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Mittwoch, den 14. Oktober 2015 um 19:55 Uhr

Neue Website www.bismarckmythos1915.de

Bismarcks fast ausgefallener 100. Geburtstag zwischen den Fronten

Was hätten das für Feiern werden können? Am 1. April 1915 wäre für die Bismarck-Deutschen ein einmaliger Nationalfeiertag gewesen, für den vielleicht sogar Wilhelm II. schulfrei gegeben hätte. Und wenn nicht, dann hätten die protestantischen Studienräte zwischen Rheinland und Ostpreußen ihren Schülern auf eigene Faust einen patriotischen Frühlingstag verordnet. Ergreifende Reden und stolze Lieder wurden zwar wie geplant landauf, landab vorgetragen, aber unter völlig anderen Bedingungen.

Bismarcks 100. Geburtstag war langfristig vorbereitet worden. Neue Bismarcktürme waren errichtet, vorhandene herausgeputzt worden, der Bau eines Bismarck-Nationaldenkmals war beschlossene Sache, Historiker und Publizisten saßen über den Manuskripten neuer Biographien über den Reichskanzler und eine ganze Kitschartikel-Industrie bereitete sich auf den reißenden Absatz von Aschenbechern, Rasierklingen und Wandtellern mit dem Antlitz des Verehrten vor. Doch dann befand sich das Deutsche Reich seit August 1914 in jenem Krieg, den der verklärte “Alte” immer hatte vermeiden wollen. Ob er es 1914 überhaupt gekonnt hätte? Diese Frage beantwortete die Mehrheit der Deutschen mit einem deutlichen Ja. Die Einwände der Sozialdemokraten, einiger Zentrumsangehöriger und Linksliberaler wurden von einem Hurra-Patriotismus übertönt, der seit dem letzten Lebensjahrzehnt Bismarcks eigenartige Formen angenommen hatte.

Personenkult im Ersten Weltkrieg

Der Kanzler ohne Amt hatte nach seiner Entlassung maßgeblich zur Ausbildung einer kultischen Verehrung seiner Person beigetragen, die später treffend „Bismarck-Mythos“ genannt wurde. Was auch immer Wilhelm II. und seine Kanzler unternahmen, bis zu seinem Tod 1898 wusste Bismarck es besser, und danach waren es seine Exegeten, die ihn und ihm zugeschriebene Argumente gegen die Welt- und Tagespolitik des Kaisers ins Feld führten. Wie für keinen anderen Politiker seiner Zeit entwickelte sich um den „Eisernen Kanzler“ ein Personenkult, der den Vergleich mit den Diktatoren des 20. Jahrhunderts nicht zu scheuen braucht. Mit einem gravierenden Unterschied: Er war nicht staatlich verordnet und finanziert, sondern speiste sich aus den Wünschen und Vorstellungen breiter Bevölkerungsschichten des wilhelminischen Deutschlands. “Bismarck” wurde in den Projektionen breiter Kreise zu einem vielgestaltigen Narrativ, das als historischer Gegenentwurf den kaiserzeitlichen Alltag begleitete und dort Trost, Sinn und Zuversicht spendete, wo die Gegenwart unangenehm und die Zukunft unsicher erschien.

Bismarcks Geburtstag wurde ein inoffizieller Feiertag im Kalender der patriotischen Deutschen. Wie reagierten diese nun auf die Herausforderung des Weltkriegs? Welche Feiern fanden statt, welche nicht? Welche Formen der Ehrung waren unter den Bedingungen des Krieges möglich? Wie reagierten die Souvenirhersteller auf die einsetzende Rohstoffbewirtschaftung? Wie gingen die deutschen mit ihrer nationalen Überfigur um, als das von ihm geschaffene Reich vor seiner bisher ärgsten Bedrohung stand. Diese Fragen hat man sich zeitgenössisch nicht gestellt. Sie sind auch in der breiten Bismarck-Forschung bisher nicht systematisch untersucht worden. Aus Anlass des 200. Geburtstags Bismarcks lohnt der postheroisch-abgeklärte Blick auf den historisierten Reichsgründer und die Formen der mythischen Verehrung, die ihm im Jahr 1915 entgegengebracht wurden – zu einer Zeit, als die von ihm an die Spitze Deutschlands gestellte Hohenzollernmonarchie noch siegesgewiss nach Osten und Westen blickt.

