Sie befinden sich hier: Otto von Bismarck Stiftung Sie befinden sich hier: Aktuelles Anzeigen der Inhalte vom Tag:

Besuchen Sie uns

Erfahren Sie mehr über das Angebot unserer Standorte und sehen Sie sich unsere virtuelle Austellung an.


Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w00da975/de/components/com_k2/models/item.php on line 445
Mittwoch, den 17. Juni 2015 um 06:59 Uhr

Ehre wem Ehre gebührt!

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung gratuliert dem neuen Sir Christopher Clark herzlich zu dem am 15. Juni verliehenen Titel eines Knight Bachelor. Congratulations! Christopher Clark, der Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirats ist, lehrt seit einer Reihe von Jahren Moderne Europäische Geschichte an der Universität Cambridge. 2014 wurde er dort zum Nachfolger von Richard J. Evans ernannt und damit mit Bestätigung der Queen Regius Professor of History. Nun ist ihm binnen Jahresfrist die nächste königliche Ehre zu Teil geworden. In der Begründung heißt es, den Ritterschlag habe Clark auch für seine "services to British-German relations" erhalten. Besser hätten wir es nicht formulieren können, schließlich gehört seine Mitarbeit bei der Bismarck-Stiftung ebenso zur Pflege der deutsch-britischen Beziehungen wie sein umfangreiches und vor allem breit rezipiertes Werk! Nun bleibt zu hoffen, dass Sir Christopher neben seiner neuen Mitgliedschaft, nämlich der in der Imperial Society of Knights Bachelor, auch weiterhin Zeit und Muße für die Bismarck-Stiftung hat. Quod bonum faustum felix fortunatumque sit!

 

 

 

Übrigens hat sich bis hierher noch nicht herumsgesprochen, bei welcher Gelegenheit der Ritterschlag erfolgte. Dass es wie bei Hägar einfach en passant passierte, kann aber wohl ausgeschlossen werden.

Veröffentlicht in Aktuelles

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung nimmt das Jubiläumsjahr 2015 zum Anlass für etliche Sonderveranstaltungen, zu denen auch Ausstellungen in den diplomatischen Hotspots der Bismarck-Zeit gehören. Nach einer Sonderausstellung in London und vor einer eben solchen in Paris stand mit St. Petersburg eine dritte europäische Hauptstadt in Fokus. Die Eröffnung der dortigen Ausstellung über die "Preußisch-deutsch-russischen Beziehungen" war eingebettet in eine Bildungsreise, die vom 1. bis zum 5. Juni (eigentlich!) eine interessierte Gruppe an die Newa führte. In fünf Tagen konnten Einblicke in die russische Hochkultur der Zarenzeit gewonnen werden und auch für individuelle Streifzüge durch die Stadt war etwas Raum. Die Teilnehmer erlebten architektonische Höhepunkte in und um St. Petersburg und tauchten ein in eine lebendige Großstadt im Osten Europas. Vom unaufdringlich eingestreuten Wissen unserer russischen Reisebegleiterin Nina Fokina profitierte die Gruppe dabei ungemein.

Am 3. Juni wurde das touristische Programm durch eine wissenschaftliche Note ergänzt: Die Bildergalerie der Kollegen vom Deutschen Historischen Institut in Moskau gibt Einblick in die angeregte Atmosphäre während des deutsch-russischen Symposiums in der St. Petersburger Higher School of Economics. Die russischen Kollegen und das Team von Prof. Nikolaus Katzer vom DHI Moskau sorgten für einen reibungslosen Ablauf, für den wir uns herzlich bedanken, besonders bei Maria Golovnya. Nach einem Besuch am Wohnhaus des Gesandten Bismarck am Englischen Kai wurden die deutsch-russischen Gespräche auf diplomatischem Parkett fortgeführt, eingeladen dazu hatte die Deutsche Generalkonsulin Dr. Heike Peitsch, die sich anders als Bismarck in St. Petersburg alles andere als kaltgestellt fühlt. Auch ihr sei noch einmal für die Gastfreundschaft gedankt.

