Geschrieben von Schönhausen am Freitag, den 24. April 2015 um 09:35 Uhr

Anlässlich seines 200. Geburtstages schickt die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen Bismarck in Form einer Büste auf Reisen. Innerhalb eines Jahres besucht er zahlreiche Museen Sachsen-Anhalts. Dabei trifft „Bismarck“ auf verschiedene historische Persönlichkeiten, Objekte und Sammlungen. So entstehen künstlerische, humorvolle und/oder nachdenkliche Inszenierungen.

Am Internationalen Museumstag 2015 unter dem Motto „MUSEEN. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT.“ erreicht „Bismarck“ um 15 Uhr die erste Station seiner Reise: das Kreismuseum Jerichower Land in Genthin.

Wann: 17. Mai 2015, 15 Uhr

Wo: Kreismuseum Jerichower Land, Mützelstraße 22, 39307 Genthin

Eine Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

 

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 21. April 2015 um 12:08 Uhr

Nachhaltigkeit ist ein politisches Schlagwort, das gelegentlich so sehr zur Phrase verkommt, dass man es gar nicht mehr hören kann. Ein Beispiel von Nachhaltigkeit im besten Wortsinn ist der Otto-von-Bismarck-Stiftung nun mit der Wiederververwendung eines Banners gelungen.

Angefertigt worden ist das 4 mal 8 Meter große Schwarz-Weiß-Segel für den Festakt zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks am 1. April 2015 im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Nachdem die prominenten Redner des Abends vor dem moderaten, aber doch staatstragenden Hintergrund fotografiert und gefilmt worden und schließlich von der Bühne abgetreten waren, wurde es jedoch nicht fachgerecht entsorgt, sondern fand auf bisher unergründeten Wegen nach Friedrichsruh.

Und da wird es, technisch ausgedrückt, einer fachgerechten, intensiven Nachnutzung zugeführt: Seit dem heutigen Vormittag ziert es die Fassade des Stiftungsgebäudes und ist – Achtung: Anglizismus – ein echter Eyecatcher. Nun hängt es davon ab, wie sehr Wind und Wetter an Bismarck zerren.

Wenn es gut läuft, wird Bismarck in Friedrichsruh noch einige Monate lang hochgehängt.

Geschrieben von Christian Wachter am Samstag, den 18. April 2015 um 08:32 Uhr

In unserem Artikel „Ständig etwas zu bismarckieren“ haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Medien im Jahr von Bismarcks 200. Geburtstag natürlich besonders intensiv über alles mögliche berichten, das mit dem ersten deutschen Reichskanzler zu tun hat. Die hochfrequentierten Beiträge setzen sich zu diesem besonderen Anlass (mal mehr, mal weniger) kritisch mit Bismarck auseinander. Neben Berichten, die explizit die historische Figur und ihre Rezeption in den Blick nehmen, treten solche, die öffentliche Orte mit einem Bismarck-Bezug thematisieren. In Form von Denkmälern, Straßen, aber auch „Bismarck-Apotheken“ und anderem manifestiert sich ein Stück Erinnerungskultur. Wenn in Zwickau eine „Schiller-Apotheke“ 110 Jahre alt wird, darf anscheinend im besonderen Jahr 2015 nicht der Hinweis fehlen, dass sie ursprünglich doch Bismarcks Namen trug.

Solche Orte haben in Deutschland eine gefühlte Allgegenwart – irgendetwas mit Bismarck-Bezug findet sich quasi immer in der Nähe. Deswegen ist die Sache an sich nicht neu, doch das Besondere an der aktuellen Berichterstattung ist, dass sie Initiativen erkennbar werden lässt, die der runde Geburtstag vielerorts hervorzubringen scheint. Diese dienen der Verschönerung eines Denkmals, zur Benennung einer Straße, oder beabsichtigen, den diskursiven Streit um die historische Deutung von Bismarck für die Gegenwart zu entscheiden. Letzterer Punkt äußert sich etwa in dem Sinn oder Unsinn, der der Sanierung eines Bismarckdenkmals zugeschrieben wird, oder in der erörterten Frage, wie ein solches Denkmal in dem Sanierungskonzept einer Grünanlage zu berücksichtigen ist. Als gutes Beispiel hierfür können aktuelle Bestrebungen in Hamburg genannt werden, den Alten Elbpark zu verschönern. Immerhin ist der Park Heimat des weltweit größten Bismarckdenkmals, das durch umstehende Bäume nicht aus allen Perspektiven problemlos betrachtet werden kann und dessen Eigengewicht es langsam aber sicher zur Seite neigen lässt. Hier wird munter über Gestaltungsvarianten diskutiert.
Wer weiß, wie in ein paar Jahren die Umgebung des „Roland“-Standbildes von Bismarck aussehen wird – in jedem Fall werden wir die Impressionen von der entsprechenden „Bismarckierung“ in unserer interaktiven Weltkarte anpassen.

