Was sich nicht immer alles jährt! In diesem Jahr ist es neben dem Wittenberger Thesenanschlag Martin Luthers, dem Wartburgfest, der Oktoberrevolution und anderen mehr das Aufgehen der Herzogtümer Schleswig und Holstein als Provinzen im Königreich Preußen im Jahr 1867.

Wie es zu dieser Kriegsbeute kam, was der bisherige dänische Landesherr dazu sagte, wie sich die Landeskinder zum Obrigkeitswechsel stellten und welches Schicksal das oft unterschlagene dritte Herzogtum Lauenburg erwartete, das sind Fragen, denen eine Konferenz in Friedrichsruh nachgehen wird.Von Bismarcks Annexion bis zur Kieler Jamaika-Koalition sozusagen. Das Programm finden Sie hier.

Als Kooperationverstaltung der Abteilung Regionalgschichte der Universität Kiel und der Otto-von-Bismarck-Stiftung wird die Tagung am 1. Dezember 2017 in den Räumen der Stiftung in Friedrichsruh stattfinden. Interessenten sind herzlich eingeladen, um Anmeldung wird gebeten.

Der 3. Oktober ist zwar ein Feiertag, aber nicht für jeden.

Denn selbstverständlich sind am Tag der Deutschen Einheit in Friedrichsruh sowohl die Ausstellungsräume der Otto-von-Bismarck-Stiftung im Historischen Bahnhofsgebäude als auch das Bismarck-Museum geöffnet.

Unsere Damen an den Empfangstresen freuen sich von 10.00 bis 18.00 Uhr auf Ihren Besuch!

Neben die vielen freundlichen Wahlaufforderungen in den alten und neuen Medien möchten wir gern eine historische stellen.

Bereits 1898 wurden die wahlberechtigten Deutschen, also alle Männer über 25 Jahren, an ihr Stimmrecht bei den Reichstagswahlen erinnert. Allerdings mussten sie zur Ausübung desselben in den Wählerlisten erfasst sein, sonst ging man am Wahltag unverrichteter Dinge wieder nach Hause resp. ins Wirtshaus resp. beides in umgekehrter Reihenfolge.

Wie einfach ist es dagegen heute. Mit den postalisch zugestellten Wahlunterlagen und einem gültigen Ausweis macht man sich nach dem Sonntagsfrühstück auf den Weg in einen muffigen Klassenraum in einer nahen Schule und schon kann es losgehen. Danach geht man wie 1898 ins Wirtshaus oder nach Hause und ist wie ehedem mit dem Wahlausgang zufrieden oder nicht.

Für die Neugierigen: Bei den Wahlen zum 10. Reichstag am 16. Juni 1908 holte die SPD 27,2 Prozent der Stimmen, die Zentrumspartei 18,8, die Nationalliberalen 12,5, die Deutschkonservative Partei 11,1, die Freisinnige Volkspartei 7,2, die Regionalparteien in Summe 6,1, die Freikonservativen 4,4, die Antisemiten 3,7 und die sonstigen Parteien 9,0 Prozent.

Kenner wissen um den großen Unterschied zu heute: Nicht aus der Mitte der 397 neuen Abgeordneten wurden die Regierung und der Kanzler gewählt, sondern „Onkel Chlodwig“ (d.h. Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe Schillingsfürst) blieb mit dem Vertrauen des Kaisers noch zwei Jahre im Amt.

Über den Ausgang am 24. September 2017, wenn immerhin noch eine der genannten Parteien von 1898 ins Rennen geht, kann, soll und wird hier natürlich nicht spekuliert.

Im thüringischen Arnstadt hat der junge Johann Sebastian Bach eine erste Station seiner Karriere abgeleistet und so ist es wenig erstaunlich, dass ihm auf dem Marktplatz ein Denkmal errichtet worden ist.

Es ist eines der seltenen Beispiele, die den später zu barocker Leibesfülle gewachsenen Barockkomponisten als jungen Mann zeigen. Selbstbewusst und überlebensgroß sitzt er da und man könnte meinen, ihm gehört der Marktplatz.

Bevor er 1984 aufgestellt wurde, hatten die Arnstädter bereits eine andere Persönlichkeit geehrt, man ahnt es, wenig überraschend: Otto von Bismarck. 1909 war ein Bismarck-Brunnen eingeweiht worden, dessen aufwendige und originelle Bronze-Figuren sich von anderen Bismarck-Brunnen deutlich unterschieden.

Der Brunnen überstand die Weltkriege, aber nicht die DDR. Während die Aufbauten eingelagert wurden, verschwand in den 1950er Jahren das Brunnenbecken. Nach 1990 tauchten die Bronze-Kunstwerke wieder auf, der Brunnen ist aber bis heute nicht wieder errichtet. Ob das überhaupt geschieht, bleibt mit nüchterner wissenschaftlicher Distanz abzuwarten. Schließlich ist der Umgang mit den ehemaligen Bismarck-Orten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR höchst unterschiedlich, wie BISMARCKIERUNG dokumentiert.

Der Bildhauer des Bachdenkmals ist der Ansicht, seine Figur schließe urheberrechtlich andere Plastiken auf dem Arnstädter Markt aus. Das ist selbstbewusst gedacht: ein künstlerisches Ehrregime sticht gewissermaßen das andere.