Während der Petersburger Führungen war immer wieder von den Schweden zu hören, die Peter dem Großen das Leben schwer gemacht hatten. Am Ende der Reise sorgte eine andere Ostseemacht für eine unfreiwillige Verlängerung: Das Bodenpersonal der skandinavischen Fluggesellschaft trat in Kopenhagen unerwartet in den Streik, so dass aus dem dänischen Zwischenstopp eine Übernachtung wurde. Nun denn, die Erinnerung an St. Petersburg im Juni 2015 wird diese Episode nicht trüben. Vielmehr gibt das einzige Bild der Reisegruppe mit den russischen Historikern vor der Erinnerungstafel am Bismarckhaus Anlass zu wahrscheinlich anhaltendem Schmunzeln: Viel Fußweg, eine links abgeschnittene Reisegruppe, verdeckte Personen und ein kopfloser Bismarck, was will man mehr?!

 

Hier einige Reiseimpressionen...

 

Die "große Newa" mit Blick auf die Haseninsel

Leuchtturm am alten Hafen

Das automobile Erbe der Sowjetunion ist mittlerweile rar im Stadtbild
Acht Tage Krim für 120 Euro, ein Schnäppchenpreis!

Achtung! Diebstahlwarnung in Peterhof

Der Sommerpalast in Peterhof

Auf dem Markt gibt's alles, z.B. Tomaten aus Samarkand
Dieser Wolga stand zum Verkauf, der Liter Super-Benzin kostet 50 Cent

Russlandexperten: Reiseleiterin Nina Fokina und Prof. Creuzberger
Blauer Himmel über dem Smolny-Kloster

Bei Nieselregen auf den Kanälen und Flüssen der Stadt
Am Grab Tschaikowskys auf dem Tichwiner Friedhof am Newsky-Kloster

Erinnerung an den einstigen Mieter am Englischen Kai
Generalkonsulin Dr. Heike Peitsch lud zum Abendempfang

Auf dem Tichwiner-Friedhof
Der Winterpalat im Juni-Wetter

Nicht Egerländer, sondern russische Blasmusik in Puschkin
Prof. Lappenküper inmitten russischer Bau- und Blütenprachten

Eine von mehreren Bräuten im Park von Zarskoje Selo
Veröffentlicht in Aktuelles
Mittwoch, den 12. Februar 2014 um 12:08 Uhr

Privat und dienstlich: Auch Bismarck wurde abgehört!

Da zerbricht sich die Forschung seit Jahrzehnten den Kopf bei der Analyse der kleinsten Details der Politik Bismarcks und nun bringt ein seriöses Nachrichtenmagazin eine erschreckende Meldung: Bismarcks geheimste Pläne waren den Amerikanern stets bekannt! Was er Angehörigen und Vertrauten beim Frühstück zuraunte, geheime Telegramme, streng vertauliche Arkana aus dem Machtzentrum des Kaiserreichs: nichts blieb verborgen. Wie die Washingtoner Zentralregierung von dem angezapften Wissen Gebrauch machte, ob sie es etwa an europäische Regierungen weitergab, wird nun zu klären sein. Ob die Auswirkungen der Spionage grundstürzende Neuigkeiten für die Diplomatiegeschichte bedeuten, wird die historische Forschung zu zeigen haben. Schulbuchverleger dürfen sich schon mal die Hände reiben. Zur Meldung geht es hier...

Achtung, Satire! Der mit obiger Nachricht aufwartende Postillon ist ein elektronisches Satire-Medium.

Veröffentlicht in Aktuelles

In der letzten Woche unternahm der Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung einer seiner regelmäßigen Berlinfahrten. Diesmal stand als erster Punkt ein Besuch in der hervorragenden Ausstelllung zur deutschen Parlamentsgeschichte auf dem Plan, die der Deutsche Bundestag im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt unterhält. Nach einer mittäglichen Stärkung und der Besichtigung der Königlichen Prozellanmanufaktur (KPM) besuchte die Gruppe den Bundestag. Ein anregendes Gespräch mit dem Abgeordneten Norbert Brackmann gab dabei ebenso Einblicke in den parlamentarischen Arbeitsalltag wie der abendliche Blick durch die Glaskuppel hinab ins Plenum, wo gerade die siebte namentliche Abstimmung des Tages stattfand.