Das Projekt bismarckmythos1915.de

Im Wintersemester 2014/15 beschäftigte sich ein Projektkurs am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg mit dem runden Geburtstag Bismarcks. In Zusammenarbeit mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh legten die Studierenden eigene Schwerpunkte und fanden damit unterschiedliche Zugänge zu einer personenbezogenen Festkultur, die nicht nur die gefeierte Person, sondern insbesondere die Feiernden selbst ins Zentrum stellte und über den 100. Geburtstag hinaus die Art und Weise, in der Bismarck verherrlicht wurde, anschaulich macht.

Indem Postkarten, Münzen, Bismarck-Biografien, Festreden zu unterschiedlichen Bismarck-Geburtstagen in vier unterschiedlichen politischen Systemen sowie ein biografisches Gesellschaftsspiel über den “Eisernen Kanzler” zum Gegenstand genommen werden, schaffen die Studierenden Zugänge zum zeitgenössischen Kult um Bismarck und öffnen den Blick auf eine innere, kulturelle Nationsbildung in Deutschland. In ihr wurde die Geschichte des Reichskanzlers verknüpft mit Erzählungen über die Nation und damit eine Verbindung hergestellt zwischen der (ehemaligen) politischen Führung des Landes und den Einzelnen, die sich als Teil der nationalen Gemeinschaft verstanden.

Die Beiträge sind studentische Erschließungen eines komplexen Themas und keine abschließenden Forschungsergebnisse auf langjähriger Grundlage. Hier und da mögen Wertungen und Schlüsse daher Anlass zu Ergänzungen geben. Die Seminarleiter und Herausgeber der Webseite, Dr. Thorsten Logge und Dr. Ulf Morgenstern, moderieren bismarckmythos1915.de und nehmen Kritik und Anmerkungen gern entgegen. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl des Seminars sind aus  dem breiten Spektrum der Überlieferungen zu Bismarcks  100. Geburtstag nur einzelne, wenn auch zentrale Aspekte bearbeitet. Manche Themen, wie etwa die Presseberichterstattung über Feste und Feiern rund um den 1. April 1915, konnten nur dokumentiert, nicht jedoch kommentiert und analysiert werden. Trotzdem ist ein breiter Bogen gespannt, der eine fremd gewordene Festkultur zeigt, die sich erheblich von den Gepflogenheiten politischer Sozialisationen der Gegenwart unterscheidet, vor 100 Jahren jedoch für breite Teile der deutschen Gesellschaft anschlussfähig war und integrierend wirkte.

zum Projekt geht es hier: bismarckmythos1915.de

Zu den Dozenten und Moderatoren hier: Dr. Thorsten Logge (Uni Hamburg); Dr. Ulf Morgenstern (Otto-von-Bismarck-Stiftung/Uni Hamburg)

 

 

Veröffentlicht in Aktuelles
Mittwoch, den 07. Oktober 2015 um 07:32 Uhr

Vor dem Klapprad kam der Klappaltar. Klar!

In den 1970er Jahren fertigte die Fahrrad-Schmiede "Bismarck" in Radevormwald, der Zweirad-Mode entsprechend, auch Klappräder mit dem Namen des Reichsgründers. Diese merkwürdigen Fahrzeuge sind bei Liebhabern älterer Fortbewegungsmittel begehrt und der gegenwärtige Boom des Klapprads bei den großstädtischen Hipstern an Alster, Spree und Isar wird sicher noch das eine oder andere Bismarck-Klapprad den Weg aus Omas Keller ins Angebot von Ebay-Kleinanzeigen finden lassen. Was aber ist ein bitte schön Bismarck-Klappaltar?

Die Antwort ist einfach: ein für die private Bismarck-Verehrung in den heimischen vier Wänden gefertigter Reliquien-Schrein, s. Bild links. Wenn er uns nicht angeboten worden wäre, wir hätten es nicht geglaubt! Tatsächlich hat ihn ein Bismarck-Fan im Jahr 1904 für  eine sicher ordentliche Summe bei dem renommierten Buchbinder und Leder-Kunst-Handwerker Georg Hulbe (1851-1917) in Auftrag gegeben. Hulbe kam 1880 mit seiner Werkstatt aus Kiel nach Hamburg. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Lederschnitt, dessen althergebrachte Tradition er in den neo-historistischen Hochzeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts erfolgreiche erneuerte. 1895 erhielt er den Auftrag für sämtliche Lederstühle und Ledertapeten des Berliner Reichstages und etwas später auch für das Hamburger Rathaus. Hulbe expandierte und eröffnete Verkaufsstellen in Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin. Neben Möbeln und Tapeten aus Leder stellte er u.a. Schreibmappen, Paravents und Schatullen her.

