Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 29. Mai 2015 um 14:55 Uhr

Wie steht es um die regionalen Identitäten in der Bundesrepublik? Und sind diese noch heute geeignet, um zu landsmannschaftlich gefärbten Urteilen über Otto von Bismarck bzw. über die Historiographie über diesen zu kommen? Mit dieser ketzerischen Frage schauen wir auf einige willkürlich ausgewählte Rezensionen der letzten Wochen und beginnen mit dem einst liberalen Süden.

Mit mainfränkischem Wohlwollen bespricht Matthias Stickler (Würzburg) bei Sehepunkte den neuesten Band der Friedrichsruher Ausgabe, in dem Andrea Hopp die Bismarck-Dokumente der Jahre 1888-1890 ediert hat.

Und Dieter Langewiesche (ehemals Würzburg, seit Langem freilich Tübingen) rezensiert ebenfalls bei Sehepunkte die Bismarck-Biographie von Hans-Christof Kraus. Dessen Passauer Anbindung macht ihn zwar zum Wahlsüddeutschen, allerdings zeigt sein innerer Kompass sicher mehr als einmal am Tag in nördlichere Gefilde. Mit noch südlicherem Blick als Stickler und Langewiesche, aus dem schweizerischen Fribourg nämlich, schaut Siegfried Weichlein im Tagesspiegel auf den Band von Kraus. Alle drei finden kaum etwas grundstürzend Neues, alle drei loben die Ausgewogenheit der Neuerscheinungen. Carsten Kretschmann (Stuttgart) kommt zu ganz ähnlichen Urteilen in seiner Rezension der Bücher von Kraus, Christoph Nonn und Tilman Mayer. Sind die Süddeutschen also zahnlos geworden? Wie sieht es im katholischen Rheinland aus? Und wie in Sachsen? Oder spielen diese Verortungen keine Rolle mehr, weil die einschlägigen Rezensenten auf ihrer beruflichen Laufbahn mehr als einmal de Norden gegen den Süden getauscht haben und umgekehrt? Wir setzen die Serie fort.

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