Bei einer der nächsten Fahrten sollte in Berlin unbedingt die Gelegenheit genutzt werden, dem dortigen Wachsfigurenkabinett einen Besuch abzustatten. Schließlich hält die Berliner Dependance von Madame Tussauds ein historisch-politisch überraschendes Setting bereit. Oder wen hätten Sie bei der Auswahl von Nachbarfiguren in die Nähe der Wachsfigur des Eisernen Kanzlers gerückt? Uns amüsiert jedenfalls die wohl zufällige Positionierung von Karl Marx und Sophie Scholl neben Otto von Bismarck und Anne Frank und wir sind gespannt, ob diese Kombination auf der Homepage des Hauses nur eine Auswahl aus dem Bereich "Historische Persönlichkeiten" widerspiegelt und ob sich "in natura" noch andere geschichtliche Persönlichkeiten bestaunen lassen. Und wer könnten diese dann sein? Das Angebot, sich mit Stahlhelm auf dem Kopf neben Bismarck (gemeint ist hoffentlich "nur" die Pickelhaube) fotografieren zu lassen, werden wir jedenfalls nicht an uns vorbeigehen lassen!

Veröffentlicht in Aktuelles

Heute vor 120 Jahren hielt Bismarck eine vielbeachtete Rede. Da das während der Jahrzehnte seiner politischen Wirksamkeit häufiger vorkam, wäre dieses Jubiläum kaum eine Schlagzeile wert, wäre die Rede nicht eine ganz besondere gewesen. Denn Bismarck sprach weder im Reichstag, noch im preußischen Abgeordnetenhaus, er war am 31. Juli 1892 überhaupt kein aktiver Politiker mehr. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt vielmehr als Privatperson auf der Rückreise von der Hochzeit seines ältesten Sohnes Herbert. Dessen Hochzeit mit einer ungarischen Gräfin hatte Bismarck und seine Gattin Johanna nach Wien geführt - kein ganz unproblematischer Ausflug in das Land des Kriegsgegners von 1866; die Reise hatte ihn im Juni auch nach Dresden gebracht, was vordergründig ähnliche Befindlichkeiten befürchten ließ. Aber an der Elbe hatten die jubelnden nationalliberalen Bürger der Residenz- und Garnisonsstadt schon vorweggenommen, was in Jena noch folgen sollte. Auf dem Rückweg von Wien waren die beiden Ehepaare Bismarck zur gewohnten Kur nach Kissingen gefahren, wo sich die Herrschaften von den Strapazen der letzten Wochen erholen wollten. Eine Jenenser Abordnung unter dem rührigen Bürgermeister Singer überzeugte den für Schmeichelleien nicht unempfänglichen Bismarck dann überraschend, die thüringische Universitätsstadt zu besuchen. Seine Zusage war die Sensation des Jahres in der Saalestadt. Als der Zug am 30. Juli 1892 einfuhr war alles auf den Beinen und dem Kanzler wurde die Zuneigung so lebhaft kundgetan, dass sich der 78jährige am Abend vom Balkon des "Schwarzen Bären" aus Ruhe erbitten mußte.

Am nächsten Tag hielt er dann eine ortsbezogene Rede, die mit der Erwähnung der Schönheit Thüringens den Gefallen des Publikums erregte. Nicht nur in Jena wurden die Passagen des sonst nur noch selten in der Öffentlichkeit auftretenden "Eisernen Kanzlers" abgedruckt. Sein überraschendes Lob des Parlamentarismus, der die Gewalt des Monarchen einhegen müsse, sorgte reichsweit für Erstaunen. Schließlich war er in den 19 Jahren seiner Reichskanzlerschaft nicht eben als Freund des seine Politik oft genug hemmenden Reichstages hervorgetreten. Bismarcks Abneigung gegenüber dem heißspornigen Wilhelm II. führte nun offenbar zu einem Sinneswandel. Ob man darauf wirklich etwas geben durfte, interessierte wohl niemanden. Vielmehr ergötzte sich das Publikum des nicht mehr in Amt und Würden befindlichen einstigen Kanzlers, dessen mythische Verklärung langsam einsetzte (auch und gerade durch solche Auftritte), an seinen drastischen Wendungen und Wertungen. Die Schaulustigen auf dem Markt bekamen u.a. zu hören:

