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Jan Rüger sorgte kurz vor dem Vortrag für den letzten Schliff an seinem Manuskript.

Die Helgoländer wurden nicht gefragt, damals im Jahre 1890. Und tatsächlich wollten sie auch gar nicht unbedingt deutsche Staatsbürger werden, wie Jan Rüger, Professor für Geschichte an der University of London, in seinem Vortrag am 13. Juni 2019 im Historischen Bahnhof in Friedrichsruh erzählte – genossen sie doch als Bewohner einer britischen Kronkolonie viele politische und vor allem wirtschaftliche Vorteile, waren von der Steuer befreit und erhielten finanzielle Unterstützung aus England. Aber einmal auf das Schachbrett der Weltpolitik gerückt, wurde über das Schicksal der Inselbewohner in Berlin und London entschieden.
Unter dem Titel „Bismarcks Badewanne: Helgoland, Deutschland, England im 19. Jahrhundert“ erläuterte Jan Rüger die spannende Entwicklung, die zum Tausch von Sansibar gegen Helgoland führte: Versuchte Reichskanzler Otto von Bismarck zunächst durch Taktieren den Preis, den das Deutsche Reich für die Hochseeinsel zu zahlen hätte, niedrig zu halten, ging sein Amtsnachfolger Leo von Caprivi offensiver in die Verhandlungen und akzeptierte die Forderungen Englands, das seinen Machbereich in Afrika ausweiten wollte. Jan Rüger, der zu diesem Thema das Buch „Helgoland: Deutschland, England und ein Felsen in der Nordsee“ veröffentlicht hat, zeigte dabei auf, dass es für die Entwicklung der anglo-deutschen Beziehungen zu jeder Zeit verschiedene Möglichkeiten gegeben hat. Die Helgoländer profitieren jedenfalls bis heute von dem Gebietstausch: Da Queen Victoria sich um das Wohlergehen ihrer Untertanen, die sie ziehen lassen sollte, sorgte, wurden in den Tauschvertrag einige Klauseln eingefügt – und so kann man noch heute auf der einzigen deutschen Hochseeinsel zollfrei einkaufen.

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