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Geschrieben von  Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 18. April 2017 um 09:06 Uhr

In Paris erinnert derzeit eine Ausstellung an den für Frankreich schmerzlichen deutsch-französischen Krieg von 1870/71.

Bereits einige Jahre vor dem Jubiläumszyklus hat sich das Musée de l’Armee einem Thema angenommen, das in Frankreich über viele Jahrzehnte hinweg Trauma und Mythos zugleich war.

Schließlich verlor Frankreich nicht nur einen selbstbewusst begonnenen Krieg und musste im Ergebnis die Abtrennung Elsass-Lothringens und die Zahlung von Reparationen hinnehmen. Als Kaiserreich hörte es sogar auf zu existieren, während im Herzen der eigenen Herrschaft ein neues Kaiserrich ins Leben trat. In den Ereignissen der Monate von August 1870 bis Mai 1871 bündelt sich also eine Vielzahl von Themen.

Nach ersten Kritiken ist den Ausstellungsmachern die Präsentation der komplexen Materie gelungen. Man darf gespannt sein, wie das Deutsche Historische Museum in Berlin und das Militärgeschichtliche Museum in Dresden in einigen Jahren den Krieg zwischen den „Erbfeinden“ präsentieren werden.

Zunächst kann man bis zum 30. Juli 2017 eine ohnehin immer lohnende Reise nach Paris mit dem Besuch der Ausstellung „France-Allemagne(s). La Guerre, La Commune, Les Mémoires“ verbinden.

Die Ausstellung ist dreisprachig, der dazugehörige Katalog leider nur französisch.

Unser Bild zeigt eine zerstörte französische Festung in Metz nach der Übergabe durch den General Bazaine.

 Geschrieben von  Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 13. April 2017 um 11:38 Uhr

Die kleine Stadt Dietenheim besitzt etwas ganz Besonderes, das es nur zu besonderen Zeiten zu sehen gibt.

In den drei Wochen vor Karfreitag verdeckt in der Pfarrkirche St. Martinus ein acht Meter breites und neun Meter hohes Hungertuch ganz eigener Art den Altarraum.  Es handelt sich um eines der wenigen „Heiligen Gräber“, aufwändige Gemälde, die das Leiden und Sterben Christi darstellen. In Dietenheim sind es sage und schreibe 45 Szenen und der Betrachter kann sich kaum sattsehen an dem barocken Monumentalgemälde. Seit 1727 ersetzt das riesige Bild ein schnödes Tuch.

Nach 150 Jahren Einsatz in den letzten drei Wochen der Fastenzeit musste das Heilige Grab zum ersten Mal restauriert werden. Und da ritt 1872 den mit den Arbeiten beauftragten Maler der Schalk und er gab einem Hund, der einen römischen Soldaten begleitet, ein seinerzeit sehr prominentes menschliches Antlitz.

Schauen Sie bitte hier, das Detail findet sich am rechten Bildrand als drittes Bild unten.

Im Kulturkampf wurde Bismarck also unversehens zum Attribut eines Vollstreckers der antiken Christenverfolgung – eine zuzugeben nicht ausgesprochen hintersinnige Allegorie, die auch heute bei historisch bewanderten Kirchenbesuchern noch funktionieren dürfte.

Knapp 150 Jahre post festum und in Zeiten von Aufregungen um Mohammed-Karikaturen und die Grenzen von Satire und Humor sagen wir: Chapeau! Gelungene Herrschaftskritik im Kaiserreich, die vielleicht auch im Kirchenkampf des Dritten Reiches noch funktioniert haben dürfte.

Nach Ostern wird dann im katholischen Württemberg wieder zur liturgischen Normalität zurückgekehrt und mit der Auferstehung Christi wird auch der tierische Bismarck wieder verräumt.

238 Bismarcktürme wurden zu Hochzeiten des Kults um den Reichskanzler errichtet. Einer von ihnen steht in Weißenfels. So weit, so unspektakulär.

Schaut man aber genauer hin, kann man etwas Außerordentliches entdecken, das es sonst nur (noch) an ganz wenigen Turmstandorten gibt: Ein ungewöhnlich hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement.

Denn dass der Turm und seine Außenanlagen sich heute behutsam renoviert und insgesamt sehr gediegen präsentieren, liegt am Enthusiasmus und dem Ärmelhochkrempeln von einer Schar von Weißenfelser Bürgern. Zwischen 2006 und 2015 haben sie den heruntergekommenen Turm in Schuss gebracht.

Handwerker und Planer erbrachten ihre Leistungen ohne Rechnung, zehntausende Helferstunden wurden unentgeltlich erbracht und am Ende stand ein picobello restauriertes Baudenkmal.

Als der MDR im Jahr 2015 darüber berichtete, lernten sich Weissenfelser Bismarckturm Verein und Bismarck-Stiftung kennen. Knapp zwei Jahre später war eine Gruppe aus Weißenfels zu Besuch in Friedrichsruh, von wo aus der zum Bau von Türmen führende Bismarck-Mythos einst seinen Ausgang genommen hatte.

Wir danken für den Besuch und weisen gern auf den Weissenfelser Turm und den dortigen Verein hin. Unser Tipp: Melden Sie sich an, fahren Sie nach Weißenfels und besuchen Sie ein Stück kaiserzeitlicher Geschichte und ein Stück zeitgeschichtlichen Bürgersinns!

www.bismarckturm-weissenfels.de