Objekt: Christus-Orden, mit Brillanten

Material: Gold, Email, Steine, Textil

Maße: Kleinod (98x43x11), Schulterband (107×830)

Inventar-Nr.: O 022 (258)

Der dem reichen Inventar des Bismarck-Museums zugehörige Orden der Christusritter, lat. Ordo Supremus Militia Domini Nostri Iesu Christi, ist ein einklassiger Ritterorden des Heiligen Stuhls und der höchste päpstliche Orden für Zivil- und Militärverdienste. Papst Leo XIII. verlieh am 31. Dezember 1885 den Christus-Orden Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dem bis dato einzigen protestantischen Träger dieses Ordens.

Der Christus-Orden entstand aus dem ehemaligen portugiesischen Tempelherren-Orden. Dieser wurde nach der Verfolgung der Tempelherren-Ordensmitglieder durch König Philipp den Schönen von Frankreich von Papst Clemens V. im Jahre 1312 aufgehoben. 1317 stiftete König Dionysius von Portugal den Tempelherren-Orden als „Christus-Orden“ neu. Unter der Bedingung, dass neben dem portugiesischen König der Papst ebenfalls das Recht habe, den Orden zu verleihen[1], bestätigte Papst Johannes XXII. die Neustiftung des Ordens am 14. März 1319.[2] Die von Portugal gänzlich unabhängige Existenz des päpstlichen Zweiges begann mit der Gründung einer branca genannten und auch Nichtadelige aufnehmenden Künstlergemeinschaft unter den Päpsten Paul V. (Pontifikat 1605-1621) und Gregor XV. (Pontifikat 1621-1623).[3] Im Zuge einer am 7. Februar 1905 vollzogenen Reorganisation des gesamten päpstlichen Ordenswesens bestätigte Pius X. (Pontifikat 1903-1914) den Orden als – bereits von Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) anerkannten – höchsten päpstlichen Orden. Seitdem ist eine Verleihung für Staatsoberhäupter, hervorragende Staatsmänner und höchste päpstliche Würdenträger vorgesehen.[4] Nach einer weiteren Reform im Jahre 1966 unter Paul VI. (Pontifikat 1963-1978) wird der Orden ausschließlich an Staatsoberhäupter christlichen Glaubens während einer vom Papst persönlich beigewohnten Investitur-Zeremoniale verliehen. In dieser legt der Ordensritter das ausführliche Glaubensbekenntnis ab und verspricht, ein tugend- und beispielhaftes Leben zu führen.[5]

Der unmittelbare Anlass der Verleihung des Christus-Ordens an Bismarck war die Übertragung der Vermittlerrolle an Papst Leo XIII. im Herbst 1885 durch die deutsche Regierung, um in der Streitfrage über die Zugehörigkeit der Karolinen als größte Inselgruppe Mikronesiens zwischen Spanien und dem Deutschen Reich eine friedliche Lösung herbeizuführen. Der Reichstag hatte nämlich, trotz der seit dem 16. Jahrhundert währenden Souveränität der Spanier über diese Inselgruppe, im Jahre 1880 die Karolinen als „herrenlos“ erklärt, auch wurden die Karolinen im Rahmen eines mit dem Vereinigten Königreich geschlossenen Südseevertrages im Jahre 1885 dem deutschen Gebiet zugeordnet.[6] Im Juni desselben Jahres beschloss Bismarck, die Inseln in Besitz zu nehmen. Nachdem nach Ankunft eines deutschen Kriegsschiffes im August 1885 auf der Insel Iltis die deutsche Flagge gehisst worden war, kam es in Madrid zu Ausschreitungen gegen die deutsche Botschaft.[7] Um die Lage nicht weiter zuspitzen zu lassen, schlug Bismarck dem spanischen Botschafter am 21. September vor[8], ein Schiedsgericht des Papstes über diesen Konfliktfall entscheiden zu lassen.  Diesen bereits in der spanischen Presse kursierenden Vorschlag[9] machte sich Bismarck mit der – letztendlich fehlgeschlagenen – Hoffnung zu eigen, die Zentrumspartei, mit der Bismarck noch im „Kulturkampf“ stand, über den Weg einer Verständigung  mit dem Papst zu schwächen[10]. Nach beiderseitigem Einverständnis Deutschlands und Spaniens, den Papst als Vermittler entscheiden zu lassen, nahm Papst Leo XIII. das Gesuch in Anbetracht des traditionellen Selbstverständnisses als friedlicher und neutraler Mediator für zwischenstaatliche Streitfälle an. Der Vermittlungsvorschlag Leos XIII. beinhaltete die Anerkennung der spanischen Oberhoheit bei gleichzeitig bestehender Handlungs- und Niederlassungsfreiheit deutscher Siedler sowie die Erlaubnis der Errichtung einer deutschen Flottenstation.[11] Dies mündete in den am 17. Dezember 1885 von beiden Parteien unterzeichneten Vertrag von Rom. Am 31. Dezember 1885 verlieh der Papst dem Reichskanzler Bismarck als Dank für die Übertragung der Vermittlerrolle den höchsten päpstlichen Orden, den Christus-Orden, „in der in neuerer Zeit einmaligen Form mit Diamanten.“[12] Das auch in den deutschen Tagesblättern in lateinischer Sprache publizierte päpstliche Begleitschreiben an Bismarck, „ist“, so schreibt Baronin Spitzemberg in ihr Tagebuch, „sehr ehrend und würdig abgefaßt“[13] In jenem würdigte Leo XIII. des Reichskanzlers Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Deutschen Reich.[14]

