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Mit seinem Besuch des Bismarck-Museums in Friedrichsruh zeigte der chinesische Vize-Staatspräsident Wang Qishan Ende Mai, dass sein Land nicht allein an wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland interessiert ist. Zwar war der Blick während seines kurzen Besuchs in der Bundesrepublik vor allem auf das Ausloten der Möglichkeiten ausgerichtet, die „neue Seidenstraße“ weiter auszubauen – so hatte er zunächst den Hamburger Hafen besucht und mit führenden Vertretern der Stadt gesprochen. Aber anschließend fand Wang mit seiner Delegation, zu der drei Minister, der chinesische Botschafter in Berlin Shi Mingde und der Generalkonsul in Hamburg Du Xiaohui gehörten, auch Zeit, sich im Bismarck-Museum mit der deutschen Geschichte zu beschäftigten.

Wang Qishan (li.) zeigt sich erfreut über die Memoiren Otto von Bismarcks, die Dr. Rüdiger Kass ihm im Namen der Stiftung überreicht.

Nach einer Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Otto-von-Bismarck-Stiftung Dr. Rüdiger Kass präsentierte ihm Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Lappenküper in einer kurzen Führung vor allem jene Exponate, die für die deutsch-chinesischen Beziehungen der Bismarck-Zeit von besonderer Bedeutung sind. Dazu zählt ein einzigartiges Schmuckstück: ein mit kunstvollen Schnitzereien verzierter Elefantenzahn, den Otto von Bismarck zu seinem 70. Geburtstags von der Kaiserin Cixi erhielt. Wang Qishan, der selbst einen Universitätsabschluss in Geschichte hat, interessierte sich auch für eine Lithografie, die die Eröffnung des Reichstags 1888 durch Wilhelm II. und damit einen Moment zeigt, in dem die Hohenzollern-Monarchie der Demokratie Raum gibt.

Mit seinem Besuch in Friedrichsruh folgte Wang Qishan den Spuren eines berühmten Landsmannes: Ein Jahr nach der Niederlage Chinas im Krieg gegen Japan stattete der General und Staatsmann Li Hongzhang dem Reichskanzler außer Diensten am 25. Juni 1896 einen im Bismarck-Museum ebenfalls dokumentierten Besuch ab. Neben dem Austausch von Freundlichkeiten ging es insbesondere um die Frage, wie das geschwächte politische System Chinas bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Modernisierung bewahrt werden könne. Auch die heutige Volksrepublik sieht sich vor die Herausforderung gestellt, die Stabilität ihres Herrschaftssystems bei gleichzeitiger Modernisierung der Wirtschaft zu bewahren.

Sein Interesse für die Bismarck-Zeit teilt der chinesische Vize-Staatspräsident übrigens mit vielen Menschen aus dem Reich der Mitte: Sie stellen die größte ausländische Besuchergruppe in Friedrichsruh.

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