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Das besondere Exponat

Zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1885 erreichte Otto von Bismarck ein aufsehenerregendes Geschenk: Die chinesische Kaiserin Cixi ließ ihm einen mit Schnitzereien reich verzierten Elefantenzahn zukommen, der auf einer Halterung aus Ebenholz ruht. Dieses besondere Werk ist heute eines der kunsthistorisch bedeutendsten Exponate des Bismarck-Museums.

Die Vorbereitungen des Besuchs von Vize-Staatspräsident Wang Qishan im Mai 2019 haben der Otto-von-Bismarck-Stiftung die Gelegenheit geboten, genauere Erkundigungen über diesen Elefantenstoßzahn einzuholen. Auf Vermittlung des chinesischen Generalkonsulats in Hamburg erhielt sie die Kurzexpertise eines Historikers, der im Museum der Verbotenen Stadt in Beijing tätig ist.

Nach dessen Einschätzung erinnert dieses Exponat, das vollständig von Schnitzereien überzogen ist, an den Stil der traditionellen Elfenbeinschnitzerei in der südchinesischen Provinz Guangdong. Für die Gravur wurden demnach in mehreren Schichten für diesen Stil typische Techniken miteinander kombiniert, so Emailschnitzerei und die Tiefdrucktechnik Intaglio. Diese Arbeit ist nach Ansicht des Experten damit ein Ausdruck hoher Handwerkskunst: Die Schleifarbeiten sind sehr genau ausgeführt, die Figuren und dargestellten Szenen so rund und voll, dass sie Dreidimensionalität gewinnen. Diese Art der Elfenbeinschnitzereien ist insbesondere für den Guangdong-Stil der späten Qing-Dynastie (1644 bis 1911) sehr verbreitet, wobei deren typisches Aussehen in diesem Fall allerdings nicht zu finden ist. Daher ist anzunehmen, dass die Elfenbeinfigur, die Bismarck als Geschenk erhielt, eine Einzelanfertigung ist. Eine weitere Erklärung für die besondere Ausgestaltung könnte sein, dass diese Figur durch die Hände mehrerer Kunsthandwerker gegangen ist.

Die Ornamente, die aus dem Elfenbein herausgearbeitet wurden, sind sehr dicht angeordnet, so die weiteren Erläuterungen, ebenso erscheinen die Details in sich geschlossen und gut organisiert, die gesamte Komposition ist dabei sehr kunstvoll. Die Darstellungen basieren auf der populären Literatur und auf Theaterstücken: Zu erkennen sind unter anderem die chinesische Heldin Fan Lihua, die in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends lebte und für ihre militärischen Fähigkeiten berühmt war, und die Tongquetai, die zu Beginn des ersten Jahrtausends die chinesische Geschichte prägten und durch die „Chroniken der drei Reiche“ populär geworden sind. Die Kostüme und Gesten der Hauptfiguren, die in diese Elfenbeinfigur geschnitzt sind, sind zugleich deutlich als Bühnenfiguren zu erkennen, während für einige kleinere Figuren und Szenen das traditionelle Muster der Elfenbeinschnitzerei beibehalten wurde.

Der hohle Teil der Elfenbeinsäule kann dem Anschein nach zur Versiegelung verwendet werden, der Sockel aus Hartholz, auf dem die Figur ruht, spiegelt mit seinen passenden Schnitzereien diejenigen auf dem Hauptkörper wider und ist damit selbst ein seltenes Kunstwerk. Insgesamt ist diese Elfenbeinfigur, so der chinesische Experte, auf dem künstlicheren Niveau vergleichbarer Arbeiten aus der Zeit der Qing-Dynastie.

Objekt: Elfenbeinfigur

Material: Elefantenstoßzahn, Ebenholz

Maße: 1070 x 120 mm

Inventar-Nummer: A 085

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh.

Objekt: Christus-Orden, mit Brillanten

Material: Gold, Email, Steine, Textil

Maße: Kleinod (98x43x11), Schulterband (107×830)

Inventar-Nr.: O 022 (258)

Der dem reichen Inventar des Bismarck-Museums zugehörige Orden der Christusritter, lat. Ordo Supremus Militia Domini Nostri Iesu Christi, ist ein einklassiger Ritterorden des Heiligen Stuhls und der höchste päpstliche Orden für Zivil- und Militärverdienste. Papst Leo XIII. verlieh am 31. Dezember 1885 den Christus-Orden Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dem bis dato einzigen protestantischen Träger dieses Ordens.

