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Die Deutschlandkarten des Zeit-Magazins sind legendär, zumindest einige. In Erinnerung ist dem Verfasser noch die Wurstkarte, auf der die Bundesrepublik im Design einer Scheibe Aufschnitt dalag und die eingezeichneten regionalen Wurstspezialitäten Appetit auf kulinarische Tour durch's Land machten. Ähnlich derb geht es auch in der aktuellen Ausgabe zu: Wer hier die Deutschlandkarte anschaut, findet knapp 150 kleine Turmsymbole (die noch stehenden Bismarcktürme) sowie zahlreiche rote Kreuze, die die nicht mehr stehenden Bismarcktürme markieren. Völlig zutreffend beschreibt der kurze Erläuterungstext das auffällige Fehlen von Türmen in Schleswig Holstein einerseits und Bayern andererseits. Die Ursachen dafür liegen jedoch nicht, wie angenommen, in landschaftlichen Geschmacksfragen, sondern eher in landsmannschaftlichen Ressentiments. Als die Bismarckturm-Bewegung noch zu Lebzeiten des Kanzlers a.D. einsetzte, waren besonders in Schleswig-Holstein die Erinnerungen an die Kriege 1864 und 1866 noch in Erinnerung, in deren Folge die Herzogtümer an Preußen kamen, was nicht jedem gefiel. Da nützte es offenbar wenig, dass Bismarck nach 1871, als auch Bayern seine Eigenständigkeit zugunsten einer Mitgliedschaft im neuen Deutschen Kaiserreich verlor, seinen Wohnsitz in einem dritten ehemals dänischen Herzogtum, nämlich in Lauenburg nahm. Seine dortigen Fans errichteten ihm dort dann auch Türme in Aumühle bzw. auf einer Freifläche zwischen Aumühle und Reinbek. So viel Fahrt wie im Mitteldeutschland und dem Westen nahm die Bismarckturm-Bewegung, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt, im Norden und Süden aber nie auf.

Die Grundidee der Türme war übrigens die flächendeckende Bestückung des Deutschen Reiches mit diesen geschmacklich oft fragwürdigen Symbolen kaiserzeitlich-martialischen Kunstverständnisses. Das Ziel war dabei, dass die auf den Türmen entzündeten Feuer immer von einem Turm zum nächsten sichtbar sein sollten, womit im Satellitenzeitalter eine äußerst spannende Draufsicht auf Deutschland entstanden wäre. Davon wie von heutigen CO2-Grenzwerten ahnte man um 1900 freilich noch nichts.

Dass die Türme als architektonische Reste des Kaiserreichs noch immer unbewusst durch unsere räumliche Wahrnehmung geistern, ist ein eigentümliches Phänomen. Die zugespitze Formel des Zeitartikels, wonach Bismarck "undemokratisch genug [gewesen sei], um jemanden auf die Idee zu bringen, ihm könnten solche Türme gefallen. Aber nicht so undemokratisch, dass man hinterher die Türme wieder abreißen musste", muss man nicht teilen. Sie erklärt jedoch, warum die Türme als Zeugnisse einer vergangenen Epoche noch stehen, obwohl Bismarcks Demokratieverständnis ein gänzlich anderes war, als unser freiheitlich-demokratisches heute. Immerhin regen die steinernen Zeugnisse des Personenkultes um Bismarck zum Nachdenken an und sie dürften, das bemerkt der Artikel völlig zu recht, weltweit ihresgleichen suchen. Neben Lenin, Marx und Mao Tse-Tung dürften wohl für keinen anderen Politiker ähnliche viele Denkmäler aufgestellt worden sein, was als Vergleich zu Bismarck aus zwei Gründen hinkt. Denn erstens sind die meisten Denkmäler für Lenin und Marx in den 20 Jahren seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder abgeräumt worden (die für Stalin hatten ohnehin nur eine kurze Halbwertszeit). Und zweitens geht es hier nur um die 146 noch stehenden Bismarcktürme. Eine Deutschlandkarte der Bismarck-Denkmäler wäre dagegen eine sehr aufwendige Aufgabe für die Grafiker der Zeit. Wir zumindest würden uns darüber freuen, und unsere Zuarbeiten aus dem Projekt "Bismarckierung" sind den Hamburger Blattmachern sicher.

Wer mehr über Bismarcktürme, die Kosten ihres Baus, die Architekten, die diese von der Stange bauten  u.ä. erfahren möchte, dem sei die Lektüre folgender Titel an's Herz gelegt.

Sieglinde Seele, Günter Kloss, Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Eine Bestandsaufnahme, Petersberg 1997.

Sieglinde Seele, Lexikon der Bismarck-Denkmäler. Türme, Standbilder, Büsten, Gedenksteine und andere Ehrungen. Eine Bestandsaufnahme in Wort und Bild, Petersberg 2005.

Oder man klickt sich durch die Seite:

http://www.bismarcktuerme.de/

Zur kultischen Verklärung Bismarcks aus streng wissenschaftlicher Sicht s.

Robert Gerwarth, Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der Eiserne Kanzler, München 2007.

Eine Initiative zu Erhaltung und Sanierung eines Bismarckturms haben wir vor einigen Monaten vorgestellt.

Die Abbildung zeigt übrigens eine der nicht seltenen, trotzdem nur schwer mit unserem pauschalen Bild der Weimarer Republik zu vereinbarenden demokratischen Indienstnahmen Bismarcks. Die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs sucht man vergebens, dafür weht die damals nicht gerade populäre schwarz-rot-goldene Fahne über den Kopfen der patriotisch ergriffenen Anwesenden.

 

 

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