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Von Bismarck lernen bei der Förderalismusreform?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 26. November 2014 um 13:43 Uhr

Mit dem Legitimismus nahm es Bismarck bekanntlich nur im Falle "legitimer" Ansprüche der Hohenzollern genau. Althergebrachte Herrschafts- und Souveränitätsrechte anderer Dynastien galten ihm nur so lange etwas, wie sie seinen Staatszielen nicht im Wege standen oder sich taktisch instrumentalisieren ließen; in Hannover, Frankfurt und Schleswig-Holstein konnte man in den 1860er Jahren ein Lied davon singen, ebenso wie in den 1880er Jahren noch einmal in Braunschweig-Lüneburg. Andererseits bestanden einige mittelgroße Gegner wie Bayern und Sachsen auch nach 1871 fort, von den Westentaschen-großen Duodezformaten Reuß, Schaumburg-Lippe usw. ganz zu schweigen. Wie erklärt sich das?

Darüber kann man im Allgemeinen breit und im Einzelfall noch breiter abhandeln. Einen interessanten Erklärungsansatz lieferte kürzlich ein Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel. Dort wird nämlich auf die nur scheinbare Ambivalenz zwischen Annekdieren und Bestehenlassen hingewiesen, die wohlbegründet gewesen sei. Schließlich hatten die Kleinen auch Stimmen im Bundesrat (heute: Bundesrat!) und die konnte man bei schwierigen Abstimmungen gut gebrauchen - man musste die Stimminhaber nur vorher gefügig machen. Ein Schelm, wen das an die heutigen Bundes"länder" an Weser, Elbe, Saar und Spree erinnert. Man ahnt, der launige Artikel aus der überregionalen Hauptstadtpresse ist eine Glosse.

In der abgebildeten Karikatur verleibt sich der "Eiserne Junggeselle" Bismarck deutsche Fürstentümer ein. Sein mit der Foltermechanik der aus dem Mittelalter bekannten "Eisernen Jungfrau" ausgestatteter Magen ist das Deutsche Kaiserreich. Die Wiener Zeichner des "Kikeriki" und ihr Publikum beobachteten dieses Geschehen von außen als vom nunmehr preußisch-dominierten kleindeutschen Förderalismus Unberührte.

Kulinarisches für die Winterzeit

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 24. November 2014 um 15:35 Uhr

Da nach dem neuesten Ernährungsklatsch in Tofu durchaus mal Fleischspuren enthalten sind, kann man es eigentlich auch gleich lassen mit dem vegetarischen Essen und directement in die fleischlichen Genusswelten zurückkehren, die der zivilisatorische Fortschritt zuerst im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts und nun auch in den Schwellen- und Drittweltländern geschaffen hat. Stilvoll, versteht sich, und keineswegs so maßlos wie es beim viel gescholtenen Junk-Food oft der Fall ist oder wie es der Pasteten und Braten in "Dreimannportionen" (von Tiedemann) verzehrende Bismarck bis zur körperlichen Erschöpfung betrieb. Die allgemein für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Portionsgröße und Preis, Kalorien und Masse sowie ganz allgemein für ihre Bekömmlichkeit bekannte italienische Küche hält da neben der Spiegelei gekrönten "Pizza Bismarck" noch die "Bistecca Bismarck" bereit. Etwa im "Noi due" (Wir zwei) in Trittau, einem kleinen norddeutschen Städtchen mit breit aufgestellter Gastronomie. Für 12,90 Euro kann man hier auch in postheroischen Zeiten beherzt den Kanzler anknabbern. Oder doch Geld und Cholesterin sparen und die "Pizza Vegetariana" bestellen. Wie auch immer, wohl bekomm's!