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 08. April 2015 um 18:13 Uhr

Die Presse ist rund um Bismarcks 200. Geburtstag voll von Berichten über ihn und die Formen der Erinnerung an ihn, kritisch, abwägend, resümierend oder auch schlicht erschrocken, wie viel Raum die Medien-Konkurrenz dem längst vergangenen Reichskanzler einräumt.

Dass das in Sachsen auch so ist, kann kaum verwundern. Schließlich waren die Sachsen zur Zeit Bismarcks trotz aller Preußenskepsis bald ins Lager des Reichsgründers gewechselt und hatten nach dessen Tod das Übermaß der Verehrung geteilt und mächtig am Bismarck-Mythos mitgestrickt. Die heutigen Sachsen finden deshalb zahlreiche Ehrungen Bismarcks im öffentlichen Raum vor, mit denen irgendwie umzugehen ist. Wie das wo geschieht, ist in den letzten Tagen ein wichtiges Thema für Presse, Funk und Fernsehen gewesen.

Ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit seien nur einige wenige Berichte erwähnt, Ergänzungen sind willkommen. Natürlich auch aus dem gesamten Bundesgebiet und auch darüber hinaus, schließlich dokumentiert die Otto-von-Bismarck-Stiftung nicht nur historische Versatzstücke, sondern auch alle gegenwärtigen Bismarck-Thematisierungen und -Bezüge, mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand, versteht sich. Und bei dem momentanen Blow-Up an Bismarckiana sind wir natürlich über jede Meldung erfreut, die wir selbst nicht aus dem Netz fischen.

Aber zu den Saxonica.

Einen regen Bismarck-Turm Verein gibt es in Mitteldeutschland nicht nur in Weißenfels, sondern u.a. auch (knapp hinter der sachsen-anhaltinischen – sächsischen Grenze) in Lützschena, s. unser Bild. Dort wird mit großem Erfolg seit Jahren an der Restaurierung eines der größten Bismarck-Türme gearbeitet, verantwortlich ist ein Verein. Weiter südlich, in Chemnitz, berichtete die örtliche Tageszeitung ausführlich über den Bismarck-Mythos im Allgemeinen und die sächsischen Spezifika im Besonderen. Auch am Bismarckturm in Radebeul wurde wieder am Erhalt des nicht unkomplizierten, kaiserzeitlichen Architekturerbes gearbeitet. In Glauchau war der Turm über Stadt wieder ein Thema. Der MDR ging gemäß seines Sendeauftrags mit Bezug auf den gesamten mitteldeutschen Raum auf Bismarck und dessen 200. Geburtstag ein.

Die ebenso zahlreichen Thüringer Aktivitäten zu dokumentieren, ist Aufgabe eines weiteren Blog-Eintrags, auch hier sind Hinweise hochwillkommen!

Zugegeben: Ein Schuhwerk des ersten deutschen Reichskanzlers zum Exponat des Monats zu erheben, mag dem Leser des Blogs seltsam vorkommen, wenn nicht sogar ein irritiertes Kopfschütteln hervorrufen: „Haben Archiv, Stiftung und Museum wirklich nicht mehr zu bieten, als ein paar alte Lederstiefel?“

Geschrieben von Dr. Maik Ohnezeit am Samstag, den 28. März 2015 um 13:39 Uhr

Aus Anlass des 200. Geburtstages Otto von Bismarcks bieten die Otto-von-Bismarck-Stiftung und das Bismarck-Museum in Friedrichsruh am Mittwoch, den 1. April 2015, öffentliche Führungen durch ihre Dauerausstellungen an.