Den mittelalterlich stilisierten Klappaltar aus Eichenholz stellte Hulbe für die Aufbewahrung einer Schreibfeder Otto von Bismarcks her. Federn und Bleistifte aus der (vermeintlichen) Hand Bismarcks waren heißbegehrte Reliquien und haben mit mehr oder weniger glaubhaften Echtheitsbeglaubigungen die Zeiten überlebt. Bei der hiesigen gibt es einen zumindest vagen Bismarck-Bezug, denn der verarbeitende Kunsthandwerker Hulbe hatte für die Familie des Kanzlers im Ruhestand in den 1890er Jahren einen riesiegen Stammbaum in Leder gepunzt, der im Raum 1 des Bismarck-Museums in Friedrichsruh hängt. Sowohl der Stammbaum wie auch der Klappaltar sind mit den Herstellernamen "Georg Hulbe Hamburg Berlin" versehen.

Die Gesamtmaße des zugeklappten Schreins betragen 52 x 27,5 x 2,5 cm. Er ist auf der Vorderseite teils mit geritztem und geprägten Leder mit partieller Vergoldung und Eisenbeschlägen versehen. Oben befindet sich eine Bronzemedaille mit Bismarcks Profil im Relief und der Aufschrift "Fürst Otto Bismarck Schönhausen". Links ist sein Geburtshaus in Schönhausen, rechts das Schloss in Friedrichsruh zu sehen. Den unteren Bereich schmücken vergoldetes Eichenlaub (was sonst!) und das Familienmotto "In Trinitate Robur" (In der Trinität liegt die Stärke). In der Mitte liegt die Schreibfeder auf einem Stück Leder mit der in Gold geprägten Signatur Bismarcks.

Die beiden aufklappbaren Flügel verbergen jeweils Pergamenteinlagen mit Inschriften in kolorierter Fraktur. Auf der Innenseite des linken Flügels befindet sich ein in Gold geprägtes Wappen mit dem Schriftzug "Durch!". Auf dem linken Pergament ist zu lesen: "Diese Schreibfeder benutzte Se. Durchlaucht der Fürst Bismarck eigenhändig. Diese wurde dem Errichter dieser Urkunde von seinem Schwiegervater, dem Kaiserlichen Telegraphendirektor Mohrbutter in Lübeck am 6. Februar 1888 gestiftet." Rechts steht geschrieben: "An dem Tage, an welchem der Eiserne Kanzler im Deutschen Reichstage die denkwürdigen Worte sprach: 'Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Walt!'" Auf der Innenseite des Leders steht geritzt: "Diese Urkunde wurde errichtet von Wilhelm Ramm / Ostseebad Kolberg am 6. Juli 1904 / Das Holz ist Bismar[c]k Eiche aus dem Sachsenwald."

111 Jahre später hat der "Altar to go" den Besitzer gewechselt. Unser herzlicher Dank gilt dem Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Er hat durch die großzügige Übernahme des Kauf- und Restaurierungspreises ein faszinierendes Objekt für die geplante Modernisierung unsere Dauerausstlleung gesichert. Unser Bild zeigt der Geschäftsführer der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, und den Vorsitzenden des Fördervereins, Herrn Norbert Brackmann MdB. Beide sind sichtlich bester Laune, denn dieses bizarre Kunstwerk ist ein einzigartiges Relikt des Bismarck-Kults der Jahre um 1900, als die Verehrung Bismarcks zu einem bald jedes Maß verlierenden Mythos anschwoll. Es ist, um eine gelegentlich als verstaubt angesehene Archivalien-Klassifizierung zu verwenden, "Tradition" und "Überrest" zugleich. Wir freuen uns über den Sammlungs- und hoffentlich bald auch Ausstellungszugang der besonderen Art!

 

 

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Donnerstag, den 27. August 2015 um 10:26 Uhr

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Als der Historiker und Parlamentarier Heinrich von Sybel gemeinsam mit dem Landrat Christoph von Tiedemann in Otto von Bismarcks Friedrichsruher Schlafzimmer die Dimension des Nachtgeschirrs bemerkte, soll er spontan ausgerufen haben: "Es ist doch alles groß an dem Mann, selbst die S..." Würde man diesen Gigantismus für bare Münze nehmen, könnte man auch annehmen, die jüngste Dauerleihgabe unseres Hauses sei ein Rasierspiegel Bismarcks gewesen.

