Karl Friedrich von Hohenzollern, seit 2010 Chef des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen. Die spanische Thronfolgekandidatur Ende der 1860er Jahre zog, wie Eingeweihte wissen, gravierende Weiterungen nach sich, an deren Ende Frankreich zum zweiten Mal im 19. Jahrhundert einen Krieg verloren hatte. Also im Sinne der europäischen Friedenswahrung: Bitte keine Einkreisung Frankreichs provozieren und lieber die Bourbonen zum Zug kommen lassen. Die Welfen haben ja bei ausschreibungspflichtigen Monarchenposten vielleicht in den nächsten Jahren in Großbritannien mal wieder eine Chance. Es sei denn Lukas Podolski oder Mesut Özil bewerben sich dann.

«StartZurück12345678910WeiterEnde»
Seite 3 von 28