Die Führungen in der Dauerausstellung der Bismarck-Stiftung im historischen Bahnhof von Friedrichsruh (Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh) finden um 10.00, 12.00 und 14.00 Uhr statt. Die Führungen im Bismarck-Museum (Am Museum 2, 21521 Friedrichsruh) starten um 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr.

Während des jeweils rund einstündigen Rundgangs werden anschaulich ein Überblick über das Leben Otto von Bismarcks und die wichtigen Ereignisse seiner Zeit vermittelt.

Die Teilnahme an den Führungen sowie der Eintritt in die Ausstellungen sind kostenlos!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 27. März 2015 um 11:14 Uhr

Am 1. April 2015 wird an den 200. Geburtstag Otto von Bismarcks in Berlin feierlich erinnert, zunächst mit einer wissenschaftlichen Konferenz, am Abend dann mit einem Festakt, an dem Bundespräsident Gauck und Finanzminister Schäuble als Redner teilnehmen. Nach dem anschließenden Empfang heißt es für die Stiftunsgmitarbeiter einen (möglichst) kühlen Kopf zu bewahren, denn am nächsten Tag geht es früh über die Autobahn zurück zum Familientag und der eigentlichen Geburtstagsfeier in Friedrichsruh! (Wenn Schönhausen für Sie günstiger liegt, sind Sie dort natürlich mindestens so herzlich willkommen wie weiter nördlich im Sachsenwald.)

Also am 2. April auf zu Bismarck!!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 25. März 2015 um 12:50 Uhr

In den letzten Wochen nimmt die Medienaufmerksamkeit für Otto von Bismarck immer mehr zu und eine der am häufigsten an uns gestellten Fragen ist die nach der gegenwärtigen Einschätzung Bismarcks. Wieso interessiert sich überhaupt irgendjemand für einen vor 200 Jahren geborenen Monarchisten? Was sagt uns Bismarck heute noch? Können sich Politiker noch etwas von ihm abschauen? Und wenn ja, was? Wie stehen die Deutschen zu Bismarck? Wie ist mit den vielen Bismarck-Denkmälern und -Türmen umzugehen? Ist er tatsächlich vollständig historisiert? Und zwar als die tatsächliche, 1898 gestorbene Person und als der danach bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wirksame Lieblingsmythos der Deutschen, in den unterschiedlichste nationale Vorstellungen gespiegelt wurden? Die Antworten sind vielgestaltig und für die bisher erfreulich ausgewogenen Pressestimmen sind wir ausgesprochen dankbar. Dass der mythisch verehrte Bismarck eben so wie seine reale Grundlage trotz gelegentlicher unkritischer Zuschreibungen (die es ja bei anderen Figuren der Geschichte auch gibt) gründlich historisiert sind, beweisen nun zwei schelmische Zeitschriften-Cover. Der alles andere als respektvolle Spiegel unter der spitzen Feder Rudolf Augsteins ging da 1965 zu Bismarcks 150. Geburtstag noch deutlich ehrfurchtsvoller zu Werke.

Von grafischer Ehrfurcht ist jedoch weder beim Stern, noch bei Cicero viel zu spüren. Wir meinen mit den Worten eines Berliner Bürgermeisters: Und das ist gut so! Kritische Beschäftigungen mit Bismarck fördern Erkenntnisse zu Tage und tragen dazu bei, auch die letzten Reste des Mythos zu schleifen. Den allerdings muss man kennen, um die Bildsprache der Cover zu verstehen. Dass die Redaktionen diese Tatsache bei Ihren Lesern voraussetzen, beweist, dass es den Bismarck-Mythos also doch noch gibt. Aber kein Grund zur Beunruhigung: er wird jeden Tag ein Stück mehr historisiert…

Wenn Sie testen wollen, wie mythisch oder entzaubert Ihr Wissen über Bismarck ist, dann schauen Sie doch mal hier nach.