Tatsächlich handelt es sich um einen opulenten Wandspiegel. Bismarck hat ihn, nach glaubhafter Überlieferung, seinem Leibarzt Ernst Schwenninger zum Geschenk gemacht. Schwenningers Nachfahren haben ihn der Otto-von-Bismarck-Stiftung nun als Leihgabe zur Verfrügung gestellt und es gibt schon verschiedene Ideen, wo und wie das beeindruckende Möbel in die geplante neue Dauerausstellung integriert werden kann. Wir werden rechtzeitig informieren und danken herzlich nach Ahrensburg und Bettenfeld.

In der Zwischenzeit können die Mitarbeiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung in der Bibliothek den korrekten Sitz ihrer Dienstkleidung  überprüfen!

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"inside Bismarck- eine szenische Intstallation" von FACTORY Theater Produktionen e.V., unterstützt u.a. von der Otto-von-Bismarck-Stiftung

 

Mit: Florentine Weihe, Christian Nisslmüller, Guido Bayer, Text/Regie: Gaby Schelle, Dramaturgie: Andre Becker

 

Otto von Bismarck schreibt seine Memoiren und feilt akribisch an seinem Bild für die Nachwelt. Seine Ehefrau Johanna jedoch führt ihn zurück in die Zeit vor ihrer Hochzeit und wir begegnen einem jüngeren Bismarck, der der Idealvorstellung ganz und gar nicht entspricht. 23 Jahre alt, geplagt von innerer Zerrissenheit, enormen Schulden und einer Abscheu vor dem herrschenden bürokratischen System kämpft er um einen Sinn in seinem Leben. In Johanna findet er eine verwandte Seele. Sie vermag den vielen spöttischen, ironischen, bildgewaltigen Stimmen in Bismarcks Innerem zuzuhören. In vielen Kämpfen um Wahrheit und Lüge, Liebe und Politik, Religion, Natur und Poesie, dokumentiert in ihren Briefen, schließen die beiden einen Pakt. Der berühmte, aber kaum bekannte Briefwechsel zeigt uns einen radikal anderen Bismarck und fügt unserer Vorstellung von ihm eine neue, überraschend moderne Facette hinzu. Tatsächlich ist die Auseinandersetzung mit Bismarcks Gedankenwelt und seiner „Politik des Maßhaltens“ ein sehr aktueller Diskussionsbeitrag zum Umgang mit Grenzen und Nationalismen im heutigen Europa (Abdruck des Textes mit freundlicher Genehmigung von FACTORY Theater Produktionen e.V.).


Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage des Landestheaters Schleswig-Holstein. Die Premierenaufführung fand am 6. August 2015 im Schloss Gottorf statt. Weitere Aufführungen finden statt in/am:

 

Atelierhaus im Anscharpark Kiel, Heiligendammerstr.15, 24106 Kiel

Die, 11., Mi, 12. August jeweils 19.30 Uhr

Jüdisches Museum Rendsburg, Prinzessinstr. 7-8, 24768 Rendsburg

So, 16. August, 12.00 Uhr

Stadttheater Rendsburg/Theaterfoyer, Hans-Heinrich-Beisenkötter-Platz 1, 24768 Rendsburg

Fr, 11. September, 19.30 Uhr

Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön, Schlossgebiet 2, 24306 Plön

So, 13. September, 17.00 Uhr

Geestlandschule Kropp, Schulstr,15, 24848 Kropp

Die, 15. September, 10.30 Uhr

Tickets: € 23,- / €15,- Abendkasse 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn

VVK über die Veranstaltungsorte, Tageskasse Schloss Gottorf Tel. 04621-813 222

www.streiber-kiel.de und www.reservix.de Karten/Infotelefon 0171 4747 175

Tickets Stadttheater Rendsburg € 18,-

VVK Theaterkasse Tel. 04331-23447

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

FACTORY Theater Produktionen e.V.