Das Kleinod besteht aus drei Teilen: der Trophäenagraffe, der heraldischen Königskrone und dem Christuskreuz. Die mit Waffentrophäen versehene Trageagraffe erinnert mit ihren kriegerischen Emblemen an das ursprüngliche, an Militärs verliehene Ordenszeichen des portugiesischen Zweiges[15] und zeigt einen Ritter mit Gittervisier, der einen mit Federbüschen geschmückten Helm trägt.[16] Ein Brillant ziert des Ritters Halbharnisch, 17 Brillanten fügen sich in den ovalen Schild ein. Die sich unterhalb der Trophäenagraffe befindliche goldene heraldische Königskrone ist ebenfalls reich mit Brillanten besetzt. Das dunkelrot emaillierte, golden umrahmte, mit breiten Enden versehene achtspitzige Kreuz wird von der goldenen Königskrone gehalten und ist mit einem weißen lateinischen Kreuz belegt. Reichskanzler Fürst Bismarck trug den Orden an einer roten Schärpe.[17] Zum Christusorden gehört ein achtstrahliger, nicht mehr zum Museumsbestand zählender, silberner Bruststern mit einem roten Christuskreuz, umgeben von einem goldenen Kranz in der Mitte.[18]

 

 

Maximilian Schiermoch

 

 

[1] Vgl. Scharfenberg, Gerd/Thiede, Günter: Christus-Orden. In: dies.: Lexikon der Ordenskunde. Von Adlerschild bis Zitronenorden. Regenstauf 2010, S.84.

[2] Vgl. Tammann, Gustav Andreas/Hommel, Engelbert: Die Orden und Ehrenzeichen Konrad Adenauers. Bad Honnef 1999, S.97.

[3] Vgl. ebd., S.97.

[4] Vgl. Scharfenberg/Thiede, S.85.

[5] Vgl. Tammann/Hommel, S.99.

[6] Vgl. Neumann, Thomas: Dem Kaiser, was des Kaisers ist?: Papst Leo XIII. und die Lehre der potestas papae in temporalibus. Münster 2018, S.173.

[7] Ebd.

[8] Ebd..

[9] Vgl. Ruoff, Manuel: An der Schwelle zum Krieg mit Spanien, in: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/an-der-schwelle-zum-krieg-mit-spanien.html [gesehen: 06.09.2018].

[10] Vgl. Gall, Lothar: Bismarck. Der weiße Revolutionär. Frankfurt am Main 1980, S.666.

[11] Vgl. Ruoff [gesehen: 06.09.2018].

[12] Tammann/Hommel, S.99.

[13] Baronin Spitzemberg in: Arndt, Ludwig/Müller-Wusterwitz, Nikolaj: Die Orden und Ehrenzeichen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck. Offenbach 2008, S.240.

[14] Vgl. Künker, Fritz Rudolf: Allerhöchster Orden der Miliz Unseres Herrn Jesus Christus [Ordo Supremus Militia Domini Nostri Jesu Christi], in: https://www.kuenker.de/de/archiv/stueck/58351 [gesehen: 06.09.2018].

[15] Vgl. n.N.: Christusorden. In: Meyer, Joseph: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens [4.Band]. Leipzig und Wien 1908, S.122.

[16] Vgl. Arndt/Müller-Wusterwitz, S.241.

[17] Ebd.

[18] Vgl. n.N.: Christusorden, S.122.

In der beliebten Sendung „Bares für Rares“ wird so ziemlich alles verkauft, was alt und vermeintlich wertvoll ist.

In der letzten Ausgabe wechselte eine Bismarck-Büste den (historisch nicht übermäßig informierten) Besitzer.