"Ich will Sie nur an ein Beispiel aus den Werken des großen Geistes erinnern, dessen Manen uns hier auf dieser Stätte umschweben. Goethe stellt uns in seinem Götz von Berlichingen einen kaisertreuen Ritter dar, der für seinen Kaiser eine solche Anhänglichkeit und Verehrung besitzt, daß er in dem Augenblicke, wo er einen seiner Beleidiger niederschlagen will, in die Worte ausbricht, 'Trügst du nicht das Ebenbild des Kaisers, das ich in dem gesudeltsten Konterfei verehre, du solltest mir den Räuber treffen und daran erwürgen.' Dieser Ritter trug keine Bedenken, dem kaiserlichen Hauptmann, der ihn zur Übergabe seiner belagerten Burg aufforderte, die Ihnen allen wohlbekannte, sehr scharfe Kritik aus dem Fenster entgegenzuschleudern. (Große langanhaltende Heiterkeit). Es zeigt dies klar, daß Götz von Berlichungen und Goethe beide Empfindungen keineswegs zusammengeworfen und identifiziert haben. Man kann ein treuer Anhänger seiner Dynastie, seines Königs und Kaisers sein, ohne von der Weisheit aller Maßregeln seiner Kommissare, wie es im Götz heißt, überzeugt zu sein. Ich bin letzteres nicht und ich werde auch in Zukunft diese meine Überzeugung keineswegs zurückhalten. (Stürmischer Beifall und begeisterte Hochrufe auf den Fürsten.)"  (Anpsrache auf dem Markte zu Jena, 31. Juli 1892, in: Otto von Bismarck. Die gesammelten Werke, Bd. 13. Bearb. v. Wilhelm Schüßler, 2. Auflage, Berlin 1930, S. 471-476, Zitat S. 476).

Konsequent hielt er an der Saturiertheit seines Reiches fest, dem großspurigen Säbelrasseln erteilte er eine Absage. Denkwürdig führte er in Bezug auf die Einigungskriege aus:

"Diese Kriege waren notwendig; nachdem sie aber geführt worden sind, halte ich es nicht für nötig, daß wir weitere Kriege führen. Wir haben in ihnen nichts zu erstreben. Ich halte es für frivol und ungeschickt, wenn wir uns in weitere Kriege hineinziehen lassen, ohne durch fremde Angriffe dazu gezwungen zu werden. Dann allerdings werden wir auch so stark sein, wie Deutschland in der Mitte Europas es ist, d.h. es wird seinen Nachbarn, auch wenn sie sich verbinden, gewachsen sein. Aber nur im Defensivkrieg. Aggressive Kabinettskriege können wir nicht führen. Eine Nation, die in der Lage ist, sich zu einem Kabinettskrieg zwingen zu lassen, hat nicht die richtige Verfassung. Ein Krieg, auch ein siegreicher, hat für die Nation keine wohlthuenden Folgen. Wir haben uns, nachdem wir den nothwendigen Krieg von 1870 beendigt hatten, angelegen sein lassen, zu verhindern, daß weitere Kriege geführt wurden, um vor allem dem neuen Deutschen Reiche den Frieden zu erhalten, weil der innere Ausbau des Reiches unsere Thätigkeit voll in Anspruch nahm, ja sogar eine gewissen diktatorische Thätigkeit verlangte, die ich jedoch nicht als dauernede Institution eines großen Reiches betrachtet sehen möchte."  (Anpsrache auf dem Markte zu Jena, 31. Juli 1892, s.o., Zitat S. 473).

In Jena wird an das seinerzeitige Großereignis heute mit einem Frühschoppen im "Schwarzen Bären" erinnert, ein durchaus würdiger Rahmen, soll doch der auch in bacchischer Hinsicht sagenumwobene Fürst nach seinem 32minütigen Parforceritt durch Vergangenheit und Gegenwart drei Krüge Bier geleert haben!

Für die weitergehende Beschäftigung mit den Thema ist ein Text Gerd Fessers ("Grosse Tage haben wir erlebt..." Bismarcks Besuch in Jena im Jahr 1892, zuerst abgedruckt im Jahrbuch für den Saale-Holzland-Kreis und Jena 1996) online nachzulesen, auch ein Reprint eines zeitgenössischen Büchleins ("Fürst Bismarck in Jena: Zur Erinnerung an seinem Aufenthalt am 30. und 31. Juli 1892 im Hotel Schwarzer Bär") ist seit 2011 über den Buchhandel erhältlich.

 

Veröffentlicht in Aktuelles