Zeyestr.12

D-24106 Kiel

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

www.theater-factory.de

www.facebook.com/factorytheaterproduktionen

Pressestimmen: NDR, Schleswiger Nachrichten

 

 

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Anlässlich des 200. Geburtstages von Otto von Bismarck im Jahr 2015 präsentieren die bundesunmittelbare Otto-von-Bismarck-Stiftung und das Bismarck-Museum in Bad Kissingen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt unter dem Motto „3 Museen – 3 Ausstellungen“: Die Sonderausstellung „Bismarck: Familie – Politik – Mythos“ thematisiert anhand zahlreicher Exponate den familiären Hintergrund, die Politik sowie die Mythisierung Otto von Bismarcks. Ausstellungsorte sind die drei Bismarck-Museen in Bad Kissingen, Friedrichsruh und Schönhausen/Elbe, die jeweils einen Teilaspekt der gemeinsamen Sonderausstellung behandeln.

 

Während sich das Bismarck-Museum Schönhausen, das sich im erhaltenen Seitenflügel des ehemaligen Geburtshauses Otto von Bismarcks befindet, dessen familiären Ursprüngen widmet, präsentiert das Bismarck-Museum in der Oberen Saline, von Bismarck einst als Wohnung während seiner Kuraufenthalte in Bad Kissingen genutzt, zentrale Aspekte seiner Außenpolitik. Die geradezu kultische Verehrung Bismarcks wird schließlich im Bismarck-Museum Friedrichsruh, am ehemaligen Wohn- und Alterssitz des ersten Reichskanzlers im Sachsenwald, beleuchtet.

 

Am Sonntag, den 26. April, war es endlich soweit: Der 3. Teil der gemeinsamen Sonderausstellung wurde feierlich eröffnet. Rund 100 Gäste waren der Einladung der Otto-von-Bismarck-Stiftung in das historische Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh gefolgt und lauschten den einführenden Worten des geschäftsführenden Vorstandsmitglieds der Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, sowie dem Festvortrag zum „Bismarck-Mythos“ von Peter Weidisch M.A., Kulturreferent der Stadt Bad Kissingen und Leiter des dortigen Bismarck-Museums in der Oberen Saline. Dr. Maik Ohnezeit führte anschließend als Kurator in die Sonderausstellung ein. Im Anschluss an die Vorträge konnten sich die Besucher bei einem kleinen Empfang die Sonderausstellung im Bismarck-Museum ansehen.

 

Friedrichsruh als ehemaliger Wohn- und Alterssitz Otto von Bismarcks war über Jahrzehnte Anlaufstation für die Verehrer des ersten Reichskanzlers aus aller Welt. Die Sonderausstellung beleuchtet Ausprägung und Bedeutung der kultischen Verehrung des „Reichsgründers“ vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik hinein. Denkmäler verschiedenster Art wie Feuersäulen, Türme und Standbilder, von denen viele bis heute existieren, waren ihm zu Ehren errichtet, weltweit Straßen, Plätze und Städte nach ihm benannt worden. Hinzu trat die literarische und künstlerische Verehrung, die sich in vielfältigen Formen wie Gedichten, Lebensbeschreibungen, musikalischen Kompositionen, Gemälden, Medaillen und Fotografien ausdrückte.

 

Gezeigt werden zahlreiche, bisher der Öffentlichkeit nicht bekannte Zeugnisse dieser Verehrung, darunter kunstvoll gestaltete Ehrenbürgerbriefe und Grußadressen sowie Briefe von Privatpersonen, die darin ihre Verbundenheit mit dem „Reichsgründer“ bekunden. Bestaunt werden kann aber auch eine Auswahl von Konsumgütern, die den Namen „Bismarck“ trugen (und zum Teil bis heute tragen).

 

Die Sonderausstellung läuft bis zum 20. September 2015.

 

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Objekt: Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten (Bruststern, Kleinod und Schulterband)

Material: Silber, Gold, Email, Brillanten, Smaragde, Textil

Maße: Bruststern (93 x 89 x 25 mm), Kleinod (86 x 48 x 13 mm), Schulterband (105 x 850 mm)

Inventar-Nr. A O 010 a – c

 

Foto: András Dabasi (Hungarian National Museum)

Zu den zahlreichen in- wie ausländischen Auszeichnungen Otto von Bismarcks gehört auch das Großkreuz mit Brillanten des St. Stephans-Ordens (vollständige Bezeichnung: Königlich Ungarischer Hoher Ritterorden vom Heiligen Stephan, dem Apostolischen König). Der am 5. Mai 1764 von Kaiserin Maria Theresia gestiftete Orden war die höchste zivile Auszeichnung des Königreichs Ungarn. Der Stiftungstag war gleichzeitig der Tag der Krönung ihres Sohnes Josephs (II.) zum Römischen König. Die Statuten des Ordens sind auf den Tag nach der Krönung Josephs (II.) datiert. Großmeister des Ordens war der ungarische Monarch, Ordensprälat war der Erzbischof von Gran und Ordenskanzler der Kanzler des Königreichs Ungarn.

