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Mehr als 100 Jahre haben die Memoiren des weltreisenden Erfurter Bürgersohns Robert Lucius geschlummert, nun liegen sie ediert vor.

Der ungewöhnliche Lebensbogen eines katholischen Mitteldeutschen und späteren preußischen Landwirtschaftsministers umfasst Stationen als Militärarzt in spanischen Diensten und eine abenteuerliche Expeditionsteilnahme nach Japan und China.

Wie selbstverstädnlich wächst da ein junger Mediziner in die Global- und Kolonialgeschichte des 19. Jahrhunderts hinein. Und wird dann Abgeordneter und Minister und vertauscht die Weltreisen gegen ein ruhiges Leben als Berliner Büroarbeiter. Als solcher liefert Lucius nicht zuletzt Details aus den Wochen vor der Entlassung Bismarcks, die auch das Ende seiner politischen Dienstzeit bedeutete.

Die Erinnerungen können in unserem Shop bestellt oder natürlich in der Bismarck-Stiftung gekauft werden. Die Lektüre des ungewöhnlichen Lebens lohnt sich!

Dass man in globalen Zeitalter auch global in die Vergangenheit blicken kann und sollte, bestätigt eine Rezension unseres vorletzten Tagungsbandes. Vielen Dank für die Zustimmung im prinzipiellen Ansatz und die Kritik im Einzelnen!

Bernhard Schlink hat einen neuen, gewohnt geschichtsträchtigen Roman geschrieben. „Olga“ ist nach der Titelfigur benannt, deren Biographie entlang eines souveränen Durchgangs durch die deutsche Geschichte von der Bismarck-Zeit bis in die Ära Brandt erzählt wird. Was um 1880 in Breslau beginnt, endet in den Studentenunruhen der ausgehenden 1960er Jahre. Die betagte Protagonistin hat das Pech, bei der Sprengung eines Bismarck-Denkmals durch vandalierende Revoluzzer verletzt zu werden und an den Folgen zu sterben.

Ob dieser Spannungsbogen trägt und es sich lohnt, die 311 Seiten zu lesen, beurteilt die Kritik unterschiedlich. Wir meinen: Egal, die Geschmäcker sind wie immer verschieden und Schlink hat ein treues Lesepublikum, das sich von Mäkeleien der Feuilletons nicht beirren lässt. Und wenn sich genügend Käufer finden, verhandelt Schlinks Agent sicher bei den Filmrechten noch einmal nach. Spannend wird dann die szenische Umsetzung der Denkmalssprengung. Es wäre die erste seit den Nachkriegsjahren ….