Bismarck und die Liberalen: Eindeutig mehr Mit- als Gegeneinander!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 17. November 2014 um 10:19 Uhr

Am 14. November veranstalteten das Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Otto-von-Bismarck-Stiftung eine gemeinsame Tagung. Einen langen und intensiven Tag lang setzten sich Wissenschaftler aus ganz Deutschland (und Schottland!) in Vorträgen und Diskussionen mit dem spannungsreichen Verhältnis von Bismarck zum Liberalismus bzw. umgekehrt auseinander. Die Palette reichte von zeitgenössischen Wahrnehmungen bis zur Rezeptionsgeschichte im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Ein vorläufiges Fazit werden die im nächsten Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung (2015) im Druck erscheinenden Beiträge liefern. Nach einem erfreulichen Tagungstag in Friedrichsruh kann jedenfalls aus praktischer Hinsicht bilanziert werden, dass die heutigen wissenschaftlichen Sachwalter Bismarcks und die Experten für die Geschichte des Liberalismus sich prächtig verstanden, der jeweilige Gegenstand führt hier nach mehr als einem Jahrhundert zu keinerlei Animositäten.

Unser Bild zeigt Prof. Lothar Gall, der den Festvortrag im Augustinum in Aumühle hielt.

Was Bismarck zu den streikenden Lokführern gesagt hätte?

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 06. November 2014 um 12:14 Uhr

Wir machen mal einen Bild-Vorschlag...

Bismarck als Stichwortgeber in Russland

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Montag, den 27. Oktober 2014 um 13:39 Uhr

Vor einigen Monaten haben wir hier auf merkwürdige Anleihen hingewiesen, die im russischsprachigen Internet beim vermeintlichen und tatsächlichen Zitatenschatz Bismarcks gemacht werden. Nun hat ein russischer Blogger einen ganzen Fundus von Fake-Zitaten zusammengestellt und dort auch auf die erfundenen Bismarckiana hingewiesen. Wer der russischen Sprache nicht mächtig ist, kann ja einen online-Übersetzdienst bemühen. Eine Feldeingrenzung ist möglich, am besten sucht man rund um die Anmerkung Nummer 9 in dem Text.

Mal schauen, wie die Sache weitergeht, echte Bismarck-Zitate über fremde Länder und Völkerschaften gibt es ja zu Hauf, mal mit positiver, häufiger mit negativer Grundaussage. Beispiele gefällig? Die geben wir lieber nicht, es geistern schon genug durchs Netz. Nur eines aus einer Reichstagsrede vom 14. Juni 1882 sei angeführt, weil es so hübsch und hier nicht ganz unzutreffend ist: "Eine zweifelhafte Behauptung muß recht häufig wiederholt werden, dann schwächt sich der Zweifel immer etwas ab und findet Leute, die selbst nicht denken, aber annehmen, mit so viel Sicherheit und Beharrlichkeit könne Unwahres nicht behauptet und gedruckt werden."

25 Jahre nach dem Herbst '89: Auf nach Leipzig!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 21. Oktober 2014 um 11:52 Uhr

Über die Frage, wie in Deutschland an demokratische Ereignisse, Personen und Epochen der an Brüchen und weniger lichtvollen Abschnitten reichen Nationalgeschichte erinnert wird, wird am 23. und 24. Oktoberin Leipzig auf einer wissenschaftlichen Konferenz stattfinden. Tagungsort ist - symbolträchtig - das Zeitgeschichtliche Forum, Tagungsveranstalter sind die fünf Politikergedenkstiftungen des Bundes. Unter dem Motto "Erinnern an Demokratie in Deutschland: Demokratiegeschichte in Museen und Erinnerungsstätten der Bundesrepublik" wird eine Riege von Referenten, darunter nicht zuletzt auch Mitarbeiter dieser Stiftungen, ein breites Themenspekturm rund um die demokratische Erinnerungskultur in der historisch-politischen Bildungslandschaft beleuchten.

Wer sich über die Arbeit der Tagungsausrichter, der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, der Otto-von-Bismarck-Stiftung, der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte und der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, informieren möchte, kann das gern an einem gemeinsamen Informationsstand der 5 Häuser tun.

Zum Programm der Tagung geht es hier...