 

Verliehen wurde die Auszeichnung an hundert Ordensritter in drei Klassen: Großkreuz (20), Kommandeur (30), Ritter (50). Der 20. August (St. Stephanstag) war der Festtag des Ordens. Mit dessen Verleihung waren ggfs. besondere Privilegien verbunden. Der Orden konnte nur an Adelige verliehen werden. Der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy erneuerte den Orden im Jahr 1938, er wurde jedoch nur drei Mal verliehen.

 

Die Auszeichnung besteht aus dem Bruststern, dem Kleinod sowie dem Schulterband. Der mit Brillanten geschmückte und insgesamt achtundvierzig Strahlen versehene Bruststern besteht in der Mitte aus einem rot emaillierten Medaillon. Auf diesem findet sich das aus Edelsteinen geformte ungarische Wappen. Es handelt sich dabei um das ungarische Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), in einer Krone stehend, auf einem grünen Dreiberg (Hügel mit drei Wölbungen). Flankiert wird das Wappen durch die aus Edelsteinen bestehenden Initialen „M“ und „T“ (für Maria Theresia). Das Medaillon ist mit einem Kranz aus weißen Edelsteinen sowie einem doppelten Eichenlaubkranz aus Smaragden umgeben.

 

Die grün emaillierten Arme des Tatzenkreuzes (Kleinod) sind mitsamt den Scharnierteilen sowie der mit dem Kreuz verbundenen goldenen Stephanskrone ebenfalls mit Brillanten besetzt. Das Medaillon in der Mitte des Kleinods ist so gestaltet wie beim Bruststern, doch ist das Medaillon hier nicht mit einem Ring aus Edelsteinen umgeben, sondern mit der in Goldschrift versehenen Devise „ PUBLICUM MERITORUM PRAEMIUM“ (öffentliche Belohnung der Verdienste). Auf der Rückseite des Medaillons erinnern die Kürzel „STO. STRI. AP.“ (Sancto Stephano regi apostolico – dem heiligen apostolischen König Stephan) an den Namensgeber des Ordens, den ungarischen König Stephan I. den Heiligen.

 

Zum Bruststern und dem Kleinod gehört ein purpurfarbenes Schulterband mit grünen Rändern, das über der rechten Schulter zu tragen war. Es existierte eine spezielle Ordenskleidung, die aus einem grünen Samtmantel mit karmesinroter Taftfütterung und Hermelinbesatz, einem goldverzierten roten Unterkleid sowie einem federgeschmückten Hut bestand.

 

Das Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten wurde Otto von Bismarck am 5. September 1872 von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn verliehen und befindet sich bis heute im Besitz der Familie von Bismarck.

 

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Julia Voss hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 20. Februar eine hübsche Anekdote aufgespießt, über die sie sich zu recht ärgert. Anlass war eine flapsige Bemerkung des amerikanischen Präsidenten. Obama, studierter Jurist ohne nachgewiesene handwerkliche Qualifikationen, hatte bei einer Fabrikbesichtigung in Wisconsin das Hohelied auf das Handwerk und die Lehrberufe in der verarbeitenden Industrie gesungen. Mit Berufsabschlüssen auf diesen Gebieten könne man allemal mehr anfangen als mit einem Abschluss in Kunstgeschichte. So erwartbar die schmunzelnde Zustimmung für das populäre, hier dosiert populistisch vorgetragene Akademiker-Bashing bei den anwesenden Mitarbeitern von General Electric in Milwaukee war, so erwartbar war auch die Kritik. Einer texanischen Professorin für Kunstgeschichte musste der Präsident in einer Antwort auf ihren Widerspruch kleinlaut einräumen, er selbst möge Kunstgeschichte sehr und habe nichts gegen das Fach. Er habe nur etwas Allgemeines über den Arbeitsmarkt sagen wollen. Ob dieses Zurückrudern das vorherige Abkanzeln eines dies- wie jenseits des Atlantiks immerhin noch "großen" unter den kleinen Fächern entkräftet, darf bezweifelt werden. Der Spott über scheinbare Orchideenfächer hat nämlich eine unheilvolle Tradition unter Politikern. In beherzt machiavellistischem Sinne setzen sie auf die platte Zustimmung des Publikums, das eben mehrheitlich eher Medizin oder Jura oder auch gar nichts, in ganz wenigen Fällen aber nur Indologie oder Archäologie studiert hat und deshalb die sogenannten Orchideenfächer für einen verzichtbaren Luxus ohne nennenswerte gesellschaftliche Implikationen hält.