Der Christus-Orden entstand aus dem ehemaligen portugiesischen Tempelherren-Orden. Dieser wurde nach der Verfolgung der Tempelherren-Ordensmitglieder durch König Philipp den Schönen von Frankreich von Papst Clemens V. im Jahre 1312 aufgehoben. 1317 stiftete König Dionysius von Portugal den Tempelherren-Orden als „Christus-Orden“ neu. Unter der Bedingung, dass neben dem portugiesischen König der Papst ebenfalls das Recht habe, den Orden zu verleihen[1], bestätigte Papst Johannes XXII. die Neustiftung des Ordens am 14. März 1319.[2] Die von Portugal gänzlich unabhängige Existenz des päpstlichen Zweiges begann mit der Gründung einer branca genannten und auch Nichtadelige aufnehmenden Künstlergemeinschaft unter den Päpsten Paul V. (Pontifikat 1605-1621) und Gregor XV. (Pontifikat 1621-1623).[3] Im Zuge einer am 7. Februar 1905 vollzogenen Reorganisation des gesamten päpstlichen Ordenswesens bestätigte Pius X. (Pontifikat 1903-1914) den Orden als – bereits von Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) anerkannten – höchsten päpstlichen Orden. Seitdem ist eine Verleihung für Staatsoberhäupter, hervorragende Staatsmänner und höchste päpstliche Würdenträger vorgesehen.[4] Nach einer weiteren Reform im Jahre 1966 unter Paul VI. (Pontifikat 1963-1978) wird der Orden ausschließlich an Staatsoberhäupter christlichen Glaubens während einer vom Papst persönlich beigewohnten Investitur-Zeremoniale verliehen. In dieser legt der Ordensritter das ausführliche Glaubensbekenntnis ab und verspricht, ein tugend- und beispielhaftes Leben zu führen.[5]

Der unmittelbare Anlass der Verleihung des Christus-Ordens an Bismarck war die Übertragung der Vermittlerrolle an Papst Leo XIII. im Herbst 1885 durch die deutsche Regierung, um in der Streitfrage über die Zugehörigkeit der Karolinen als größte Inselgruppe Mikronesiens zwischen Spanien und dem Deutschen Reich eine friedliche Lösung herbeizuführen. Der Reichstag hatte nämlich, trotz der seit dem 16. Jahrhundert währenden Souveränität der Spanier über diese Inselgruppe, im Jahre 1880 die Karolinen als „herrenlos“ erklärt, auch wurden die Karolinen im Rahmen eines mit dem Vereinigten Königreich geschlossenen Südseevertrages im Jahre 1885 dem deutschen Gebiet zugeordnet.[6] Im Juni desselben Jahres beschloss Bismarck, die Inseln in Besitz zu nehmen. Nachdem nach Ankunft eines deutschen Kriegsschiffes im August 1885 auf der Insel Iltis die deutsche Flagge gehisst worden war, kam es in Madrid zu Ausschreitungen gegen die deutsche Botschaft.[7] Um die Lage nicht weiter zuspitzen zu lassen, schlug Bismarck dem spanischen Botschafter am 21. September vor[8], ein Schiedsgericht des Papstes über diesen Konfliktfall entscheiden zu lassen.  Diesen bereits in der spanischen Presse kursierenden Vorschlag[9] machte sich Bismarck mit der – letztendlich fehlgeschlagenen – Hoffnung zu eigen, die Zentrumspartei, mit der Bismarck noch im „Kulturkampf“ stand, über den Weg einer Verständigung  mit dem Papst zu schwächen[10]. Nach beiderseitigem Einverständnis Deutschlands und Spaniens, den Papst als Vermittler entscheiden zu lassen, nahm Papst Leo XIII. das Gesuch in Anbetracht des traditionellen Selbstverständnisses als friedlicher und neutraler Mediator für zwischenstaatliche Streitfälle an. Der Vermittlungsvorschlag Leos XIII. beinhaltete die Anerkennung der spanischen Oberhoheit bei gleichzeitig bestehender Handlungs- und Niederlassungsfreiheit deutscher Siedler sowie die Erlaubnis der Errichtung einer deutschen Flottenstation.[11] Dies mündete in den am 17. Dezember 1885 von beiden Parteien unterzeichneten Vertrag von Rom. Am 31. Dezember 1885 verlieh der Papst dem Reichskanzler Bismarck als Dank für die Übertragung der Vermittlerrolle den höchsten päpstlichen Orden, den Christus-Orden, „in der in neuerer Zeit einmaligen Form mit Diamanten.“[12] Das auch in den deutschen Tagesblättern in lateinischer Sprache publizierte päpstliche Begleitschreiben an Bismarck, „ist“, so schreibt Baronin Spitzemberg in ihr Tagebuch, „sehr ehrend und würdig abgefaßt“[13] In jenem würdigte Leo XIII. des Reichskanzlers Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Deutschen Reich.[14]