Und wer nicht zwei volle Arbeitstage der Semesteranfangszeit entbehren kann, der sei am ersten Konferenztag herzlich eingeladen zum Abendvortrag von Prof. Dr. Richard Schröder über das Thema "Woran sollten Demokraten sich erinnern".

Otto und kein Ende: Doppelte Buchpräsentation in Friedrichsruh

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 10. Oktober 2014 um 10:51 Uhr

Am 9. Oktober kam mit Waltraut Engelberg eine in Friedrichsruh nicht unbekannte Bismarck-Biographin zurück an einen früheren Forschungsort. Im Gepäck hatte sie die druckfrische Neuausgabe ihres Buches "Das private Leben der Bismarcks" und begleitet wurde sie von ihrem Sohn Achim Engelberg. Auch er konnte mit  einer soeben erschienenen Kompaktversion der ursprünglich zweibändigen Bismarck-Biographie seines Vaters Ernst eine neue Monographie vorstellen. Lebhaft berichteten beide vom Entstehen der einschlägigen Arbeiten in den 1970er und 1980er Jahren, als Deutschland noch geteilt, und es keineswegs selbstverständlich war, dass ein weltanschaulich sattelfester Historiker aus der DDR Archive im westdeutschen Ausland bereiste. Daneben ging es natürlich auch um den Inhalt der Bücher, das heißt um das Familienleben der Bismarcks einerseits und das biographische Werden und das politische Werk Bismarcks andererseits. "Sturm über Europa" hat Achim Engelberg die komprimierte Bismarck-Biographie untertitelt. Wie ein Sturm waren auch die Rede- und Gegenrede-Beiträge von Mutter und Sohn, das Publikum war bestens unterhalten. Beim anschließenden Empfang, den der Verlag und die Catering-Abteilung der Otto-von-Bismarck-Stiftung perfekt organisiert hatten, nutzten die Besucher intensiv die Gelegenheit, um mit den zugänglichen Engelbergs ins Gespräch zu kommen. Ein gelungener Abend, bei dem 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution alte Gräben zwischen Ost und West zwar noch bekannt waren, aber längst keine Trennung bedeuteten!

Unser Bild zeigt Waltraut Engelberg, den Moderator Ulf Morgenstern und den offenkundig amüsierten Achim Engelberg.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung handelt in Wissenschaft und historisch-politischer Bildung über einen historischen Gegenstand und unterliegt damit in Bezug auf die mediale Aufmerksamkeit jenem Jubiläumssog, der sich gerade eindrucksvoll in Sachen Erster Weltkrieg gezeigt hat. Einhundert Jahre nach dem Ausbruch der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts ist der Krieg in der deutschen Öffentlichkeit so präsent wie seit den 1920er Jahren nicht mehr. Blickt man auf die punktgenauen Erscheinungsdaten der zahllosen Publikation, lässt sich leicht ermessen, dass die meisten Autoren wohl schon spätestens 2010 oder 2011 in die Schützengräben gestiegen sein müssen - bildlich gesprochen. Nun ist Bismarck nicht mehr die nationale Überfigur, bei der im nächsten Jahr ähnliches zu erwarten (oder: zu befürchten!) wäre, aber es kündigen sich doch etliche Veröffentlichungen bereits jetzt an. Eine Buchvorstellung mit neuen Bänden von Ernst/Achim und Waltraud Engelberg steht hier schon in dieser Woche ins Haus, andere werden in den nächsten Monaten folgen. Aber auch außerhalb der Produktion von wissenschaftlicher Literatur setzt man sich an vielen Stellen schon mit dem Alten aus dem Sachsenwald auseinander: Künstlerisch-dramatisch oder auch filmisch. Namen werden hier nicht genannt, das sollen die Verwantwortlichen zu gegebener Zeit selbst tun. Nur dort, wo bereits Ankündigungen publik gemacht sind, möchten wir darauf verweisen. Etwa auf einen ZDF-Arte-Film, der als Dokumentation das Thema aufgreift, Histotainment also, modern gesprochen.

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