Julia Voss, selbst promovierte Kunsthistorikerin ("One long Argument. Die Darwinismus-Debatte im Bild") und über Obamas nassforsche Äußerungen nicht eben begeistert, führt dann die ebenfalls recht robuste Bewertung der Kunstgeschichte durch den generell zu robusten Sprachbildern neigenden Otto von Bismarck an, einen, wie sie treffend bemerkt, für Obama ansonsten doch wohl eher "ungewöhnlichen Bruder im Geiste". Die als etatisierte Universitätswissenschaft seinerzeit noch junge Kunstgeschichte diente nämlich schon Bismarck als leicht verächtlich zu machende Disziplin im Elfenbeinturm. "Die erste Generation schafft Vermögen", so der vom nachgeborenen Freiherrnsohn zum vermögenden Fürsten Aufgestiegene, "die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt vollends."

Beiden Lästermäulern stellt Julia Voss die beruflichen Chancen von Kunsthistorikern entgegen. In Zeiten der Provinienzforschung seien ihre Kollegen gefragt und zuletzt sei mit Monika Grütters eine Kunsthistorikerin als Staatsministerin sogar in die höchsten Sphären der Bundespolitik aufgestiegen. Man braucht aber nicht einmal prominente Beispiele, um die utilitaristisch argumentierenden Politiker mit juristischem Ausbildungshintergrund "zu erden": Im Falle Obamas könnte angefügt werden, dass er der Sohn einer Anthropologin ist und seine Frau einen Bachelor in Soziologie gemacht hat. Und um auch Bismarcks Aussage familiär zu relativieren, verweise ich gern auf Beatrice von Bismarck, die in Leipzig Professorin ist für... na? genau: ausgerechnet Kunstgeschichte!

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Nicht nur Geschichtsprofile der Oberstufe, sondern auch angehende Naturwissenschaftler interessieren sich für Otto von Bismarck. Die Klasse 12d (Chemieprofil) der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe beschäftigte sich am 10. April ausführlich mit Otto von Bismarck und seiner Zeit. So wurde die Dauerausstellung der Stiftung ebenso erkundet wie das Bismarck-Museum. Gerne angenommen wurde auch das Angebot, einen Blick in das Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung und auf ausgewählte Archivalien zu werfen. Die Transkription der Entlassungsurkunde Otto von Bismarcks rundete den Projekttag ab. Einen Erlebnisbericht der Schülerinnen und Schüler finden Sie auf der Homepage der Theodor-Mommsen-Schule Bad Oldesloe.

 

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Mittwoch, den 20. März 2013 um 08:12 Uhr

Der alltägliche Bismarck-Kult in der Weimarer Republik

Der lange Winter mit seinem tiefen Schnee bremst in diesem Jahr noch den Drang ins Grüne. So bleibt man noch einige Nachmittage länger auf der Couch sitzen und greift, wenn der Fernseher ausgeschaltet bleiben soll,  wie in den Monaten zuvor ins Bücherregal. Eher zufällig kam mir dabei wieder der Erfolgsroman "Kartoffeln mit Stippe" in die Hände, der sich in den späten 1970er und 1980er Jahren hervorragend verkaufte und schließlich auch mit großem Erfolg verfilmt wurde. Die mittlerweile hochbetagte Autorin erzählt auf frische Art und Weise ihre Jugendgeschichte, die ungeheuer anziehend auch auf Jahrzehnte später geborene Angehörige anderer Sozialmilieus wirkt. Ilse Gräfon von Bredow schildert nämlich ihre landadelige Kindheit und Jugend in einem Forsthaus in den märkischen Heide nahe Berlin. Ihr Vater bewirtschaftete dort als kriegsversehrter Landbesitzer einen brandenburgischen Forst. Ilse und die Geschwister wuchsen eng an der Seite der Dorfjugend auf, für die sie aber wegen der auffälligen gesellschaftlichen Dinstintktion im Streitfall trotzdem das "Grafenpack" blieben. Wie wenig das robuste Leben der Bredows noch von der adligen Attitüde hatte, amüsiert den Leser dabei immer wieder. Mit feinem Gespür schildert die Autorin die sozialen und politischen Umbrüche nach dem Untergang des Kaiserreiches, deren Auswirkungen auch auf dem Land spürbar sind. Andererseits: Haus- und Hofpersonal, Kutschfahrten, standesgemäße Verwandtenbesuche und vieles mehr verdeutlichen auch die Beharrungskräfte der königlich-preussischen, d.h. monarchischen Ordnung des 19. Jahrhunderts. Ein schönes Beispiel für die schon langsam sinnentleerte, jedoch noch immer anhaltende Orientierung an der "alten Welt" und den "alten Heroen" im Leben der gräflichen Kinder der Weimarer Zeit findet sich in dem Kapitel "Das Kusinchen". Diese gleichaltrige Verwandte ist bei den Kindern äußerst unbeliebt, da sie als verzogene Lieblingstochter eines Onkels häufig zu Besuch kommt und es unter Einsatz von Tränen und List jedesmal bewerkstelligt, Dinge geschenkt zu bekommen, die eigentlich den Kindern des Hauses gehören. Als sie sich wieder einmal ankündigt, reagieren Ilse, ihre Schwester Vera und ihr Bruder Billi mit prophylaktischem Verstecken ihrer Habseligkeiten:

"'Können die nicht mal in den Ferien woanders hinfahren'", brummte Billi. Vorsorglich versteckten wir, woran unser Herz hing: einen Bismarckkopf, auf dem man Gras säen konnte, eine aufziehbare Maus, den Karton mit den Papierpuppen und unsere Schuhspangen vom Lumpenmann." [1]

Den Bismarckkopf haben die Kinder offenbar vor der gierigen Cousine gerettet, er taucht in Verlauf der autobiographischen Aufzeichnungen nicht mehr auf. Aber was ist aus dem kitischigen Kleinod geworden? Ist er nach 1945 in die westlichen Besatzungszonen mitgenommen worden? Oder verschwand er schon vorher? Und wie sah er überhaupt aus? Kann man sich die Skulptur wie jene Kresse-Igel vorstellen, die einmal Mode waren und auf vielen Küchenfensterbrettern standen? Fragen üder Fragen, die sich nur stellen, weil die heimischen Frühblüher noch unter dem letzten Schnee versteckt sind, und ein Unterhaltungsklassiker der alten Bundesrepublik eine Re-Lektüre erfahren hat...

[1] Ilse Gräfin von Bredow, Kartoffeln mit Stippe. Eine Kindheit in der märkischen Heide. München, 3. Auflage 1981, S. 113.

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Wilhelm II. genießt gegenwärtig eine hohe Medienaufmerksamkeit. 100 Jahre nach dem letzten Friedensjahr werden zahlreiche Ereignisse erinnert, in deren Zentrum er damals stand. Da ist zum einen sein 1913 gefeiertes 25jähriges Regierungsjubiläum. Ebenfalls 1913 verheiratete Wilhelm seine Tochter Viktoria Luise mit Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, was aus zwei Gründen bedeutend war: Einerseits sollte damit die Feindschaft mit den seit 1866 zurecht grummelnden Welfen beendet werden, Wilhelm Großvater hatte sich mit Bismarcks Hilfe deren Königreich Hannover unter den Nagel gerissen. Andererseits traf bei den Feierlichkeiten in Berlin und Braunschweig letztmals der europäische Hochadel aufeinander, bereits ein Jahr später zerfleischte man sich bekanntlich im Ersten Weltkrieg. Auch an diese von Wilhelm II. groß inszenierte Hochzeit wird erinnert. Und dass nun der ZDF-Dreiteiler "Adlon" einen leichtbekleideten Wilhelm II. in der Fürstensuite des Hotels zeigte, der nach außerehelichem Verkehr mit einer exotischen Dame eine Champagnerflasche öffnet, inspiriert zu neuerlichen Artikeln. Die Klatschspalten der Yellow Press haben es ja schon immer bewiesen und nun zeigt sich auch in der „Welt“, dass die Deutschen 95 Jahre nach dem Ende der Monarchie noch ein reges Interesse am Privatleben ihres ehemals regierenden Adels haben. Da neben Otto von Bismarck auch die Söhne Wilhelm und Herbert in der amüsanten Episode vorkommen, ist es unsere Pflicht, auf den Text Ulli Kulkes zu verlinken. Jegliche in Richtung historischen Voyeurismus zielende Vorwürfe weisen strictissime zurück!

 

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