Wer Näheres über das Objekt und den Preis wissen möchte, kann in der ZDF-Mediathek den Beitrag nachschauen.

Kleiner Tipp: Das Objekt ist seit mehr als 100 Jahren wertstabil.

Unsere Abbildung zeigt natürlich nicht Bismarck, sondern einen anderen Bartträger mit hohem Wiedererkennungswert, den Moderator der Sendung Horst Lichter. Auch ihn könnte man als Büste verewigen ….

 

Bismarck Mausoleum in Friedrichsruh

Wen es im ausgehenden November in den Sachsenwald zieht und wem die gruseligen-grauen Tage nichts anhaben können, der kann ab dem 28. November wieder das Bismarck-Mausoleum besuchen.

Eintrittskarten gibt es wie gewohnt im Bismarck-Museum.

Das zumindest beabsichtigte 1866 ein junger Mann, der ein Attentat auf Otto von Bismarck verübte.

Was seine Gründe und Ziele waren, wie der Anschlag verlief und welchen Stellenwert die Erinnerung an die Tat bei dem überlebenden Opfer hatte, das ist das Thema eines kurzweiligen NDR-Zeitreise-Beitrags vom 25. November 2018.

Viel Spaß bei Nachschauen!

Das Kulturportal der Stiftung Herzogtum Lauenburg bringt ein aktuelles Interview mit Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer und Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Lesenswert!

Ein ertragreicher Workshop der Otto-von-Bismarck-Stiftung vom September 2018 über Wilhelm I. und seine Gattin Augusta wird bei HSozuKult besprochen.

Das freut uns!

Was bei vielen den Geruch von Staub und das Gefühl von Langeweile aufkommen lässt, bedeutet für Verwaltungsbeamte, Archivare und vor allem für Historiker das höchste Lob: „intime Vertrautheit mit den Akten“!

Diese bescheinigt eine Rezension unserem wissenschaftlichen Beirat und Herausgeber der Neuen Friedrichsruher Ausgabe Konrad Canis für sein neues Buch über Österreich-Ungarn nach 1867.

Obwohl nicht unkritisch und auf Schwächen hinweisend, ist die Besprechung voller Anerkennung für die auf enormer Quellenarbeit  basierende Syntheseleistung.

Wir finden: Eine lesenswerte Rezension eines lesenswerten Buches.

Auch nach knapp einer Woche freuen wir uns sehr über ein außergewöhnliches Geschenk. Ernst von Bismarck (links), der Vorsitzende des Familienverbandes, händigte die Spende an den Vorsitzenden des Vorstands der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Dr. Rüdiger Kass, aus.

Ernst von Bismarck überbrachte die Briefe im Namen des mit ihm befreundeten großzügigen Spenders Jost Reinhold. Dieser hatte die Briefe ersteigert und nun der Bismarck-Stiftung übereignet, wo sie Archiv und Sammlung bereichern. Selbstverständlich werden die Dokumente in unsere Bismarck-Edition, die Neue Friedrichsruher Ausgabe, einbezogen.

Zunächst: Herzlichen Dank!!!!

Im Einzelnen handelt es sich im 13 Stücke. Zwölf Briefe an seinen Jugendfreund Scharlach zeigen einen Blick in die Gedankenwelt und Schreibpraxis des jungen Bismarck. Ein Geburtstagsbrief an die Kaiserwitwe aus dem Jahr 1888 offenbart den diplomatischen Routinier im Alter.

Während die Jugendbriefe am Beginn des 20. Jahrhunderts einmal in gedruckter Form in die Öffentlichkeit kamen und dann für mehr als ein Jahrhundert in wechselndem Privatbesitz verschwanden, ist der ebenfalls eigenhändige Brief an Augusta bisher unbekannt.

Allesamt also Leckerbissen für die Bismarck-Forschung! Daher nochmals: Herzlichen Dank!

Wegen Renovierungsarbeiten bleibt das Bismarck-Mausoleum bis zum 1. November 2018 geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis und empfehlen den Besuch der Dauerausstellung „Otto von Bismarck und seine Zeit“ im historischen Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh, dem Sitz der Otto-von-Bismarck-Stiftung, sowie des Bismarck-Museums.

In einem freundlichen Beitrag, weist die Magdeburger Volksstimme auf die Umgestaltung eines Ausstellungsraums des Bismarck-Museums in Schönhausen hin.

Dort wurden Leerstellen im Abschnitt zur Reichskanzlerschaft geschlossen, die nach einer Restitution entstanden waren. Zu sehen sind nun historische Fotografien, auf denen Bismarck und andere Parlamentarier abgebildet sind.

Wir finden: Ein Grund mehr, eine Reise in Altmark zu machen!