Das Kleinod besteht aus drei Teilen: der Trophäenagraffe, der heraldischen Königskrone und dem Christuskreuz. Die mit Waffentrophäen versehene Trageagraffe erinnert mit ihren kriegerischen Emblemen an das ursprüngliche, an Militärs verliehene Ordenszeichen des portugiesischen Zweiges[15] und zeigt einen Ritter mit Gittervisier, der einen mit Federbüschen geschmückten Helm trägt.[16] Ein Brillant ziert des Ritters Halbharnisch, 17 Brillanten fügen sich in den ovalen Schild ein. Die sich unterhalb der Trophäenagraffe befindliche goldene heraldische Königskrone ist ebenfalls reich mit Brillanten besetzt. Das dunkelrot emaillierte, golden umrahmte, mit breiten Enden versehene achtspitzige Kreuz wird von der goldenen Königskrone gehalten und ist mit einem weißen lateinischen Kreuz belegt. Reichskanzler Fürst Bismarck trug den Orden an einer roten Schärpe.[17] Zum Christusorden gehört ein achtstrahliger, nicht mehr zum Museumsbestand zählender, silberner Bruststern mit einem roten Christuskreuz, umgeben von einem goldenen Kranz in der Mitte.[18]

 

 

Maximilian Schiermoch

 

 

[1] Vgl. Scharfenberg, Gerd/Thiede, Günter: Christus-Orden. In: dies.: Lexikon der Ordenskunde. Von Adlerschild bis Zitronenorden. Regenstauf 2010, S.84.

[2] Vgl. Tammann, Gustav Andreas/Hommel, Engelbert: Die Orden und Ehrenzeichen Konrad Adenauers. Bad Honnef 1999, S.97.

[3] Vgl. ebd., S.97.

[4] Vgl. Scharfenberg/Thiede, S.85.

[5] Vgl. Tammann/Hommel, S.99.

[6] Vgl. Neumann, Thomas: Dem Kaiser, was des Kaisers ist?: Papst Leo XIII. und die Lehre der potestas papae in temporalibus. Münster 2018, S.173.

[7] Ebd.

[8] Ebd..

[9] Vgl. Ruoff, Manuel: An der Schwelle zum Krieg mit Spanien, in: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/an-der-schwelle-zum-krieg-mit-spanien.html [gesehen: 06.09.2018].

[10] Vgl. Gall, Lothar: Bismarck. Der weiße Revolutionär. Frankfurt am Main 1980, S.666.

[11] Vgl. Ruoff [gesehen: 06.09.2018].

[12] Tammann/Hommel, S.99.

[13] Baronin Spitzemberg in: Arndt, Ludwig/Müller-Wusterwitz, Nikolaj: Die Orden und Ehrenzeichen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck. Offenbach 2008, S.240.

[14] Vgl. Künker, Fritz Rudolf: Allerhöchster Orden der Miliz Unseres Herrn Jesus Christus [Ordo Supremus Militia Domini Nostri Jesu Christi], in: https://www.kuenker.de/de/archiv/stueck/58351 [gesehen: 06.09.2018].

[15] Vgl. n.N.: Christusorden. In: Meyer, Joseph: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens [4.Band]. Leipzig und Wien 1908, S.122.

[16] Vgl. Arndt/Müller-Wusterwitz, S.241.

[17] Ebd.

[18] Vgl. n.N.: Christusorden, S.122.