Wie die Dinge sich also entwickeln, wird die Zeit zeigen und es wird wohl noch viel Wasser die Gera herunterfließen, bis die beiden Ikonen vielleicht einmal vereint vor dem Rathaus in Arnstadt stehen.

Wer vorher schon einen Bismarck-Ort in Arnstadt besuchen möchte, der muss nur die wenigen Schritte zum Ried gehen.

Im dortigen „Thüringer Kloß Hotel Fette Henne“ hat Bismarck mit einiger Wahrscheinlichkeit 1850 übernachtet. Daher ist er im Gegensatz zu den allermeisten Denkmälern einmal an einem authentischen Ort porträtiert. Mit einem launigen Zusatz. Der Genius Loci legt eine einfache Lösung der Lokalkontroverse nahe: Über Klößen und deftiger Sauce dürften Bach und Bismarck sich prächtig verstanden haben.

In Burg im Spreewald ist vor wenigen Tagen eine Bismarck-Büste eingeweiht worden.

Sie steht im dortigen Bismarck-Turm an der Stelle, wo sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ihre identische Vorgängerin befand.

Der in der DDR in „Turm der Jugend umbenannte Turm erhielt 1990 seinen alten Namen wieder. Und nun zum 100. Geburtstag auch die ursprüngliche Büste. Wir gratulieren zu so viel gelungenem bürgerschaftlichen Engagement!

Einen lesenswerten Artikel mit einer umfangreichen Bildergalerie gibt es bei der Lausitzer Rundschau.

Noch eine Nachricht ins Sommerloch gefällig?

Beim routinierten Bücherrücken in der ständig wachsenden Bibliothek der Otto-von-Bismarck-Stiftung im Friedrichsruher Dienstgebäude wandern derzeit Bestandsgruppen auf den Regalbrettern.

Ca. 5000 Bände umfasst die Fachbibliothek, deren Schwerpunkt auf Otto von Bismarck und seiner Zeit liegt. Historische Literatur aus dem 19. Jahrhundert bildet den Kern, dazu kommt die jeden Tag um neue Bände anwachsende Forschungsliteratur zur deutschen, europäischen und globalen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Leider muss die Themenführung „Otto von Bismarck und seine Zeit“ am 3. September 2017 um 15.00 Uhr aus Krankheitsgründen ausfallen.

Das Bismarck-Museum und die Dauerausstellung im Historischen Bahnhof, dem Sitz der Otto-von-Bismarck-Stiftung, sind natürlich von 10.00 bis 18.00 Uhr für Sie geöffnet. Ein Ausflug nach Friedrichsruh lohnt sich also trotzdem!

Zum Beispiel um unsere Sonderausstellung zur Gründung des Norddeutschen Bundes vor 150 Jahren zu besuchen.

Prunkvolle Königskrönungen, wie sie beispielsweise die britische Monarchie noch heute kennt (auch wenn dies zuletzt 1952 der Fall war), finden sich in der preußisch-deutschen Geschichte nur wenige.

Wiederholt haben wir das Thema der historischen Denkmäler behandelt.

Auch und gerade im Falle Bismarcks drängen sich die Ambivalenzen der einstigen unkritischen Verehrung auf, die so gar nicht zu unseren postheroisch-pluralistischen Bewusstseinsständen passt. Statt Abriss plädieren wir hier traditionell für ein historisches sachliches „Einhegen“.

In der heutigen Ausgabe der „ZEIT“ vertritt aus aktuellem Anlass auch Josef Joffe diese Ansicht. Ein bemerkenswerter Artikel!

Geschrieben von  Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 23. August 2017 um 12:26 Uhr

Das Sommerloch will gestopft sein, weshalb wir die Serie über „Bismarcks Sachsen“ wieder aufnehmen.

In loser Folge sind darin Bismarck-Bezüge in Sachsen oder unter den Sachsen gesammelt. Mal frappierend, mal erwartbar, in jedem Fall aber abseitig und teils skurril.

Der Anlass zu diesem Sammlungszugriff ist neben der Landsmannschaft des Verfassers dieser Einträge die ernst gemeinte Grundfrage, wie es zu der zeitgenössischen Bismarck-Verehrung in Sachsen kam, obwohl das kleine Königreich an der Elbe traditionell Probleme mit seinem nördlichen Nachbarn hatte und 1866 nur knapp der Annexion durch diesen entging.

Dennoch gab es in Dresden schon vor 1870 den ersten Bismarck-Platz. Dennoch wurden in Radebeul die Bismarck-Türme von Wilhelm Kreis ins Leben gerufen. Und dennoch wurden landauf, landab Denkmäler und Plaketten zu Ehren des Reichsgründers in die Landschaft geworfen.

Unsere Abbildung zeigt ein Beispiel aus Auerbach im Vogtland.

Welche Spuren sind heute von dieser brachialen, mitteldeutschen Integrationsrhetorik ins Kaiserreich noch vorhanden? Wie wird mit ihnen umgegangen? Wo werden sie wieder sichtbar gemacht? Und wo werden gar ganz neue erfunden?

Sie glauben, Letzteres gäbe es nicht? Die Sächsische Zeitung belehrt ihre Leser eines Besseren.